Meine erste Crowdfunding-Kampagne: #incommunicado – das Hörbuch

Dieser Beitrag bleibt erstmal hier oben, darunter gehts mit den neueren Beiträgen weiter.

Seit ziemlich genau vier Jahren bin ich dabei, aus dem Roman #incommunicado ein Hörbuch zu machen. Ein Projekt, das ich immer wieder nebenher gemacht habe und das mir wichtig ist. Nur gibt es kaum mehr Zeit in diesem Nebenher, weshalb der Podcast quasi zum erliegen gekommen ist. Trotzdem wurden die ersten Teile mehr als 25.000 mal heruntergeladen und ich kriege immer noch Anfragen, ob und wann es weitergeht. Deshalb habe ich mich mit Michel Reimon zusammen“gesetzt“ und herausgekommen ist diese Kampagne. Zusammen mit euch wollen wir das Geld für ein Studio aufbringen, in dem wir das komplette Hörbuch professionell aufnehmen und danach schneiden und mastern lassen. Natürlich gibt’s das Hörbuch danach wieder kostenlos als Podcast unter einer CC-Lizenz (CC-BY-SA-NC 3.0).

Wenn ihr uns dabei unterstützen wollt, schaut euch die Kampagne an.  Ab heute sind wir für ein bis zwei Wochen in der Startphase, danach geht’s in die Finanzierungsphase, Anfang August haben wir unseren Studiotermin bei Rockinson.

Informiert euch, erzählt allen davon und helft mit, aus #incommunicado endlich ein komplettes Hörbuch zu machen.

Bitte. Danke. Lächeln, Fabian.

Und hier, quasi die Hörversion des Artikels.

#Incommunicado, das Hörbuch – Teil 15 – das Reboot (Zum Download rechtsklick “Ziel speichern unter…” oder einfach den Feed abonnieren. Und hier geht’s zum iTunes Podcast.)

Flattr this

Roman: Das Alphabet der letzten Dinge von James Hannah

Neuer Lesestoff: Das Alphabet der letzten Dinge von James Hannah. Schönes hochwertiges Cover. Samt Lesebändchen!

A photo posted by Fabian Neidhardt (@jahfaby) on

Der erste Satz aus „Das Alphabet der letzten Dinge„:

Ich weiß genau, was du jetzt zu mir sagen würdest.

Ivo liegt im Hospiz, mit vielleicht Mitte 40,  liegt im Sterben. Damit das Sterben nicht zu sehr die Gedanken füllt, geht Ivo das Alphabet durch und füllt es mit Erinnerungen aus seinem Leben und vor allem mit Erinnerungen an die Liebe seines Lebens, Mia. Boy lost girl. Und in den letzten Zügen seines Lebens versucht er, sein Gewissen klar zu bekommen.

http://wasuebrigbleibt.tumblr.com/post/146499332642/ich-möchte-ihr-sagen-ich-kann-dich-verstehen

Ähnlich wie beim „Wörterbuch der Liebenden“ arbeitet Ivo sich von A bis Z und erinnert sich Geschichten aus dem Leben. James Hannah erzählt auf eine direkte Weise, manchmal naiv, manchmal skurril und ziemlich oft traurig und lustig. Das erste Drittel des Romans haben eine Freundin und ich uns gegenseitig vorgelesen und wir hatten Spaß. Den hatte ich auch beim Rest.

Trotzdem hatte ich immer wieder einen schalen Geschmack beim lesen. Auf der einen Seite ist der Klappentext so plump und heischend, er verrät zu viel und zwingt den Leser, durch den Text zu eilen, um endlich das große Geheimnis zu erfahren. Das ist schade, denn der Weg dahin ist ziemlich schön, wenn man ihn genießen kann.

Auf der anderen Seite gibt es Aspekte in Ivos Leben, mit denen ich nicht klar komme. Entscheidungen, die ich als Leser einfach nicht nachvollziehen kann. So nah ich ihm in manchen Situationen bin, in anderen gar nicht bei ihm, weil ich denke, ich und zu viele andere Menschen würden nie so handeln. Aber dann, vielleicht doch. Ich weiß es nicht, aber mir hat das manchmal ein komisches Gefühl gegeben. Das Ende dagegen ist ein intensives, das mich erstmal einen Moment still sitzen hatte lassen.

Das Alphabet der letzten Dinge“ ist ein Buch mit einem tollen Cover und einer schönen Geschichte, die mir durch den Klappentext verleidet wurde und mich von Zeit zu Zeit nicht ganz überzeugen konnte. Dennoch habe ich sie gern gelesen.

Das Alphabet der letzten Dinge“ von James Hannah wurde übersetzt von Eva Bonné und erschien bei Eichborn. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Was übrig bleibt: „Leon sah, dass das Leben mal abscheulich und mal schön und manchmal beides sein konnte, aber nie…“

“Leon sah, dass das Leben mal abscheulich und mal schön und manchmal beides sein konnte, aber nie schal. Er wusste, dass jede kleinste Begebenheit wahrgenommen, empfunden, genossen werden musste, dass man entweder für oder gegen sie kämpfen musste.”

Worauf du dich verlassen kannst – Kate Tempest

Originalpost auf „was übrig bleibt“

„was übrig bleibt“ ist eine Sammlung, sind unterstrichene Sätze, gefundene Worte & liegengebliebene Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Kommentar zu „Wa(h)re Worte“ – Nina Georges Rede bei den Buchtagen 2016 in Leipzig.

Vor ein paar Tagen fanden in Leipzig die Buchtage statt, bei deren Eröffnung die Autorin Nina George eine Rede gehalten hat, die mittlerweile durch die sozialen Netzwerke zieht. Dabei geht es um den Wert von Worten, symbolisch, aber auch ganz substanziell.

Mir geht es gar nicht darum, ob ich mit Frau George einer Meinung bin. Aber den Weg, den sie mit ihren Worten wählt, um auf ihr Fazit zu kommen, sehe ich sehr problematisch. Hier ein paar Gedanken und Kommentare zu ausgewählten Zitaten. Es ist sinnvoll, zuvor die Rede komplett gelesen zu haben.

Frau George vermischt in ihrer Rede mehrere Argumentationslinien, um mit einer die andere zu untermauern.

So geht es im Mittelteil der Rede um den Verfall des Wortwerts, im jeglichen Sinn. Ich paraphrasiere: Dadurch, dass alles (wenn auch zum Teil illegal) im Internet kostenlos verfügbar ist, hat nichts mehr finanziellen Wert und wird auch nichts mehr ernst genommen. Der ideelle Wert geht genauso verloren: Was im Internet steht (und im Internet stehe alles) sei nichts mehr Wert.

Diese Aussage umrahmt sie mit dem Schicksal von Raif Badawi, welcher wegen Aussagen auf einem von ihm erstellten Onlineforum über Politik und Religion in Saudi-Arabien gefangen genommen wurde. Er wurde öffentlich ausgepeitscht und ihm könnte die Todesstrafe bevor stehen. Wegen Worten, die im Internet zu finden sind. Gerade, weil er im Internet mit seinen Worten so viel Macht hat, so viele Menschen auf demokratischer Ebene erreichen kann, ist nun sein Leben bedroht. Wie soll das ein Argument dafür sein, dass Worte im Internet nichts mehr gelten?

Ein paar Zitate:

Ein Viertel der deutschen eBookleser bedient sich aus illegalen Quellen.

Das kann sein, ich finde dafür keine Quellen. Aber der Satz hat keine Aussagekraft, denn wer sind die „deutschen eBookleser“? Wieviele sind das? Und was bedeutet „bedient sich“?

Die aktuellsten Zahlen, die ich gefunden habe, sagen, dass der Anteil der eBooks 2014 4,3% des gesamten Buchmarktes ausgemacht hat. Die GfK geht mittlerweile davon aus, dass 25% aller Deutschen eBooks lesen. Das wären, mit der Info aus dem Zitat, 5,1 Millionen Deutsche, die sich „bedienen“. Das Problem mit dem bedienen ist, dass dieses Wort nicht in verlorenen Umsatz umdefiniert werden kann. Weil, sobald es etwas kostenlos gibt, greifen wir zu und sammeln. Ob wir es später konsumieren, ist eine andere Frage. Ob wir es gekauft hätten, also auch.

Laut Traffic­analysen der Piraterie-Bekämpfer File Defense und Digimarc ist Deutschland Welt­meister im illegalen Stream und Sharing.

Sowohl File Defense, als auch Digimarc sind keine „Bekämpfer“. Es sind Firmen, deren Geschäftsmodell es ist, illegale Downloads zu verhindern. Natürlich fällt ihnen so eine Aussage leicht, sie wollen ja auch Kunden haben. Zudem umfasst „illegaler Stream und Sharing“ alles: Musik, Spiele, Apps, Filme und eben auch Bücher. Ich finde keine Zahlen, aber ich glaube nicht, dass Bücher hier einen großen Teil ausmachen.

Keine andere Nation bezahlt so ungern für Literatur im Netz wie das Land der Dichter und Denker, pardon, das Land der Daddler und Downloader.

Die Polemik mal ignoriert, woran wird das festgemacht?

Es wird so viel kopiert wie nie zuvor. So viel gratis verschleudert. Mediatheken, Online-Archive, gratis Zeitschriften­artikel, nahezu vollständige Bücher bei Google, Geschenk­downloads, Flatrate-Abos: Immer mehr Menschen nutzen immer mehr Kulturwerke online, ohne dafür zu bezahlen. Rund 330 Millionen Menschen nutzen täglich weltweit illegal distribuierte digitale Kultur for free.

Dies ist das beste Beispiel, wie unterschiedliche Tatsachen miteinander verwoben werden und sie dann gegenseitig bestärken sollen, obwohl sie das nicht tun. Ja, es wird soviel kopiert wie nie zuvor, dies ist unsere Art der Wissensübertragung. Es gibt auch viel mehr Wissen als früher.

Dann kommt die Aufzählung, was alles „gratis verschleudert wird“. Und diese ist falsch. Wir zahlen für die Mediatheken, entweder über die Werbung, die wir sehen, oder über unseren Rundfunkbeitrag. Genauso bei den Online-Archiven und bei den Flatrateabos. Besonders bei letzterem ist eben nichts gratis, ich zahle ja für die Flat. Wer hier aber wie ausbezahlt wird, ist eine andere Sache.

All diese Punkte führen zu der Aussage, „Immer mehr Menschen nutzen immer mehr Kulturwerke online, ohne dafür zu bezahlen.“ Das ist richtig. Weil es immer mehr Kulturwerke gibt, die kostenlos verfügbar sind, ganz legal. Jedes Jahr kommen neue Werke in die Gemeinfreiheit, Heerscharen von Freiwilligen kümmern sich darum, alte Bücher zu scannen und vor dem Vergessen zu bewahren. Millionen Künstler stellen ihre Kunst kostenlos ins Netz. Dies alles ist kein Argument dafür, dass wir alles illegal konsumieren. Hier werden verschiedene Tatsachen und Argumente miteinander verschoben. Der folgende Satz „Rund 330 Millionen Menschen nutzen täglich weltweit illegal distribuierte digitale Kultur for free.“ kann richtig sein, er hat aber nichts mit den Sätzen darüber zu tun.

100 Millionen Menschen hören Musik nur noch via Spotify.

Nein. 100 Millionen Menschen haben einen Account bei Spotify. Heißt nicht, dass sie nur noch dort Musik hören. Ich lehne mich soweit aus dem  Fenster, dass diese 100 Millionen wohl auch jene sind, die weniger CDs oder MP3s kaufen, aber den „Boom der Schallplatte“ produziert haben.

Kostenloser digitaler Kulturkonsum in diesem Umfang bleibt nicht ohne Folgen für die analoge Welt und ihre Strukturen, ob auf wirtschaftlicher, sozialer oder humanistischer Ebene.

Richtig, aber eben nicht in diese Richtung. Die Deutschen geben nicht nur immer mehr Geld aus, sie geben auch immer mehr Geld für Kultur und Unterhaltung aus. Die ganzen Aussagen über den Wertverfall der Kultur sind nicht haltbar. Im Gegenteil, aber dazu bei einem anderen Zitat mehr.

Nicht mehr die Leistungen der Schöpfer werden respektiert und honoriert, sondern die „Leistung“ des Werk-Vermittlers.

Ist das bei physikalischen Büchern nicht genauso? Geht nicht der größte Anteil jedes verkauften Buches an den Buchhändler? Und ist das nicht gerechtfertigt, denn sie sind die Gatekeeper.

Und unter Millionen Titeln wird das einzelne zum Pixelklecks, sogar die Zehn Gebote sind da nicht mehr als drei witzlose Tweets.

Wie in einer gut geführten Buchhandlung auch, wo ich viel zu viele Titel sehe, um mich wirklich alleine entscheiden zu können.

Autorinnen, die diese luftigen, flüchtigen Pixelkleckse erarbeiten, sind für den User bestenfalls virtuell, meist egal. So, wie uns die Kaffeebauern egal sind.

Das ist falsch. In beiden Beispielen. Ich trinke keinen Kaffee, aber bei meinem Tee achte ich genau darauf, welche Sorte ich trinke. Bei Büchern genauso. Ich will nicht irgendwas lesen. Ich suche „meine“ Autoren.

Das Kommentarkürzel TLDR, „Too long, did’t read“ ist das Symptom einer Selbst-Verdummung, alles in Häppchen am Bildschirmchen lesen und bewerten zu wollen. Mehr Wörter dürfen es für die meisten nicht sein! – und wer will für diese Handvoll Wörter schon wirklich zahlen?

Sind wir wieder im Jahr 2010? Weil wir in meiner Wahrnehmung diesen Punkt schon lange überschritten haben. Verlagshäuser probieren sich an verschiedenen Methoden der Monetarisierung, seien es freie oder erzwungende Paywalls. Lange Texte, sogenannte Longreads, gewinnen an Bedeutung, selbst Twitter denkt immer wieder über das Aufheben der 140 Zeichen-Begrenzung nach.

Hören Sie zum einen auf zu hoffen, sein [des Wortes] analoger Wert sei unfallfrei ins digitale zu übertragen. Das ist zurzeit nicht möglich.

Richtig, das ist ja auch gut so. Unsere digitalisierte Kultur eröffnet neue Wege und Möglichkeiten. Diese sind mit alten Verfahren nicht zu begehen. Das haben wir bemerkt, also arbeiten wir daran, die Vorteile für uns zu nutzen.

Ein Buch kann den Kollektivkonsens des digitalen Raums niemals befriedigen.

Es gibt keinen Kollektivkonsens. Im Gegenteil, jeder hat eine demokratisch hörbare Stimme. Jeder kann reden. Sonst würden Ihnen, Frau George, die „Trolle“ und negativen Stimmen im Gegensatz allen Ihnen entgegenschallenden positiven Stimmen gar nicht auffallen.

Sie werden die Blogbeiträge von Raif Badawi, wegen derer er verhaftet wurde, übrigens nie wieder im Internet finden. Sondern: Im Buchhandel.

Ja, weil sie im Internet gewissen Mächten zu gefährlich wurden. Sie sind nicht weg, weil sie unbedeutend und kostenlos waren. Sondern weil sie frei verfügbar so vielen zugänglich waren.

Verstehen Sie mich nicht falsch, Frau George, auch ich sehe viele Probleme und Risiken, mit denen wir umgehen müssen. Aber eine digitalisierte Kulturlandschaft ist hierbei nicht das Übel, sondern der Weg, auf dem wir laufen lernen müssen.

Nachtrag 28. Juni 2016:

Nina George schrieb mir:

(…) [Ich] würde mich freuen, wenn Sie diese Lese-Liste jenen anbieten, die noch eine dritte Stimme neben den unsrigen zum Abgleich meiner Thesen wünschen.

Dem komme ich hiermit nach. Folgend also die Links, die Nina George mir geschickt hat. Die gleiche Liste findet sich mittlerweile auch unter ihrer Rede auf der Seite des Börsenblatts.

Aber ich möchte darauf hinweisen, dass diese Links genauso kritisch und genau gelesen werden sollten, wie alles andere auch.

Nur als Beispiel, der Artikel über den Gutenberg 3.6 Piracy Report zitiert diesen Report, den man mittlerweile nicht mehr online findet, die Homepage dazu existiert nicht mehr. Ich kann die Aussagen also nicht verifizieren. Weiter sind die Autoren des Reports, Manuel Bonik und Dr. Andreas Schaale, Inhaber einer Firma, die versucht, Piraterie zu bekämpfen. Da werden sie schon einen Report gemacht haben, der zeigt, dass ihre Firma sinnvoll ist.

Nun aber ohne weitere Kommentare die Links, die Nina George mir geschickt hat. Ihr seid nicht dumm. Macht euch selbst einen Eindruck.

Themenkomplex Plattformregulierung und Intermediäre:

http://gema-politik.de/gastbeitrag-stefan-herwig/

http://gema-politik.de/europaabgeordnete-fordern-klarstellungen-bei-der-verantwortlichkeit-von-online-plattformen/

Themenkomplex Internet, Hyperkapitalismus, Ausbeutung menschlicher Leistung und digitale Entfremdungen:

http://www.zeit.de/kultur/2016-06/entschleunigung-internet-tariq-krim

http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/445722/?aid=800948

http://www.sueddeutsche.de/politik/hyperkapitalismus-und-digitalisierung-die-totalausbeutung-des-menschen-1.3035040-2

Themenkomplex Piraterie:

http://www.gvu.de/oeffentlichkeitsarbeit/publikationen

https://tarnkappe.info/gutenberg-3-6-ebook-piracy-report-erschienen/

http://creativefuture.org/new-study-the-size-and-scope-of-global-internet-piracy-is-on-the-rise-video/#

Was übrig bleibt: „Ich möchte ihr sagen: ‘Ich kann dich verstehen. Ich weiß, was du mir sagen willst. Mit dem…“

“Ich möchte ihr sagen: ‘Ich kann dich verstehen. Ich weiß, was du mir sagen willst. Mit dem blau-schwarzen Haar und den Klamotten.’
Am liebsten würde ich sagen: ‚Wollen wir Freunde sein, du und ich?’
Aber nein, das geht nicht.
So etwas kann man nicht erzwingen.”

Das Alphabet der letzten Dinge von James Hannah

Originalpost auf „was übrig bleibt“

„was übrig bleibt“ ist eine Sammlung, sind unterstrichene Sätze, gefundene Worte & liegengebliebene Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Led Zeppelin, The Walking Dead & Co. – 5 Beispiele, warum wir über das Urheberrecht reden müssen.

Erst hört es sich so einfach an: Du machst ein Buch, einen Song, einen Film, ein Bauwerk, irgendeine Art von Kunst, also gehört es dir. Du hast das Urheberrecht und keiner darf es als seines ausgeben oder verkaufen, ohne dich daran zu beteiligen. Das Recht der Kopie, das Copyright liegt bei dir.  Und dann ist es eben überhaupt nicht einfach.

Kunst entsteht nicht aus sich heraus. Kunst ist inspiriert, vom Leben, vom Ereignissen, von schon existierender Kunst. Aber wann ist etwas inspiriert, wann ist es geklaut? Was passiert, wenn der Schöpfer stirbt, wem gehört es?

Die jeweiligen, in jedem Land nochmal unterschiedliche Gesetze werden zwar immer wieder verändert, sie kommen aber mit der schnellen Entwicklung unseres Verständnisses von Kreativität und Kultur nicht hinterher. Die heute gültigen Gesetze können nicht abdecken, was an Kreativität im digitalen Umfeld produziert wird. Fast jedes GIF verletzt das Copyright.

Hier sind 5 weitere Beispiele, die zeigen, warum wir dringend über das Copyright reden müssen:

  1.  „Stairway to heaven“ von Led Zeppelin
    David Pachali von iRights.info hat mich darauf aufmerksam gemacht, also zitiere ich ihn:

    Vergangene Woche hat der Prozess im Plagiatsstreit um Led Zeppelins „Stairway to Heaven“ begonnen. Falls die Band den Streit verliert und die Schutzschwelle gesenkt werde, würden damit am Ende die drei großen Majorlabels und Musikverlage gestärkt, meint der Kommunikationswissenschaftler Aram Sinnreich. Diese hätten dann ein neues Instrument, um gegen musikalisches Schaffen außerhalb ihrer Kataloge vorzugehen.

    Wenn ihr könnt, lest euch durch den englischen Artikel, der ziemlich genau aufzeigt, wieso Led Zeppelin eigentlich nicht verlieren kann und warum Led Zeppelin auch nicht verlieren darf.

  2. „The Walking Dead“
    Ich zitiere René von Nerdcore:

    Bigtime-Bullshit-Alarm von AMC, dem Sender mit den Walking Deads und den Breaking Bads und den Preachers. Die drohen der Fan-Website The Spoiling Dead mit dem Anwalt, weil die spoilern und über zukünftige Handlungsverläufe spekulieren. Genauer: AMC schickte denen einen Cease and Desist-Letter (sowas wie eine Unterlassungsaufforderung) und droht mit Klage, falls die Website ihre Spekulationen über das Opfer von Negan und seiner stacheldrahtbehafteten Lucille-Baseballschlägerin online postet und damit Recht behält, was gegen das Urheberrecht von AMC verstoßen solle.

    AMC versucht also, das Urheberrecht als Knebel einzusetzen, damit keiner verrät, was in der Serie passieren könnte. Was, nebenbei, schon in den Comics erzählt worden ist.

  3. Film Remixes von Scorsese und Kubrik
    Leandro Copperfield hat Filme von Martin Scorsese und Stanley Kubrick zu einem Kurzfilm zusammengeschnitten. Scorsese hat das gesehen und er mags und würde gern mehr sehen.
    Channel Criswell hat einen Video Essay über Filme von Stanley Kubrick gemacht und wird dafür verklagt.
  4. Kraftwerk vs. Pelham
    17 Jahre lang haben Kraftwerk und Moses Pelham einen Rechtsstreit über 2 Sekunden aus einem Kraftwerksong geführt, die Pelham gesampelt hat. Nun hat Pelham größtenteils Recht bekommen.
  5. Madonna vs. Salsoul Orchestra
    Madonna hatte 1990 für ihren Song Vogue ein 0,23 langes Stück aus einem Song der Band Salsoul Orchestra gesampelt. Sie wurde dafür verklagt und hat diesen Rechtsstreit kürzlich gewonnen.

Alle Beispiele sind aus den letzten paar Wochen. Wir sollten darüber reden, wir sollten genug Menschen über die Probleme informieren.

Michel Reimon hat über dieses Thema einen Roman geschrieben, der quasi nebenbei das Copyright erklärt. Damit dieses Thema noch mehr Menschen erreicht, will ich daraus ein Hörbuch machen. Dafür brauche ich aber eure Hilfe.

 

 

Test: Der Braun HC5050 Haarschneider

Neue Frisur erfordert neues Equipment. Mal sehen, wie sich #Braun schlägt.

A photo posted by Fabian Neidhardt (@jahfaby) on

Nach 15 Jahren der langen Haare war irgendwann der Gedanke da, dass kurze Haare auch ganz cool wären. Und als der Gedanke sich einmal festgefressen hatte, gab es nur noch zwei Möglichkeiten. 1. Immer zu denken, ach, hätte ich es doch getan. 2. Es zu tun.

Jetzt sind die Haare kurz, 12 Millimeter. Was aber auch heißt, ich brauche einen Rasierer, um sie kurz zu halten. Also habe ich den Braun HC5050. Faktisch gibt es von Braun nur einen Haarschneider, der in drei Ausführungen mit unterschiedlicher Anzahl an Zubehör verkauft wird. Der HC5050 hat zwei Aufsätze,  aber keine Ladestation und ist damit das mittlere Gerät. Und ich dachte, hej, das ist Braun, gute deutsche Firma, das wird schon ziemlich gut sein.

Ich habe das Gerät sowohl für Bart, als auch für Haare verwendet. Der Schneider liegt gut und solide in der Hand, das Gewicht ist optimal und wertig.  Ich mag die Abwaschbarkeit und die Reduzierung auf nur zwei Aufsätze, mit denen man alle Größen einstellen kann. Auch die Schneidpower, die mit und ohne Kabel da ist, ist super. Meine sonstigen Maschinen haben irgendwann beim Schneiden der Haare an Power verloren. Diese arbeitet extrem zuverlässlich.

Aber es gibt auch einige negative Sachen und besonders die letzte Sache ist der Dealbreaker. Davor erst die anderen Sachen. Die Verpackung beinhaltet viel zu viel Plastik. Warum ist die Machine nicht einfach in einer Pappverpackung zu finden? Genauso wirkt die Tasche zur Aufbewahrung extrem billig. Wirkt nicht, wie ein Gerät von Braun wirken sollte. Durch die Möglichkeit der Längenverstellung sind die Aufsätze relativ labil und verstopfen schnell mit Haaren. Das groß beworbene Feature, dass sich das Gerät die eingestellte Länge „merkt“, ist ein Witz. Ja, es merkt sich die Länge, wenn man den Aufsatz abnimmt und säubert und wieder aufsetzt. Aber wenn man den Aufsatz wechselt, merkt es sich natürlich nichts.

Und das das Schlimmste: Die Handhabung und die Produktsprache ist ist vollkommen verfehlt. Einerseits ist das gerät nicht komplett mit Grip überzogen, das heißt, beim Benutzen liegt es nicht immer sicher in der Hand. Andererseits ist es so gestaltet, dass man einen Finger automatisch und immer auf der Längenverstellung hat und diese regelmäßig aus Versehen drückt. Warum sieht die Längenverstellung aus wie der wichtigste Knopf? Die Längenverstellung sollte irgendwo seitlich sein, damit man die einmal einstellen kann und sie dann eingestellt bleibt, bis man mit dem Schneiden fertig ist. So muss man die ganze Zeit aufpassen und nachjustieren.

Fazit und alles Unwichtige beiseite: So gut die Maschine auch schneidet, ich habe andauernd Angst, dass ich die Länge verstelle. Deshalb kann ich das Gerät nicht empfehlen. Aber ein besseres habe ich auch noch nicht gefunden.

trnd hat mir ein Gerät zum testen zur Verfügung gestellt.

 

#WarumIchLese

Sandro sammelt Geschichten von Literaturbloggern darüber, warum wir lesen. Das ist meine.

Ich kann nicht den einen Grund dafür benennen, warum ich lese. Aber ich habe die folgenden Erinnerungen im Kopf, die eine unvollständige, aber erklärende Antwort ergeben:

  1. Auf dem Weg von der Schule nach Hause kam ich, mit leichtem Umweg, an einem Zeitschriftenladen vorbei. Mittwochs erschien die Mickey Maus. Also kaufte ich mir jeden Mittwoch das Heft. Aber bis ich den Rest des Weges nach Hause zurückgelegt hatte, hatte ich das Heft auch schon durchgelesen. Mein Vater kaufte mir irgendwann eine Handvoll Lustiger Taschenbücher, die Comics aus Entenhausen, die damals monatlich erschienen. Ich erinnere mich daran, mein Vater stand auf dem Balkon im ersten Stock und sah zu mir herunter, ich stand im Garten und er fragte mich nach den Comics und ich antwortete, die Geschichten seien mir zu groß. Zu lang. Ich konnte sie nicht fassen. Zumindest für eine Zeitlang.
    Danach sammelte ich mir auf Flohmärkten die alten Ausgaben zusammen und hatte auch das Abo der LTB. Ich habe drei jüngere Geschwister, das Abo wurde von Kind zu zu Kind weitergegeben. Bis heute bekommen meine Eltern die Lustigen Taschenbücher nach Hause geschickt. Ich habe leider schon viel zu lange nicht mehr darin gelesen.
    Im Nachhinein ist mir aber aufgefallen, wie ich durch Bearbeitung bekannter Stoffe und die Verwandlung Comicgeschichten mit einer gewissen Art von Vorwissen an „echte“ Literatur herangegangen bin.
  2. Als ich 12 war, ist unser Fernseher kaputtgegangen. Wir hatten nur drei Programme, aber eines davon reichte, um mich stundenlang davor zu setzen. Dann entschieden meine Eltern aber, dass es keinen neuen Fernseher geben würde. Nach einer gefühlten Ewigkeit der Langeweile, alle Comics, die ich hatte, hatte ich durchgelesen, rang ich mich dann doch durch, ein Buch ohne bunte Bilder in die Hand zu nehmen. Vielleicht nicht das erste, aber eines der ersten war Michael Endes „Unendliche Geschichte“, in der Hardcoverversion im roten Seidenumschlag, eingeprägtem Auryn und natürlich der zweifarbigen Schrift.
    Ich habe dieses Buch überall mitgenommen und gelesen. Manchmal auch irgendwo vergessen, einmal auch auf dem Balkon im Regen. Bis heute ist das Buch gewellt. Und geliebt.
  3. Danach habe ich überall gelesen. Was ich heute mit dem Smartphone mache, habe ich früher mit Büchern gemacht, ich hatte immer eines vor der Nase. Im Zug, in den Pausen in der Schule, beim laufen. Selbst beim Fahrradfahren habe ich mir ein Buch in die Lenkertasche gestopft. Da hin, wo normalerweise die Straßenkarten kommen. Selbst, wenn ich mit Freunden unterwegs war, hatte ich ein Buch dabei. Als Kind war ich oft allein, aber niemals einsam.
  4. Wie sehr mich Bücher bannen können: Ich lag auf dem Sofa im Wohnzimmer und las „Das Jesusvideo“ von Andreas Eschbach, eine Verfolgungsszene durch die israelische Wüste und ich war dort. Ich spürte die Hitze und den Sand und den Fahrtwind. Das Adrenalin und den salzigen Geschmack auf den Lippen. Meine Eltern mussten mich mehrmals rufen, um mich aus dieser Welt zurückholen zu können.

Natürlich, je länger ich darüber nachdenke, desto mehr solcher Momente fallen mir ein. Aber dies sind die ersten. Ich bin aufgewachsen in einem Haushalt, in dem es schon immer Bücher gab. Was nicht unbedingt heißt, dass man auch viel liest. Bei mir hat es geklappt. Ich bin ziemlich froh drum. Bis heute sind Geschichten der größte Teil meines Lebens. Ich konsumiere sie, ich produziere sie, ich liebe sie.

Roman: Willkommen in Night Vale von Joseph Fink und Jeffrey Cranor

Lesestoff: Willkommen in Night Vale von Joseph Fink und Jeffrey Cranor. Urban Fantasy, baby.

A photo posted by Fabian Neidhardt (@jahfaby) on

Der erste Absatz aus Willkommen in Night Vale:

Die Geschichte von Night Vale ist lang und verschlungen, sie reicht Tausende Jahre zurück, bis zur ersten Besiedelung der Wüste.

Darum wird es im Folgenden nicht gehen.

Worum es überhaupt geht in diesem Roman, ist für ziemlich lange Zeit nicht klar. Aber auch nicht wichtig. Willkommen in Night Vale lebt von seiner Skurrilität, sowohl in den Figuren und in der Geschichte, aber auch im Schreibstil.

http://wasuebrigbleibt.tumblr.com/post/145702602327/die-ganze-welt-ist-eine-grafik-die-dir-wenn-du

Ursprung dieser Welt, die Fink und Cranor in diesem Roman beschreiben, ist ein Podcast, in zweimal im Monat die Neuigkeiten der Stadt Night Vale im Stil von Radiosendungen verteilt. Es gibt mittlerweile mehr als 80 Episoden, ein paar Sondersendungen, Live-Shows und im englischen Raum mehr als ein Buch. Heißt, wenn man, wie ich, nur dieses Buch liest, dann weiß man nicht, wie viele Insider man verpasst.

Im ersten Drittel des Buches war ich fasziniert von der Unvorhersehbarkeit, den skurrilen Figuren und dem immer wieder irritierendem Stil. Im zweiten Drittel fand ich genau diese Dinge dann anstrengend. Da fehlte mir eine Story,  die mich dazu bringt, weiterzulesen. Weil sich dann doch irgendwann alles im Kreis dreht. Das macht ne Weile Spaß, dann wird es anstrengend.  Das letzte Drittel dagegen zieht wieder an, da greift dann endlich die Story und zumindest ein paar der viel zu vielen Fäden laufen dann endlich zusammen.

Willkommen in Night Vale ist ein abgefahrenes Buch, welches sich nicht einfach einordnen lässt. Ich kann nicht sagen, für Fans von was das Buch funktioniert. Deshalb am besten die Leseprobe antesten und wem der Stil gefällt, der wird auch mit dem Rest des Buches seinen Spaß haben. Alle anderen: Sorry, nicht alle Welten öffnen sich jedem.

Willkommen in Night Vale von Jeffrey Cranor und Joseph Fink wurde übersetzt von Wieland Freund und Andrea Wandel und erschien bei der Hobbit Presse bei Klett-Cotta. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Manche der Links gehen zu Amazon, ihr seid aber mündig. Holt euch eure Bücher, wo ihr wollt.

Was übrig bleibt: „Die ganze Welt ist eine Grafik, die dir, wenn du nur genau hinschaust, die ganze Welt erklärt.“

“Die ganze Welt ist eine Grafik, die dir, wenn du nur genau hinschaust, die ganze Welt erklärt.”

Willkommen in Night Vale – Joseph Fink & Jeffrey Cranor

Originalpost auf „was übrig bleibt“

„was übrig bleibt“ ist eine Sammlung, sind unterstrichene Sätze, gefundene Worte & liegengebliebene Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

#incommunicado, Woche 1: 36% der Summe und was Michel Reimon selbst dazu sagt.

Liebe Menschen,

ganz schön krasser Scheiß. Ich habe mich im Vorhinein viel mit Crowdfunding auseinandergesetzt und ich war gewarnt, dass es viel Arbeit ist, aber dass es so viel Energie und Zeit nimmt, hätte ich nie gedacht.
Seit einer Woche aktualisiere ich laufend diese Seite und gucke, wie weit wir schon gekommen sind. Und wir sind weit gekommen, das erste Drittel ist gefundet, Knapp 550 Euro sind im Topf.
Aber noch fehlen uns fast 1000 Euro. Wenn ihr hier gelandet seid, dann wisst ihr von dem Projekt, nun geht es darum, noch mehr Leute um euch herum zu informieren.

Michel Reimon selbst hat ein Video gemacht und sagt selbst, wieso es das Hörbuch geben sollte.

Ich bin aufgeregt und gespannt und dankbar.

Bis bald, Lächeln, Fabian.

 

 

Interview: Corvin & Chris, Gründer von slow

slow ist eine Uhr und eine Lebenseinstellung. Hier ist mein Langzeitbericht. Zusätzlich habe ich die Chance bekommen, mit zwei der vier Gründer von slow, Corvin & Chris, ein Interview zu führen, Viel Spaß!

Jungs, es freut mich, dass ihr Zeit für dieses Interview gefunden habt. Ganz aktuell, wie gehts euch, wie slow seid ihr gerade?

Die Freude ist ganz auf unser Seite! So slow wie man es sich erträumt hat, sind wir wahrscheinlich noch nicht. Dafür passieren einfach zu viele unvorhergesehene Dinge und es sind noch zu viele Details zu managen. Aber wir sind auf jeden Fall viel viel slower als vor der Gründung.

Auf eurer Seite erklärt ihr, wie ihr auf die Idee für die Uhren gekommen seid. Aber eure Uhren sind jetzt keine Software, die man mal nebenher programmiert, es ist ja ein großer Schritt so eine Firma zu gründen. Selbst, wenn man in der Szene ist. Was waren die wichtigsten Momente zwischen der Idee und den ersten fertigen Uhren?

Es ist richtig, dass eine Produkt- und Markenentwicklung kein Pappenstil ist, aber unsere langjährige Erfahrung hat schon sehr geholfen, zumindest weniger Anfängerfehler zu machen. Das Ganze war wirklich ein sehr iterativer Prozess mit vielen kleinen Schritten. Da gab es eigentlich keine echten Schlüsselmomente, aber das Photoshooting in New York, bei dem wir auch zum ersten Mal die Prototypen am Arm hatten, ist uns sicherlich allen sehr in Erinnerung geblieben. Dadurch wurde die Marke einfach viel konkreter und greifbarer.

Für wen sind die Slow Watches gedacht? An wen habt ihr gedacht, als ihr sie entwickelt und so konzipiert habt, wie sie heute sind? Und die Antwort „Für Alle“ gilt nicht.

Wir haben slow tatsächlich für uns entwickelt. Alles basierte auf unseren Empfindungen und Problemen mit dem heutigen Umgang mit der Zeit. Im Laufe des Entwicklungsprozesses haben wir dann aber festgestellt, dass die Idee wirklich von jedem geteilt wird und jede seine eigenen Gedanken zum slow sein hat.

Derzeit gibt es drei Modelle eurer Slow Watches. Wird es weitere geben? Auf was können wir uns in Zukunft freuen?

Grundsätzlich wollen wir die Marke und das Produktangebot sehr fokussiert halten. Eine Sache, die uns aber noch am Herzen liegt, ist eine Automatik-Version. Und die kommt Ende Juni!

Ich hätte noch einen weiteren Vorschlag: Eine Slow-Wanduhr. Könnten die was werden?

Wanduhren gefallen uns natürlich auch; allerdings sind auch wir bestimmten kommerziellen Anforderungen unterworfen und der Markt für Einzeigeruhren ist schon klein. D.h. das Potenzial für Einzeiger-24 Stunden Wanduhren ist nochmal bedeutend kleiner und damit wohl zu klein.

Warum gibt es keine slow-App für Smartwatches? Ist die analoge Uhr Teil des Konzeptes?

Wir wollen ja, dass die Leute eine slow Uhr und keine apple watch tragen. Ausserdem wollen wir dazu anregen, sich weniger von Technologie ablenken zu lassen. Es ist nicht gerade einfach, wirklich im Moment zu leben, wenn man ständig auf Smartphone oder -watch guckt.

Ganz ehrlich, ihr kommt zum Teil aus der Uhrenbranche, ihr habt schon immer Uhren getragen. Tragt ihr jetzt nur noch die slow Watches?

Natürlich tragen wir nur noch slow. Die Zeitanzeige ist ja auch mehr als ausreichend, denn genauer als +- 1-2 Minuten muss man die Zeit wirklich nicht lesen können. Wenn doch, dann macht man schon in Ansatz was falsch. Und wenn es mal hart auf hart kommt und es doch auf die Minute ankommt, hat man ja immer auch sein Smartphone dabei.

Auf den Uhren steht zwar „swiss made“, eure Firma sitzt aber in Hamburg. Ist das Zufall oder hat Hamburg für euch und die Firma eine größere Bedeutung?

In Hamburg haben wir ein Marketingbüro, da zwei der Gründer aus Hamburg kommen. Die Produktion in der Schweiz wird von Spezialisten gemanaged und läuft reibungslos. Zudem sitzen zwei der Gründer auch in der Schweiz.

Ist slow mittlerweile euer Leben? Oder gibt es noch andere spannende Projekte, in die ihr involviert seid?

Wir machen nur slow, planen aber noch weitere Uhrenmarken. Mehr Details gibt es hierzu allerdings noch nicht.

Sowohl das Einzeigerprinzip, als auch das 24-Stunden Prinzip, sind für sich genommen alte Konzepte für Uhren. Ihr habt diese miteinander verbunden. Wenn man aber nach Einzeiger-24-Stunden-Uhren sucht, findet man neben euren Uhren auch die von Botta. Also frage ich mit schweizer Akzent: Wer hat’s erfunden?

Das Konzept stammt ja von der ursprünglichen Uhr (der Ur-Uhr). Die ersten Zeiger-Uhren (meistens Kirchturmuhren), die basierend auf der Sonnenuhr entwickelt wurden, hatten ja alle nur einen Zeiger und stellten 24 Stunden dar. Das ist ja auch viel intuitiver, als die künstliche Trennung in zweimal 12 Stunden und dann in 60 Minuten. Und 1 Zeiger ist zweifelsohne auch einfacher als 2. Deshalb kann man hier sicherlich nicht von einer Erfindung sprechen. Es geht einfach darum, wie das ursprüngliche Konzept der Zeitanzeige von Marken interpretiert wird.

Drei Sätze zu den Stichworten Nachhaltigkeit und Ökologie.

Zunächst mal ist ein zeitloses Produkt wie ein slow, die viele Jahre getragen werden kann, per se schon nachhaltiger als Mode- oder Konsumgüter.
Bei der Auswahl der Materialien und Produktionsprozesse haben wir natürlich ein verstärktes Augenmerk auf ökologische Aspekte gelegt. So nutzen wir z.B. für unsere Leder nur natürliche Färbung ohne Chemie und keine Klebstoffe.
Zudem inspirieren wir unsere Kunden, slow zu leben. Alleine das grundsätzliche Bewusstsein, seine Zeit und Umgebung wert zu schätzen, führt auch zu einem bewussteren Umgang mit der Umwelt.

Das Streben nach Entschleunigung, Minimalismus und Fokussierung ist ein Kind unserer Zeit. (Nebenbei, werdet ihr all der Wortwitze über Zeit und slow irgendwann überdrüssig?) Was ist eure Vision, wie soll die Welt in Zukunft aussehen?

Zunächst mal zum einfacheren Teil der Frage: Die slow Uhr ist ja tatsächlich langsam, da sich der Zeiger nur halb so schnell, wie bei einer normalen Uhr bewegt. Insofern haben wir mit keinerlei Wortwitzen ein Problem.
Die Frage nach der Zukunftsvision zu unser Welt ist natürlich sehr viel komplexer und nicht so einfach zu beantworten: Auf jeden Fall sollten die Menschen Zeit nicht mehr als Feind ansehen, sondern sie wieder als knappstes Gut, das wir haben, wertschätzen. Wenn die Leute nicht mehr durch Leben hetzen, sondern es tatsächlich wieder leben, wäre schon eine Menge gewonnen (und wahrscheinlich, würde das auch viele weitere Probleme der Menschheit lösen).

Der Name dieser Seite, mokita, bedeutet „Die Wahrheit, die jeder kennt, aber keiner ausspricht“. Was ist ein mokita für euch?
Dass es nur den wenigsten gelingt, im Moment zu leben und sich die meisten gedanklich stets in der Vergangenheit oder Zukunft befinden, wodurch die Zeit eigentlich keinen Wert mehr hat.

Danke für die Zeit, euch alles Gute und auf bald!

Immer wieder gerne!

Das Gespräch hat per Mail stattgefunden.

Langzeitbericht: Die slow O

Gerade angekommen: Die Slow Watch! Mehr Infos bald! #slowwatch

A photo posted by Fabian Neidhardt (@jahfaby) on

Zu der Zeit, als Smartphones noch Handys waren und nicht viel mehr konnten als Telefonie, SMS und Snake, habe ich mein Handy zum größten Teil nur in die Hand genommen, um auf die Uhr zu gucken.

Heutzutage, wenn ich auf mein Smartphone sehe, um auf die Uhr zu gucken, dann sehe ich auch sofort, ob ich von irgendwem irgendwo angeschrieben worden bin und, oh! da kam auch ne Mail. Und ist eigentlich was bei Facebook passiert? Ihr kennt das.

Ich finde das problematisch. Weil ich sonst keine Uhr trage, auch auf dem Nachttisch keine habe und dann Morgens oder Abends auf das Smartphone gucke, ich kann dann auch nicht widerstehen, zu gucken, was da gekommen ist, sobald ist sehe, dass was gekommen ist.

Deshalb habe ich mir irgendwann den Lies lieber ein Buch-Wallpaper auf das Smartphone geladen, um weniger am Telefon zu hängen. Was das Uhrzeitenproblem nicht löst. Gegen eine normale Uhr habe ich mich gewehrt. Ich dachte, sobald ich eine Uhr trage, habe ich die grauen Herren immer hinter mir stehen, dann bin ich vollkommener Sklave der Zeit.

Und dann bin ich auf die Uhren von slow gestoßen. Schaut sie euch an, verweilt einen Moment beim Zeiger. Dann seht ihr die Besonderheit.

Good times always happen now. Be slow. #enjoylife #swissmade #timetobeslow #theslowwatch

A photo posted by slow Jo (@theslowwatch) on

Zwei Konzepte, die hier vereint werden. Zum einen sind die Uhren von slow Einzeigeruhren, nur die Stunden werden angezeigt. Zum anderen werden auf dem Ziffernblatt 24 Stunden abgebildet. Pro Tag kreist der Zeiger dieser Uhr nur einmal. Deshalb wird die Zeitanzeige leichter, weil nach kurzer Eingewöhnungszeit kann man auf den ersten Blick sehr schnell die ungefähre Uhrzeit erkennen. Das Ablesen der exakten Uhrzeit wird dagegen schwerer. Genau das ist das Konzept:

Bei einer slow Uhr geht es darum, sich auf das, was wirklich wichtig ist, zu konzentrieren. (…) Das 24-Stunden-Zifferblatt gibt euch einen perfekten Überblick des gesamten Tages. Das ist grundsätzlich anders als bei normalen Uhren und gibt euch so die Chance, ein besseres Bewusstsein für eben den ganzen Tag zu schaffen. Und wie ihr diesen angeht.

slow wirbt damit, dass diese Uhr unsere Leben verändern wird. Das Konzept und das Aussehen des jüngsten Modells, der slow O, haben mich neugierig gefragt und ich habe bei slow nachgefragt, ob ich die slow O ausführlich testen dürfte. Die Jungs sagten ja und nun trage ich die slow O 10 seit einem halben Jahr am Handgelenk.

Gerade diese Ausführung mit ihrem blauem Band ist auffällig, schon bevor man das Ziffernblatt sieht. Als sie auch noch ganz frisch aus der Packung kam, sah das Band auch zu krass, zu künstlich und dadurch extrem billig aus. Mittlerweile ist die Uhr eingetragen, Glas und Gehäuse haben ein paar Kratzer abbekommen und das Band hat seinen Vintage-Look, den es haben soll. Für einen meiner Art, der sonst keine Uhren trägt, fällt das Gewicht auf, das plötzlich am Handgelenk ist. Es ist ein gutes Gewicht, ein hochwertiges Gefühl, die Uhr zu tragen.

Ich habe ein paar Wochen gebraucht um mich an das Gewicht an meinem Handgelenkt zu gewöhnen. Und daran, die Uhr auch zu nutzen. Nach Jahren der Routine, in die Tasche zu greifen, um das Smartphone herauszuholen, muss ich mich erst selbst disziplinieren, auf das Handgelenk zu sehen. Aber irgendwann habe ich meine neue Routine, jetzt fehlt mir die Uhr, wenn ich sie nicht am Handgelenk habe. Und sie macht genau, was mir versprochen wurde: Sie nimmt Geschwindigkeit heraus.

Bei jedem Betrachten der Uhr erinnert sie mich, dass es gar nicht so wichtig ist, wieviel Uhr es ist. Manchmal betrachte ich sie auch einfach, weil ich sie sehr schön finde. Und zeigt tatsächlich den ganzen Tag. Zeigt mir, wann im Tag ich stehe.

Natürlich gibt es genügend Momente, bei der ich eine exaktere Uhrzeit brauche, besonders als Pendler, der viel in der Bahn sitzt. Und wenn ich dann aufs Handy gucke, dann gucke ich immer noch, was sonst so passiert. Aber ich gucke grundsätzlich weniger aufs Handy.

Problematischer ist es, wenn ich vor dem Computer sitze. Dort ist immer die genaue Zeit eingeblendet. Dafür wünschte ich, es gäbe eine slow-Wanduhr. Ich frage die Jungs mal, ob das geplant ist. Genauso spannend wäre es, ob auch eine Automatikuhr geplant ist, was die Uhren auf ein weiteres Level heben würden.

Was sich als überraschend schwer herausgestellt hat, ist das Uhrzeit stellen.

Gerade weil die Uhrzeit so grob ist, ist das genaue Stellen sehr wichtig, weil sonst aus „etwa“ einfach „falsch“ wird. Aber nach ein paar Versuchen hat auch das geklappt.

Immer noch werde ich regelmäßig auf die Uhr angesprochen, besonders, wenn jemand auf ihr die Uhrzeit zu lesen versucht und erstmal irritiert ist. Aber sobald sie es verstehen, sind sie fasziniert. Ich bin es immer noch. Täglich erinnert mich die Uhr am Handgelenk daran, weniger auf die Zeit zu achten. Paradox, aber es funktioniert wunderbar.

Die Uhren von slow werden euer Leben nicht automatisch ändern, aber sie helfen euch dabei, es selbst in die Hand zu nehmen.

Vielen Dank an die Jungs von slow für das Bereitstellen des Testexemplars!

Straßenpoesie: Literatur unserer Generation

Jeder Buchstabe, nicht nur die meinigen, ein Schlag, jede Zeile ein heller Glockenton, eine unendliche Melodie, die zwar immer ähnlich, aber niemals gleich erscholl. Ein geschäftiges Treiben, man hörte die Spannung, die Arbeit, die Energie und in den seltenen Momenten von Ruhe, die winzigen Augenblicke, in welchen Niemand auf eine der 48 Tasten vor sich hieb, hörte man Gedanken wachsen wie das Gras. Wir arbeiteten nicht nur, wir erschufen.

Gegen Abend wurde die Melodie langsamer, manchmal sogar melancholisch. Die Menschen rieben die Fingerkuppen, streichelten die Sehnen und ließen die Knochen knacken.

Denn Literatur unserer Generation war kein federleichtes Gedicht, geschrieben auf Pergament mit dem schwungvollen Triumph einer Feder, sie war laut und dreckig, voller Schimpfwörter, sie tat weh und wir spürten sie noch nachts, wenn wir in Träumen auf unsichtbaren Tastaturen weiterhieben.

Aber wenn wir die verschwommenen Bilder der Demonstranten auf der Straße sahen, die Zeitungen verschmiert von der zu früh berührten Schwärze, wenn wir aus dem Fenster sahen, wo auf unserer Straße mehrere Banner gespannt waren, wenn wir unsere Parolen als Echo von den Häuserwänden widerhallen hörten, wussten wir, dass unsere Kunst nicht nur in unseren Köpfen war, sondern sich durch jeden Tastendruck heraus manifestiert hatte und real geworden war.

Geschrieben auf einer Hermes Baby.

Was übrig bleibt: „Nein, nein, es sind nicht Bücher, was Sie suchen, Sie finden es ebensogut in alten Schallplatten,…“

“Nein, nein, es sind nicht Bücher, was Sie suchen, Sie finden es ebensogut in alten Schallplatten, alten Filmen und in alten Freunden, Sie finden es in der Natur und in Ihrem Inneren. Bücher sind nicht die einzigen Behälter, in die wir Dinge einlagerten, die wir zu vergessen fürchteten. An sich haben sie gar nichts Überwirkliches. Ihre Zauberkraft beruht auf dem, was darin stand, in der Art, wir darin aus Fetzen des Weltalls ein Gewand für uns genäht wurde.”

Fahrenheit 451 – Ray Bradbury

Originalpost auf „was übrig bleibt“

„was übrig bleibt“ ist eine Sammlung, sind unterstrichene Sätze, gefundene Worte & liegengebliebene Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.