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Text: Die Illusion des freien Willens

Als ob wir einen freien Willen hätten! Peter weiß es besser!

Paul hätte eigentlich ein ziemlich schönes Leben haben können.
Eine ereignislose Kindheit, an die er sich kaum erinnerte. Eine Jugend, mit ein bisschen Sex, ein bisschen mehr Drugs und eine Menge von dem, was er Rock’n’Roll nannte. Dann irgendwann eine kluge Frau, die ihm auch noch äußerlich gefiel. Ein, vielleicht zwei Kinder, ein Job, der erträglich war, eine Wohnung, ein Auto und dann ein Hobby damit sein Leben auch einen Sinn hatte. Das hätte alles so schön und leicht sein können, wenn der Autor seines Lebens nicht so ein Arschloch gewesen wäre.
Eigentlich konnte er sich nicht beschweren. Alles verlief eigentlich so, wie oben beschrieben. Die kleinen Fehler und Patzer in seiner Lebensgeschichte waren eigentlich nicht so schlimm. Die Tintentropfen, die immer wieder auftauchten, Häuser, die schlecht wegradiert waren und die Wege, die da waren, weggestrichen wurden und noch mal neu erschienen. Haarfarben und Namen von Menschen, die sich im Laufe eines Gespräches plötzlich änderten.
All diese Eigenheiten hätte Peter seinem Schöpfer ohne großes Nachdenken nachgesehen. Sein Gott war durchaus in der Lage, Paul einfach so zu schreiben, dass ihm die Unstimmigkeiten gar nicht aufgefallen wären. Sein Gott hätte ihm mit wenigen Worten die Illusion eines freien Willens zuschreiben können.
Hat er aber nicht.
Paul belächelte und verachtete all die Individuen, die er immer wieder traf. Grob gesagt waren sie so glücklich, weil sie so dumm waren. Die Illusion des freien Willens fühlte sich so weit an wie das Universum, war in echt aber enger als ein Kondom.
Hätten sie wie Paul die Gabe, zu denken und zu erkennen, würden sie niemals den Scheiß mit ihrem Leben anstellen, den sie taten. Paul tat den gleichen Scheiß. Aber nicht weil er wollte, sondern weil sein Gott es so schrieb. Er konnte gar nicht anders!
Oft wünschte er sich, er wäre so dumm wie die anderen. Ohne Gedanken durch das Leben zu laufen, belämmert zu lächeln und sich am Leben erfreuen, ohne die Fesseln zu spüren. Oft wünschte er sich, er würde nichts von seinem Autor wissen. Dann schrieb er sich Wut in den Kopf und regte sich auf.

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