Text: Die Text-Bar

Ich kam in die Bar an dem Tag, an dem sie Schluss gemacht hatte. Es war der Tag nach dem Tag, an dem ich meinen Job verloren hatte.
Eine Woche, nachdem jemand die Reifen meines Autos zerstochen hatte. Entschlossen ging ich an die Bar und bestellte zwei Doppelte. Der Barkeeper stellte die beiden Gläser hin und füllte sie auf. 2 Gläser, randvoll mit Buchstaben. Ich beobachtete sie, wie sie sich langsam bewegten, Worte bildeten und wieder zu einzelnen Buchstaben wurden. Dann leerte ich beide Gläser in einem Zug und bestelle die nächste Runde.
Wort um Satz um Seite, in der Nacht soff ich ganze Aufsätze, ach was rede ich, ganze Romane, fast schon Lexikareihen von F bis Y. Ich versuchte, meine Gefühle mit Worten zu ertränken. Solange bis ich voll war. Blau. Königsblau um genau zu sein.
Dann ging ich nach Hause und kotzte mich aus. Seite um Seite schrieb ich nieder, was in mir steckte. Und irgendwann war ich leer, mein Kopf nicht mehr so schwer und lange Texte trockneten vor mir. Und ich sah, dass es gut war. Sehr gut sogar, aber extrem düster.
Warum soff ich eigentlich nie, wenn ich glücklich war?

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2 Gedanken zu „Text: Die Text-Bar“

  1. Das ist ja interessant… mir geht es ähnlich. Statt Worte trinke ich Musik und statt Texte kotze ich Gedanken, geformt in Bilder. Und wenn ich meine ich könnte fertig sein, ist mein Gemüt abgekühlt, mein Kopf frei und ich habe wieder etwas, über das ich mich freuen kann, auch wenn es vorher schien, als ob alles Hoffnungslos ist. Etwas, was ich erschaffen habe. Meist bin ich dann schon wenigstens fröhlich, eine Weile bevor ich fertig bin. Ein Suff ohne Kater, eine Methode bei der es mir besser geht, ohne andere zu verletzen. Und mit freiem Kopf haben Worte und Ereignisse eine ganz andere Bedeutung. 😉

  2. Ci-Jou Kommentare: 1. Songline
    05. Dezember 2008 um 20:56Uhr

    Das ist seltsam, nicht wahr? Ich schreibe auch am besten, wenn ich total mies drauf bin 😉
    2. Gummibroetchen
    06. Dezember 2008 um 08:59Uhr

    ich glaube, ich nicht. Mies bin ich drauf, wenn meine Umgebung mies drauf ist; darauf reagiere ich leider wie ein Seismograph. Aber mich lähmt sowas total. Die einzige Reaktion, zu der ich dann mittlerweile imstande bin, ist, mich in Schlaf zu versetzen! – Vorausgesetzt, die dicke Luft hält nicht zu lange an!
    3. Tie.He
    09. Dezember 2008 um 09:49Uhr

    Bleiben immer noch die Reihen von A-E . Dieser kleinere Teil, der nicht nur die düstere Seiten schreibt…
    In Zeiten der Schatten gelingen auch mir mehr Texte, welche so unterschiedlich wie die Schatten selbst sind.
    gruß aus dus

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