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Suchergebnisse: „Doctorow“ (Seite 1 von 2)

Roman: Walkaway von Cory Doctorow

Hubert Vernon Rudolph Clayton Irving Alva Anton Jeff Harley Timothy Curtis Cleveland Cecil Ollie Edmund EliWiley Marvin Ellis Espinoza war zu alt, um auf einer kommunistischen Party zu sein.

Der erste Satz aus Walkaway

In einer Welt, in der man fast alles mit Sonnen- und Windenergie, einem 3D-Drucker und den richtigen Plänen ausdrucken kann, sind Programme, Pläne und Lizenzen das große Geschäft. Ein paar wenige verdienen daran richtig gut, alle anderen krebsen herum.

Hubert, Seth und Natalie beschließen, diese Gesellschaft hinter sich zu lassen und wegzugehen (‚Walkaways‘). Aber die Gesellschaft findet das gar nicht so cool.

Eigentlich ist es egal, worum es geht. Seit knapp zehn Jahren inspirieren und unterhalten mich Cory Doctorow und seine Romane. Er schreibt keine literarischen Meisterwerke, aber unterhaltsame, intelligente Geschichten, die sehr nah an unserer Realität liegen und oft sowas wie Bedienungsanleitungen für unser digital geprägtes Leben sind.

Homeland geht ein paar Jahre weiter in die Zukunft, eine Weiterentwicklung der Gedanken in Little Brother und besonders in Makers.

Doctorow schreibt einfach und spaßig, sodass ich schnell durch die 700 Seiten komme. Dennoch ist der Inhalt extrem komplex und regt zum Denken an. Wie wollen wir in Zukunft leben? Welche Möglichkeiten geben uns all die Dinge, die sich immer weiter in unseren Alltag drängen? Und wie gehen wir mit ihnen um? Zwischen zwei Serien kann man dieses Buch sehr gut konsumieren, sich Gedanken machen und sich unterhalten lassen.

Eigentlich schon genug gesagt über dieses Buch. Aber Doctorow macht in diesem nebenbei eine ziemlich spannende Sache: Der Aufbruch jeglicher Heteronormativität. Junge trifft auf Mädchen trifft auf Mädchen trifft auf Hermaphrodit und wieder zurück. Dass eine der Hauptfiguren schwarz ist, wird nach Dreiviertel des Romanes im Nebensatz erwähnt. All diese Vielfalt geschieht ohne Kommentar und ist so selbstverständlich, dass es mir – in unserem Alltag und unserer aktuellen Gesellschaft – auffällt. In einer ganz skurrilen Art. Weil ich nicht will, dass diese Vielfalt, diese Pannormativität irgendetwas anderes ist, als Normalität. Wir als Gesellschaft aber noch nicht so weit sind.

Ähnliches macht Doctorow auch mit Genussmitteln. Die Protagonisten des Buches rauchen immer mal wieder Meth und ich zucke beim Lesen zurück und warte auf irgendeine Erläuterung, irgendeine Erklärung oder Warnung oder sonst was, die aber nie kommt.

Noch eine andere Sache muss ich erwähnen, weil sie mich extrem, wirklich extrem genervt hat: Die deutsche Ausgabe des Romans hat einen riesigen Patzer im Klappentext. Es gibt drei oben genannte Hauptfiguren in diesem Roman: Natalie, Seth und Hubert. Hubert hat 20 Vornamen und wird deshalb Hubert Ecetera genannt. Im englischen Klappentext steht also:

In a world wrecked by climate change, in a society owned by the ultra-rich, in a city hollowed out by industrial flight, Hubert, Etc, Seth and Natalie have nowhere else to be and nothing better to do. (…)

Auf der deutschen Ausgabe steht:

(…) Vier ungleiche Helden machen sich auf den Weg in die Wildnis. (…)

Ich habe 700 Seiten gelesen, immer irritiert und in der Erwartung, wann endlich diese vierte Person auftaucht. Nur um danach zu verstehen, dass dies schlicht falsch ist. Das hat eigentlich nichts mit dem Roman zu tun, beeinflusst das Leseerlebnis aber extrem. Auf eine Art, die nicht sein muss. 

Walkaway ist eine spannende Zukunftsvision, utopisch und dystopisch zugleich, die leicht zu lesen und schwer zu verdauen ist. Ein Buch, dass seine Sache richtig gut macht, mal vom deutschen Klappentext abgesehen.

Walkaway von Cory Doctorow wurde übersetzt von Jürgen Langowski und erschien bei Heyne. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Kurzgeschichte: Lawful Interception von Cory Doctorow. Litte Brother, Teil 3

Der erste Satz aus Lawful Interception:

If you grow up in San Francisco, you grow up with a bone-deep sense of what it means when the ground starts to move: quake.

Diese Geschichte beginnt mit einem Erdbeben und lässt Marcus das tun, was er am besten kann: Helfen. Und Marcus ist eben der Marcus Yallow von Litte Brother und Homeland. Dieser Geschichte ist quasi der dritte Teil. Doctorow bleibt seinen Themen treu, verbindet die neuen technischen Möglichkeiten mit einer Kritik an der Art, wie in den vereinigten Staaten Probleme aus staatlicher Sicht zu lösen versucht werden. Diesmal geht es dabei um die Folgen eines schweren Erdbebens, der Bereitstellung von Hilfkräften und ganz gezielt um die Eindämmung von Demonstrationen.

Die Geschichte kann man kostenlos auf TOR.com lesen, dem Verlag von Cory Doctorow. Man kann sie aber auch als eBook beispielsweise für den kindle kaufen. Gedruckte oder deutsche Fassungen sind gerade nicht in Sicht. Das Englisch ist leicht verständlich, aber mehr als 18.000 Worte am Bildschirmlesen ist nicht immer angenehm.

Lawful Interception von Cory Doctorow erschien bei tor.com

Buch: Homeland von Cory Doctorow

Der erste Satz aus Homeland:

Attending Burning Man made me simultaneously one of the most photographed people on the planet and one of the least surveilled humans in the modern world.

Wow, ich habe mich sehr gefreut, endlich den Nachfolger von Little Brother zu lesen, habe ich doch wirklich eine lange Zeit mit der Produktion des Little Brother Hörbuchs verbracht. Anfang diesen Jahres kam dann die englische Fassung heraus und wie üblich bei Cory auch die kostenlosen Downloadversionen. Die epub habe ich mir auf mein Nook gezogen und damit ein paar Nächte verbracht.

Die Story setzt ein paar Jahre nach den Ereignissen in Little Brother an. Marcus ist mittlerweile 19, immer noch mit Ange zusammen, aber ansonsten hat sich alles geändert. Seine Eltern sind beide arbeitslos und können ihm das Studium nicht bezahlen, also fliegt er. Die Empörung über die Heimatschutzbehörde hat sich gelegt, Carrie Johnstone, das Böse im ersten Teil, ist vom Erdboden verschluckt und Marcus verbringt seine Zeit mit Jobsuche, Ange und im Noisebridge Hackerspace. Normalerweise. Wenn er nicht, und hier steigt das Buch ein, auf dem Burning Man Festival ist. Die ersten drei Kapitel beschreibt Marcus das Festival und das Feeling und ich dachte die ganze Zeit, wow, da wäre ich gerne. Auf dem Festival aber trifft Marcus auf Masha und Zeb, zwei alte „Bekannte“ aus dem ersten Buch. Masha gibt Marcus einen USB-Stick mit geheimen Akten und der Bitte, diese zu veröffentlichen, wenn sie verschwindet oder verschleppt wird. Noch auf dem Festival beobachtet Marcus, wie Carry Johnstone Masha und Zeb entführt. Zurück in San Francisco macht sich Marcus zusammen mit Ange daran, die Daten zu sichten und zu veröffentlichen. Aber es gibt viele Menschen und Institutionen, die ein Problem damit haben.

Soweit zur Story, den Rest liest man am besten selbst. Ich hab das Buch sehr gerne gelesen, selbst auf Englisch kann man das gut runterlesen. Die Worte fließen, sie spielen in einer Nerd/Geek-Umgebung mit Hackerspace, Kryptografie, Burning Man, ein bisschen Liebe, ein bisschen Politik und das ganze immer viel näher an der Realitität, als mir lieb ist. Denkt mal, das Buch – es geht um gefährliche Dokumente und wie man die gefahrlos Veröffentlichen kann – kommt im Februar raus. Im Juni beginnt die Affäre mit Edward Snowden und was mit ihm wird, ist bis jetzt nicht klar. Und jetzt lese ich das Buch und denke, wow, das hat echt nicht mehr mit fernen Welten zu tun. Cory springt hier auf einen ziemlich aktuellen Zug auf, das macht die ganze Sache wirklich spannend. Auch sonst, wie gesagt, mag ich die Worte und die Art der Geschichte, aber es gibt auch ein paar Sachen, die nicht ganz ausgearbeitet sind. Achtung, Spoiler ahead.

<spoiler> Marcus trifft auf dem Burning Man ganz coole real existierende Menschen, beispielsweise Wil Wheaton und die Gründer der Electronic Frontier Foundation. Das ist ein chönes Cameo und macht Spaß, darüber zu lesen. Aber später, wenn es darum geht, die Dokumente zu veröffentlichen und Marcus dabei Hilfe braucht, dachte ich die ganze Zeit, Alter! Frag doch die Jungs! Die werden dir helfen! Aber sie werden einfach überhaupt nicht mehr erwähnt. </spoiler>

Und solche, sagen wir mal offene rote Fäden gibt es in der Geschichte mehrere. Das Ende ist beispielsweise so offen, dass ich ein paarmal geblättert habe, bis ich glauben konnte, dass das Buch wirklich so offen endet. Bei solchen Enden frage ich mich immer, wusste der Autor nicht weiter oder soll es noch einen weiteren Teil geben.

Grundsätzlich also ein gut runterlesbares Buch mit gutem Gefühl und massig Informationen über unsere Welt und besonders dieses Internet, aber zu viele offene Fragen und ein paar Logikfehler lassen am Ende ein bisschen maues Gefühl zurück. Schade.

Wie gesagt, ich habe die kostenlose Creative Commons Fassung gelesen. Die ist gefühlt 50 Seiten länger als die kommerzielle Fassung, weil andauernd Erklärungen über Creative Commons und Corys Motivation und natürlich Verweise auf die kommerzielle Fassung erfolgen. Ist nicht schlimm, man weiß ja, worauf man sich einlässt. Und man darf ja gerne das Buch kaufen. Für alle, die des englischen nicht ganz so mächtig sind, Heyne bringt am 30. September die deutsche Fassung auf den Markt. Zur Übersetzung kann ich leider nichts sagen. Jetzt habe ich hier aus einem Humble Bundle noch Pirate Cinema von Cory Doctorow legen, mal sehen, wie das wird. Davor aber gibt’s noch ein paar andere Bücher.

Achja, und: Ich weiß nicht, ob es davon ein Hörbuch geben wird. Einerseits bin ich noch viel zu beschäftigt mit #Incommunicado und komme da nicht weiter und andererseits sind die neuen Bücher von Cory Doctorow zwar unter einer Creative Commons Lizenz erschienen, aber erlauben keine Weiterverarbeitung. Ein Hörbuch wäre also ein etwas größerer Akt.

Homeland von Cory Doctorow erschien bei Tor Books. Die  deutsche Fassung namens „Little Brother – Homeland“ erscheint bei Heyne und ist übersetzt von Oliver Plaschka.

7 Tipps über das Schreiben, von Cory Doctorow. Auf Deutsch.

Ähnlich wie bei Steinbeck hingen die Tipps von Cory Doctorow eine Weile in meinem Browser und meinen Gedanken rum. Einerseits, weil sie gut sind, andererseits, weil sie den anderen ähnlich sind. Und weil sie fast unmöglich zu beherzigen sind. Diesmal ist die Übersetzung von mir. Verbesserungen sind willkommen.

  1. Schreibe jeden Tag. Gewohnheiten sind Sachen, die du umsonst bekommst und die keine spezielle Arbeit verlangen.
  2. Setze dir ein Tagesziel. Mach es klein. 75 Worte am Tag summieren sich zu einem Roman jährlich.
  3. Höre in der Mitte eines Satzes auf, sodass du am nächsten Tag drei oder vier Worte schreiben kannst, ohne „kreativ“ sein zu müssen.
  4. Gewöhne dir nicht an, nur zu schreiben, wenn gewisse Rituale befriedigt sind – die richtige Musik, ein sauberes Zimmer oder irgendwas anderes.
  5. Insbesondere: Gewöhne dir nicht an, zu schreiben, während du rauchst oder säufst. Hänge die Sache, die dir gut tut und dich vollkommen macht, nicht an etwas, das dich tötet.
  6. Schreibe, auch wenn du denkst, es ist Scheiße. Du kannst nicht beurteilen, ob es gut oder schlecht ist, solange du schreibst.
  7. Beginne niemals mit dem Korrigieren, solange du nicht mit dem Ganzen fertig bist. Sobald über das, was du schreibst, nachdenkst, verlierst du die Fähigkeit, das, was du schreibst, zu beenden.

Und für jene, welche das Original bevorzugen:

Write every day. Habits are things you get for free, without requiring any special work. Set a daily word target. Make it small. 75 words a day is a novel a year. Finish in the middle of a sentence, so you can type three or four words the next day without having to be „creative.“ Don’t get in the habit of only writing when there’s some ritual that’s been satisfied — the right music, a clean apartment, whatever.

Especially don’t get in the habit of writing while smoking or boozing. Don’t hook the thing that makes you sane and whole to something that’s killing you. Write even when you feel like it’s shit. You can’t tell what’s good and what’s bad while you’re writing it. Don’t ever rewrite until the whole thing is done. Once you start thinking about what you’re writing, you lose the ability to stop writing it.

(Gefunden bei Michael)

Von mir gesprochen gibt’s übrigens ein kostenloses Hörbuch von Cory Doctorows “Little Brother”. Zum Download geht’s hier lang.

 

Cory Doctorow im Videovortrag bei arte: „Internet and technologies, a matter of copyright?“

Little Brother Autor Cory Docotorow in einem knapp siebenminütigen Vortrag bei arte, warum es mittlerweile um mehr als nur um das Copyright geht.

Homeland. Cory Doctorows „Little Brother“ bekommt eine Fortsetzung.

Cory Doctorow hat auf seiner Homepage gerade bekannt gegeben, dass es von seinem Roman „Little Brother“ eine Fortsetzung unter dem Namen „Homeland“  geben wird.

my agent Russ Galen has sold Homeland, the sequel to my 2008 novel Little Brother, to Tor, in „a significant deal.“

Da bin ich ja sehr gespannt! Mal sehen, wann er erscheint, wie gut er ist und ob sich wieder jemand die Mühe macht, ihn zu übersetzen. (Zaunpfahl) Dann könnte man auch wieder darüber nachdenken, ihn einzusprechen.

Wer das Original nicht kennt, es gibt das kommerzielle Taschenbuch, das kostenlose PDF, übersetzt von Christian Wöhrl und meine kostenlose Hörbuchversion auf Basis von Christians Übersetzung. Und irgendwann könnte eigentlich auch der Film kommen, denn die Option ist schon seit 2009 verkauft an Don Murphy, Produzent von Transformers, Natural Born Killers und From Hell.

Cory Doctorow: Termine der Little Brother Lesetour stehen fest.

Gerade bei Cory gesehen, die Termine für die Little Brother Lesetour durch Deutschland stehen fest. Es sind 7 Termine in 10 Tagen und sie führen Cory quer durch die Republik an Baden-Württemberg vorbei!

Mal sehen, ob das mit dem Treffen klappt bei diesem Terminplan.

Hörbuch: Little Brother von Cory Doctorow, gelesen von Oliver Rohrbeck

Die kommerzielle Version von Little Brother

Die kommerzielle Version von "Little Brother"

Ab 12. Mai ist die kommerzielle Version von „Little Brother“ im Handel erhältlich, ein paar Exemplare liegen schon beim Argon Verlag und ich habe auch schon ein Exemplar bekommen, um mal aus meiner Sicht darüber zu erzählen.

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Was übrig bleibt: „Bei den meisten Menschen, die hoffen, wird die Hoffnung zerschmettert. Das ist realistisch. Aber…“

“Bei den meisten Menschen, die hoffen, wird die Hoffnung zerschmettert. Das ist realistisch. Aber jeder, dessen Hoffnung nicht zerschmettert wurde, begann als jemand, der Hoffnung hatte. Die Hoffnung ist der Eintrittspreis. Es ist und bleibt eine Lotterie mit beschissenen Gewinnaussichten, aber wenigstens ist es unsere eigene Lotterie.”

Walkaway – Cory Doctorow
Originalpost auf „was übrig bleibt“, eine Sammlung unterstrichener Sätze, gefundener Worte & liegengebliebener Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Buch: The Art Of Asking von Amanda Palmer

Der erste Satz aus The Art Of Asking:

‚Hat jemand ein Tampon? Ich hab‘ gerade meine Tage bekommen‘, sage ich laut zu niemand Bestimmtem auf der Frauentoilette eines Restaurants in San Francisco oder in der geteilten Toilette auf einem Prager Musikfestival oder zu dem nichtsahnenden Grüppchen in einer Küche auf einer Party in Sydney, München oder Cincinnati.

2013 gibt Musikerin und Künstlerin Amanda Palmer einen TED-Talk über die Kunst des Fragens und erzählt in knapp 14 Minuten von ihrer Erfahrung, was passiert, wenn man Fans und Menschen generell nicht zwingt, für Kunst zu zahlen, sondern sie darum bittet und selbst entscheiden lässt.

Auf die überwältigende Resonanz folgt dieses Buch, das einerseits die Themen des Talks weiter ausführt, autobiografisch erklärt, wieso Amanda Palmer ist, wie sie ist und wie ihre Einstellung zu Kunst und Menschen zustande kommt.

Ich kenne Amanda Palmer vor dem TED Talk nicht, kenne die Musik nicht. Aber vieles im Talk spricht mir zu, also konsumiere ich sie und ihre Kunst und eben dieses Buch.

Sie schreibt lustig und flott, ehrlich und auch naiv. Sie erzählt ihre Geschichten und verbindet ihre Ansichten damit, die meinen sehr ähnlich sind. Auch ich glaube, dass mit ‚Zahl, was du willst‘ und frei verfügbarer Kunst viel zu erreichen ist, und dass Kunst inspiriert und weiterverarbeitet werden kann und sollte.

Und sie ist ein eine weitere Verbindung zwischen verschiedenen Personen und Ansichten, die mir wichtig sind. Sie ist die Ehefrau von Autor Neil Gaiman, er ist signifikanter Teil der Anekdoten und auch seine Art, Geschichten zu erzählen, wird in diesem Buch erklärt. Zusammen haben beide das Vorwort für ein Sachbuch von Cory Doctorow geschrieben, der aus einem ähnlichen Antrieb heraus den Großteil seiner Bücher als kostenlosen Download auf seiner Homepage hat.

So setzt Amanda Palmer mit diesem Buch mehrere Verbindungen und Puzzleteile in ein immer größeres Bild, schafft mir neue Ansichten, stärkt schon existierende und motiviert immer wieder, neue Dinge auszuprobieren und Konventionen zu hinterfragen.

The Art Of Asking von Amanda Palmer wurde übersetzt von Viola Krauß und erschien bei Eichborn

 

Die Little Brother Leserunde

Ich habe das Little Brother Hörbuch vor rund 8 Jahren gemacht, weil ich 1. den Inhalt gut und wichtig fand und 2. weil es ging. Weil ich durch die Creative Commons Lizenz die Möglichkeit hatte.

Umso schöner, dass das Buch und sein Inhalt immer noch relevant ist. Vor kurzem hatte der Verein No Spy einen literarischen Realitätsabgleich damit gemacht, jetzt machen Elli, Maike und Lena eine Blogtour, lesen sich mit euch durch das Buch und stellen die bis heute relevanten Fragen. Ich freue mich und wünsche viel Spaß beim lesen.

Das AfD-Wählsorgetelefon: 07032 2899226

Vor ein paar Jahren noch habe ich gesagt, dass ich unglaublich unpolitisch bin. Wenn von einer politikverdrossenen Jugend geredet wurde, fühlte ich mich immer angesprochen. Geändert hat sich das mit Cory Doctorows „Little Brother„, Creative Commons-Lizenzen und meiner Beschäftigung mit dem Urheberrecht. Dann kam die Piratenpartei und hier in Stuttgart das Ding mit dem Bahnhof und irgendwie wurde Politik greifbar. Und in gewisser Weise interessant.

Was aber jetzt gerade nicht nur in Deutschland passiert, zwingt Herz und Kopf, politisch zu werden. Hier also mein Beitrag.

Ihr kennt jemanden, der die #AfD wählen will? Gebt ihnen die Nummer des Wählsorgetelefons: 07032 2899226 (Normale Festnetzkosten)

Der Text, der dann kommt, ist dieser:

Hallo beim Wählsorgetelefon! Schön, dass Sie angerufen haben. Sie fragen sich, ob Sie die AfD wählen sollten?
Die meisten Menschen wollen die AfD wählen, weil sie ein Problem mit der Flüchtlingspolitik der aktuellen Regierung haben. Die AfD will die deutschen Grenzen für Flüchtlinge schließen. Die AfD will aber noch mehr, unter anderem:
– Will sie die Abtreibungsgesetze verschärfen, denn wünschenswert sei eine deutsche Familie mit drei Kindern.
– Sie will Frauen auf ihre Rolle als Mutter reduzieren und Frauenquoten und Gleichstellungsbeauftragte abschaffen.
– Sie will Kunst und Kultur einschränken und
– Sie will die Energiewende aufhalten und stattdessen Kohlenraft und Atomenergie fördern.

Bitte entscheiden Sie nicht nur anhand der Flüchtlingsfrage, welche Partei Sie wählen. Glauben Sie mir, jede Partei versucht, die aktuelle Flüchtlingsproblematik in den Griff zu bekommen. Aber Sie werden darüber hinaus auch eine Partei finden, die Ihnen auch in anderen Punkten gefällt.

Gehen Sie wählen. Aber bitte wählen Sie nicht die AfD. Informieren Sie sich beispielsweise über den Wahl O Mat, was die AfD sonst noch will und was andere Parteien sagen.

Vielen Dank und einen schönen Tag noch.

Von der Ansprechhaltung habe ich mich von Sascha Lobo inspirieren lassen, die Infos kommen von Campact. Wahrscheinlich erreicht es eh nicht die richtigen Menschen. Aber ich wollte es zumindest nochmal auf diesem Weg probiert haben.

Ich bin gespannt auf Sonntag. Lächeln, Fabian.

Antworten auf die #blogfragen für Buchblogger

Stefan Mesch hat auch mal in Hildesheim studiert, ist Literaturkritiker, Schriftsteller, Übersetzer und Freund von Freunden. Und er erstellt gerne Fragebögen, wie diese #blogfragen für Buchblogger. Hier meine spontanen Antworten:

01 Das Lieblingsbuch meiner Mutter: Ich muss passen. Sie liest viel und gerne. Wie mein Vater auch. Sie liest gerne Biografien und Lebensgeschichten von Menschen. Aber ihr Lieblingsbuch? Ich weiß es nicht.

02 Das Lieblingsbuch meines Vaters: Und gleich nochmal. Ich weiß es nicht. Er liest gerne russische Literatur. Und viel Hermann Hesse. Aber sein absolutes Lieblingsbuch? Keine Ahnung.

03 Ich führe einen typischen Buchblog, weil… Tue ich das? Was ist denn ein typischer Buchblog? Ich würde sagen, das typisch buchbloggige ist, dass es um Bücher geht, die ich gelesen habe. Manchmal.

04 Ich bin anders als die Blogs, die ich gern lese, weil… Bin ich? Vielleicht insofern, dass ich extrem unfokussiert bin. Ich schreibe, was mich im Moment umtreibt. Oft natürlich das Sprechen und das Schreiben, aber auch sonst alles Mögliche. Die meisten Blogs, die ich lese, handeln oft von einem Thema.

05 Am Bloggen überrascht mich / beim Bloggen habe ich gelernt, dass… es mittlerweile Teil meines Alltags ist. Immer wieder lehren mich der Blog, das Internet und die direkten und indirekten Folgen für mich, dass selbst meine kleine Spielwiese hier die Leben anderer Menschen beeinflussen kann. Wenn ich sie dabei ein bisschen erfreuen, bereichern oder unterhalten kann, kann ich Gutes tun. Schön, nicht?

06 Helfen Amazon-Rezensionen? Wobei? Wie? Phew. Schwer. Wem helfen sie? Manchmal mir, um zu sehen, dass ich mit manchen Meinungen nicht allein dastehe.

07 Hilft Literaturkritik in Zeitungen und Magazinen? Wobei? Wie? Um Literatur noch einen gewissen Platz in der Welt außerhalb unserer digitalen Blase der Buchblogger zu geben? Eine Platz neben all den anderen Unterhaltungsmedien?

08 Helfen Blogs? Wobei? Wie? Wem? Allen? Um mehr Meinungen zu streuen? Vielleicht auch als Korrektiv der vierten Gewalt?

09 Wahr oder falsch: “Ich blogge vor allem, weil ich mich über Bücher austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte.” Falsch. Vor allem ist das hier meine Spielwiese. Bücher sind nur ein Teil davon.

10 Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Lesen und Bewerten: Puh. Ich lese, konsumiere im Allgemeinen, um unterhalten zu werden oder zu lernen. Die besten Bücher sind die, die beides schaffen. Also ein vollkommen subjektives Lesen und Bewerten.

11 Wer liest mich? Habe ich eine Zielgruppe? Keine Ahnung. Menschen per se. Meist denke ich, die Leute, die ich anziele sind etwa so alt und haben eine ähnliche Meinung, wie ich. Aber immer wieder werde ich darin eines besseren belehrt, beispielweise, wenn ich Mails oder Kommentare von Lesern bekomme und eben ganz anders sind, als das, was ich denke.

12 Habe ich Vorbilder? Beim bloggen? Weiß ich nicht. Es gibt Leute, deren Blogs ich gerne lese. Aber Vorbilder, eher nein.

13 Welche Ratschläge würde ich meinem früheren Lese-Ich geben? Kann man lernen, Bücher besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen? Wie? Ich würde tatsächlich gar nicht so viel anders machen. Vielleicht, dass ich für manche Klassiger, die „man gelesen haben muss“, manchmal noch zu jung war. Ich glaube, beim ersten Mal „Der alte Mann und das Meer“ habe ich nichts verstanden.

14 “Verlage brauchen mich für PR. Sie brauchen mich mehr, als ich sie brauche” …oder “Toll! Autoren und Presseabteilungen suchen Kontakt und bieten mir Bücher an. Was für ein Glück!” Was überwiegt? Letzteres.

15 Was soll sich tun in meinem Blog und in meinem Leser-/Schreiber-Leben in den nächsten fünf Jahren: Och, ein konstantes Lesen und Schreiben reicht mir schon.

Bonusfrage: Bei wieviel Prozent der Bücher, die ich gelesen habe, denke ich danach: Mist. Ich wünschte, ich hätte das nie gelesen…? Steigt oder fällt diese Prozentzahl, Jahr für Jahr. Und: Warum? Bei vielleicht zehn Prozent der Bücher. Und die Zahl bleibt eigentlich gleich. Meist sind das aber auch die Bücher, die ich eher kritisch beginne und sie eher lese, damit ich drüber reden kann.

Bonus: Empfehlungen!

Ein Buch, das fast niemand mag – aber das ich liebe: Ähm. Spontan, weiß ich nicht.

Ein Buch, das fast alle mögen – aber das mich wütend oder ratlos macht: Girl on the train. Oder The Circle.

Ein Buch, das ich bekannter gemacht habe: Das Gefängnis der Freiheit von Michael Ende. Hoffe ich zumindest.

Ein Buch, vor dem ich oft und gern warne: Spontan keine Ahnung.

Ein schlechtes Buch, das ich gut fand: Wer definiert denn hier, was schlecht ist?

Ein gutes Buch, das ich schlecht fand: Und hier, was gut ist?

Ein Geheimtipp, der bisher in Blogs noch kaum besprochen wurde: Hier nicht denke ich an kein bestimmtes Buch, aber auffallend schade finde ich, dass Bücher, die bei ihrer Erscheinung durch Netz rutschen (Haha), danach kaum nochj die Chance haben, nochmal besprochen zu werden. Meinem Empfinden nach werden zu wenig „alte“ Bücher in Blogs rezensiert.

Ein Buch, das viel zu oft überall besprochen wurde: The Circle von Dave Eggers.

Ein gutes Buch von/über jemandem/n, der ganz anders ist als ich selbst: So ziemlich jedes Buch mit einem rauchenden oder trinkenden Protagonisten. Also nicht, dass die alle gut wären. Aber ich mag ein paar dieser Gestalten, obwohl das überhaupt nicht mein Ding zu sein ist.

Ein gutes Buch von/über jemandem/n, der ganz anders denkt als ich selbst: Spontan keine Ahnung.

Ein Buch, von dessen Gestaltung/Cover/Design sich Verlage eine Scheibe abschneiden könnten: Kein Buch, aber ein Designer, der öfter mal eingesetzt werden könnte: Levente Szabó. Er illustriert Klassiker neu, auf eine sehr tolle Weise.

Ein anderes Produkt, von dessen Gestaltung/Cover/Design sich Verlage eine Scheibe abschneiden könnten: Erinnert ihr euch an das Design aller Sachen auf der Insel in der Serie „Lost“? Stellt euch einen Buchladen vor, wie sie heute so sind, und mittendrin ein Buch, welches so minimalistisch gestaltet ist.

Das netteste Presseteam / die schönste Erfahrung mit einem Verlag: Vor fünf Jahren hatte ich mal die Freude, mit den Leuten vom Argon Verlag zu arbeiten, das war wirklich wunderbar.  Und bis heute sind die Leute supernett, wenn ich sie treffe. Tatsächlich hatte ich aber bisher mit keinem Presseteam von Verlagen schlechte Erfahrungen gemacht. Immer auf Augenhöhe.

Autor*innen, die tolle Inhalte auf Facebook und Twitter posten: Neil Gaiman, Cory Doctorow, Andreas Eschbach.

mein erfolgreichster Text/Beitrag: Der richtige Zeitpunkt, um mit dem Helfen aufzuhören.

ein Text/Beitrag von mir, der wenig Beachtung fand, aber mehr Beachtung verdient: Da kann ich nicht nur einen nennen. Mit vielen älteren Artikeln geht es mir so, dass ich immer wieder an sie denken muss und immer noch der Meinung bin, dass sie wichtig sind und ich meine Einstellung zu dieser Sache damals nicht geändert habe, aber das leider kaum aufgenommen wurde.

eine Frage, die diesem Fragebogen fehlt: Zweifelst du an deinem Tun? Und wann sind die Momente, an denen du mit dem bloggen aufhören willst?

Danke, Stefan. Wer will, darf sie natürlich ebenso beantworten. Viel Spaß!

 

Roman: The Circle von Dave Eggers

Der erste Satz aus The Circle:

My got, Mae thought. It’s heaven.

Und schon sind wir mittendrin. Mae ist Ende 20 und hat einen Job bei dem Circle bekommen, DER Firma überhaupt. Wie eine Fusion von Facebook und Google und Amazon, die eine Firma, über die all deine Internetaktivitäten laufen. Die Firma mit den tollsten Büros und der besten Atmosphäre, eine Firma, bei der jeder arbeiten will. Alles ist offen und hell und transparent. Und es ist doch ganz klar, wenn alle alles wissen, braucht keiner Angst vor irgendwas haben und alle sind für alle da. Und je mehr Kameras wir haben, desto sicherer werden die Straßen. Und wenn wir unseren Kindern Chips einsetzen, dann wissen wir immer, wo sie sind und dann kann nichts passieren …

Das Bestechende und Faszinierende an dem Roman ist seine Nähe zur Realität. Ganz viele Sachen, die Eggers beschreibt, sind heute schon in Benutzung. Und dann dreht er langsam die Schreibe immer weiter in eine konsequente Richtung. Und da setzt das Problem an. Während ich anfangs fasziniert bin und mich angesichts der Technik, die ich auch benutze ertappt fühle, dann aber irgendwann den Kopf schüttele und sage, nein, das geht mir zu weit, sagt Mae zu allem Ja. Und dann wird die Geschichte für mich unglaubwürdig und das Buch verliert seinen Reiz.

Ich bin nicht der erste, der das sagt, aber auch mich erinnert das Buch sehr an Cory Doctorows „Little Brother“ und seinen Nachfolger „Homeland„. Und vielleicht habe ich mich zu sehr mit „Little Brother“ auseinandergesetzt, aber spätestens ab der Hälfte von The Circle las ich das Buch, ohne in der geschichte zu sein. Ich konnte mich einfach nicht mehr auf diese Realität einlassen. Und das wurde bis zum Ende nicht besser.

Die Idee von The Circle ist bestechend, aber die Konsequenz, die Eggers zieht, kann ich nicht glauben, deshalb würde ich „Little Brother“ immer vorziehen.

The Circle von Dave Eggers erschien bei Penguin Books. Die deutsche Fassung erschien bei KiWi und wurde übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann.

5 Dinge, die Verlage besser machen könnten.

Bücher, Film, Musik oder Spiele, jede Art der Unterhaltungsindustrie hat in den letzten Jahren, fast Jahrzehnten und besonders durch die Digitalisierung und das Internet tiefgreifende Veränderungen erfahren. Ist nichts Neues. Was aber leider ebenso nicht neu ist, ist die Beobachtung, dass die Industrien offensichtlich nicht voneinander lernen  können. Die Fehler, die der Musikindustrie unterlaufen sind, hat die Filmindustrie fast genauso gemacht.

Und speziell in der Buchbranche beobachte ich genau das gleiche Phänomen. Natürlich gibt es wunderbare Vorreiter und innovative Sachen, aber besonders die großen und alteingessenen Verlage haben offensichtlich ein Problem, mit diesem Internet und der Möglichkeit der Digitalisierung umzugehen. Ich habe keinen Verlag und auch in nächster Zeit nicht vor, einen zu gründen. Aber wenn …

Hier sind meine fünf Dinge, die Verlage heutzutage besser machen könnten. Die Ideen sind nicht neu und werden in anderen Industrien verwendet, aber in der Buchindustrie ist noch kaum was davon angekommen.

1. Freemium-Bücher.

Freemium ist ein Kofferwort, zusammengesetzt aus Free (englisch für „kostenlos“) und Premium und kommt aus dem Software und Spielebereich. Das heißt, das Programm oder das Spiel selbst ist erstmal gratis benutzbar, aber besondere Zusatzfunktionen kosten dann Geld.

Wie kritisch manche Freemium-Entwicklung sein mögen, der Grundgedanke könnte in der Buchbranche ganz gut funktionieren: Ein Buch erscheint und wird komplett kostenlos online gestellt. Jeder kann das Buch lesen. Wer es aber bequem auf seinem eReader oder als gedrucktes Buch haben will, zahlt dafür. Ebenso für die Hörbuchversion und „weitere Inhalte“ (siehe 3.).

Bevor jetzt jemand schreit, dass man dann ja weniger verkauft, hier ist der Hintergrundgedanke. Wir brauchen uns doch nichts vormachen, wenn heutzutage jemand etwas kostenlos haben will, sei es einen Film, Musik oder eben auch ein Buch, dann bekommt er es auch. Vielleicht muss er ein bisschen suchen und über die Legalität brauchen wir nicht reden, aber er wird es bekommen. Wieso nicht hier eingreifen? Selbst von Anfang an eine kostenlose Version des Buches veröffentlichen, die direkt auf die „Premium-Versionen“ verweist.

Es gibt ein paar Autoren, die das so handhaben, unter anderem Paolo Coelho und Cory Doctorow. Aber in der breiten Masse ist das noch nicht angekommen. Dabei geht es heutzutage am ehesten darum, aus der Masse an Veröffentlichungen rauszustehen. 2013 wurden in Deutschland mehr als 96.000 Bücher veröffentlicht. Ich glaube, eine kostenlose Version eines Titels verschafft mehr Werbung und Bekanntheit, als viele andere Maßnahmen. Dann sollte man aber auch die Werbung nutzen und

2. Alle Formate gleichzeitig anbieten.

Das System „Erst Hardcover und rund ein Jahr später das günstigere Taschenbuch“ kommt aus einer Zeit, in der die Menschen sich auch noch mehrere Stunden am Stück auf etwas konzentrieren konnten.

Heute verteilt sich die Aufmerksamkeit viel mehr. Es gibt viel zu viele Sachen, die einen ablenken, was sich in den Verkaufszahlen niederschlägt. Konnte man früher sagen, dass sich ein Taschenbuch etwa doppelt so oft verkauft hat, wie das Hardcover im Vorjahr, so hat sich das heute umgedreht. Es werden nur noch etwa halb so viele Taschenbücher wie Hardcover verkauft. Ich kenne keine offiziellen Daten darüber, aber ich denke, das hat viel mit oben genannter Aufmerksamkeit zu tun. Ein Buch bekommt, wenn es Glück hat, bei seiner Veröffentlichung als Hardcover noch eine Bühne und es wird darüber gesprochen und dadurch verkauft es sich. Das Taschenbuch aber geht heutzutage einfach in der Masse unter. Und die Leute, denen das Hardcover zu teuer ist und auf das Taschenbuch warten, haben bis dahin etwas anderes gefunden.

Warum also nicht das System der Musikindustrie aufnehmen und für jeden alles anbieten? Es gibt gleichzeitig eine kostenlose digitale Version (siehe 1.), die günstige Version für eReader, das Taschenbuch, das Hardcover, und je nach Titel und Aufmerksamkeit das Hörbuch, die Live-DVD der Lesung und vielleicht sogar die auf 400 Stück limitierte handgedruckte Version, samt Signatur und dazu noch die

3. Premium-Inhalte.

Ein Buch ist mehr als ein Text. Ein Buch ist ein Kosmos, samt einer Entstehungsgeschichte und vielen Hintergrundinfos. Die Filmindustrie hat sich genau diese Sachen zunutze gemacht und verkauft nicht nur Filme, sondern auch alles was passiert, bis es zum Film kommt. Das könnten auch in der Literatur die Premium – Inhalte sein. Geschichten und Bilder zum Entstehungsprozess, Interviews mit dem Autoren und Autorenkommentare, das Pendant zu den Audiokommentaren bei Filmen. Aber auch gelöschte Szenen, Merchandise, Lesereisen und so weiter.

Dabei geht es gar nicht direkt darum, mehr zu verkaufen. Sondern darum, einen Leser länger und tiefer an ein Buch zu binden. Ihm so viel zu geben, dass er nicht direkt nach dem Lesen ein Buch zuklappt und ein anderes öffnet, sondern noch eine Weile in der Welt lebt und auch andere dort reinziehen kann. Und damit kommen wir auch zum nächsten Punkt,

4. Fanfiction befürworten.

Fanfiction sind Geschichten, die Menschen schreiben, die aber in einer schon existierenden Welt spielen. Wenn ich also beispielsweise die Geschichte von Harry Potters Eule erzählen würde, wäre das Fanfiction. Fanfiction ist ein riesiger Bereich, aber ein Thema, von dem ich in Deutschland das Gefühl habe, dass es viel zu wenig von den Verlagen und Autoren aufgegriffen wird. Leider geht es bisher meistens eher um die Frage, ob durch Fanfiction ein Urheberrecht gebrochen wird. Dabei ist diese Art von Geschichten erstmal ein riesiger Beweis, wie tief jemand in einer Geschichte ist. Warum diesen Umstand nicht nutzen? Warum nicht auf den Webseiten zu den Büchern zu Fanfiction aufrufen? Vielleicht sogar Anthologien mit den besten Geschichten rausbringen. Damit das aber auch geht, sollten Verlage

5. Creative Commons – Lizenzen nutzen.

Die kostenlose Version sollte nicht nur kostenlos sein, sondern als kreatives Allgemeingut gelten. Kunst inspiriert zu neuer Kunst. Und mittlerweile ist irgendwie alles ein Remix schon existierender Sachen. Besonders auffällig ist das in der Musik. IN der Literatur ist das ebenso, es wird nur nicht so geduldet. Dabei trägt eine Beschäftigung eines Menschen mit einem Buch nur zu dessen Bekanntheit bei. Mein erster Roman ist nicht nur kostenlos verfügbar, sondern unter einer CC-Lizenz. Und deshalb gibt es eine Hörbuchversion! Weil sich jemand anderes, einfach, weil er Lust darauf hatte, mit meinem Werk so sehr auseinandergesetzt hat. Was kann denn einem Buch besseres passieren?

Das sind meine Tipps für einen Verlag in heutiger Zeit. Vieles davon ist nur angerissen und ich höre schon die ganzen Aber. Gleichzeitig hoffe ich, dass sich trotzdem ein paar darüber Gedanken machen und ich freue mich auf eine Diskussion.

Achja. Der Bonus-Track:

6. Wenn ich einen Verlag hätte, 

würde ich all das genannte versuchen. Und ich würde ihn „immernah“ nennen. Mit dem Untertitel „greifbare Bücher“.