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Autor: Fabian Neidhardt (Seite 103 von 313)

Heute habe ich einen Roman fertig geschrieben.

Am 17. Januar diesen Jahres habe ich auf einer Schreibmaschine die ersten fünf Seiten eines Romanmanuskriptes begonnen. Nach 5 Seiten habe ich die Geschichte zur Seite gelegt, weil ich erst noch die erste Rohfassung von „Dimensionssprünge“ fertig schreiben wollte. Das war am 23. April. Seitdem habe ich fast täglich an diesem neuen Roman geschrieben. Heute – fast genau elf Monate später – habe ich ihn fertig gemacht. Also, die erste Rohfassung. Rund 54000 Worte. Jetzt muss das eine kurze Weile ruhen, dann muss ich da nochmal drüber. Wahrscheinlich noch ein paarmal. Und dann geht es an die Verlagssuche. Oder die Suche nach der Form besten Veröffentlichung. Aber trotzdem, einen Roman fertig zu schreiben ist jedes Mal ein Wow-Moment!

Ein „Wow“-Moment ist ein Moment, in dem deine eigene persönliche Welt den Atem anhält und alles um dich herum sagt und fühlt und denkt zusammen mit dir: „Wow!“

Das gute Ding heißt

Eine Nacht mit genügend Schlaf ist nur eine weitere, an die du dich nicht erinnern wirst.“

und weil ich auf eine unglaublich ruhige Art erleichtert und traurig und zufrieden und so weiter bin, wie das eben immer ist, wenn man ein gutes Buch zu Ende hat, hier die ersten drei Absätze aus der Rohfassung. Die passende Musik dazu gibt’s hier. Viel Spaß!

Hätte Katharina sich ein Wetter für ihre Beerdigung aussuchen können, wäre es wahrscheinlich genau dieses gewesen. Es war einer der ersten Frühlingstage des Jahres. Der Winter war hart und lang gewesen, viel länger, als es gebraucht hätte, die Menschen im Süden Deutschlands daran zu erinnern, wie schön der Frühling und der Sommer sein konnten.

Jetzt aber war der Frühling da, passend zur Beerdigung seiner Frau. Die Bäume um sie herum blühten und das Gras strahlte in saftigem Grün. Vögel, die sich an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt hatten, drehten ihre Runden und begleiteten die kleine Zeremonie zu der Stelle, an der die die Mitarbeiter des Friedhofs am Tag zuvor das Grab ausgehoben hatten. David lief direkt hinter dem kleinen Wägelchen, auf welchem de Sarg von Katharina aufgebahrt war. Wie alle anderen war er in einen dunklen Anzug gekleidet, er schwitzte und weinte und die Tränen vermischten sich auf dem Weg nach unten mit dem Schweiß. Er hatte die gesamte Zeremonie über in der ersten Reihe gesessen und nichts von all den guten Worten über seine Frau mitbekommen. Selbst jetzt, an der Seite seiner Mutter, konnte er nicht begreifen, was hier gerade geschah.

Die alten Männer, die den Sarg geschoben hatten, hievten ihn nun langsam in das Loch. Was für ein schöner Gedanke, Katharina könnte schon jetzt irgendwo sein, das Wetter mitbestimmen und läge nicht in diesem Sarg, der gerade hinabgelassen wurde. Die alten Männer, konnten sie eigentlich noch aufrichtig traurig sein, bei all den Beerdigungen fremder Menschen, die sie begleiteten? Jedenfalls, sie zogen die Seile wieder nach oben und entfernten sich diskret. Der Pfarrer äußerte wieder ein paar Worte, Kauderwelsch in pastoralem Singsang, dann schmiss David als erster ein Schäufelchen Erde auf den nagelneuen Sarg. Und eine Blume hinterher. Dann stand er an dem Grab seiner Frau. 28 Jahre alt und Witwer.

Aus „Eine Nacht mit genügend Schlaf ist nur eine weitere, an die du dich nicht erinnern wirst.“

Tolle Worte VI: Wow.

Ein „Wow“-Moment ist ein Moment, in dem deine eigene persönliche Welt den Atem anhält und alles um dich herum sagt und fühlt und denkt zusammen mit dir: „Wow!“

aus meinem Debütroman „Das Leben ist ein Erdbeben und ich stehe neben dem Türrahmen

Die Angst vor der guten Tat.

Es ist Samstag Abend, kurz vor Prime Time und kurz vor Ladenschluss. Wir stehen im Bioladen an der Kasse und da ist dieses Mädchen vor uns. Der nette Kassierer zieht über den Scanner und wiegt, was gewogen werden muss und sie packt in der Zeit schonmal die Waren in den Rucksack. Irgendwann stockt sie und beginnt, alle Fächer des Rucksacks und ihrer Jacke abzusuchen. Dann sagst sie, es tut mir leid, aber ich glaube, ich habe meinen Geldbeutel vergessen.

Dennoch sucht sie weiter. Der Kassierer sieht sie an, zieht aber ruhig die restlichen Waren über das Band. Dann als er fertig ist, sieht sie ihn verzweifelt an und sagt, sorry, ich habe meinen Geldbeutel wirklich vergessen. Die Kasse zeigt einen Betrag von etwa 27 Euro an. Der Kassierer benachrichtigt kurz seinen Kollegen. Dieser meint, er solle einfach stornieren. Alles kein Problem, alles in freundlichem Ton. Er sieht die Frau nochmal an, fragt ob sie sicher ist. Sie nickt.

Er nickt auch und drückt auf einen Knopf, die Zahl auf dem Display verschwindet. Sie fragt, ob sie die Sachen zurückräumen soll, er winkt ab. Schnell verlässt sie den Laden.

Kurz darauf sind wir mit unseren Einkäufen auf dem Weg nach Hause und ich sage, weißt du, als dieses Mädchen da stand, da hätte ich fast … und sie sagt, ja! Ich auch!

30 Euro sind eine solche Menge Geld, dass man sie eigentlich locker für eine solche Tat mal ausgeben hätte können. Einfach sagen, ich übernehme das. Und danach vielleicht die Kontonummer aufschreiben, damit sie es zurücküberweisen kann. Ich meine, Samstag Abend kurz vor Ladenschluss, sorgfältig im Bioladen für’s Wochenende ausgesuchte Sachen. Das ist nicht die Coke, die man sich an der Tanke einfach so mal nebenher holt. Das entscheidet über mehrere Tage Wohlsein. Und es wäre so einfach gewesen, zu sagen, ich übernehme das. Aber wisst ihr was?

Ich habe mich nicht getraut. Keine Ahnung, wovor ich Angst hatte. Warum hat man Angst, eine gute Tat zu tun?

Lieber Calvin

 

Dieser Brief ging heute an Calvin Klein Deutschland. Aus der besten WG Stuttgarts. Klick auf den Brief für ein lesbares Bild.

#Incommunicado, das Hörbuch – Teil 13

Und direkt weiter mit Teil 13. Noch mit altem Mikro aufgenommen. Wenn alles gut läuft, gibt es die kommenden Teile dann in verbesserter Qualität. Da bin ich noch am probieren.

Und wenn ihr gerade in spendierfreudiger Laune seid, gebt dem Internet Archive was ab. Diese hosten nicht nur die ganzen Dateien dieses Hörbuchs, sondern beispielsweise auch alte Filme und massig Aufnahmen von Greatful Dead Konzerten. Jedenfalls gab es dort in einem ihrer Center ein großes Feuer und die sind auf die Unterstützung vieler angewiesen. Schaut da mal vorbei.

Notizen oder Links zu dieser Episode:

Die Patentstreits um Basmati Reis.

Viel Spaß!

#Incommunicado, das Hörbuch – Teil 13 (Zum Download rechtsklick “Ziel speichern unter…” oder einfach den Feed abonnieren. Und hier geht’s zum iTunes Podcast.)

Wenn euch eklatante Fehler auffallen, oder ihr sonstige Anmerkungen machen wollt: Ich freu’ mich drauf!

PS: Mir fällt immer mehr auf, wie schlecht eigentlich die Soundqualität ist. Wenn also jemand von euch nicht mehr genutzte Mikrofone, eine Kopie von Cubase oder sonstwas rumliegen hat, ich freue mich über Sachspenden 🙂

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