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Kategorie: Empfehlungen (Seite 2 von 111)

Buch: Multiple Choice von Alejandro Zambra

Kreuzen Sie bei Übung 1 bis 24 das Wort an, das sinngemäß nicht zum Oberbegriff oder zu den anderen Wörtern passt.

der erste Satz aus Multiple CHoice.

Ich habe bisher nichts von Alejandro Zambra gelesen und ich sah und mochte das Cover von Anfang an, aber dachte, dass sich dahinter Lyrik befindet, mit der ich nie so viel anfangen kann.

Stattdessen macht Zambra hier weder Prosa, noch Lyrik. Er nutzt den chilenischen Zulassungstest für Universitäten als Vorlage für ein poetisches Spiel.

Ich habe Zambra und sein Buch ernst genommen, mich mit Stift an das Buch gesetzt und die ‚Aufgaben‘ tatsächlich gelöst. Oft angekreuzt, manchmal kommentiert, manchmal erweitert. Dabei geht es nicht nur um das Ausstreichen von Worten, sondern auch um überflüssige Sätze, die Reihenfolge von Sätzen innerhalb eines Textes, Lückentexte und Leseverständnis.

Multiple Choice ist ein schmales Buch, aber es ist intensiv, und ernst und nachdenklich und gleichzeitig extrem witzig und intelligent gemacht.

Schon lange habe ich mich nicht mehr so sehr mit einem Buch auseinandergesetzt, habe einen Inhalt so sehr verarbeitet und gleichzeitig so viel über mich selbst gelernt.

Nicht nur Zambra und Chile sind mir nahe gekommen, sondern eben auch ich mir selbst. Ein wunderschönes Beispiel, was Literatur auch heute noch leisten kann und eines meiner Highlights diesen Jahres.

Multiple Choice von Alejandro Zambra wurde übersetzt von Susanne Lange und erschien bei Suhrkamp. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Buch: Boy Erased von Garrard Conley

John Smid stand aufrecht, Schultern breit, strahlender Blick durch eine dünn geränderte Drahtgestellbrille, am Leib die Kakihosen und das gestreifte Button-down-Hemd, die zur Standarduniform für evangelikale Männer im ganzen Land geworden sind.

Der erste Satz aus Boy Erased

Die autobiografische Erzählung von Garrard Conley, schwuler Sohn eines Baptistenpredigers, der von seinem Vater in ein religiöses Ex-Gay-Programm geschickt wird, eine sogenannte Reparativtherapie.

Die Verfilmung hat mir den Magen umgedreht und mich auf Menschen wütend gemacht, die im Namen eines Gottes, einer Religion, einer Bibel andere Menschen einschränken und unterdrücken.

Das Buch ist ungeordneter, weniger dramaturgisch aufbereitet, als der Film, manche Geschehnisse aus dem Film fehlen auch, dafür öffnet Conley sich komplett und lässt mich 330 Seiten lang ganz nah mitfühlen, wie es ihm geht. Das ist nicht so spannend aufgebaut, wie es der Film schafft, dafür kann ich nicht nur ihn besser nachvollziehen, sondern auch seinen Vater. Dessen Reise und Vergangenheit ist auch keine einfache. Das ist keine Entschuldigung für nichts, aber es macht ihn als Mensch greifbarer. Manchmal musste ich mich durch die Seiten quälen. Weil ich schon längst verstanden habe, Conley aber den Schmerz, die Unsicherheit, die Irritation, die Scham vollkommen auskostet und es mich wirklich verstehen lassen will.

Dazu das Buch selbst. Ich glaube, in einer Welt, die so voller Inhalte und Medien ist, wie die unsere, können Bücher nur dadurch gewinnen, dass sie nicht nur Überbringer von Geschichten und Kunst sind, sondern selbst auch Kunstwerke. Die Bücher des Secession Verlag sind dabei ganz vorne mit dabei. Das ist nicht nur ein Hardcoverbuch. Das ist ein mit Liebe gemachtes Werk, vom Papier über die Bindung, bis hin zur minimalistischen und extrem haptischen Gestaltung. Ich liebe es, dieses Buch in der Hand zu halten, es zu öffnen, in ihm zu lesen.

Boy Erased ist kein literarisches Meisterwerk. Aber es ist ein wichtiges und auf manche Weise auch wunderschönes Buch.

Boy Erased von Garrard Conley wurde übersetzt von André Hansen und erschien im Secession Verlag. Ich habe ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen.

Hörbuch: Der Outsider von Stephen King, gelesen von David Nathan

Das Zivilfahrzeug war ein unauffälliger, schon etwas älterer PKW, aber die breiten schwarzen Reifen und die drei Insassen verrieten, worum es sich handelte.

Der erste Satz aus der Outsider

Ein vergewaltigter und ermordeter Junge, ein Tatort voller Fingerabdrücke und DNA und eine ganze Menge Zeugen. Aus der Sicht der Polizisten ein ganz klarer Fall. Aber wir erleben diese Geschichte auch aus der Sicht des Verdächtigen und wissen, dass er es nicht war. Er kann es sogar beweisen.

Achtung, ab hier mögliche Spoiler.

Stephen King beginnt die Geschichte wie einen Krimi und mischt im Laufe des Buches das Kingesque immer weiter dazu. Eigentlich ja plump. Ich folge der Geschichte, weil ich wissen will, wie das bitte sein kann, dass der Verdächtige scheinbar an zwei Orten gleichzeitig war und nichts von der Tat weiß. Dass die Lösung etwas Übernatürliches beinhaltet, würde ich vielen anderen Autor*innen nicht verzeihen, würde mir dabei ausgetrickst vorkommen.

Aber es ist Stephen King und ich wusste, worauf ich mich einlasse. Und es funktioniert. Nicht nur, weil es Stephen King ist, sondern auch, weil in der Geschichten Protagonisten vorkommen, die noch ungläubiger sind als ich und ich spätestens mit ihnen langsam an das Übernatürliche heran tasten kann. Nicht, dass ich es brauche, aber ich könnte.

Regelmäßig habe ich bei Stephen King das Gefühl, dass er seine Sonderposition (Stephen King zu sein) nutzt, um Dinge auszuprobieren, die man als ’normaler‘ schreibender Mensch niemals bei einem Verlag durchkriegen würde. In diesem Roman spielt King mit den Erzählperspektiven. Nicht zum ersten Mal, beispielsweise hatte Der Buick mehrere Ich-Erzähler, die teilweise innerhalb eines Satzes wechselten. Diesmal schafft King es gerade durch die wechselnden Perspektiven, dass ich sowohl dem Polizisten, als auch dem Verdächtigen glaube, obwohl es gleichzeitig nicht sein kann.

Dazu kommen auch solche Sachen dazu, dass King einen Hauptprotagonisten in der erste Hälfte des Romans sterben lässt und in der zweiten Hälfte dafür eine Hauptprotagonistin einführt.

Ich habe nicht nur eine tolle Geschichte, ich werde in meiner Erwartung immer wieder gebrochen, auf verspielte und schöne Art. Und ich kriege es von David Nathan vorgelesen, was sich sowieso fast immer lohnt.

Eine Sache, die mich in der sonst sauberen Übersetzung von Bernhard Kleinschmidt gestört hat ist der fast schon penetrante Verzicht des Genitivs. Ich kann verstehen, dass Protagonisten nicht zwingend einen Genitiv nutzen, aber in diesem Roman tut das auch der Erzähler. Wenn ich Herrn Kleinschmidt begegne, frage ich ihn, ob das Absicht war.

Ich lese nicht alle Bücher von Stephen King, einerseits aus Zeitmangel, andererseits, weil mich nicht alle Themen interessieren. Dieses hier ist großartig und funktioniert auch für Menschen, die noch nie Stephen King gelesen haben. Sofern sie mit Übernatürlichem leben können.

Der Outsider von Stephen King wurde übersetzt von Bernhard Kleinschmidt, gesprochen von David Nathan und erschien bei Random House Audio. Der Roman erschien bei Heyne.

Fazit: 1000 Kilometer auf dem Corratec E-Power X-Vert

Greenstorm ist Händler für gebrauchte e-Bikes und verkauft ‚Jahresbikes‘, also Fahrräder, die für ein Jahr von Hotels für die Hotelgäste benutzt wurden. Ich bin Botschafter für Greenstorm, das heißt, ich habe das Corratec E-Power X-Vert zur Verüfgung gestellt bekommen. Ein Jahr lang darf ich es fahren und testen und darüber berichten.

Knapp nach Jahreswechsel hat das Corratec seine 1000 Kilometergrenze überschritten und demnächst gebe ich es wieder ab. War ein schönes Jahr, ich habe mich an die Aufkleber und das monstermäßige Aussehen des Bikes gewöhnt, ich liebe es, damit unterwegs zu sein. Weil es immer noch jede Fahrt zum Spiel macht. Das ist wohl die größte Erkenntnis des Jahres. eBikes sind für mich kein Zwang. Ich brauche es nicht, ich schaffe die Fahrten auch mit einem normalen Fahrrad. Aber das eBike ist ein toller Zugewinn, weil es eben jede Fahrt bereichert.

Das Corratec E-Power X-Vert ist ein mehr als solides Bike, es macht Spaß, auch, wenn es für die Stadt vollkommen überdimensioniert ist. Da ich es hauptsächlich in der Stadt verwendet habe, sind manche Funktion (das Lock-Out beispielsweise) nie zum Einsatz gekommen. Dafür habe ich immer Licht mitgeschleppt, welches leider nicht fest montiert war.

Ich bin mir auch nach diesem Jahr nicht sicher, ob ich Mittelmotoren an eBikes für die beste Lösung halte. Einerseits unterstützen sie dich ab dem ersten Treten, was besonders am Berg richtig Spaß macht und sinnvoll ist. Andererseits beanspruchen sie die Kette auch extrem. Besonders beim Berg hochspurten und schalten habe ich mit der Kette mitgelitten.

Was mich langfristig am meisten genervt hat, ist die Position des Akkus. Einerseits sehr schön in den Rahmen integriert, mag ich das Aussehen immer noch. Er ist auch wirklich einfach rauszuholen: Schlüssel im Rahmen drehen, kleinen Bolzen nach hinten schieben und Akku in die Hand fallen lassen. Das Einsetzen dagegen gestaltet sich schwerer. Dafür ist die Position zwischen Rahmen und Vorderrad problematisch. Zusätzlich verschiebt sich die Abdeckung, die an den Akku geschraubt ist, sodass der Akku sich nicht einfach in die richtige Position klinkt. Es ist mehr als einmal passiert, dass ich dachte, den Akku sauber eingesetzt zu haben, nur um nach einer Fahrt festzustellen, dass dies nicht der Fall war. Er rutscht zwar nur bis zum Bolzen und liefert auch weiterhin Strom, aber dann ist er extrem leicht klaubar. Auch nach einem Jahr habe ich darin nicht die Übung, dass es mir leicht von der Hand geht. Was wiederum für die Reichweite des Akkus spricht.

Insgesamt ein tolles Fahrrad, von dem ich nur einen Bruchteil seiner Möglichkeiten ausgetestet habe. Ich bin gespannt, was als nächstes kommt.

Film & Verlosung: Der verlorene Sohn – Boy Erased

Die Geschichte von Jared, schwuler Sohn eines Baptistenpredigers, der von seinem Vater in ein religiöses Ex-Gay-Programm geschickt wird, eine sogenannte Reparativtherapie.

Knapp zwei Stunden sehen wir Jared dabei zu, wie er voller Scham und von Schuldgefühlen zerfressen tatsächlich versucht, seinem Vater, aber auch Gott gerecht zu werden. Weil der Glaube Teil seines Lebens ist. Seine sexuelle Orientierung aber genauso.

Die Hälfte der Zeit sitze ich mit vor Wut und Fassungslosigkeit verkrampften Magen im Kino. Ich kann es nicht fassen, wie Menschen im Namen Gottes erniedrigt, beschämt und gebrochen werden.

Der verlorene Sohn ist kein Film, den man sich mal eben zu Unterhaltung ansieht. Es ist ein wirklich krasser, aufwühlender Film – großartig dargestellt von unter anderem Nicole Kidman, Russell Crowe, Joel Edgerton und Lucas Hedges – der zwar auch ein paar fröhliche Momente hat, einen berührenden Soundtrack und vor allem ein hoffnungsvolles Ende.

Aber der Unterton bleibt ernst bis zum Schluss, er schafft es, mir klarzumachen, dass es bis heute leider nicht selbstverständlich ist, jeden lieben zu lassen, wen er will. Und was das für Menschen bedeutet.

DER VERLORENE SOHN läuft ab 21. Februar im Kino.

Der Film basiert auf der Autobiographie Boy Erased von Garrard Conley, letztes Jahr erschienen beim Secession Verlag. Conley hat diese Therapie selbst erlebt und mit seinem Buch Aufmerksamkeit darauf gelenkt. Schade, dass der Verleih dem Film im Deutschen einen anderen Titel gegeben hat, sodass nicht gleich klar wird, dass es noch ein Buch zum Film gibt. Und andersherum.

Umso schöner, dass ich beides verlosen darf!

Gewinnspiel:

Ich darf zwei Pakete verlosen, jeweils mit zwei Freikarten für den Film und dem dazugehörigen Buch.

Schreibt mir eine Mail (oder einen Kommentar) mit eurer Adresse und sagt mir, was war der letzte Film, der euch wirklich aufgewühlt hat?

Einsendeschluss ist Sonntag, der 17. Februar. Der Zufall entscheidet, dann gehen die Pakete direkt raus. Die Adressen werden für nichts anderes verwendet und direkt danach wieder gelöscht. Viel Erfolg!

Der verlorene Sohn läuft ab 21. Februar im Kino. Boy Erased von Garrard Conley wurde übersetzt von André Hansen und erschien beim Secession Verlag. Die Gewinne und das Rezensionsexemplar wurden mir zur Verfügung gestellt.