Ich habe gestern unseren Bus verkauft.

Das ist wahrscheinlich erstmal das letzte Bild von mir und diesem Bus. Es war ja jetzt schon länger klar, dass er verkauft wird, gestern Abend ist es passiert.

Nachdem wir mehr als sechs Jahre mit diesen Bus verbracht haben, ist es ein komisches Gefühl, ihn abzugeben. Wir hatten daran gedacht, ihn einfach auf eine Wiese zu stellen, ihn so zu behalten, samt aller Erinnerung. Aber ehrlich gesagt wäre das zu schade um die Lady. Sie hat noch viele gute Jahre vor sich. Das kann ich jetzt mit Gewissheit sagen, denn die beiden Jungs, die gestern vorbeigekommen sind und ihn abgeholt haben, sind genauso verrückte Menschen, wie wir es sind. Und bei aller Melancholie habe ich ein sehr gutes Gefühl bei den Beiden. Sie versprachen, uns auf dem Laufenden zu halten, wie es mit dem Bus weitergeht. Wie schön ist das denn?

Jetzt bleibt auf dem Parkplatz ein Umriss aus Unkraut. Wie eine Kreidelinie bei den Toten auf der Straße. Und Erinnerungen an extrem tolle sechs Jahre. Und nun geh ich und lasse die Tränen über mein Lächeln laufen.

 

Kommunikationsprobleme der Höflichkeit wegen.

Es folgt ein Ausschnitt eines unveröffentlichten Textes. Kasimir lernt Laura kennen und sie fragt ihn, ob er nicht ein bisschen was von der Stadt sehen will, sie führt ihn. Er stimmt zu.

Und wenn er ehrlich zu sich gewesen wäre, müsste er sich und Laura eingestehen, dass er auch den Rest des Tages hier am Strand verbringen könnte oder wo auch sonst, solange sie ihm Gesellschaft geleistet hätte. Und das Lustige dabei ist: Hätte Kasimir in diesem Moment Laura gefragt, ob sie nicht auch Lust hätte, einfach den Rest des Tages hier zu bleiben, sie hätte genickt. Und sie hätten den Tag am Sandstrand verbracht. Aufgeschreckt höchstens durch den Hund, dem langweilig gewesen wäre. Das wäre schön geworden. Weil Kasimir aber nicht fragt, fährt er sich mit seinen Fingern zwischen die Zehen, um sie vom Sand zu befreien. Dann schlüpft er in Socken und Schuhe und hüpft Laura hinterher. Placido trottet den beiden Jugendlichen nach und lässt den Kopf hängen.

aus “Der Junge namens Kasimir”

Ich schrieb das vor ein paar Monaten. Jetzt am Samstag aber passiert folgendes: Mit einer Freundin war ich in Stuttgarts Bahnen unterwegs, als sich ein kleiner blonder Junge neben mich setzt. Sein Vater setzt sich auf die andere Seite des Ganges, das Fahrrad des Kleinen in der Hand. Die Freundin lacht auf und zeigt auf die Hosen von mir und dem kleinen jungen Mann neben mir. Wir tragen beide Cordhosen. Ich lache mit, der Kleine ist unbeeindruckt. Dann sieht sie rüber und sieht, dass auch der Papa mit Cordhosen bekleidet ist. Er lächelt mit uns über unsere Entdeckung und ich sehe mir zum ersten Mal sein Gesicht an und stocke und frage, Timo Brunke? Timo lächelt und nickt. Ich sage, wow, wir kennen uns nicht wirklich, aber ich studiere sprechen und bin Slam Poet seit Jahren und habe viel von ihm und über ihn gehört und es freut mich gar sehr ihn zu treffen. Und er erzählt, dass er bald ein neues Programm hat und ein bisschen über die alte Zeit der Poetry Slams. Und während wir reden, sind wir bei der Haltestelle, an der wir rauswollten. Aber aus Höflichkeit und weil ich mich noch ein wenig mit ihm unterhalten wollte, bleiben wir eine Station weiter sitzen. An der nächsten Station stehen wir alle vier auf und verlassen gemeinsam die Bahn. Und dabei erwähnt Timo, dass sie jetzt eine Station zu weit gefahren sind, eigentlich wollten sie eine Station früher raus. Wie wir auch! Dann hätten wir uns an der Station noch ein wenig unterhalten können. Aber weil wir alle aus Höflichkeit sitzenbleiben, fahren wir alle eine Station zu weit. Wie einfach wäre es doch gewesen, die Wahrheit zu sagen, wenn man die Gedanken des anderen wüsste. Dann wäre man an der richtigen Station gemeinsam ausgestiegen. Oder man hätte gemeinsam den Tag am Strand verbracht.

Bericht: Free Hugs am 9.7. in Stuttgart

Aline und ich beim Free Hugs (Photo: Vogelscheuche / dead-hands.de)

Aline und ich beim Free Hugs (Photo: Vogelscheuche / dead-hands.de)

Letzten Samstag wars mal wieder soweit. Ausgestattet mit dem richtigen Lächeln, einer gewaltigen Portion Selbstvertrauen und der Fähigkeit, über sich selbst zu lachen haben wir – in diesem Falle Robert, Aline, Mali, Lena und ich – uns auf die Stuttgarter Königsstraße gestellt, mit unseren Free Hugs Schildern in der Hand.

Meine diesmaligen Gedanken und Eindrücke:

  • Mit Free Hugs Schildern zwischen Menschen zu stehen und zu warten, ist jedesmal wieder, wie auf eine Bühne zu gehen. Es fühlt sich extrem komisch an am Anfang und ich habe immer wieder sowas wie Lampenfieber. Wenn man dann aber da steht und die ersten Menschen lächeln sieht, dann weiß man, dass es sich gelohnt hat.
  • Es macht einen extremen Unterschied, mit welchem Anliegen man Menschen umarmt. Wenn ich jemanden umarme und mich danach bedanke, dann fühlt es sich so an, als ob sie mir gönnerhaft etwas gegeben haben. Wenn ich sie aber schon mit der Prämisse umarme, ihnen etwas zu schenken und nichts danach sage, bedanken sie sich. Superinteressant.
  • Die Polizei kommt irgendwann auf uns zu und ich denke, jetzt gibt’s Ärger. Stattdessen umarmen auch sie uns. Schönes Ding!

Bald und gerne wieder. Spread the smile, faby

Buch: 27 von Kim Frank

Kim Franks 27 mit ausgeklapptem Buchumschlag.

Kim Franks 27 mit ausgeklapptem Buchumschlag.

So, seit heute ist 27 von Kim Frank also erhältlich. Kim ist den meisten wahrscheinlich immer noch als Sänger der Band Echt bekannt. Mittlerweile hat sich aber auch mit der Fotografie, der Schauspielerei und eben auch mit dem Romanschreiben befasst. 27 ist sein Debütroman.

In 27 geht es um den Klub 27, dieser ungewöhnlichen Ansammlung an Musikern, die im Alter von 27 Jahren gestorben sind. Und es geht um Mika, der selbst die unbändige Angst hat, mit 27 zu sterben.

Ich liebe Bücher über Musik. Bücher wie Owen Noone oder Super Agoraphobie Therapie. Und 27 gehört da auf jeden Fall dazu. Man liest sich schnell und gut durch die Seiten und man hat wirklich Spaß beim lesen. Es ist ein kurzweiliger Roman, eine schöne Geschichte und eine gute Unterhaltung für ein paar gute Stunden.

Aber: Peter Renz sagte mir mal, dass das Ende einer Geschichte immer Licht oder Schatten über die gesamte Geschichte wirft. In Fall von 27 ist das definitiv Schatten.

SPOILER:

Vielleicht liegt das auch in der Natur solcher Geschichten, die nur auf eine eine Frage ausgearbeitet sind, nämlich, ob Mika mit 27 stirbt. Denn wie man es auch wendet, das Ende kann eigentlich fast nur unbefriedigend sein. Es sei denn, mann hat den großen Twist am Ende. Leider vermisse ich den am Ende von Franks ersten Roman. Es fühlt sich so an, als wüsste Frank selbst nicht, wie er das Buch hatte beenden sollen. Und deshalb ist es ein offenes Ende.

Deshalb27 ist ein gutes Buch, welches man im Garten im Sonnenschein bequem runterlesen kann, das Ende aber fand ich extrem unbefriedigend.

Wer mehr über das Buch und die Arbeit von Kim Frank erfahren möchte, hier geht’s zum Interview mit Kim Frank über 27.

Nachtrag:

Kim schrieb mir, nachdem er die Rezension gelesen hatte und möchte etwas klarstellen:

Moin Fabian…
Finde es absolut fein, dass Dir das Ende nicht gefällt, wollte Dich nur wissen lassen, dass ich die letzte Seite zu allererst geschrieben hatte, also das Ende, das gewollt offene Ende stand von Anfang an fest.
Wenn Du es nicht magst ist das fein, aber ich tue nichts weil ich nicht weiß, sondern weil ich mich dafür entscheide.
LG
KIM

Bericht: Worstspielslam in Karlsruhe

Preisverleihung des Wortspielslams

Preisverleihung des Wortspielslams: Die Veranstalter Mojique und Katha, Moderator Kim, Sieger Daniel Wagner, die zweitplazierte Meret Cepero und ich.

Manchmal braucht man keinen Grund, um einen Tag irgendwie komisch zu finden. So richtig demotivierend. So lief irgendwie der Samstag bei mir ab. Keinen Bock auf irgendwas und alles ist lala und so. Und dann soll man abends auch noch auf so einen Slam nach Karlsruhe fahren. Aber man hat das den Veranstaltern versprochen, zu kommen. Also mache ich mich auf den Weg zum Zug.

Im Zug sitzen lauter Zwerge mit roten und grünen Zipfelmützen und ihrem Schneewittchen. Jeder, der neu in den Zug steigt, wird lauthals begrüsst und gefeiert. Als die Zwerge, übrigens mehr als 7 und auch mehrere Zwerginnen darunter, in Ersingen aussteigen, wo auch sonst?, entdecke ich Böni im Zug sitzen. Böni, der alte Slam-Kollege aus Pforzheim wird nämlich auch in Karlsruhe auftreten. Böni ist immer garant für gute Stimmung. Böni hat gerade seine Dame Phase und fragt mich, ob mit ihm eine Partie spielen möchte, sobald wir im Biergarten der Stadtmitte angekommen sind. Ich entgegne, ich kann gar nicht Dame spielen. Also nutzen wir die restliche Zugzeit für eine Erklärrunde, was Dame angeht. Continue reading

Bericht: Poetry Slam im Keller Klub am 23.01.11

In Crowd Performance

In Crowd Performance

Mein Kopf: Kopfschmerzen. Der Rest des Körpers: Müde. Aber Thomas, seines Zeichens Moderator des Slams im Keller Klub und in der Rosenau Stuttgart, hatte eingeladen zum Slam im Keller Klub. Also Jacke an, Kopfhörer rein und los geht’s zum Keller Klub. Davor ist schon eine große Schlange an Publikum in spe. Kurz Bekannte begrüsst, danach am Rest vorbei und rein in den roten Keller.

Ein ganzer Haufen an alten Bekannten ist an diesem Abend zugegen. Unter anderem sind Tobi Borke, Nikita, Aida und Alex Willrich da und auf der Bühne. Mein Schädel lässt mir zwar keine Ruhe, die stickige Luft macht das auch nicht besser, aber es ist ein krasser Abend. Tolle Texte, viele Lacher, tolle neue Menschen kennengelernt und viele Worte gewechselt.

Dann meine 15/2 Minuten Ruhm: In den Tagen zuvor habe ich es endlich geschafft, Das U-Bahn Seminar auswendig zu lernen, der Keller Klub ist meine Premiere. Ich bin ein bisschen vorsichtig, einerseits, weil ich den Text noch nicht sauber kann, andererseits, weil beim letzten Mal im Keller Klub die Akustik irgendwie nicht wirklich ausgefeilt war. Das Eine kann ich abdämpfen, indem ich Nikita als im Zweifelsfall nötige Souffleuse mein Lesebuch in die Hand drücke. Das Andere kann ich nicht ändern.

Muss ich auch nicht, denn sowohl das Eine als auch das Andere überraschen mich positiv. Die Soundanlage, eigentlich für Gesang, Band und tanzende Menschen ausgelegt, ist diesmal viel besser auf das gesprochene Wort samt sitzender Zuschauer ausgelegt. Und trotz der langsam beginnenden Schmerzen im Halsbereich, des Schleiers aus Schmerzen im Kopf und der Müdigkeit komme ich ganz gut durch den Text.

Drei Stunden nach Ende des Spektakels liege sich mit Schüttelfrost im Bett und für den Rest der Woche flach, aber: Es hat sich gelohnt!

Danke an Aida für das Bild. Bis zum nächsten Mal, die Damen und Herren.

Das Lügen beim Abschied

Eine dieser Wahrheiten, die jeder kennt, aber keiner ausspricht, sind die Lügen beim Abschied.

Man lernt jemanden kennen. Auf einer Party, auf einem Festival, bei der Arbeit, beim Warten in der Schlange. Man versteht sich gut und verbringt eine gewisse Zeit miteinander. Von ein paar Minuten bis hin zu ein paar Jahren. Und irgendwann ist man an der Reihe, wechselt den Job oder fährt wieder nach Hause. Und man umarmt den jemanden und man sagt, ja klar sieht man sich wieder und man meldet sich und man bleibt auf jeden Fall in Kontakt.

Selbst wenn man es in diesen Momenten ernsthaft so meint, wissen beide doch irgendwie aus Erfahrung, dass man sich wahrscheinlich nicht mehr sehen wird.

Jeder weiß das, keiner spricht darüber. mokita.

Vor kurzem hatte ich so einen Abschied. Mit einem Unterschied. Wir umarme sie, nennen wir sie mal Maya, und ich sage ihr, ich melde mich. Maya nickt und sagt dann: “Wenn nicht, dann ist das auch in Ordnung.” Das schreibt sich im Nachhinein ziemlich komisch, weil so vieldeutig annehmbar. Aber der Ton, in dem sie das sagte, sagte: Ich kenne das, ich weiß das auch zu schätzen, dass du das sagt und ich weiß, dass du das auch meinst. Aber ich weiß auch, dass es gut sein kann, dass wir uns nie wieder sehen. Und dennoch wär’ ich dir nicht böse, weil ich weiß, wie du es meinst.

Und sie lächelt und wir reden genau darüber, worüber man sonst nie redet. mokita.

Bericht: 1. Platz beim Slam auf der Couch am 16.12.10

mein Eichenblatt

mein Eichenblatt

Bevor es heute Abend auf den nächsten Slam geht, kurz ein Bericht über den Slam auf der Couch im Filmhaus in Stuttgart. Tino, unter anderem auch selbst Slammer, war diesmal mit Halina als Musikerduo zu Gast. Mit Mundtrompete, Gesang und Looper machen die beiden unglaublich gute Musik. Wenn alles gut läuft, gibt es von dem Abend einen Mitschnitt, vielleicht kann ich euch ein bisschen der Musik präsentieren.

Nikita war wieder charmanter Moderator, als weitere Slammer waren Gebull, Bence, Aida, Birk und ein Newcomer Team, deren Namen “Der Naziwerwolf und der Ameisenimperator”. Glaube ich.

Das besondere beim Slam auf der Couch, oder auch Wortwahlslam, wie er früher hieß, ist das Aufweichen der “offiziellen Regeln”. Nikita interviewt jeden Teilnehmer mit drei kurzen fragen, bevor er auf die Bühne darf. Ich lese “Unhörbare Melodie“. Nachdem alle sechs Slammer dran waren, klatscht das Publikum Birk und mich ins Finale.

Aber so leicht dürfen wir da nicht unsere Zeit absprechen. Sondern wir müssen um unsere Textminuten spielen, in dem wir einen Dialog improvisieren müssen. Der Dialogpartner ist Domian, Nikita spielt immer wieder die Antworten ein. Das Publikum entscheidet, welcher Dialog besser ist und gibt mir damit drei Extraminuten im Finale. Insgesamt reicht mir die Zeit für “Die Sache mit dem Schwärmen.” und “Die Sache mit dem Rauchen.“.

Und die Texte reichen für den Sieg! Schönes Ding :) Heute geht’s gleich weiter mit dem Slam im Komma, in Esslingen. 20 Uhr geht’s los. Eintritt kostet es.

Morgen ist dann Lesebühne, wieder im Filmhaus um 16:00 Uhr. Das wird eine gemütliche Runde und ich freue mich auf euer kommen.

PS: Der Gewinn war übrigens das oben zu sehende Eichenblatt. eiche ist eine Untergrundgruppe aus Stuttgarrt und wurde als Pendant zu Banksy genannt. Auch ein schönes Ding! Nun aber, bis später und bis morgen!

Bericht: Michel Birbæk Leseabend

Suche jemanden mit Dänisch-Kenntnissen, welcher das übersetzen kann.

Suche jemanden mit Dänisch-Kenntnissen, welcher das übersetzen kann.

Vor zehn Tagen war ich des Abends in Heilbronn, um Michel Birbæk mal live zu erleben. Dank seines Gästebuches und seiner unglaublichen sympathischen Eigenart, die Einträge zu kommentieren hatte er mir zwei Gästelistenplätze verschafft, welche ich auch Anspruch genommen habe. Continue reading

Bericht: Poetry Slam Keller Klub am 17.10.

Warum wir alle zu Boden schauen, weiß ich nicht mehr. Foto: Robert Böing / kulturpegel.de

Warum wir alle zu Boden schauen, weiß ich nicht mehr. Foto: Robert Böing / kulturpegel.de

So langsam nähern wir uns von den Berichten wieder der Jetzt-Zeit. Leider bleiben die Rezensionen deshalb ein wenig auf der Strecke, aber das holen wir nach! Jetzt erstmal:

Sonntag. Keller Klub. Schon knapp ne halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn ist der Klub voll. Keiner kommt mehr rein. Vor all den dicht gedrängt sitzenden und stehenden Menschen steht ein Sofa samt Tischchen und Lampe in der linken Ecke der Bühne. Daneben, einsam, ein Mikrofon auf seinem Ständer. Continue reading