Menü Schließen

Kategorie: Leben (Seite 82 von 250)

Was übrig bleibt: „Man kann sich nicht aussuchen, ob man verletzt wird auf dieser Welt, alter Mann, aber man kann ein…“

“Man kann sich nicht aussuchen, ob man verletzt wird auf dieser Welt, alter Mann, aber man kann ein bisschen mitbestimmen, von wem. Ich bin glücklich mit meiner Wahl. Ich hoffe, sie auch.”

Das Schicksal ist ein mieser Verräter – John Green
Originalpost auf „was übrig bleibt“ http://ift.tt/1nZTirf

Was übrig bleibt: „Ohne Tränen in den Augen hatte er sich aufs Klo gesetzt, sein kleines schwarzes Moleskin-Notizbuch…“

“Ohne Tränen in den Augen hatte er sich aufs Klo gesetzt, sein kleines schwarzes Moleskin-Notizbuch hervorgeholt und alles aufgeschrieben: in welchem Winkel das Licht durch das niedrige, breite Fenster über ihnen aus das Bett gefallen war, die Farbe der Digitalziffern, die genauen Worte seiner Mutter. Letztendlich war das Leben immer noch seine Arbeit.”

Straight White Male – John Niven
Originalpost auf „was übrig bleibt“ http://ift.tt/1lLZErU

Buch: Arbeit und Struktur von Wolfgang Herrndorf.

Der erste Satz aus Arbeit und Struktur:

Ich bin vielleicht zwei Jahre alt und gerade wach geworden.

Wolfgang Herrndorf erfährt Anfang 2010 von seinem Hirntumor und beginnt, erst nur intern für Freunde und Verwandte, später öffentlich, ein Online-Tagebuch namens „Arbeit und Struktur“ zu verfassen, das er unregelmäßig bis zu seinem Tod Ende 2013 mit Worten befüllt. Ich hatte in dieser Zeit keine Ahnung von dem Blog, hatte ihn, wie viele andere, einmal kurz nach meinem Konsum von Tschick gefunden und erst zu seinem Tod intensiver gelesen. Wobei, eigentlich hatte ich auch dort nur kurz greingelesen. Und mir vorgenommen, ihn irgendwann komplett zu lesen. Dann bekam ich zum Geburtstag die gedruckte Ausgabe und die las ich dann sehr schnell. Es ist das, was es sein will: Das Tagebuch eines Menschen mit seiner eigenen Geschichte, seinen Problemen und seinen Meinungen. Soweit schonmal interessant. Wenn man jetzt aber auch noch die Romane und Menschen kennt, von denen Herrndorf schreibt, dann wird das richtig spannend. Tschick ist neben Sand eines der Bücher, die Herrndorf in der Zeit seit 2010 veröffentlicht hat. Und Tschick habe ich sehr gefeiert. Dieses Buch feiere ich nicht. Ich weiß nicht, ob dieses Buch feierbar ist. Aber es ist ein saugendes Element. Ich las mich durch die Einträge, war belustigt, empört oder traurig. Fragte mich, was ich zu dem Zeitpunkt gerade gemacht hatte. Erlebte diese Jahre, meine und seine, im Schnelldurchlauf und wenn er von Tschick redet und man weiß, was er meint, weil man es kennt, wow! Und dann ist es vorbei.

Ich glaube nicht, dass man Arbeit und Struktur gelesen haben muss. Aber wenn man Tschick kennt und liebt und man mehr über die Hintergründe erfahren will, und vielleicht noch etwas über das Leben und das Schreiben. Dann ist dieses Buch eine sehr empfehlenswerte Lektüre. Ich weiß nicht, wie lange, aber noch kann man den Blog auch online kostenlos lesen. Mit farbigen Bildern und Links. Erstere sind im Buch schwarzweiß, zweitere existieren dort nicht. Dafür gibt es ein Nachwort, Anmerkungen und unveröffentlichte Artikel im Anhang. Und natürlich hat man in der Druckversion etwas wertigeres in der Hand. Die letzten drei Jahre eines Lebens quasi.

Arbeit und Struktur von Wolfgang Herrndorf erschien bei Rowohlt.

Was übrig bleibt: „Ich habe mich schon immer geschminkt. Der Lippenstift ist blutrot. Nur die Lippen sind nicht mehr…“

“Ich habe mich schon immer geschminkt. Der Lippenstift ist blutrot. Nur die Lippen sind nicht mehr da. Die sind irgendwann einfach weggegangen. Vielleicht haben die Mundwinkel sie verjagt. Als die immer fester wurden. Und sich nach unten verzogen. Ich trage Make- up auf, es bleibt in den Falten meines Gesichts hängen. Ich sehe mein Gesicht damals. An diesem Morgen. Damals, in Paris. Im Hotelbett hinter mir schlief Wolfgang. Es war unser erstes Wochenende zusammen. Es hatte diesen Nebel draußen, den nur Herbste bringen. Ich sah auf die zinnfarbenen Dächer und wußte absolut nicht, was ich machen sollte, vor Glück. Ich zog mich also an und ging raus. Es war noch kühl. Ich saß in einem Straßencafé und trank Kaffee. Sah zu dem Hotelzimmer hoch. In dem meine erste große Liebe lag. Komisch, daß ich die meisten Sachen nur in der Erinnerung richtig fühlen kann. […] Ich glaube wirklich, so glücklich wie damals allein in diesem Café, war ich nie mehr. Anders glücklich. Aber nie mehr so. Bei späteren Glücken wußte ich ja schon, daß Glück eine endliche Sache ist. Damals glaubte ich, das wäre jetzt für immer so. Ich habe Wolfgang später verlassen. Ich dachte ja, da warten noch viel größere Sachen auf mich. Aber dann habe ich gemerkt, daß mein Leben einfach zu kurz ist, für diese ganzen großen Sachen. Und jetzt stehe ich da, morgens, und schminke meine Lippen. Die gar nicht mehr da sind. Und für wen weiß ich nicht.”

Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot – Sibylle Berg
Originalpost auf „was übrig bleibt“ http://ift.tt/1pLA6zw

Was übrig bleibt: „Ich sammle Sehen für ihn. Ich gucke mir alle Straßen an und Lokale und Leute und Laternen. Und dann…“

“Ich sammle Sehen für ihn. Ich gucke mir alle Straßen an und Lokale und Leute und Laternen. Und dann merke ich mir mein Sehen und bringe es ihm mit.”

Das kunstseidene Mädchen – Irmgard Keun
Originalpost auf „was übrig bleibt“ http://ift.tt/1jeJQNz