Straßenpoesie: Semihaarkatze / Wolkenmauer / Schnuggldibuddl / Halbdifferenzial-Kurzschlussringgeber

Verfickte Scheiße! Paul fluchte laut auf. Seine kleine Transportmaschine verlor rasant an Höhe. Und der linke Propeller brannte. Ein Blick auf die Instrumententafel sagte ihm: Der Halbdifferenzial-Kurzschlussringgeber war ausgefallen. Der hatte eh schon einen Wackelkontakt gehabt und Paul wollte ihn mit dem nächsten Lohn austauschen. Diese Lieferung hätte ihm das nötige Geld gebracht.
Neben einem alten, extrem reichen Pärchen hatte er nämlich ihren kostbarsten Besitz an Bord: Eine Semihaarkatze. Eine der letzten Lebenden. Und wahrscheinlich wäre diese auch nun bald tot. Die Maschine durchbrach die Wolkenmauer über Karlsruhe und näherte sich im Steilflug der Innenstadt. “Schnuggldibuddl”, hörte er die alte Schachtel ihren reichen Mann fragen. “Bringt uns der nette Mann bis vor die Haustür?” Wahrscheinlich ist das das Letzte, was ich tue, dachte Paul. Dann fällt sein Blick auf den Fallschirm neben sich, der Einzige an Bord. Er schnappt sich seinen Lohn, den Fallschirm und springt aus der Maschine. Diese rast haarscharf am Schloss vorbei und explodiert in den Bäumen dahinter. Ich sollte Taxifahrer werden, denkt sich Paul, als er zur Erde sinkt.

Straßenpoesie: Passagenspaziergänge

Die nackten Füße spüren jeden Kopfpflasterstein. Es muss vorher geregnet haben.
Die Nase riecht duftendes Essen. Der Magen sagt Hallo, ich bin da.
Die Augen können sich nicht entscheiden, wohin sie blicken wollen und haben weniger zeit als sie brauchen.

Die Köpfe der Schaufensterpuppen drehen sich, wenn wir nicht hinsehen.
Preisschilder ändern sich, wenn sie jemanden sympathisch finden.
Die Türglocken klingeln dann schon leise und freudig, bevor die Tür sich öffnet.

Ein bärtiger Junge samt Hund posiert vor einer Hauswand und hinter einem Schild: Hund braucht Geld, um Herrchen zu füttern.
Das alte Postamt aus ehrwürdigen Mauern ertrinkt in einer Flut von illegal angebrachten Plakaten.
Eine Werbetafel wirbt wirkungslos für eine Ansammlung zukünftiger Geschäfte, die den gleichen alten Scheiß verkaufen.

Sonnenlicht spiegelt sich in den Pfützen.
Melancholie umspült die nackten Beine.
Wäscht die alten Steine sauber.

Und die Seele füllt sich mit diesem warmen, nicht beschreibbarem Gefühl.

Die Sache mit der Straßenpoesie.

Straßenpoesie: Architektur in Nordkorea als Spiegel der Gesellschaft

Mit dem spitzen Ende des Lackschuhs drückte er die Kippe am Boden aus. Sie dagegen presste die ihrige an die raue Betonwand des Plattenbaus. Das fahle Sonnenlicht spiegelte sich in den Legionen von gleichförmigen Fensterscheiben. Kasimir schüttelte den Kopf, nachdem er vergeblich versuchte, die Sonne selbst zu sehen und nicht nur ihre Spiegelung.
“Ich kann mit der Architektur in diesem Land einfach nichts anfangen. Alles grau und trist. So eckig und Albert-Speer-mäßig. Ich kann die Gebäude einfach nicht auseinanderhalten.”
Sara sah die Reihen der Fenster und Türen entlang, nickte und zündete die nächste Kippe an.
“Wie sieht nochmal der Typ aus, den wir treffen sollen?”
Kasimir zuckte die Schultern. Dann zog er einen Zettel aus der Innenseite seiner Cordjacke. “Hier steht nur: Lange Haare, blau. Mitte zwanzig. Schwarze Lederjacke.” Beide sahen sich um. Legionen von bunten Frisuren verschiedenster Länge lavierten durch die grauen Gassen. “Ich kann mit den Menschen in diesem Land einfach nichts anfangen. Alles bunt und wild. So freaky und hippiemäßig. Ich kann die Menschen einfach nicht auseinander halten.

Straßenpoesie: Blitz / Katze / Kinderwagen / Atomkraftwerk / Paris

Straßenpoesie.

Straßenpoesie.

Paris! Stadt der Liebe und der Froschschenkel – ich verabscheue dich und deine Straßen! Ich stolpere jeden Tag über Kinderwägen mit schreienden Kindern, deren Eltern ein Foto von dem verrosteten Stahlturm und sich selbst machen. Und jede Nacht folgen mir Katzen unter das Fenster meiner Dachstube.
Paris… Ich wünsche dir ein Atomkraftwerk samt Erdbeben. Auf das du in deiner Erinnerung als Katastrophe erscheinst. Die Menschen sollen sagen: Paris, war das nur eine schlimme Zeit.
Paris. Stadt meiner Albträume. Wie ein Blitz kam ich damals, ich war dumm und jung, zu dir gerast. Verbrachte die Tage unter Künstlern und die Nächte unter rotem Licht. Hoffte, malte, schrie und bettelte. Und zerbrach an deiner Fassade.
Paris! Ich komme wieder, keine Frage. Sobald ich das Geld habe, welches du mich kostest.

Text: Ich kann jederzeit

Ohne Rückversicherung hätte er nie losgehen können.
Thomas hatte sich sein ganzes Leben lang einen Hinterausgang freigehalten.

Mit 16 Jahren und ein wenig Druck seines Vaters löste er die Band auf, mottete die Gitarre ein und begann die Ausbildung bei der Bank. Und er sagte sich:
“Ich kann jederzeit wieder eine Band gründen und von der Musik leben!” Continue reading

Text: Das. War. Knapp.

Ich sitze in der Bahn und starre aus dem Fenster auf den tatgtäglichen Stau meiner Stadt. Wir kommen an der nächsten Haltestelle zum stehen, neben uns steht ein Speditionslaster. Der Fahrer ist auf meiner Augenhöhe und isst ein Brot. Als er bemerkt, dass ich ihn beobachte, lächelt er und nickt mir zu. Ich tippe an meinen imaginären Hut und lächele zurück.

Vor drei Jahren saß ich mit Frau und Kind im Stauende in einer Kurve, als ich im Rückspiegel einen LKW der gleichen Spedition ungebremst auf uns zu rasen sehe. Ich schreie meine Frau an und scheuche sie aus dem Auto, greife nach meinem Sohn, reisse ihn aus dem Kindersitz und springe aus dem Auto. Ich komme neben meiner Frau zum stehen, drehe mich um und sehe, wie die kurze Bremsspur des Lasters in den Trümmern unseres Autos endet. Ich schaue meine Frau an. Das war knapp, sage ich. Dann wiederhole ich den Satz und betone dabei jedes Wort. Das. War. Knapp. Und meine Frau nickt stumm.

Die Bahn schließt ein letztes Mal die Türen, als ein Typ sie von aussen nochmal öffnet. Er schreit seine Freunde an und scheucht sie in die Bahn, greift nach dem Fahrschein, reisst ihn aus dem Automaten und springt in die Bahn. Er kommt neben seinen Freunden zum stehen, dreht sich um und sieht, wie die Bahn die Haltestelle verlässt. Er schaut seine Freunde an. Das war knapp, sagt er. Dann wiederholt er den Satz und betont dabei jedes Wort. Das. War. Knapp. Und seine Freunde nicken stumm.

Straßenpoesie: Wer braucht schon Farbe, wenn er Kontur hat?

Das Original

Das Original

Kurz nachdem ich den Kinosessel verlassen hatte, hatte ich schon wieder Lust, mich reinzusetzen. Stundenlang konnte ich mich in diesen abgefuckten Sesseln lümmeln und Filme über die Leinwand flimmern sehen.
Treffe ich ein Mädchen und es geht um Themen, die die Welt bewegen und hoffentlich mich in ihr Bett, dann komme ich schnell auf das Thema, welches mich in den Sesseln der Kinos dieser Welt leben lässt. Filme. Nicht dieses Milliardendollar CGI Geballere aus Hollywoodland. Kein Arthauskino aus Argentinien. Keine Keinohrfilme aus Deutschland.
Wir reden von alten Schwarzweißfilmen.

Wer braucht schon Farbe, wenn er Kontur hat?

Seid doch ehrlich, Jungs, interessiert euch die Farbe des T-Shirts oder die Kontur der Brüste, welche ihr darunter vermutet und erhofft? Von mir aus könnte das ganze Leben schwarzweiß sein. Alles Wichtige lässt sich auch farblos abbilden.
Fußball funktioniert ohne Farben. Die Arschkarte erkennt man dennoch. Die 22 Menschen auf dem Feld genauso. Wusstet ihr, dass die Arschkarte aus genau diesem Grund eingeführt wurde? Damit man sie als rote Karte erkennt. Das ist auch der Grund, weshalb die rote Ampel immer ganz oben ist.
Die ganze Welt funktioniert schwarzweiß. Ein rosa Schwein ist trotzdem noch ein rosa Schwein und rosa wäre ein ganz bestimmter Graugrad.
Die ganze Welt funktioniert schwarzweiß. Das Rotlichtmilleu erkennt man auch ohne die rote Farbe.
Die ganze Welt funktioniert schwarzweiß. Musik funktioniert ohne Farbe. Denn ganz egal, ob du dich durch Rock’n’Roll, Death Metal oder HipHop von deinem Radiowecker wecken lässt, du triffst den Wecker, ganz egal welche Farbe er hat.
Wenn das Mädel dann lacht. Oder zumindest lächelt, dann sage ich, ja, das ist nämlich auch der größte Irrtum in der Kunst. Dann stutzt das Mädel. Und ich sage, ja das ganze Leben ist Kunst.
Und alle Welt denkt, Kunst muss gut sein, sagt das Mädel.
Und ich nicke und denke, hä?, und sage, ja, das auch, aber eigentlich wollte ich auf was anderes hinaus. Der größte Irrtum in der Kunst ist… tja, und dann reisst der Film. Das ist das Problem an Schwarzweißfilmen. There ain’t no DVD. Das sind immer noch Filmrollen, die benutzt werden. Und manchmal bleiben die hängen und brennen durch.
Wie Menschen im echten Leben auch. Aber wie im echten Leben geht es meistens danach auch schnell weiter. Aber leider hat man dann schon einen Teil verpasst.
Die ganze Welt funktioniert in schwarzweiß. Wer braucht schon Farbe, wenn er Kontur hat?
Ich freue mich darauf, mich wieder in einen Kinosessel fallen zu lassen. Und nach dem Film geht es raus in die schwarze Nacht. So schwarz, weiß ich, dass man nur noch Konturen erkennt.

Aber wer braucht schon Farbe, wenn er Kontur hat?

Originalende:
Ich freue mich darauf, mich wieder in den Kinosessel fallen zu lassen und von Nikita gestellte Fragen zu beantworten. Aber wenn ich das hier lese, ist meine Zeit im Sessel fast vorbei. Und dann geht es raus in die schwarze Nacht. So schwarz, weiß ich, dass man nur noch Konturen erkennt.

Aber wer braucht schon Farbe, wenn er Kontur hat?

Text: 20 Uhr beim Dicken

Sie kommt auf ihn zu, die Wangen gerötet, die Augen strahlend. Seit einer dreiviertel Stunde steht er am Treffpunkt in der Kälte und wartet auf sie. Unschuldig sieht sie ihn an.
“Ich bin zu spät.”, stellt sie fest.
“Ich hoffe, du wartest noch nicht lange.”

Sie hatten sich auf einer Party getroffen und für heute verabredet. Sie freuten sich beide, aber als sie sagte, dass sie Unpünktlichkeit verabscheue, erschrak er. Denn das war seine Schwäche. Aber für diese Frau, dachte er sich, werde ich alles tun, um pünktlich zu sein.
Er hatte sich ganz gegen seine Gewohnheit dazu entschlossen, den Wecker nicht zu überhören. Doch kurz bevor der Wecker klingeln sollte, blieb er stehen. Als er wider Erwarten pünktlich erwachte, schlang das Monster unter seinem Bett die Arme hervor und versuchte, ihn festzuhalten. Mit einem kräftigen Biss in das graugrüne Fell schaffte er es, sich zu befreien. Er zog sich an, sprang aus der Wohnung und stellte fest, dass sein Auto gestohlen worden war. Also schnappte er sich das Fahrrad. Was angesichts des Schnees und der Kälte eine dumme Idee war. Aber was tut man nicht alles, um der Dame seines Herzens zu genügen?
In hohem Bogen flog er über das Auto, welches er übersehen hatte. Er erwachte wieder im Krankenwagen, samt provisorischem Gips, und schrie und wollte herausspringen, bis sie ihn gewaltsam beruhigten. Als er sich endlich aus dem Krankenhaus geschlichen hatte, wäre er mindestens eine halbe Stunde zu spät gewesen. Also nahm er all seinen Mut zusammen und klopfte bei Professor Zapotec und fragte, ob er die Zeitmaschine benutzen dürfte. Nach zähen Verhandlungen und Darlegung der Geschichte willigte der Mann seufzend ein. So reiste er zurück und schlich zum Treffpunkt, er durfte ja nicht sich selbst begegnen. Nach einem kurzen Aufenthalt bei der Polizei, die ihn festhielt, weil er sich so komisch durch die Stadt bewegte, kam er gerade rechtzeitig am Treffpunkt an.
Und dann wartete er eine Dreiviertelstunde. Bis sie auf ihn zukommt, die Wangen gerötet, die Augen strahlend. Unschuldig sieht sie ihn an.
“Ich bin zu spät.”, stellt sie fest.
“Ich hoffe, du wartest noch nicht lange.”
Er sieht sie an, versteckt den Gipsarm hinter dem Rücken und lächelt.
“Wir scheinen ein starkes inneres Band zu haben. Ich bin auch gerade erst gekommen.”

Text: Die Sache mit dem Rauchen

Ich hasse Raucher. Und dabei schließe ich mich mit ein. Meine erste und einzige Kippe kam aus aus einer billigen, und billig ist hier in beiden Bedeutungen zu sehen, Schachtel gefälschter Marlboros aus dem Osten. Die Marke ist übrigens nach der gleichnamigen Straße in London benannt, soviel zum Cowboy und Marlboro Country. Meine erste Zigarette war also eine Marlboro und seitdem kann ich Rauch nicht einmal passiv ertragen.
Einmal, es war ein zufälliger sonniger Mittwochnachmittag und der Überlandbus blieb liegen. Der Fahrer, ein netter Kerl, der nichts dafür konnte, entschuldigte sich und eröffnete uns, wir müssten den Rest der Strecke laufen. Nach dem fast schon standardisiertem Gemecker bewegten sich die Leute in ziemlich genau den Gruppen, wie sie auch im Bus saßen auf dem engen Feldweg neben der Straße. Vor mir lief ein Pulk Halbstarker so langsam, dass ich an ihnen klebte, und so breit, dass ich nicht vorbeikam. Und ihr Rauch umhüllte mich andauernd. So sehr, dass ich das hübsche Mädchen neben mir erst gar nicht sah. Ich übertreibe, aber sie fiel mir tatsächlich spät auf. Ich sehe sie an und sage abfällig, dass ich Raucher nicht ausstehen könnee.
Sie lächelt, nickt und zieht an ihrer Selbstgedrehten. Ich erröte, sie lacht und der Rauch quillt aus ihrem Mund wie der Duft aus einer wunderschönen Blume. Sie hieß Maya. Das Mädchen, nicht die Blume.
Natürlich hieß sie nicht Maya, aber der Spaziergang an der Autobahn ist noch nicht lange genug her, als dass ich ihr einen anderen Namen als Maya geben könnte.
Sie hieß also Maya und wir liefen erst den Rest des Weges gemeinsam und gingen danach miteinander. Dass sie rauchte, war eine dieser Angewohnheiten, die man nicht gut findet, aber wegen was auch immer dann doch erträgt. Dafür gab es an ihr und durch sie zu viele schöne Sachen, die das wieder wett machten. Eine dieser Sachen waren ihre Küsse. Denn ihre Lippen hatten durch das Rauchen einen warmen, speziellen Geschmack, der bis heute einmalig ist.
Die Zeit mit dieser Maya ging recht intensiv und schnell vorüber. Fast als wäre es eine Illusion gewesen.
Aber seitdem gibt es immer wieder Orte, an denen ich den warmen Geschmack ihrer Lippen in der Nase habe.
Ich hasse Raucher. Manchmal.

Text: Die Sache mit dem Schwärmen.

In der dritten Klasse war ich verliebt in Maya.

Natürlich hiess sie nicht Maya. Aber die dritte Klasse ist einfach noch nicht lange genug her als das ich ihr einen anderen Namen als Maya geben könnte. In Indien ist Maya, geschrieben Māyā, der Name einer Göttin und bedeutet “Illusion”.
In der dritten Klasse also war ich verliebt in Maya. Wenn mich jemand fragte, warum ich Maya so toll fand, sagte ich: “Weil sie so einen tollen Hals hat.” Ich kann mir bis heute nicht erklären, was ich da eigentlich gemeint hatte, aber so war das. Ich ritzte unsere Namen in den Bettpfosten des Doppelbettes, welches ich mir mit meiner Schwester teilte. Ich zeichnete ein Bild von ihr in mein Tagebuch. Und unter dem Druck meiner “Freunde” schrieb ich ihren Namen in ein Freundebuch in die Zeile “Ich schwärme für…”

Mal abgesehen von einem Haufen Bienen oder Fliegen ist “Schwärmerei” in meinem Sprachgebrauch eine Art von Zuneigung, die etwas schwächer ist, als die Verliebtheit. Der Großteil meiner Klassenkameraden war anscheinend unsicher, was schwärmen bedeutet, deswegen fragten sie ihre Eltern. Diese antworteten: Das ist jemand, den du gut findest. Deshalb standen in dieser Zeile über das Schwärmen oft solche Sachen wie Michael Ballack, KSC oder Backstreet Boys. Ich fand das schon damals ein wenig komisch. Deshalb klärte ich sie auf und sagte, da gehört der Name des Mädchens rein, welches sie gern haben. Vielleicht hätte ich das erst nach meinem eigenen Eintrag machen sollen.

Aber nachdem also all die Jungs der Klasse um meinen Tisch herum standen und mich drängten, endlich den Namen eines Mädchen einzutragen, schrieb ich mit der schönsten hässlichen Linkshänderschrift eines Drittklässers: Maya.

Maya war zu diesem Zeitpunkt noch im Raum und ein kollektiver Schrei ging durch die Jungs, um Maya diese Neuheit mitzuteilen. Und falls ich jemals noch ein wenig Hoffnung hatte, zerstörte dieses Mädchen mit dem tollen Hals diese, denn sie antwortete nur: “Ich aber nicht für ihn.” Sie beantwortete das, während sie mit ihrem Schulrucksack auf den Schultern gerade auf dem Weg durch die Tür war. So belanglos und nebenbei, als wenn sie jemand nach dem Wetter gefragt hätte.

Zehn Jahre später traf ich Maya wieder und irgendwie war das Schönste an ihr immer noch ihr Hals. Und ich dachte für mich, hm, vielleicht ist das manchmal ganz gut, wenn das schwärmen nicht auf Gegenseitigkeit beruht.

Text: Superheldenkräfte können einem ganz schön den Tag versauen.

Es ist ein junges Pärchen. In beiderlei Hinsicht. Sie liegen in ihrem Bett, bei geschlossenen Türen und sie sind nackt. Es ist das erste Mal. In jeglicher Hinsicht.
Aber irgendwie funktioniert es nicht. Irgendwann hört er auf. Er verschwindet ins Bad. Als er wiederkommt, liegt sie unter der Decke. Sie entschuldigt sich, aber er schüttelt den Kopf. Er küsst sie, lächelt und meint, alles wäre in Ordnung und beim nächsten Mal würde es klappen.
Er weiß nicht ob es seine Fähigkeit ist, Gedanken zu lesen oder in die Zukunft zu schauen. Aber auf einmal und mit unabänderbarer Sicherheit weiß er, dass es kein nächstes Mal geben wird. Und er schüttelt innerlich den Kopf und denkt, ohne seine Kräfte hätte es ein schöner Tag samt guter Erinnerung werden können.

Straßenpoesie: Asphalt

Direkt aus der Schreibmaschine getickert.

Direkt aus der Schreibmaschine getickert.

Sonne prallt auf den Asphalt. Seit Tagen war der Mond nicht mehr zu sehen gewesen. Die einzige Abkühlung waren ein paar kleine Schafwolken. Über dem schwarzen Teer flimmert die Luft. Der bunt bemalte Bus, der am Straßenrand auf dem ADAC wartet, versinkt langsam im Boden. Nicht so schnell, dass wir aufspringen und schreiend davonrennen, aber dennoch unaufhaltsam.

Sonne prallt auf den Asphalt. Fußabdrücke von leichten Mädchen in Stöckelschuhen sehen aus wir vorgefertigte Löcher für Pfennige.  Schade, dass davon nur noch so wenig im Umlauf sind.

Sonne prallt auf den Asphalt. Es ist heiß und denken ist langsam.

Text: Harmonie ist scheiße.

Harmonie ist scheiße.
Wir müssen unsere Herzen brechen, damit wir uns wirklich lieben können. Wir müssen sie beide brechen. Sie in richtig kleine Stücke reißen. Gegenseitig. Und dann müssen wir einen Haufen machen aus den Scherben unserer Herzen. Einen blutroten, pochenden Haufen. Und diesen teilen wir in der Mitte und puzzeln uns neue Herzen zusammen. Und dann schlägt in jeder Brust ein Teil des Herzens des anderen. Und dadurch, dass wir dann fühlen, was der andere fühlt, können wir ihn richtig lieben. Und weil sein Teil in unserer Brust immer noch uns liebt, können wir uns selbst richtig lieben. Erst dann können wir richtig lieben.
Harmonie ist scheiße. Lass uns unsere Herzen brechen und endlich anfangen, uns zu lieben.