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Roman: Bevor wir verschwinden von David Fuchs


Wir defibrillieren die Schweine in Planschbecken.

Der erste Satz aus Bevor wir verschwinden

Ein junger Arzt im Praktikum, der auf seiner Station seiner ersten großen Liebe wiederbegegnet, im letzten Krebsstadium.

Ich habe vor knapp einem Jahr ein Praktikum im Hospiz gemacht, eine ziemlich krasse Erfahrung. Deshalb war ich auch ziemlich gespannt auf diesen Roman.

Ich brauchte, bis ich auf die Sprache klar gekommen bin, auf diese Art des Erzählens. Direkt, fast schon distanziert und emotionslos. Vielleicht wie ein Freund, der unter Schock steht und versucht, den Bericht zu beenden, bevor er zusammenbricht. Das hat es mir während des Lesens relativ schwer gemacht, dabei zu bleiben. Anteil zu nehmen.

Aber dann, eigentlich schon, nachdem ich mit dem Buch durch war, hat es mich lange nicht losgelassen. Dann kam ich immer wieder zurück zur Geschichte. Als müsste sie erst einsinken, damit sie wirken kann. Das macht dieses Buch zu einem ganz eigenem Leseerlebnis. Mehr noch ein Geschichtserlebnis, bei dem das Lesen selbst in den Hintergrund tritt.

David Fuchs hat für mich den zweiten Platz beim Bloggerpreis „Das Debüt“ belegt.

Bevor wir verschwinden von David Fuchs erschien bei haymon. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Film & Verlosung: Der verlorene Sohn – Boy Erased

Die Geschichte von Jared, schwuler Sohn eines Baptistenpredigers, der von seinem Vater in ein religiöses Ex-Gay-Programm geschickt wird, eine sogenannte Reparativtherapie.

Knapp zwei Stunden sehen wir Jared dabei zu, wie er voller Scham und von Schuldgefühlen zerfressen tatsächlich versucht, seinem Vater, aber auch Gott gerecht zu werden. Weil der Glaube Teil seines Lebens ist. Seine sexuelle Orientierung aber genauso.

Die Hälfte der Zeit sitze ich mit vor Wut und Fassungslosigkeit verkrampften Magen im Kino. Ich kann es nicht fassen, wie Menschen im Namen Gottes erniedrigt, beschämt und gebrochen werden.

Der verlorene Sohn ist kein Film, den man sich mal eben zu Unterhaltung ansieht. Es ist ein wirklich krasser, aufwühlender Film – großartig dargestellt von unter anderem Nicole Kidman, Russell Crowe, Joel Edgerton und Lucas Hedges – der zwar auch ein paar fröhliche Momente hat, einen berührenden Soundtrack und vor allem ein hoffnungsvolles Ende.

Aber der Unterton bleibt ernst bis zum Schluss, er schafft es, mir klarzumachen, dass es bis heute leider nicht selbstverständlich ist, jeden lieben zu lassen, wen er will. Und was das für Menschen bedeutet.

DER VERLORENE SOHN läuft ab 21. Februar im Kino.

Der Film basiert auf der Autobiographie Boy Erased von Garrard Conley, letztes Jahr erschienen beim Secession Verlag. Conley hat diese Therapie selbst erlebt und mit seinem Buch Aufmerksamkeit darauf gelenkt. Schade, dass der Verleih dem Film im Deutschen einen anderen Titel gegeben hat, sodass nicht gleich klar wird, dass es noch ein Buch zum Film gibt. Und andersherum.

Umso schöner, dass ich beides verlosen darf!

Gewinnspiel:

Ich darf zwei Pakete verlosen, jeweils mit zwei Freikarten für den Film und dem dazugehörigen Buch.

Schreibt mir eine Mail (oder einen Kommentar) mit eurer Adresse und sagt mir, was war der letzte Film, der euch wirklich aufgewühlt hat?

Einsendeschluss ist Sonntag, der 17. Februar. Der Zufall entscheidet, dann gehen die Pakete direkt raus. Die Adressen werden für nichts anderes verwendet und direkt danach wieder gelöscht. Viel Erfolg!

Der verlorene Sohn läuft ab 21. Februar im Kino. Boy Erased von Garrard Conley wurde übersetzt von André Hansen und erschien beim Secession Verlag. Die Gewinne und das Rezensionsexemplar wurden mir zur Verfügung gestellt.

Was übrig bleibt: „Ich lehnte am Fenster, wir redeten über Allfälliges. Mehr passierte nicht. Und ich weiß, es sind…“

“Ich lehnte am Fenster, wir redeten über Allfälliges. Mehr passierte nicht. Und ich weiß, es sind ereignisreichere Geschichten von der Liebe erzählt worden, und doch bestehe ich darauf, dass meine Geschichte eine der schönsten ist. Nimm es oder lass es.”

Unter der Drachenwand – Arno Geiger
Originalpost auf „was übrig bleibt“, eine Sammlung unterstrichener Sätze, gefundener Worte & liegengebliebener Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Hörbuch: Mortal Engines – Krieg der Städte von Philip Reeve, gesprochen von Robert Frank

Es war ein dunkler, böiger Nachmittag im Frühling, und im ausgetrockneten Bett der Nordsee eröffnete London die Jagd auf eine kleine Schürferstadt.

Der erste Satz aus Mortal Engines – Krieg der Städte

In einer dystopischen Zukunft bewegen sich die Städte und Ortschaften auf riesigen Ketten und Rädern durch die zerstörte Natur, auf der Suche nach kleineren Städten, die sie sich einverleiben können.

In dieser Welt kommt Tom einer Verschwörung auf die Spur, die seine Heimatstadt London samt seiner Helden in einem ganz anderem Licht zeigt.

Ich sah den Trailer zum dazugehörigen Film, mochte das Setting und diese gezeigte Welt sehr und erfuhr, dass es eine ganze Buchreihe gibt, samt Hörbüchern.

Mortal Engines ist einfach, manchmal sogar plump geschrieben. Besonders der Anfang hat es mir schwer getan. Auch, weil ich mich erst an die Spreche von Robert Frank gewöhnen musste. Frank hat anfangs einen stakkatoartigen, distanzierten Duktus drauf. Vielleicht hatte auch er es noch mit dem Text schwer. Im Laufe des Buches wird er immer flüssiger und zeigt auch sein Talent, Figuren eine eigene Stimme und eigenen Charakter zu geben.

Nachdem ich mich an die Sprache von Reeve gewöhnt hatte, nachdem die Welt und das Setting eingeführt waren und die Geschichte an Fahrt aufnahm, war ich drin. Über neun Stunden folge ich Tom und seiner Gefährtin Esther durch diese steampunkige Welt, treffe Heldinnen und skurrile Gestalten, täusche mich in Menschen und sehe ihnen zu, wie sie über sich hinauswachsen. Und als es vorbei ist, weiß ich, dass es im nächsten Band weitergeht.

Die Sprache ist einfach und manche Momente sind ein wenig plump, aber Reeve hat eine phantastische Welt geschaffen und ich reise gern mit seinen Bewohnern.

Mortal Engines – Krieg der Städte von Philip Reeve, übersetzt von Gesine Schröder und Nadine Püschel, wurde gesprochen von Robert Frank und erschien bei Argon. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

10 Jahre mokita.de

seit 2009 betreibe ich diesen Blog. Yeai. Seitdem: 2350 Kommentare rund 1550 Beiträge, das heißt 0,42 Beiträge pro Tag. Fast 100 Geschichten, Texte und Gedichte, 2 Hörbücher, 1 Roman. Bitte. Danke. Lächeln, Fabian.