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Spiel: Far: Lone Sails

Die Welt nach der Apokalypse. Du, eingepackt in einen roten Regenmantel, vor dir ein Grab. Du verabschiedest dich und machst dich auf den Weg, in deinem großen Gefährt.

Far: Lone Sails ist Abenteuer-Sidescroller und ein wenig Puzzler, aber hauptsächlich Atmosphäre. Anfangs muss ich mich reinfuchsen, wie mein Fahrzeug funktioniert, aber als es dann rollt, genieße ich die Landschaften, die angedeuteten Geschichten, die ich auf auf meinem Weg passiere, und den Soundtrack.

Manchmal wird das Spiel schnell und hektisch, weil ich gleichzeitig nachladen, ein Feuer löschen und Dinge einsammeln muss. Aber meist reise ich dahin. Dann geht die Kamera ein wenig raus und ich kann die Weite genießen, das Gefühl unterwegs und frei zu sein.

Im gesamten Spiel gibt es keine Gespräche, kaum Worte und nur sehr wenig Kommunikation. Ich muss mir die Geschichte selbst zusammenbauen. Und es ist eine berührende, emotionale Geschichte, die ich in meinem Kopf habe, zu der ich so starken Zugang habe, vielleicht gerade weil Far: Lone Sails nur Dinge andeutet, statt sie auszuerzählen.

Ich brauche knapp vier Stunden, um zum ersten Mal anzukommen und ich fühle mich ruhig und zufrieden, als hätte ich Urlaub gemacht. Das war nicht das letzte Mal, dass ich dieses kleine rotgekleidete Männchen begleite, dass ich diese Geschichte neu erlebe.

Far: Lone Sails erschien bei Mixtvision und ist für Mac, PC, Xbox One und Playstation 4 erhältlich. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Hörbuch: Diner des Grauens von A. Lee Martinez, gelesen von Oliver Rohrbeck

Irgendwo im Nirgendwo, an einer verlassenen Straße, träumte das Diner von den hungrigen Toten.

Der erste Satz aus Diner des Grauens

Earl und Duke sind ein Vampir und ein Werwolf, sind beste Freunde und gemeinsam unterwegs. Als sie zufällig an diesem Diner anhalten, das von Zombies angegriffen wird, wissen sie, dass sie nicht verschwinden können, solange das nicht geklärt ist.

So skurril, wie sich das liest, ist das ganze Buch. Ich kannte A. Lee Martinez vorher nicht und war so ziemlich von Anfang an angetan. Er konstruiert eine verrückte Welt, in der alles möglich ist, erzählt eine witzige und spannende Geschichte, irgendwo zwischen Max Brooks, Jasper Fforde und Terry Pratchett, die sich total schön anhören lässt. Ich schmunzele andauernd, bin gespannt, wie es weitergeht und bin ein wenig traurig, als es zu Ende ist.

Am meisten gestört hat mich leider die Art, wie Oliver Rohrbeck den Roman gesprochen hat. Ich mag seine Stimme sehr und ich mag vieles, was er macht. Bei diesem Buch habe ich das Gefühl, er traut der Geschichte nicht und legt besonders im ersten Drittel eine erzwungene Coolness in die Stimme, die weder er noch der Roman brauchen. Die überzogene Art des Sprechens passt zwar zur überzogenen Geschichte, mir hätte es besser gefallen, wenn Oliver Rohrbeck der Geschichte mehr Platz gelassen hätte. Irgendwann groovt er sich ein und dann greifen Sprecher und Geschichte noch besser ineinander.

Ein phantastischer Roman, der grandios unterhält, leider ein wenig gewollt vorgelesen. Nun mal sehen, wann ich mal wieder was von A. Lee Martinez in die Finger bekomme.

Diner des Grauens von A. Lee Martinez wurde übersetzt von Karen Gerwig und gesprochen von Oliver Rohrbeck. Das Hörbuch erschien bei der Lauscherlounge.

Deutsche Übersetzung: Drei Geschichten von @sixthformpoet

Ich habe diese Geschichten bei Orbanism gefunden und sie haben mich zum lächeln gebracht. Die Originale sind auf twitter veröffentlicht, dies ist eine schnelle Übersetzung auf Deutsch.

EINS

Mein Vater starb. Der klassische Anfang einer lustigen Geschichte. Er wurde in einem kleinen Dorf in Sussex begraben. Ich stand ihm wirklich nahe, deshalb besuchte ich häufig sein Grab. [KEINE ANGST, ES WIRD LUSTIGER.]

Ich brachte jedes Mal Blumen und meine Mutter kam oft vorbei und brachte jedes Mal Blumen und meine Großeltern lebten damals noch und sie brachten jedes Mal Blumen. Das Grab meines Vaters hatte große Ähnlichkeit mit dem dritten Platz bei der Chelsea Gartenschau.

Schön, aber mir tat der Mann leid, der neben meinem Vater begraben liegt. Er bekam NIE Blumen. Starb mit 37 Jahren an Weihnachten, niemand brachte ihm jemals Blumen und neben ihm hat ein Pop-Up Blumenladen aufgemacht. Also begann ich, ihm Blumen zu kaufen. ICH BEGANN, BLUMEN FÜR EINEN VERSTORBENEN ZU KAUFEN, DEN ICH NIE GETROFFEN HABE.

Ich machte das für eine ganze Weile, aber ich erzählte nie jemandem davon. Das war mein eigenes kleines Ding, ich machte die Welt ein bisschen besser, ein Strauß Blumen nach dem anderen. Ich weiß, es hört sich komisch an, aber irgendwann war er sowas wie ein Freund.

Ich fragte mich, ob es eine verborgene Verbindung zwischen uns gab, irgendwas, was mich insgeheim zu ihm zog. Vielleicht waren wir auf der gleichen Schule, spielten im gleichen Fußballteam oder was auch immer. Also googelte ich seinen Namen und zehn Sekunden später fand ich ihn.

Seine Frau brachte ihm keine Blumen, WEIL ER SIE UMGEBRACHT HAT. AN WEIHNACHTEN. Nachdem er seine Frau getötet hat, brachte er auch noch ihre Eltern um. Und danach sprang er vor den einzigen Zug, der in dieser Weihnachtsnacht durch den Tunnel bei Balcombe fuhr.

DESHALB brachte ihm nie jemand Blumen. Niemand außer mir, natürlich. Ich brachte ihm Blumen. Ich brachte ihm alle paar Wochen Blumen. Ich brachte ihm SEIT ZWEIEINHALB JAHREN alle paar Wochen Blumen.

Ich hatte ein schlechtes Gewissen seiner Frau und seinen Eltern gegenüber. Ich wollte ihnen jetzt nicht alle paar Wochen für zweieinhalb Jahre Blumen bringen, aber ich fühlte mich, als ob ich ihnen eine Art von Entschuldigung schuldete.

Ich fand heraus, wo sie begraben waren, kaufte Blumen und fuhr zum Friedhof. Als ich eine Entschuldigung murmelnd an ihren Gräbern stand, erschien eine Frau hinter mir. Sie wollte wissen, wer ich sei und warum ich ihrer Tante und ihren Großeltern Blumen brachte. UNANGENEHM.

Ich erklärte es ihr und sie meinte, das sei komisch, aber irgendwie auch süß. Ich sagte danke, ja, es ist ein wenig komisch und, oh mein Gott, FRAGTE ICH, OB SIE WAS TRINKEN WOLLE. Unglaublicherweise sagte sie Ja. Zwei Jahre später sagte sie wieder Ja, als ich sie fragte, ob sie mich heiraten würde, weil so habe ich meine Frau kennengelernt.

[ENDE]

ZWEI

Wir hatten zwei Kinder und letztes Jahr meinten sie, sie wollten nach Disneyland. Wir sparten dafür und buchten die Reise, aber anstatt zu sagen, klar, ihr wollt nach Disneyland, also los gehts nach Disneyland, entschieden wir, dass sie sich die Reise verdienen sollten. Ich sagte ihnen, dass sie 3000 Pfund auftreiben müssten.

Für jede gute Tat würde ich zehn Pfund addieren. Für jedes ungezogene Verhalten würde ich zehn Pfund abziehen. Bei 3000 Pfund würden wir SOFORT nach Disneyland fahren, wenn sie also zehn gute Taten am Tag machen würden, ohne ungezogen zu sein, könnten wir in einem Monat los. Locker.

Plötzlich waren sie die PERFEKTEN Kinder. Wenn ich von der Arbeit nach Hause kam, würden sie mich nach meinem Tag fragen und mir den Mantel abnehmen. Ich würde sagen, wie schön, oh, warte, ich verstehe, ja klar, legt zehn Pfund drauf, und sie würden sagen, zehn Pfund, ist das alles – wir haben die begrüßt und dir deinen Mantel abgenommen – ALLES KLAR, LEGT 60 PFUND DRAUF.

Am Tag vor unserer Abreise waren wir bei 2950 Pfund. Wir spielten gerade Frisbee im Park und er flog bis zu einem Obdachlosen. Wir gingen rüber und sagten Hallo. Er hieß John und war ein Künstler und er konnte WIRKLICH LUSTIG Kermit den Frosch nachmachen.

Auf de Weg nach Hause wurde klar, dass meine Kinder noch nie einen obdachlosen Menschen getroffen hatten. Sie wollten wissen, warum er so viel Zeug mit sich schleppte. Ic erklärte, dass er dort wohne und sie fragten nach seinem Haus und wo er seine Wäsche waschen würde und WAS IST MIT SEINEM JOB?

Ich versuchte, Obdachlosigkeit zu erklären und sie meinten, wenn er kein Geld hat, solltest du ihm einfach ein bisschen was geben. HERRGOTT. Ich sagte, Geld wächst nicht auf Bäumen und all *unser* Erspartes bringt uns morgen nach Disneyland. IHR SEHT, WORAUF DAS HINAUSLÄUFT.

Als wir zuhause ankamen, sagten sie, sie müssten eine Ankündigung machen, als ob sie eine Pressekonferenz zusammenrufen würden. Sie wollten die 2950 Pfund nicht für Disneyland ausgeben, sie wollten es dem Mann ermöglichen, irgendwo zu leben. VERDAMMTE SCHEIßE, KINDER, WIR FAHREN MORGEN FRÜH.

Ich war so, ok, schaut mal, das ist ein komplexes Thema und wir kennen ihn ja nichtmal und ehrlich gesagt, ich bin sehr stolz auf euch, aber JETZT GEHT WIRKLICH INS BETT, wir müssen morgen früh raus. Aber sie ließen nicht locker.

Ich ging zurück und erzählte ihm die Geschichte und meinte, schau mal, ich kann Disneyland nicht mehr absagen und ich habe keine weiteren 3000 rumliegen, aber ich kann dir ein Hostel für eine Weile bezahlen. Er weinte und lehnte ab, ich weinte und meinte, ERNSTHAFT, SIE WERDEN MIR DAS NIE VERZEIHEN.

Er bedankte sich und willigte ein und ich fuhr ihm zu einem Hostel und brachte ihn unter. Wir blieben in Kontakt und an Weihnachten kam er vorbei. Der Gute brachte Mickey und Minnie Mouse aus Plüsch mit. Liebenswert – FRÖHLICHE WEIHNACHTEN.

[ENDE]

DREI

Ich lebte neben einem Paar namens Lucy und Tim. Beide liebenswert, aber ganz unterschiedlich. Er war ein geselliger KOMM REIN UND TRINK CHAMPAGNER MIT MIR, sie war um einiges distanzierter.

Vor zwei Jahren und komplett unerwartet starb Tim. Ich kam mit ein paar Blumen und einer Karte vorbei und sagte, ich will Ihnen auf keinen Fall zu Nahe treten, ich will nur, dass Sie wissen, dass wir da sind, wenn sie uns brauchen. Ich gab ihr meine Nummer. Sie benutzte sie nie.

Zumindest nicht in den ersten 18 Monaten. Letztes Weihnachten hatten wir eine Million Leute zum Essen da, es war früher Abend und alle waren ein wenig angetrunken. Das Telefon klingelte – Lucy. Sie sagte, Matt, ich habe versucht, mich umzubringen. FUCK.

Ich sagte, okay, ich komme rüber. Lassen Sie mich rein? Sie sagte, Nein, ich habe Tabletten geschluckt und kann mich nicht bewegen, aber die Küchentür ist offen. Jemand rief den Notarzt und ich ging raus, um über den Zaun zu klettern. In kurzen Hosen und im T-Shirt. Am Weihnachtsabend.

Es fror und hatte zu regnen begonnen, aber was soll’s. Ich kletterte über den Zaun, rutschte aus, wurde schlammüberzogen, holte mir Schrammen an den Beinen, ABER WAS SOLL’S. Ich ging zur Küchentür und ließ mich rein. Sie saß mit einem abwesenden Gesichtsausdruck in einem Sessel und fragte, Matt, werde ich sterben?

Ich sagte, ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was genau haben Sie denn gemacht? Sie meinte, Tabletten. TABLETTEN UND GIN. Ich sagte, okay, wie viele Tabletten. Ich schwöre, sie sagte, vier. Und ich so, VIER, IST DAS ALLES?! (Ich meine, meine Klamotten waren ruiniert!!) Wieviel Gin? Sie sagte zwei große Gläser. WILLST DU MICH VERARSCHEN?

Sie meine, ich werde nicht sterben, oder? Ich sagte, WAHRSCHEINLICH HABEN SIE NICHTMAL EINEN KATER, SIE WITZBOLD. Es klopfte an der Tür – der Notarzt. Er fragte, wie viele Tabletten sie geschluckt hat. Sie sieht mich an, hebt eine Braue und sagt 12 Tabletten. EINE LÜGE.

Der Arzt fragt, wieviel Gin sie hatte und wieder sieht Lucy zuerst zu mir, hebt eine Braue und LÜGT MIT ZUSAMMENGEPRESSTEN ZÄHNEN. 12 Gläser, sagt sie. Jesus.

Der Arzt glaubt ihr nicht und Lucy sagt ihm die Wahrheit. Wir waren uns einig, dass sie vier Ibuprofen und ein paar Gläser Gin wohl überleben würde und der Arzt ließ sie mich mit zu mir nehmen. Ich brachte sie zu mir nach Hause und stellte sie jedem vor.

Jedem, inklusive John, unserem obdachlosen Freund aus dem zweiten Teil, erinnert ihr euch? Sie verstanden sich großartig und um es kurz zu machen, SIE HABEN SICH GERADE VERLOBT. Sie werden nächstes Jahr, in eben jenem Dorf heiraten, in dem diese Geschichten begannen. AWWWWWWW.

[Ende]

„Ja mei, is des beautiful!“

Der alte Herr setzt sich im Ludwigs Festspielhaus Füssen eine Reihe vor mich und ich bin verwirrt ob der totalen Durchmischung von Bayerisch und Englisch. Wir sitzen gemeinsam in Ludwig² – Das Musical und ich erfahre im Laufe des Abends, dass er und seine Frau aus der Gegend stammen, aber schon vor vielen Jahren nach Kanada ausgewandert sind. „Damals haben sie uns mit Handkuss genommen“ grinst er. Jetzt sind sie auf Heimaturlaub, im Camper. Und sie müssen das Stück sehen, denn er ist ein Nachfahre von Sybilla Meilhaus, der Erzieherin Ludwigs, die ihm jahrelang nah stand.
Auf der Bühne sind unter anderem Jan Ammann, Andrea Jörg, Felix Heller, Nicole Ciroth und Julian Wejwar, der alte Herr vor mir dreht ein wenig an seinem Hörgerät. Er lacht öfter als die meisten, er klatscht, wenn ihm was gefällt, er hält die Hand seiner Frau, die immer wieder ihren Kopf an seine Schulter legt. Und am Ende hat er Tränen in den Augen, als wir stehend applaudieren.
Das war nicht mein bestes Musical. Der dramaturgische Bogen war durchwachsen, die historischen Ungenauigkeiten schal und manche Regieentscheidung kann ich nicht nachvollziehen. Aber das Bühnenbild ist größtenteils großartig, manche Lieder bleiben mir im Ohr und einige der Szenen und Darsteller:innen berühren mich. Und der alte Herr, seine Freude. Ein grau gewordenes Kind.
Er ist Teil des Grundes, warum auch ich über den Abend sagen kann,

„Ja mei, war des beautiful.“

Equipment für’s Unterwegs sein: Die Trinkflasche, Teil 2

Seit mehr als drei Jahren trinke ich unterwegs aus einer true fruits Flasche mit Edelstahlverschluss. Das funktioniert ziemlich gut. Immer mal wieder geht mir eine Flasche kaputt, dann hole ich mir einen Smoothie und kann danach die Flasche weiterverwenden. Sehr selten geht das Glas noch durch den Edelstahldeckel kaputt, das kann ich verkraften. Und an die große Öffnung habe ich mich gewöhnt. Dachte ich.

Dann habe ich eine Flasche von Carry Bottles geschenkt bekommen, Trinkflaschen aus Glas, mit einem bpa-freiem Deckel aus Holz und Plastik, hergestellt in Deutschland von einem kleinen Team und mit schönen Motiven bedruckt. Erinnert sofort an die Soul Bottles. Nur eben mit Drehverschluss.

Der Verschluss besteht aus biologisch abbaubaren Holzfasern sowie Polypropylen (PP), welches frei von schädlichen Stoffen wie BPA und Weichmachern ist.

Von der CarryBottles-Seite.

Diese Holzfasern haben etwa zwei Wochen lang einen holzigen Geruch abgegeben, was mich regelmäßig irritiert hat. Irgendwann ging er weg und seitdem ist alles gut.

Mittlerweile ist sie mir auch schon aus der Autotür auf den Boden geknallt, mit Kratzern, aber insgesamt intakt. Ich mag die Flasche, selbst meine mit der Werbeaufschrift. Mit dieser schmaleren Öffnung ist das Reinigen schwerer, aber das Trinken so viel einfacher. Und ich finde es gut, dass es immer mehr Firmen für solche Produkte aus Deutschland gibt. Nun mal sehen, wie lange meine Flasche bei mir überlebt.

Nachtrag 12. Juni 2019:

Ein paar Tage nach Veröffentlichung dieses Artikels ist die Flasche von einer Bank gefallen und auf dem Steinboden zerschellt. Sie überlebte knapp drei Monate. Also zurück zu den True Fruits Flaschen. Vielleicht ist es auch Zeit für ein anderes Material.