Text: So hätte die Geschichte sein können.

Es war kalt an dem Morgen, an dem die Geschichte angefangen hätte.Den Kopf zwischen den Schultern und die Hände tief in den Hosentaschen ging ich durch bewohnte Straßen neben dem noch eingeklappten Bordstein. Und dann stand da dieser Postbus. Ein gelber Kastenwagen. Laufender Motor. Tür offen. Niemand zu sehen. Ohne lang zu überlegen stieg ich ein. So hätte die Geschichte angefangen. Und es wäre eine tolle Geschichte geworden. Eine Geschichte die man gerne ein zweites Mal hört. Eine Geschichte, die zur Legende wird.
Ich hätte die Tür zugezogen und wäre losgefahren. Im Spiegel hätte ich den DHL Mann hinterher rennen sehen. Und dieser Klau wäre nur der Auftakt zu einer langen, nervenaufreibenden, spannenden und hörenswerten Reise gewesen. Ich hätte mich eingereiht zu den Großen. Zu Bonny und Clyde. Und Thelma und Louise. Und Mickey und Mallory und den Gecko Brüdern und den McManus Brüdern. Ich wäre ein Clyde mit vielen Bonnies geworden. Ein Don Juan der Straße.Und der Bus wäre mein Zeichen gewesen. Ich hätte Rückenwind gehabt und die Sonne hätte mir ins Gesicht geschienen. Die Medien würden mich pushen, die Meute würde mich lieben und das Gesetz würde mich jagen. Ich würde ein Leben in aller Freiheit führen, ein Vorbild für eine ganze Generation, wie Cobain, Tyler Durden und Lennon. Vielleicht würde ich am Ende sterben. Dann würden sie den Bus bei ebay verkaufen und das Geld den Reichen geben, denen ich geschadet hatte. So eine Geschichte hätte es werden können.
Doch der DHL Mann öffnete die Tür und liess mich aussteigen. Dann fuhr er davon. Und alles, was von meiner Geschichte übrig blieb, waren Reifenspuren auf dem nassen Asphalt.

Das Baseballschläger-Lob

Wir, also Johannes (dieser hier) und ich, laufen gerade auf der Sonnenseite einer Straße, als ich ihn nach seiner Meinung über den Text „Am Ende des Tages“ frage. Er sagt, ja es gefalle ihm aber andere Texte von mit seien noch besser, zum Beispiel „Manchmal waren wir nahe dran“. O-Ton: „Ich mag die Texte von dir, die man leicht runterlesen kann, bei denen aber trotzdem jemand mit nem Baseballschläger vor dir steht und schreit: <<Checkst du’s endlich, Mann?!?>>“

Textgedanken: Handwelten

Die ersten Ideen für den Text kamen 2005 auf einem Vortrag des genialen Professor Splett der Hochschule Frankfurt am Main. Der Satz, der mir am eindringlichsten in Erinnerung geblieben ist:

„Alle sind auf der Suche nach sich selbst. Aber was ist, wenn man sich findet und dann feststellt, dass man es gar nicht wert ist aufgehoben zu werden?“ Textgedanken: Handwelten weiterlesen