Text – Codamis Blur

Mein Name ist Nigel Waiters. Ich verbringe sehr viel Zeit mit meinem Job.
Ich bin Nachlassverwalter. Bei einem Todesfall kümmere ich mich um die Sachen der Verstorbenen.
Meistens geht die Hinterlassenschaft an irgendwelche Erben, aber in Fällen, in denen es keine Erben gibt, kümmere ich mich darum die Sachen loszuwerden.
Es ist sehr interessant. Ihr glaubt nicht, wie faszinierend es ist, in Kellern und Dachböden herumzustöbern. Ich fühle mich jedes Mal wie ein kleiner Junge, der auf dem Speicher seiner Großmutter nach einem verborgenen Schatz sucht.
Ich war gerade dabei, eine Anzeige für ein altes Schlafzimmer aufzugeben, als das Telefon klingelte.

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Text – Wie ich erblindete und einer, den ich Freund nenne, mich wieder sehend machte.

Ich kam in die Stadt, mein Leben auf dem Rücken und starrte fasziniert die Welt an.

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Text – Requiem

Mit der Hand fegte sie sich ihre Haare aus dem Gesicht, doch der Wind trotzte ihr, sie nahm die zweite Hand zur Hilfe und band die Haare zu einem Zopf zusammen. Sie steckte sich die Kopfhörer ins Ohr und drückte auf Play. Sie konnte die Stille nicht ertragen, wenn sie auf dem Weg nach Hause war, Das Klavier stimmte ein und sie schloss die Augen. Schon tausende Male war sie diesen Weg gegangen, sie kannte ihn auswendig, hatte ihn schon zigmal gesehen.
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Text – HBF Gegenwart

Immer im Kreis gehend, schaut er nach dem nächsten Zug. Der Bahnhof ist leer, bis auf ihn und die Kassiererin im Häuschen. Auf seinem Namensschild steht: ‚Raum‘ auf ihrem ‚Zeit‘. Es ist ein kleiner Provinzbahnhof, viel Gras und Natur außen herum. Auf einem alten Schild an den Gleißen steht der Name des Ortes: ‚Gegenwart‘.

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Text – eine frage für franzini

II

die mutter kommt ins zimmer und sagt: mach dich fertig, wir gehen einkaufen.
der junge mit der mundharmonika so: wird da musik sein?
und die mutter sagt, ja, die haben da ihr radio das läuft immer.
und der junge mit der mundharmonika seufzt und sagt: also keine musik heute

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Text – Die Minuten, die wir am Gleis zusammen warten

Ich hatte sie schon auf dem Bahnsteig gesehen. Ich kann nicht sagen, woran, ich kann nur sagen, dass sie mir aufgefallen ist. Ihre Haare waren so geschnitten, dass ihre großen Augen frei waren, und dass sie dennoch hinten einen Zopf machen konnte. Sie hatte eine großen Rucksack vor sich stehen. Einen Rucksack, wie ich ihn in meinem Jahr in Schweden dabei gehabt hatte. Zusammen mit vielen anderen warten wir, bis der Zug in den Bahnhof eingefahren war. So ein roter Doppeldecker mit blauen Sitzen. Ich ließ mich in einem Vierer nieder. Dann sah ich dieses Mädchen den gang entlangkommen und hoffte, dass sie sich zu mir in den Vierer setzen würde.

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Text – Bin ich echt?

Mit schnellen Strichen flitzt der Bleistift über das Papier, zuerst scheinen es nur einzelne Striche und Kreise zu sein, doch langsam setzt sich das Einzelne zu einem Bild zusammen. David sitzt über dem Blatt Papier und beobachtet, wie unter seiner Hand ein Mensch entsteht. Ein bisschen breitbeinig, lockere Klamotten, Haare in die Augen und Kopfhörer um den Hals hängend steht er unter einer Brücke und schaut die leere Wand an. David zeichnet den Rest von der Welt des Menschen den er gerade erschaffen hat. Es ist ein wolkenloser Himmel, im Baum am rechten Bildrand sitzen Vögel. Im Hintergrund, ganz grob, nur angedeutet sieht man die Stadt die keinen Namen hat. David setzt sich auf und streckt sich. Ein Schluck aus dem Glas neben ihm und weiter geht’s mit dem nächsten Bild. Bild für Bild zeichnet er seinen Comic von Felix, dem Sprayer. Felix, der Sprayer aus der Stadt die keinen Namen, hat mit einem Leben das es noch nicht gibt. Text – Bin ich echt? weiterlesen

Gedicht – Was ist Gott?

Ich sehe die Natur – und sehe Gott
– denn Gott ist Faszination
Ich beobachte meine Familie – und sehe Gott
– denn Gott ist Geborgenheit
Ich blicke auf meine Freunde – und sehe Gott
– denn Gott ist Vertrauen
Ich schaue auf zu den Sternen – und sehe Gott
– denn Gott ist Schönheit
Ich öffne die Augen – und sehe dich
Ich schaue dir in die Augen – und sehe Gott
– denn Gott ist Liebe
Ich schließe die Augen und sehe – Gott
– denn Gott ist alles.

Veröffentlicht in der Jokers Lyrikbibliothek

Gedicht – Nehmen

Nehmt euch die Zeit – zum Denken
Nehmt euch den Mut – zum Reden
Nehmt euch die Kraft – zum Kämpfen
Nehmt euch die Möglichkeiten – zum Lachen
Nehmt euch die Freiheit – zum Leben

Nehmt euch das Leben – es gehört euch!

Veröffentlicht

  • Januar 2007 im Band IX der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte. Mehr Info .
  • Dezember 2011 in Scholles Gedichteküche im Scholle-P-Traum-Verlag.

Drabble – Jack-a-Doo

Es leben zwei Männer. Ersterer steht morgens auf und ohne zu wissen, wie er verlaufen wird weiß er, dass alles gut wird. Zweiterer erwacht morgens, plant ihn und muss jedes Mal erleben, dass alles anders läuft. Die beiden spielen oft ein Spiel. Während der Planende streng nach Regeln spielt, schummelt der Spontane hin und wieder, doch das macht nichts, denn Gewinner des Spiels sind immer beide, Sieger ist, wer durch das Ziel kommt. Wie unterschiedlich sie auch aussehen und handeln, im Grunde genommen sind sie gleich. Der Planende heißt Zufall, der Spontane ist Schicksal und das Spiel nennt sich ‚Leben’.

Drabble – Bin ich echt?

Mit flinken Fingern flitzen die Stifte über das Papier. Mit schnellen
Strichen entsteht das grobe Bild, mit ruhiger Hand kommt Farbe ins Spiel.
Er lehnt sich zurück, schiebt den Hut ein Stück höher und schaut sich
um. Schaut, was von der Realität in das Bild fließen kann, dass unter
seinen Händen entsteht. Ist fasziniert, dass sein Bild wie Realität
aussieht, obwohl es nur ausgedacht ist. Dann kommt ihm ein Gedanke. Was
ist, wenn er selbst nur ausgedacht ist und ein großer Maler ihn gerade
malt? Er dreht sich schnell um und sieht gerade noch den Pinsel hinter
einer Hauswand verschwinden. Drabble – Bin ich echt? weiterlesen

Text – Regenschirme unter Dächern

Ein Liebesbrief.

Ich liege da und schreibe. Zumindest versuche ich es…
Der Stift hängt zwischen meinen Zähnen, langsam nehme ich ihn aus dem Mund und drehe ihn zwischen den Fingern. Dann fange ich an:
„Ich hasse Menschen, die mit offenen Regenschirmen unter Dächern laufen. Das ist wie … wie mit dem Auto in den Zug fahren um von einem Ort zum anderen zu kommen. Das ist wie… sich hinter einer Maske von Persönlichkeit zu verstecken und die eigene nicht benutzen. Das ist wie…“ Text – Regenschirme unter Dächern weiterlesen

Text – Der Absatz

Ein Ausschnitt aus dem Film auf der Leinwand des Lebens

Zu oft war der Wecker schon gegen die Wand geflogen, als das er noch richtig klingeln konnte. Es war eher ein mechanisches Rattern, das mich jeden Morgen weckte. Mit einer eingeübten Handbewegung packte ich den Wecker und warf ihn gegen die Wand. Normalerweise prallte er gegen die Wand, fiel auf den Boden und ratterte weiter, sodass ich aufstehen musste, um ihn auszumachen. Doch heute ging er tatsächlich aus, als sich die Wand in seine Flugbahn stellte. Aus diesem Grund kam ich heute zu spät zur Arbeit. Text – Der Absatz weiterlesen