Hörbuch: Hier bin ich von Jonathan Safran Foer, gesprochen von Christoph Maria Herbst

Hörstoff: Hier bin ich bin Jonathan Safran Foer, gelesen von Christoph Maria Herbst. #amlistening #hoerbuch #argon

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Der erste Satz aus Hier bin ich:

Zu Beginn der Zerstörung Israels überlegte Isaac Bloch, ob er sich umbringen oder ins jüdische Seniorenheim gehen sollte.

Jacob und Julia haben drei Kinder, sich aber sonst ziemlich weit auseinandergelebt. Jacob schreibt für eine Fernsehserie, die er scheiße findet und scheitert an seinem Herzensprojekt und an seiner Ehe. Und dann kommt dieses Erdbeben und zerstört Israel.

Ähnlich konfus wie diese Inhaltsangabe ist auch der Roman selbst. Während ich in der ersten Hälfte der langsamen Demontage der Ehe von Jacob und Julia zugucke, die zwar besonders in den Dialogen mit sehr viel Feinheit gezeigt wird, mit aber generell viel zu lange dauert, geschieht in der zweiten Hälfte des Romanes so viel, dass ich kaum hinterher komme.

Für mich versucht Jonathan Safran Foer, zwei Geschichten in eine zu packen. Zwei Geschichten, die so unterschiedlich sind, weil die erste Atmosphäre und Gedankenwelt erzählt und die zweite so viel Plot hat, dass er kaum unterkommt in seiner zugeteilten Hälfte des Romanes. Während ich im ersten Teil wohl aufgehört hätte, wenn ich nicht das Hörbuch auf den Ohren gehabt hätte, hätte ich den zweiten Teil gerne ausführlicher gehabt. Als Einheit lässt mich der Roman einigermaßen verwirrt zurück.

Christoph Maria Herbst als Sprecher verstärkt dieses Gefühl leider. Weil Christoph Maria Herbst für mich nicht nur Stromberg, sondern auch der Hörbuchsprecher von Tommy Jaud ist. Wenn ich ihn sehe oder höre, dann erwarte ich Comedy. Dann grinse ich in freudiger Erwartung, selbst, wenn ich wie in diesem Fall weiß, dass das Buch nicht primär lustig ist. Dann warte, warte, warte ich und bin irritiert, weil eben nicht der große Witz kommt.

Was Christoph Maria Herbst extrem gut kann, sind die Dialoge. Das, was Jonathan Safran Foer vorschreibt, setzt Herbst so genau und genial um, dass ich ihm sehr gerne zuhöre. Wenn es dann in die Gedankenwelt von Jacob geht, ermüdet mein Interesse.

Vielleicht muss ich mich sowohl an Jonathan Safran Foer als unkonventionellen Autoren, als auch an Christoph Maria Herbst als Sprecher seriöser Romane gewöhnen. Nicht falsch verstehen. Ich mochte das Buch und den Sprecher irgendwie. Aber beide lassen mich einigermaßen verwirrt zurück.

Hier bin ich von Jonathan Safran Foer wurde übersetzt von Henning Ahrens, das Hörbuch wurde gesprochen von Christoph Maria Herbst und erschien bei Argon. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Roman & Hörbuch: 180° Meer von Sarah Kuttner

Der erste Absatz aus 180° Meer:

Ich bin kein schöner Mensch.
Meine Aura ist irgendwie zahnfarben. Nicht offwhite, nicht creme. Nicht einmal neutral beige.

Ich denke: Cool, ein neuer Roman von Sarah Kuttner. Muss ich nicht wissen worum es geht, ich habe ihren ersten gelesen und die Verfilmung gesehen und den zweiten als Hörbuch gehört. Sie ist nicht die perfekte Vorleserin, aber ähnlich wie Thees Uhlmann kann sie ihre Protagonisten mit Leben füllen. Und sie schafft es, dass ich immer wieder denke, ja! Genauso ist es. Sie ist Meisterin der Identifikation, der Findung von passenden Worte für Situationen, die ich, die wir alle kennen. Zumindest war das so.

Noch keine fünf Minuten im Hörbuch und ich ahne, dass es diesmal anders ist. 6 Stunden später bin ich mir sicher. Ich mag Sarah Kuttner. Ich mag ihre Sendung Kuttner plus Zwei. Ich will dieses Buch mögen und gut finden. Kann ich aber nicht.

Klar, da sind immer noch viele kleine Identifikationsmöglichkeiten, viele schöne Metaphern, viele schöne Worte. Aber die große Story einer mittelmäßigen Sängerin, deren Leben zusammenbricht und sie einfach so für Monate nach London zu ihrem Bruder zieht und ihren todkranken Vater nicht besuchen und auch sein Geld nicht haben will, weil er die Familie damals verlassen hat, funktioniert für mich überhaupt nicht.

Die anderen Bücher waren Geschichten von Menschen, die wie du und ich sind. Oder wie Freunde von uns. Das funktioniert diesmal nicht. Diese Story kann ich einfach nicht glauben. Dazu kommt noch ein komischer Sprachgebrauch, der früher entweder nicht da war oder mir nicht aufgefallen ist, eine Art von Derbheit, bei der ich an Charlotte Roche denken musste, die hier aber gewollt klingt.

Dann das Hörbuch. Was beim letzten wirklich gut funktioniert hat, geht hier vollkommen schief. Das liegt erstens an ihrer Stimme. Ich weiß nicht genau, was kaputt ist, aber irgendwas ist kaputt. Ich meine mich erinnern zu können, auch schonmal gehört zu haben, dass wegen irgendwas ihre Stimme sehr kratzig und schwach ist. Was in der Sendung für ein paar Anekdoten und Fragen noch reicht, funktioniert auf Dauer überhaupt nicht. Mir fällt es schwer, Kuttners Stimme über lange Zeit zuzuhören.

Zweitens fallen mir falsch ausgesprochene Worte mittlerweile viel zu sehr ins Gewicht. Es heißt nicht ebend. Es heißt eben. Sobald mir das einmal aufgefallen ist, werde bei jedem weiteren ebend nur noch verrückter. Und das bleibt ja nicht das einzige Wort.

Drittens und am Schlimmsten: Kuttner liest nicht konsequent. Es gibt zwei Möglichkeiten, ein Hörbuch zu lesen. Entweder bin ich der Erzähler und erzähle die Geschichte aus der Haltung des Erzählers. Dann gucke ich von außen auf die Handlung und kann sie auch kommentierend lesen. Oder ich bin der Protagonist. Dann bin ich traurig, wenn der Protagonist traurig ist. So hat Kuttner das letzte Buch gelesen. Bei diesem wechselt sie zwischen diesen Positionen. Manchmal hat sie die Emotion und Haltung der Protagonistin, gibt Jule also ihre Stimme, manchmal ist sie aber Sarah Kuttner, die diese Geschichte liest und eben auch kommentiert. Dann höre ich ein Lächeln an Stellen, an der ich als Zuhörer lächeln kann, Jule aber auf keinen Fall lächeln wird. Spätestens diese Inkonsequenz macht mir das Hörerlebnis vollends kaputt. Ich kann sie leider nicht ernst nehmen.

180° Meer ist weder die auf dem Klappentext versprochene Roadnovel, noch das Buch oder Hörerlebnis, das ich mir von Sarah Kuttner erhofft habe. Ich kann ihn nicht empfehlen, weder das Hörbuch, noch den Roman. Ich hoffe auf den nächsten. Solange sehe ich mir ihre Sendungen an.

180° Meer von Sarah Kuttner erschien als Roman bei S. Fischer, das Hörbuch erschien bei Argon. Beide Verlage haben mir Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.

 

 

 

Die Hörbuch-Challenge 2013: Ich mache mit!

In den letzten Jahren habe ich auf Reisen sehr viel Hörbuch gehört. Oft ist das doch praktischer, als Bücher, muss man doch bei jedem umsteigen und bei Fußwegen das Buch zuklappen. Hörbücher dagegen kann man weiterhören. Mache ich gerne und oft. Doch in letzter Zeit hat das irgendwie sehr nachgelassen. Entweder lese ich nun auf Reise, oder ich schreibe. Tatsächlich kann ich sehr gut schreiben, wenn ich im Zug sitze. Doch ich habe Lust, auch wieder mehr Hörbuch zu hören. Deshalb nehme ich an der Hörbuch-Challenge von Karla und Sandra teil. Hier die Bedingungen: 

1) Man hört jeden Monat ein Hörbuch, unabhängig von der Länge oder dem herausgebenden Verlag.
2) Man rezensiert dieses Hörbuch – entweder auf dem eigenen Blog oder aber bei LovelyBooks, Amazon oder einer anderen Seite bis zum 15. des Folgemonats. Hashtag für die Aktion auf Twitter ist #hbc2013

Mehr Infos gibt’s bei Karla, meine erste Rezension kommt gleich. Yeai! Achja, ich bin über Yvo auf die Challenge gestoßen, danke dafür!