Buch: Beobachtungen aus der letzten Reihe von Neil Gaiman

Der erste Satz aus Beobachtungen aus der letzten Reihe:

Ich bin dem Journalismus entflohen – oder habe mich ungeschickt von ihm gelöst -, weil ich die Freiheit haben wollte, mir selbst Sachen auszudenken.

Ich kenne Gaiman noch gar nicht so lange, aber ich lese seine Bücher gern, ich mag dieses Realität plus einen Hauch Magie. Ich sehe ihn mir auch gern an, wenn er Reden und Vorträge hält. Nun ist ein ganzes Buch davon entstanden, eine Sammlung von Vorworten, Essays, Reden und Vorträgen, die Gaiman in mehr als 20 Jahren in der Unterhaltungsbranche verfasst hat.

http://wasuebrigbleibt.tumblr.com/post/172557336962/und-literatur-schenkt-und-empathie-sie-versetzt

Einigermaßen sortiert nach Dingen über das Schreiben selbst, über andere Menschen und über seine eigenen Geschichten. Gaiman schreibt selbst, es ist kein Buch, dass man einfach von vorne nach hinten lesen sollte. Ich habe es getan und es klappt tatsächlich nicht gut. Weil Gaiman zwar extrem gut Geschichten erzählen und Vorträge halten kann, aber gelesen funktionieren diese Vorträge leider nicht so gut, wie wenn man sie hört. Und wenn man einen nach dem anderen liest, merkt man eben doch, dass sie aus einem Kopf kommen und manche Bilder, Ideen und Anekdoten – so gut sie sind – immer wieder von Gaiman verwendet worden. Irgendwann hatte ich dann das Gefühl, schon zu kennen, was ich las.

Es sind viele schöne Texte in diesem Buch, viele Leseempfehlungen und viele tolle Gedanken, richtig spannend wird es aber dann, wenn Neil Gaiman seine alten Texte nochmal kommentiert und in Zusammenhang bringt.

Es ist eine gute Zusammenstellung zum Teil sonst kaum erhältlicher Texte und ich hatte meine Freude, es zu lesen. Aber ich kann es nur Fans empfehlen und wünschte mir mehr Aufmerksamkeit und ein wenig mehr Zeit bei der Komposition.

Eine Sache noch, im Original heißt das Buch ‚The View from the Cheap Seats‘. Der titelgebende Aufsatz heißt im Buch auch ‚Die Aussicht von den billigen Plätzen‘. Warum das Buch selbst eine ungenauere Übersetzung erhalten hat, weiß ich nicht, aber es irritiert mich.

Beobachtungen aus der letzten Reihe von Neil Gaiman wurde übersetzt von Rainer Schumacher und Ruggero Leò und erschien bei Eichborn. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 

 

Im Gedächtnis bleiben.

Im Gedächtnis bleibt auch der Schlusssatz von Fabian Neidhardt, dem Gewinner des Twitter-Lyrik-Wettbewerbs 2011. Sein Gedicht „Dazwischen“ beendet er so: „Rechts sind Worte … links sind Worte. Und dazwischen: …“ Das Publikum denkt einen Moment, lacht dann und applaudiert.

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Artikel: Ein Wunder, dass überhaupt was fährt

Auf meinem Schreibtisch liegen Seite 33 und 34 der Welt am Sonntag vom 26. Dezember. 2010, natürlich.

Unter der Überschrift Ein Wunder, dass überhaupt was fährt ist hier ein Artikel über die Deutsche Bahn, samt Tagebucheinträgen eines Zugführers, der seit rund 30 Jahren im Dienst ist.

Artikel über und gegen die Bahn liest man oft in letzten Tagen, was diesen so besonders macht, sind die Tagebucheinträge. Der Zugführer, im Artikel mit dem von der Redaktion geänderten Namen Hansjörg Bender (Wer kam auf diesen Namen?) bezeichnet, beschreibt die Zustände so lakonisch und hoffnungslos, dass sich die Einträge wie Kriegsberichte von der Front lesen.

Ich erspare mir an dieser Stelle das Zitieren, lest den ganzen Artikel. Es lohnt sich.

Leider ist die Onlineversion des Artikels extrem lieblos erstellt worden. Es ist reiner Text, nichts kursiv, nichts Fett und keine Bilder. Aber dennoch lesenswert.