Die Leipziger Buchmesse 2017 in Blitzlichtern.

  • Ich komme Mittwoch Abend in Leipzig an und freue mich, meine Gasteltern wiederzutreffen. Ich bin ziemlich froh, dass ich mittlerweile in vielen Städten Menschen habe, bei denen ich unkompliziert unterkommen kann. Was auch heißt, dass meine Besuche in Städten immer Besuche bei Menschen sind, die ich gerne sehe.

Buchmesse, Tag 1 am Morgen. So voll ist es. #lbm17

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  • Es ist Donnerstag, kurz nach Zehn und schon jetzt sind die Hallen gut gefüllt. Klar, es wird bis Samstag noch voller und am Ende ist es ein Besucherrekord, aber ich bin am Donnerstag doch erstmal überrascht.

  • Donnerstag Mittag bin ich mit Wolfgang auf der Bühne, meine erste „Verpflichtung„: Besser vorlesen. Die Bühne ist klein und umrandet von Ständen, aber die Stühle füllen sich schnell und selbst auf dem Gang bleiben Leute stehen. Ich mache zusammen mit Wolfgang den Podcast des Literaturcafé und wir wissen, wie wir miteinander umgehen können und wie wir miteinander funktionieren. Es macht Spaß, Menschen von Sprechkunst zu erzählen und zu erklären, wie man vorliest. Nach der viel zu kurzen halben Stunde beantworte ich einer Traube von Menschen noch Fragen zum Vorlesen und bis zum Ende der Buchmesse werde ich immer wieder auf das Vorlesen und die halbe Stunde angesprochen. Wie schön, dass sich so viele Menschen für das Vorlesen interessieren. Weil es immer noch eine Kunst ist, die nicht ausgeschöpft wird.
  • Ich habe sehr wenig feste Termine die Buchmesse über. Größtenteils treibe ich durch die Massen, treffe Menschen, lerne neue kennen und knüpfe Bande enger. Ich verpasse wohl sehr viele schöne Dinge. Aber ich erlebe auch sehr viele schöne Dinge, für die ich sonst wohl keine Zeit gehabt hätte.
  • Donnerstagabend verbringe ich beim Bloggeressen von Klett-Cotta. Der Verlag residiert 500 Meter von meiner Wohnung entfernt, immer mal wieder habe ich mit ihm und den Menschen, die dort arbeiten, zu tun. Ich mag die Art, wie wir miteinander umgehen. Deshalb gibt es an diesem Abendessen nicht nur Essen und Gespräche zwischen Bloggern, Verlagsmitarbeitern und anwesenden Autorinnen und Autoren, sondern neben einer kurzen Lesung von Kristina Pfister aus „Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten“ auch einen kurzen Vortrag von mir. Das ist schon zu viel gesagt. Ich habe ein bisschen aus meiner Sicht als Literaturblogger erzählt, ganz subjektiv und nur für mich sprechend. Womit aus einer Werbeveranstaltung ein Miteinander wird. Danach gehts weiter auf die Tropenparty. Lesung von Arno Frank aus „So, und jetzt kommst du„, danach noch mehr mit Menschen reden.

https://www.instagram.com/p/BSBb5M9FuGr/

  • Freitag. Kommilitonen aus Hildesheim sind da. Wir schlendern über die Messe. Also noch mehr Menschen, mehr Kommunikation.

Buchmesse, Tag 3. Der Tag beginnt mit Dietmar Wunder und Uve Teschner im Interview. #lbm17

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  • Samstag. Jetzt ist es richtig voll. Schon in den Bahnen, sodass ich fast zu spät komme zu meinem ersten Termin am Tag: Ein Interview mit Dietmar Wunder und Uve Teschner. Dietmar habe ich vor ein paar Jahren bei einer Lesung mit Karin Slaughter kennengelernt, mit Uve hatte ich Kontakt, nachdem ich das großartige Hörbuch zu „Am Ende aller Zeiten“ gehört hatte. Audible hatte mit den beiden ein Sprecherfrühstück veranstaltet, danach konnte ich mit ihnen reden.20 tolle Minuten über das Sprechen und die Buchmesse und Kunst allgemein, die es demnächst im Podcast des Literaturcafé zu hören gibt. Eines meiner Highlights der Messe.https://www.instagram.com/p/BSGGS6BFubx/
  • Sonntag ist Tag der Bloggersessions. Wieder tolle Menschen, gute Inhalte und am Ende über Geld reden. Nachzuhören hier.
  • Sonntagabend geht es nach Hause. Nachts bin ich da und ohne Pause geht der Alltag los. So nahtlos, dass ich mich anstrengen muss, dies hier nochmal zusammenzufassen. Ich bin ziemlich froh, all das machen zu können. Danke an alle, die das möglich machen und Teil davon sind.

Lesung: T.C. Boyle im Wizemann Stuttgart am 15.02.17

T.C.Boyle mit Die Terranauten.

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Damals kam Drop City, der Hippieroman von T.C. Boyle, kam damals zur richtigen Zeit. Ich war 19 und wir hatten einen VW Bus, ich las Ken Kesey, Tom Wolfe & Jack Kerouac, trug indische Hemden und fand viele Aspekte der Beatniks und Hippies spannend. Und dann erschien dieses Buch über die Hippie Kommune, die nach Alaska zieht und natürlich wollte ich es lesen. Tat ich. Fand’s geil. Seitdem begleitet mich T.C. Boyle. 2009 ist er mit seinem Roman Die Frauen in Stuttgart und ich saß im Publikum. Schon damals war er ein relativ alter Mann, dürr und hochgewachsen und wahrscheinlich hatte er schon damals rote Chucks an. War eine großartige Lesung damals, obwohl ich erstmal gar kein Interesse an dem Roman hatte.

Dann habe ich Anfang des Jahres gesehen, dass T.C. Boyle wieder nach Stuttgart kommt und ich wollte mit dabei sein. Diesmal im Wizemann, die derzeit angesagteste Location in Stuttgart, veranstaltet von Wittwer. Die Buchhandlung wird dieses Jahr 150 Jahre alt, deshalb gibt es das Jahr über hochkarätige Lesungen zum Preis von 18,67 Euro, ihr versteht schon, dem Gründungsjahr. Boyle war eine davon.

Etwa einen Monat vor Veranstaltung ist sie ausverkauft, die große Halle ist bis an den Rand bestuhlt, rund 620 Stühle plus ein paar unbeabsichtigte Stehplätze. Ich komme alleine und bekomme den letzten leeren Platz in der Ecke der ersten Reihe. Weil noch eine halbe Stunde Zeit ist, lese ich noch im aktuellen Roman, die Terranauten, weswegen Boyle überhaupt da ist.

Februar gerettet: Lesestoff und Lesung von T.C. Boyle. #Terranauten #Hanser #tcboyle

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Angelehnt an die Biosphäre 2 Experimente in den 1990ern erzählt Boyle die Geschichte von acht Terranauten, die zwei Jahre in dieser künstlichen Welt verbringen, erzählt aus drei Ich-Perspektiven, Rezension folgt.

Ziemlich pünktlich kommen T.C. Boyle und Denis Scheck mit Pia Maria Fedelucci auf die Bühne, sie wird die deutschen Passagen lesen. Von Frau Fedelucci haben wir erst in diesem Moment erfahren, denn im Vorfeld wurde auch auf Nachfrage nicht gesagt, wer die deutschen Passagen übernehmen wird.

Boyle und Scheck sind seit Jahren befreundet und jeweils Bühnenprofis. Boyle sagt selbst, Lesungen müssen sein wie Rock-Konzerte, die Leute müssen Spaß haben. Das kann er und bindet nicht nur das Publikum, sondern auch Frau Fedelucci ein, die sonst nur neben ihm gesessen wäre und auf ihren Auftritt gewartet hätte. Habe ich schon schlimmer erlebt. Scheck ist extrem gut darin, englische Pointen ins Deutsche zu übertragen und dann wieder in eine englische Frage überzugehen, die sich nicht wie die nächste auf dem Zettel anhört, sondern wie die, die auf die letzte Antwort von Boyle kommen muss. Und Boyle liest nicht nur, sondern erzählt, – natürlich unausweichbar – von Trump, über seine Faszination, die ihn immer wieder zum Schreiben bringt, über den aktuellen Roman, über Politik, Drogen und den nächsten Roman, den er schreibt, über den LSD-Entdecker Albert Hofmann und seine legendäre Fahrradfahrt.

Die beiden heben die Veranstaltung auf ein Niveau, das Frau Fedelucci leider nicht halten kann. Boyle selbst liest die englischen Passagen nicht nur vor, er performt sie, legt sich in die Haltungen und ermöglicht es selbst jemandem, der kein englisch versteht, mitzukommen.

Frau Fedelucci dagegen liest vor, sodass man sie versteht. Sie gibt mir aber in dem Moment nicht das Gefühl, sie würde es erleben. Ich will Frau Fedelucci auf keinen Fall ihre Fähigkeiten als Schauspielerin absprechen, aber schauspielen und Hörbücher sprechen ist nicht das Gleiche.

Es ist eben auch nicht fair, ihr neben diese beiden Veteranen zu setzen. Ich hätte mir gewünscht, einen ähnlich guten Sprecher für die deutschen Passagen zu erleben, vielleicht sogar Eli Wasserscheid selbst, die die Hörbuchversion des Romanes spricht.

Nach exakt 90 Minuten, die ohne Fragen aus dem Publikum auskommen und sich sowieso viel kürzer anfühlen, beendet Denis Scheck die Veranstaltung. Wir applaudieren und kommen kaum aus der Halle, weil die Schlange zum signieren bis dorthin reicht. Und dann steht Boyle rund eine Stunde am Bücherstand und signiert wirklich jedes Buch, welches ihm hingehalten wird, wechselt mit jedem ein paar Worte und ist bis zum Ende, ich war vorletzter, extrem freundlich.

T.C. Boyle ist mittlerweile 69 Jahre alt, ich bemerke das schüttere Haar, welches 2009 noch länger und zu einem Zopf zusammengebunden war. Aber ansonsten steht ein fitter Mann vor mir, bestimmt zehn Zentimeter größer als ich, witzig und unterhaltsam.

Ich gehe mit einer sehr schönen Erinnerung nach Hause, freue mich auf die nächsten Bücher und hoffentlich noch ein paar Lesungen von Herrn Boyle. Und jetzt lese ich erstmal den Roman fertig.

Die Buchhandlung Wittwer hat mir eine Eintrittskarte zur Verfügung gestellt. Die weiteren Veranstaltung zum Jubiläumsjahr sind hier zu finden.

Konzert: Jeremy Loops im LKA Longhorn in Stuttgart am 13.11.16

#jeremyloops #concert #stuttgart #lka

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Mein Lieblingsmensch war im Sommer auf dem Summers Tale Festival und kommt mit viel neuer Musik nach Hause, unter anderem Jeremy Loops. Der Mann aus Südafrika ist nicht nur mit Band, sondern auch mit Loop Station auf der Bühne und er macht extrem gute Laune.

Vor kurzem sagt sie dann, Loops kommt nach Stuttgart. Wir also hin, zum LKA Longhorn, ein Konzertschuppen in Stuttgart-Wangen, zwischen Bundesstraße und Industriegebiet. Wir kommen dort an, eine Minute, bevor der Einlass offiziell losgeht und schon dann müssen wir uns in eine vielleicht 40 Meter lange Schlange stellen. Bis der Einlass dann wirklich losgeht, ist die Schlange geschätzte 200 Meter lang und verschwindet hinter der Kurve. Dann geht ein Ruck durch die Menge und wir gehen rein.

Die Stimmung ist gut und locker, Support Act Mat McHugh trägt seinen Teil dazu bei und dann geht es los. Jeremy Loops und die Band rocken für rund zwei Stunden das LKA Longhorn. Die Musik auf Platte zu hören, war schon geil, aber live strahlt die Band eine krasse Energie aus, baut eine Verbindung zum Publikum auf, Jeremy erzählt Geschichten und es macht so viel Spaß, dort zu sein. Alle tanzen und sind gut drauf und singen mit und als es vorbei ist, bleibt die Stimmung.

Am Tag drauf ist die Stimme rau, aber sobald hier Jeremy Loops läuft, tanzen wir durch die Wohnung. Großer Tipp also: Hört euch Jeremy Loops an. Die Deutschlandtour ist vorbei, aber wenn ihr mal die Chance habt, versucht, ihn live zu sehen.

 

 

Bericht: Wie man einen TEDx Talk hält.

TED (Abkürzung für Technology, Entertainment, Design) – ursprünglich eine alljährliche Innovations-Konferenz in Monterey, Kalifornien – ist vor allem bekannt durch die TED-Talks-Website, auf der die besten Vorträge als Videos kostenlos ins Netz gestellt werden.

Wikipedia über TED

Es ist wohl knapp zehn Jahre her, dass ich zum ersten Mal etwas von TED-Talks gehört habe. Ich glaube, mein erster Talk, den ich gesehen habe, ist der von Blaise Agüera y Arcas über Photosynth, bis heute eine faszinierende Technik. Seitdem begegnen mir immer wieder TED-Talks, zu den unterschiedlichsten Themen. Irgendwann wurde dann TEDx eingeführt, unabhängig organisierte Veranstaltungen, quasi ein TED-Franchise, nach ähnlichen Richtlinien, aber weltweit. Ich wusste, das gibt es. Fand diese Bühnen superspannend. Aber realistisch darüber nachgedacht, auf so einer Bühne zu stehen, hatte ich nicht.

Bis letztes Jahr eine Freundin von mit, Lena Försch, ihren TEDx-Talk über Improvisation gehalten hat. Plötzlich rutscht also die Vorstellung, auf so einer Bühne zu stehen, in den Bereich des Möglichen. Ich danke, das will ich auch! Kurz darauf lerne ich bei etwas ganz anderem Dirk Haun kennen, einer der Organisatoren bei TEDxStuttgart. Und ich sage ihm, ich habe auch Lust, einen Vortrag bei TEDxStuttgart zu halten. Er nimmt andere Worte, aber im Grunde ist seine Antwort: Einen TEDx-Talk zu halten, nur damit man das mal gemacht hat, ist eine Scheiß Motivation. Er hat Recht und das sage ich ihm. Und er meint, wenn du aber ein gutes Thema hast, dann schreib uns mal und dann gucken wir uns das an.

Ich habe mich damals, etwa vor einem Jahr, viel mit Kommunikation und Unverbindlichkeit und Selbstdemontage auseinandergesetzt. Meine Freundin hatte gerade eine Hausarbeit abgegeben, in der es um Verletzlichkeit in der Kommunikation ging, dieses Thema war also ziemlich präsent. Und irgendwann ist mir aufgefallen, wie präsent diese Sachen, Unverbindlichkeit und Selbstdemontage, im Alltag sind.

Ihr kennt das, wenn man das Bewusstsein irgendwo drauflegt, dann leuchten diese Sachen umso mehr auf. So ging es mir eben damit. Also schrieb ich dem TEDx-Team eben das:

Hallo TEDxStuttgart – Team,

ich würde gern bei einem TEDxStuttgart Event reden. Über Weichmacher und Selbstdemontage. Darüber, wie Menschen sich in zu vielen Situationen versuchen, ihre Unsicherheit zu verstecken und deshalb diese beiden Dinge anwenden und es nur noch schlimmer machen.

Ich bin Sprechkünstler und Kommunikationspädagoge (B.A.) und Schriftsteller (soon to be M.A. Literarisches Schreiben). Ich erzähle Geschichten in verschiedenen Formen und ich reagiere darauf, wie andere Menschen kommunizieren. Dabei fällt mir in letzter Zeit oft auf, wie Menschen nicht nur bei Präsentationen, sondern auch in ihrer Kunst und ihren generellen Werken nicht zu ihren Aussagen stehen, unsicher sind und nicht selbstbewusst. Dies versuchen sie durch oben genannte Selbstdemontage und Weichmacher abzufedern und zu verschleiern, was zu einer totalen Lose/Lose-Sitatiun führt.

Warum das so ist, was genau sich hinter Selbstdemontage und Weichmachern verbirgt, und wie man sonst reagieren könnte, damit würde ich gern meine 15 Minuten auf eurer Bühne füllen.

Ich freue mich, von euch zu hören!

Lächeln aus Stuttgart, Fabian Neidhardt

Das war im Januar diesen Jahres. Es gingen noch ein paar Mails hin und her, dann habe ich mich persönlich vorgestellt und alles nochmal so erzählt. Im März kommt dann die Nachricht, dass sie mich gerne dabei haben würden, im September. Und ich freute mich und dachte, September, viel Zeit bis dahin.

In dieser Zeit habe ich alles durchgemacht. „Das wird schon alles.“, „Was weiß ich denn, was andere nicht wissen? Wie maße ich mir an, jemandem etwas erzählen zu können?“ und „Scheiße, ich muss denen absagen.“ war alles dabei. Je mehr ich mich mit diesem Thema auseinandergesetzt habe, oder mich davor gedrückt habe, desto, größer wurde es. Unsicherheit, Unverbindlichkeit und Selbstdemontage fand ich überall. Aber das TEDxTeam, besonders Dirk und Nico, haben mich in jeder Phase unterstützt und aufgebaut. Dazu gab’s Vortreffen, bei denen wir die aktuellen Stände der Talks üben und den anderen vorstellen konnten.

Was liegt auf dem Boden verteilt und klebt, wenn man drüber läuft? Mein #tedxstuttgart Talk.

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Diese 15 Minuten gehören wohl zu den Dingen, in die ich in meinen Leben am meisten Energie gesteckt habe. Über Monate hinweg hat mich dieses Thema begleitet, Post-its hingen überall, ich habe mit allen Leuten darüber geredet, meine Argumente getestet und angepasst, bis zu dem Punkt, dass ich nur noch froh war, wenn der Talk vorbei war.

Letzte Vorbereitungen. Spannung steigt. #tedxstuttgart #tedx #stuttgart

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Und dann ist der da, der Tag. Wir sind alle schon Stunden vorher da, die Nacht vorher nicht geschlafen, aber alle guter Stimmung und dann geht es superschnell. Plötzlich bin ich gleich dran, ich wärme mich auf, bin nicht mehr nervös, nur noch freudig erregt. Dann stehe ich auf der Bühne und ein Fingerschnippen später sage ich Danke und das Publikum applaudiert.

Das ist nun ein Monat her, das Video müsste demnächst online gehen. Bilder gibt es schonmal hier und hier. An dieser Stelle nochmal danke an das ganze TEDxStuttgart-Team, an meine Mitspeaker und alle Menschen, die mich in der Zeit aushalten mussten. Ich bin gespannt, wohin mich dieses Thema noch treibt.

 

Bericht: Z2X-Festival 2016 in Berlin #jungevisionäre

https://www.instagram.com/p/BJ4oK1pAy4j/

Vor ein paar Monaten poppte plötzlich das Z2X-Festival auf meinem Radar auf, ein Festival der Zeit Online. Für Menschen, die die Welt besser machen wollen, für Menschen, die visionär denken. Für Menschen zwischen 20 und 29.

Ich bin seit diesem Jahr nicht mehr 2X, aber zum Visionär sein gehört, Regeln zu brechen. Also bewerbe ich mich und werde eingeladen, einer von 500 aus mehr als 5000 Bewerbungen. Zusätzlich kann jeder Teilnehmer Vorträge, Workshops und Fragerunden anbieten, zu seinen Themen. Das Festival-Team nimmt noch ein paar externe Speaker und Workshopleiter dazu und generiert daraus den Inhalt des Festivals. Ein großes Fest auf Augenhöhe, bei dem jeder seinen Beitrag leisten kann.

Letztes Wochenende war es dann soweit. Ich also zum ersten Mal seit Jahren wieder in Berlin, ich komme früher an und gehe später, sodass ich noch Zeit mit Freunden in Berlin verbringen kann.

Samstag dann das Festival, los geht es mit der Schlange vor der Registrierung, weiter geht es mit der Schlange für den Kaffee, an der ich vorbeilaufe und direkt zu den Croissants komme. Es fängt aber schon in der Schlange an. Wir sind schon ganz schön viele und verschiedene Menschen. Aber wir sind ausgewählt worden und wir haben einen gemeinsamen Nenner: Wir wollen die Welt verbessern, auf die ein oder die andere Weise. Deshalb kommen wir schon in der Schlange ins Gespräch, wer bist du und wo kommst du her? Zusätzlich ist auch Andi da, den ich schon viel zu lange nicht gesehen habe. Und Imre, den ich noch länger nicht gesehen habe.

Festival passt nicht ganz. Als ich meiner Mutter davon erzähle und Festival sage, fragt sie, und was für Bands kommen da? Es ist mehr ein Kongress. Es gibt fünfminütige Blitzvorträge, von unterschiedlichsten Menschen wie Ronja von Rönne, Julia Reda und Orna Donath. Danach gibt es Workshops, 16 parallel. Nachmittags geht es weiter mit Fragerunden (FMA – Frag mich alles) und noch mehr Workshops. So viele Themen und Ideen, so viele Menschen und Motivation. Irgendwann lerne ich Martin und Ini kennen und wir beschließen, die letzten Workshops sein zu lassen und uns lieber kennenzulernen.

Sonntag geht es weiter, wie es Samstag aufgehört hat. Und dann ist es viel zu schnell vorbei. Es ist ein großartiges Format, ein tolles Treffen, aber es ist zu viel und gleichzeitig zu wenig. Ich habe so viel mitgenommen und trotzdem das Gefühl, einige tolle Workshops und Menschen verpasst zu haben.

Bei der Verabschiedung heißt es, nächstes Jahr wieder. Ja, bitte! Vielleicht einen Tag länger? Oder gar eine Woche? Es muss gar nicht mehr Inhalt sein. Aber Zeit, diesen nachhallen zu lassen und zu verdauen. Ich werde dann 31 sein. Mal sehen, ob ich nochmal hin darf. Ich will.

Andi schrieb seine Erinnerungen. Die Festivalseite selbst hat einige Fotos, die eine Ahnung geben.

Konzert: Florian Ostertag & Nasim auf Gartentour

Florian Ostertag und Nasim in den Weinbergen über Stuttgart.

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Schon vor Wochen hatte ein Freund uns angesprochen und gefragt, ob wir Lust haben auf Florian Ostertag und Nasim, sie spielen irgendwo in einem Garten in Stuttgart, Teilnahme nur mit Anmeldung.

Ich kenne kaum Lieder der beiden, aber hej, wieso nicht? Dann ist es gestern soweit. Aber es regnet nicht nur, es schüttet. So sehr, dass wir die Aufnahmen für #incommunicado unterbrechen müssen, weil der Regen so laut ist. Nach Stunden im Studio bin ich auch nicht so motiviert, irgendwo ein Konzert zweier Musiker zu sehen, die ich kaum kenne, und ohne ein Dach über dem Kopf. Meine Begleiter aber sind motiviert genug, um mich mitzuziehen. Glücklicherweise.

Die Location stellt sich als die Bühne über Stuttgart heraus, ein Garten mit Natürbühne und Platz für etwa 100 Gäste. Wir sitzen mit Decken, holen und bezahlen Getränke auf Vertrauensbasis und beobachten Florian und Nasim, wie sie vor uns den Soundcheck machen. Langsam füllen sich die Reihen und obwohl wir uns nicht kennen, sind wir alle Teil dieser kleinen Veranstaltung, Teil einer exklusiven Gruppe. Und dann geht es los.

Florian und Nasim sind sympathisch, wissen, wie sie ihre Geschichten erzählen müssen. Sie sind nah und persönlich. Und sie machen gute Musik. Es ist egal, ob ich sie davor kenne. Sie setzt sich im Ohr und Herz fest und alle sind gut drauf.

Es ist ein großartiger Abend. In Decken eingemümmelt hören wir gute Musik und haben Stuttgart im Hintergrund. Sie singen auf Deutsch und Englisch und auf der Bühne stehen nicht nur Gitarren, ein Piano und ein Akkordeon, sondern auch ein alter Fernseher, ein Tonbandgerät und eine Schreibmaschine. Die beiden machen mit allem Musik, die sich trotz aller Elektronik handgemacht anfühlt.

Natürlich ist es viel zu schnell vorbei. Dann laufen die letzten Lieder und als der Hut rumgeht, bemerken wir, dass Philipp Poisel in der letzten Reihe sitzt, so dass man ihn kaum bemerkt. Florian war mit ihm auf Tour und jetzt kommt er vorbei, um sich ein gutes Konzert anzusehen und eine großartige Zeit zu haben. Genau wie wir.

Noch knapp eine Woche touren sie durch Deutschlands Gärten.  Wie gesagt, ihr braucht die beiden nicht kennen. Schaut sie euch einfach an. Es lohnt sich, versprochen.

Langzeitbericht: Die slow O

Gerade angekommen: Die Slow Watch! Mehr Infos bald! #slowwatch

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Zu der Zeit, als Smartphones noch Handys waren und nicht viel mehr konnten als Telefonie, SMS und Snake, habe ich mein Handy zum größten Teil nur in die Hand genommen, um auf die Uhr zu gucken.

Heutzutage, wenn ich auf mein Smartphone sehe, um auf die Uhr zu gucken, dann sehe ich auch sofort, ob ich von irgendwem irgendwo angeschrieben worden bin und, oh! da kam auch ne Mail. Und ist eigentlich was bei Facebook passiert? Ihr kennt das.

Ich finde das problematisch. Weil ich sonst keine Uhr trage, auch auf dem Nachttisch keine habe und dann Morgens oder Abends auf das Smartphone gucke, ich kann dann auch nicht widerstehen, zu gucken, was da gekommen ist, sobald ist sehe, dass was gekommen ist.

Deshalb habe ich mir irgendwann den Lies lieber ein Buch-Wallpaper auf das Smartphone geladen, um weniger am Telefon zu hängen. Was das Uhrzeitenproblem nicht löst. Gegen eine normale Uhr habe ich mich gewehrt. Ich dachte, sobald ich eine Uhr trage, habe ich die grauen Herren immer hinter mir stehen, dann bin ich vollkommener Sklave der Zeit.

Und dann bin ich auf die Uhren von slow gestoßen. Schaut sie euch an, verweilt einen Moment beim Zeiger. Dann seht ihr die Besonderheit.

Good times always happen now. Be slow. #enjoylife #swissmade #timetobeslow #theslowwatch

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Zwei Konzepte, die hier vereint werden. Zum einen sind die Uhren von slow Einzeigeruhren, nur die Stunden werden angezeigt. Zum anderen werden auf dem Ziffernblatt 24 Stunden abgebildet. Pro Tag kreist der Zeiger dieser Uhr nur einmal. Deshalb wird die Zeitanzeige leichter, weil nach kurzer Eingewöhnungszeit kann man auf den ersten Blick sehr schnell die ungefähre Uhrzeit erkennen. Das Ablesen der exakten Uhrzeit wird dagegen schwerer. Genau das ist das Konzept:

Bei einer slow Uhr geht es darum, sich auf das, was wirklich wichtig ist, zu konzentrieren. (…) Das 24-Stunden-Zifferblatt gibt euch einen perfekten Überblick des gesamten Tages. Das ist grundsätzlich anders als bei normalen Uhren und gibt euch so die Chance, ein besseres Bewusstsein für eben den ganzen Tag zu schaffen. Und wie ihr diesen angeht.

slow wirbt damit, dass diese Uhr unsere Leben verändern wird. Das Konzept und das Aussehen des jüngsten Modells, der slow O, haben mich neugierig gefragt und ich habe bei slow nachgefragt, ob ich die slow O ausführlich testen dürfte. Die Jungs sagten ja und nun trage ich die slow O 10 seit einem halben Jahr am Handgelenk.

Gerade diese Ausführung mit ihrem blauem Band ist auffällig, schon bevor man das Ziffernblatt sieht. Als sie auch noch ganz frisch aus der Packung kam, sah das Band auch zu krass, zu künstlich und dadurch extrem billig aus. Mittlerweile ist die Uhr eingetragen, Glas und Gehäuse haben ein paar Kratzer abbekommen und das Band hat seinen Vintage-Look, den es haben soll. Für einen meiner Art, der sonst keine Uhren trägt, fällt das Gewicht auf, das plötzlich am Handgelenk ist. Es ist ein gutes Gewicht, ein hochwertiges Gefühl, die Uhr zu tragen.

Ich habe ein paar Wochen gebraucht um mich an das Gewicht an meinem Handgelenkt zu gewöhnen. Und daran, die Uhr auch zu nutzen. Nach Jahren der Routine, in die Tasche zu greifen, um das Smartphone herauszuholen, muss ich mich erst selbst disziplinieren, auf das Handgelenk zu sehen. Aber irgendwann habe ich meine neue Routine, jetzt fehlt mir die Uhr, wenn ich sie nicht am Handgelenk habe. Und sie macht genau, was mir versprochen wurde: Sie nimmt Geschwindigkeit heraus.

Bei jedem Betrachten der Uhr erinnert sie mich, dass es gar nicht so wichtig ist, wieviel Uhr es ist. Manchmal betrachte ich sie auch einfach, weil ich sie sehr schön finde. Und zeigt tatsächlich den ganzen Tag. Zeigt mir, wann im Tag ich stehe.

Natürlich gibt es genügend Momente, bei der ich eine exaktere Uhrzeit brauche, besonders als Pendler, der viel in der Bahn sitzt. Und wenn ich dann aufs Handy gucke, dann gucke ich immer noch, was sonst so passiert. Aber ich gucke grundsätzlich weniger aufs Handy.

Problematischer ist es, wenn ich vor dem Computer sitze. Dort ist immer die genaue Zeit eingeblendet. Dafür wünschte ich, es gäbe eine slow-Wanduhr. Ich frage die Jungs mal, ob das geplant ist. Genauso spannend wäre es, ob auch eine Automatikuhr geplant ist, was die Uhren auf ein weiteres Level heben würden.

Was sich als überraschend schwer herausgestellt hat, ist das Uhrzeit stellen.

Gerade weil die Uhrzeit so grob ist, ist das genaue Stellen sehr wichtig, weil sonst aus „etwa“ einfach „falsch“ wird. Aber nach ein paar Versuchen hat auch das geklappt.

Immer noch werde ich regelmäßig auf die Uhr angesprochen, besonders, wenn jemand auf ihr die Uhrzeit zu lesen versucht und erstmal irritiert ist. Aber sobald sie es verstehen, sind sie fasziniert. Ich bin es immer noch. Täglich erinnert mich die Uhr am Handgelenk daran, weniger auf die Zeit zu achten. Paradox, aber es funktioniert wunderbar.

Die Uhren von slow werden euer Leben nicht automatisch ändern, aber sie helfen euch dabei, es selbst in die Hand zu nehmen.

Vielen Dank an die Jungs von slow für das Bereitstellen des Testexemplars!

Roman: Taqwacore von Michael Muhammad Knight

Der erste Satz aus Taqwacore:

Bismillahir, Rahmanir und so weiter –

Yusef zieht zum Studieren nach Buffalo und seine Eltern sind ziemlich froh, dass er in eine WG zieht, in der nur Muslimen wohnen. Was sie nicht wissen: In dieser WG wird der Islam ganz schön lax gelebt. Oder extrem, wie man es nimmt. Hier kommt der Islam klar mit Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Hier versucht eine Generation junger Muslime, den Islam in eine neue Zeit zu bringen.

http://wasuebrigbleibt.tumblr.com/post/140973774052/irgendwo-da-draußen-gibt-es-einen-coolen-islam

Ähnlich wie bei „Unter Null“ von Bret Easton Ellis erzählt Knight keine komplexe Geschichte, sondern beschreibt eine Atmosphäre, eine Szene, die einerseits vollkommen vom Islam durchdrungen ist und ihn auf der anderen Seite sehr speziell ablehnt. Die letzten zehn Seiten des Buches sind Glossar, eine Liste der am häufigsten verwendeten arabischen Ausdrücke. Diese Liste braucht man, ich habe in diesem Buch ein Lesezeichen an der Stelle, wo ich im Roman bin und eines hinten beim Glossar, weil ich andauernd Worte nachschlagen muss.

Aber die irgendwann weiß man einigermaßen, was all die Begriffe bedeuten und dann ist man Teil der Gang, fühlt sich verbunden, versteht ein wenig mehr, was Islam alles bedeuten kann und welche Kämpfe innerhalb dieses Begriffes geführt werden.

Taqwacore kommt auf den ersten Blick provokanter daher, als ich es nach dem Lesen empfunden habe. Was überhaupt nicht enttäuschend gemeint ist. Es ist eine spannende Lektüre, die einem fast nebenher Lebensarten näher bringt, die ich sonst nur gefüllt mit Vorurteilen kenne. Dieser Roman hat einige davon abgebaut.

Taqwacore von Michael Muhammad Knight wurde übersetzt von Yamin von Rauch und erschien irgendwann mal bei Heyne Hardcore, mittlerweile ist er nur noch bei Rogner & Bernhard zu haben.

 

Bericht: Die Leipziger Buchmesse 2016

Das Problem bei einer Sache wie die Buchmesse ist, dass zu viel passiert. Philips Artikel über die Buchmesse ist fünf Seiten lang. Verständlich, weil, BAM., einfach zu viel. Mein Bericht über meine letzte Buchmesse in Leipzig ist nie online gegangen, weil es nichtmal geschafft habe, den ersten Tag zu beschreiben, bevor das wieder passiert, hier also sowas wie ein Blitzlichtgewitter an Erinnerungsschnipsel dieser vier Tage in Leipzig.

  • Die Tage in einem Wort, das wäre wohl „Augenhöhe“. Ich komme Mittwoch Abend in Leipzig und bei meinen Messe-Eltern an und ab Donnerstag früh bin ich auf der Messe. Begrüße mir bekannte Menschen und mache aus Kontakten aus Mail und dem Internet echte Bekanntschaften. Ich schlendere durch die Hallen, die schon am ersten Tag gut gefüllt sind und frage mich, warum man als reiner Leser auf die Buchmesse geht.

Meine erste Buchmesse war 1998 und in Frankfurt. Ich war 12 Jahre alt. NuvoMedia stellte das Rocket eBook vor, einen der ersten eReader überhaupt. Mitarbeiter fuhren Wägelchen voller Bücher durch die Gänge und man konnte sich einfach bedienen. Und es gab Massen von Büchern. Die Massen an Bücher sind immer noch da. Die großen Verlage zeigen, was sie haben, legen den Penis auf den Tisch. Die kleinen Verlage versuchen zu zeigen, dass sie überhaupt da sind. Die meisten Leute sind aber bei den Ständen der bekannten Verlage zu finden. Klar, hier ist mehr Auswahl, aber eigentlich findet man deren Programm auch in jeder Buchhandlung. Dafür muss ich nicht auf die Buchmesse.

Ich als irgendwie gearteter Teil dieser Branche laviere durch die Hallen und freue mich mehr über die Menschen, als über die Bücher. Die Bücher machen mir manchmal Angst. So viele von ihnen. So viele potentiell gute Geschichten, die man niemals alle lesen kann.

  • Und die Cosplayer!

Seit meinem letzten Mal hier sind extrem viel mehr dazugekommen. Ein signifikanter Teil der Besucher, die sogar eine eigene Halle bekommen und zum Großteil wahrscheinlich nicht sehr viel mit den restlichen vier Hallen anfangen können. Aber hej, das sind junge Menschen, die sich auf ihre Art und voller Herzblut mit Büchern beschäftigen.

  • In Halle 2, zwischen den Buchdruckern und der Hörspielarena steht ein angekratzter verdreckter blauer Lada Niva. So wie der aus Tschick, denke ich. Und dann erfahre ich, dass es tatsächlich der Filmwagen aus im September erscheinenden Film ist! Da schlägt mein Auto- und Buchherz um einiges höher.

  • Vieles dreht sich diesmal um Blogger. Es gibt eine Bloggerlounge, mehrere Vorträge und Diskussionsrunden „Blogger vs. echten Journalismus“ und Bloggerveranstaltungen von Verlagen. Diese sind ganz schön unterschiedlich. Am Donnerstagabend geht zum Bloggeressen von Klett-Cotta. Eine kleine Runde von vielleicht 25 Leuten, Blogger, Verlagsmenschen und Autoren an zwei Tischen in einem Restaurant in Leipzig. Zwischen den Gängen stellen die Autoren ihre Bücher vor und lesen ein bisschen vor. Während der Gänge essen wir alle und unterhalten uns und es ist egal, ob du Verlagschef oder Blogger bist, du unterhältst dich auf Augenhöhe. Geil.

Einen Tag später ist #blogntalk von Random House. Leider habe ich hier viel mehr das Gefühl von Gefälle, hier werden die Blogger eher wie Fans behandelt und verhalten sich aber größtenteils auch genauso. Also sage ich Sebastian, dem Pressemann von Random House genau das, was er mir glücklicherweise nicht übel nimmt, danach habe ich ein ziemlich gutes Gespräch mit Stephanie Grimm, die ein Sachbuch übers Schlafen geschrieben hat. Hier ist dann wieder Augenhöhe angesagt, ein Zustand bei Kommunikation, den ich immer mehr zu schätzen weiß.

  • Schon vor drei Jahren krass, wie Sebastian Fitzek seinen eigenen Stand neben dem von Droemer Knaur hat und eine Riesenschlange quer durch die Halle geht. Diesmal nur noch krasser.

 

  • Klar, durch das Studium in Hildesheim lernt man relativ viele Menschen aus der Bucbranche kennen, als Blogger dann nochmal mehr. Die Tage sind sind voller Kennenlernen und Wiedersehen. Höhepunke dabei sind der Donnerstag und der Sonntag. Freitag und Samstag sind viel zu viele Menschen da. Trotzdem ist es ganz gut, die ganzen Tage dazusein. Sonntag ist man dann schon krass übermüdet und in einem Tunnelblick, aber man entdeckt immer noch neue krasse Stände. Das ist wie wenn man eben nicht nur ein Wochenende in einer neuen Stadt verbringt, sondern gleich einen Monat. Dann klappert man erst die Touri-Hotspots ab und gegen Ende lernt man dann die eigenen Lieblingsplätze kennen. Buchmesse funktioniert ebenso. Und danach gehts zurück nach Hause mit viel zu vielen Visitenkarten und Eindrücken und Dingen, die alle nicht in trockenen Tüchern sind. Ich bin gespannt, was davon fruchtet, welche Kontakte halten und welche Projekte und Ideen verwirklicht werden. Nächstes Jahr gerne wieder.

Bericht: Lesung von Thees Uhlmann am 23.3. im Wizemann in Stuttgart

Bis letzten Sonntag war ich auf der Buchmesse in Leipzig (Bericht folgt) und Markus Naegele, Verlagsleiter von Heyne Core, erzählte im Interview mit Wolfgang Tischer vom Literaturcafé.de Lesungen sollten Rock’n’Roll sein.

Gestern sitze ich in der ersten Reihe bei Lesung von Thees Uhlmann mit seinem ersten Roman Sophia, der Tod und ich und er macht genau das. Klar, Uhlmann ist seit mehr als 20 Jahren mit seiner Band Tomte und solo als Musiker unterwegs und diese Bühnenerfahrung merkt man ihm an. Mit seiner leichten Out-of-Bed-Frisur, dem Weinglas und seinem abgegriffenem Leseexemplar seines Buches kommt er auf die Bühne im Wizemann, in deren Mitte nur ein kleiner schwarzer Tisch und das Mikro stehen.

Mein Gott ist eine Frau mit einem unglaublich kurzem Rock, die an der Bar sitzt und sich betrinkt und sagt, es gibt keinen Gott.

Thees Uhlmann

Er wartet ab, bis das Publikum den ersten Applaus abebben lässt und erzählt angesichts der Ereignisse in Brüssel am gestrigen Tag, dass er eigentlich ein unpolitischer Künstler ist, aber trotzdem etwas über seinen Gott loswerden will. Dann beginnt er mit dem eigentlichen Abend.

Sind wir ehrlich, wir kommen nicht auf eine Lesung, weil wir das Buch vorgelesen bekommen wollen. Dafür könnten wir uns auch das Hörbuch holen. Wir wollen eine Show erleben, Anekdoten hören und eine gemeinsame Erinnerung schaffen. Uhlmann ist Profi drin.
Die Lesepassagen behandelt er wie Songs, er liest das Buch nicht vor, er performt es. Er überspitzt die Figuren und die Stimmen, macht Sachen, die man als Sprecher nie machen würde, aber Thees auf der Bühne lebt das einfach und es macht unglaublich Spaß, ihm zuzusehen.
Zwischen den Lesestücken erzählt er. Kleine Geschichten, die ihm scheinbar spontan einfallen, aber auch, wie es überhaupt zu dem Buch gekommen ist und wie die gesamte Lesetour war. Stuttgart ist nämlich Abschluss einer wochenlangen Lesereise und Uhlmann lässt es extra krachen.

Insgesamt performt Uhlmann rund zweieinhalb Stunden mit einer kleinen Pause dazwischen, erzählt, liest, trinkt und hat Spaß. Im Laufe der Zeit wird immer klarer, wie professionell Uhlmann ist. Er weiß, wie er die Geschichten erzählen muss und er baut einen Bogen über den ganzen Abend und natürlich wurde keine Geschichte einfach so erzählt. Am Ende führen alle Fäden zusammen, was die Show umso größer macht. Gleichzeitig ist Uhlmann das beste Beispiel eines 12-jährigen im Körper eines knapp 42-jährigen. Er ist ein Lausbub, er freut sich, wenn wir uns freuen und er reagiert geil auf das Publikum.

Aber in wenigen Momenten überspannt er den Bogen. Nach der Pause kommt er mit der ganzen Weinflasche auf die Bühne und leert sie fast provokativ. Ich habe, wenn überhaupt, ein distanziertes Verhältnis zu Alkohol, aber wenn jemand trinken will, darf er das gerne tun. Problematisch wird es, wenn Menschen sich für ihr Verhalten verteidigen.

Als Uhlmann sich gerade wieder kräftig einschenkt, sieht er ins Publikum und blafft uns an, „bei Bukowski habt ihrs doch auch gefeiert!“ Ähnlich gab es Momente, in denen er seine Ausschweifungen verteidigt. Wir sitzen da und haben alle Spaß, wenn Thees Uhlmann auf der Bühne Spaß hat, aber in dem Moment, in dem er sagt, „vielleicht sabbel ich gerade ein bisschen viel, aber ich mache das heute Abend nur für mich!“, wird uns als Publikum eine Bewertung, eine Abwertung ihm gegenüber aufgedrückt, die wir davor nicht gehabt haben müssen.

Wie ähnlich der Abend einem Konzert ist, wird am Ende nochmal klar, weil sich keiner wundert, warum Thees Uhlmann keine Fragen beantwortet hat, sondern wir traurig waren, dass es keine Zugabe gab.

Thees Uhlmann macht aus einer Lesung eine Ein-Mann-Performance, einen geilen Abend, bei dem er in manchen Momenten leider ein wenig überdreht. Aber vielleicht gehört das auch zu einem geilen Abend.

PS: Ich habe das Buch noch nicht gelesen, aber ich ahne, dass das Hörbuch in diesem Fall die bessere Wahl ist, weil Thees Uhlmann das Werk durch seine Leseperformance um ein wichtige Ebene erweitert. Aber entscheidet selbst.

Sophia, der Tod und ich von Thees Uhlmann erschien bei KiWi, das Hörbuch  erschien bei Grand Hotel van Cleef. Danke an Chimperator Live für die Gästeliste. 

Bericht: Literarisches Schreiben in Hildesheim, Semester 2

Dies ist die erste Woche des dritten Semesters, die Semesterferien habe ich mit einem Praktikum und in Polen verbracht. Bevor das zweite Studienjahr richtig beginnt, hier der Bericht über Semester 2.

Viel von dem, was im ersten Semester passiert ist und mir aufgefallen ist, gilt auch noch im zweiten. Man groovt sich mehr ein, lernt in anderen Seminaren und Kursen neue Leute kennen und kommt langsam in dieser Blase der Domäne an. Der Sommer und das warme Wetter fördern das Zusammensitzen auf der Wiese und die gemeinsame Zeit extrem.

Auf der anderen Seite aber hat sich bei mir ein großes Gefühl von Ellenbogenmentalität und Abgrenzung festgesetzt.

An der Musikhochschule, in Sprechkunst, lernt man in den ersten Semestern, dass es egal ist, wie man von außen aussieht. Man macht so viele Körperübungen, humpelt wie ein Zombie durch den Raum oder sagt andauernd komische lautmalerische Worte vor sich her, dass man auf keinen Fall darüber nachdenken kann, wie man jetzt gerade aussieht und auf andere wirkt. Weil dann bringen all die Übungen nichts. Man wird mutig darin, blöd auszusehen. Und dadurch ist man frei, alles zu tun. Und weil das alle machen, ist auch alles okay.

In dieser Blase in Hildesheim wären dafür die perfekten Vorraussetzungen. Man ist unter Künstlern und man studiert. Man will sich ausprobieren. Man will Sachen machen, die man sonst nicht macht. Aber mir scheint, das genaue Gegenteil ist der Fall. Weil es so ein Kleinstkosmos und es eher gegenseitiges Konkurrieren ist, beobachtet anscheinend jeder jeden genau. Zumindest verhalten sich fast alle so, als wären andauernd unter Beobachtung. Was wiederum auch heißt, dass man kaum in Kontakt mit anderen Leuten kommt. Selbst, wenn man sich in einem Kurs kennengelernt hat, sobald auf der Wiese ist, wird man vielleicht noch angenickt, aber ansonsten verbleibt man in den Gruppen der Leute, die man kennt. Ich habe nur wenige, dafür aber umso schönere Ausnahmen entdeckt.

Ich kann nicht genau sagen, woran das liegt. Vielleicht daran, dass es es zwischen all den luxoriösen und elitären Studiengängen nochmal eine zumindest subjektive Rangordnung gibt. Dass beispielsweise die Bachelorstudenten Kreatives Schreiben sich als die „besseren Schreiber“ ansehen, als die Kultuwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Literatur. Wie gesagt, ich weiß nicht, ob das so ist, aber für mich fühlt es sich oft so an. Aber auch innerhalb der Studiengänge, zumindest bei den Schreibern, scheint es viel Rivalität zu geben. Als ob man jemand anderem einen guten Text nicht gönnt.

Das Gefühl, dass diese Stimmung hinterlässt, ist schal und schmälert das Erlebnis Hildesheim ein wenig. Sollte die Studienzeit doch ein wenig freier ablaufen.

Für mich persönlich war das zweite Semester anstrengend, ernüchternd, demotivierend und unglaublich schön. Ich lerne mehr, als ich gedacht hätte. Mehr über Literatur im allgemeinen, mehr über Schriftsteller und die Literaturwelt und vor allem mehr über mein eigenes Schreiben. Mein Mentor für mein Romanprojekt für das Semester war Anvar Cukoski, seit letztem Jahr Lektor bei Piper. Anvar ist, um es mit den Worten von Lester Bangs zu sagen, ehrlich und unbarmherzig. Das wirft einen erstmal ganz schön hart auf den Boden. Aber bringt einen auch am meisten weiter.

Das Pendeln hat auch im zweiten Semester gut funktioniert. Klar ist es anstrengend und nicht die billigste Art des Lebens. Aber ich halte meine Kontakte in Stuttgart und das ist mir wichtiger, als nach Hildesheim zu ziehen.

Nun komme ich ins dritten Semester. Beschäftige mich diesmal mit Kursen über Coming-of-Age, Kunstbücher und das Erzählen. Und habe als Mentor für meinen Roman Kevin Kuhn. Schon jetzt zeichnet sich ab, das dieses Semester wieder aus viel Lesen und Schreiben besteht. Aber ich hab Bock drauf. Und ich freue mich. In diesem Sinne, Lächeln, Fabian.

PS: Das Literaturinstitut hat eine kleine Slideshow aus Bildern und Interviews zusammengebaut, wie es so ist, in Hildesheim zu studieren. Wer genau hinguckt, sieht mich. Ist aber auch schön, eine breitere Masse an Meinungen zu hören.

Bericht: Literarisches Schreiben in Hildesheim, Semester 1.

Seit Oktober 2014 studiere ich also den Master Literarisches Schreiben in Hildesheim. Das erste Semester ist nun vorbei, hier mein Zwischenbericht:

Wie Sprechkunst auch, ist Literarisches Schreiben ein Luxusstudiengang. Ein Studiengang an einer staatlichen Universität mit einer Semesterstärke von 20 Personen. Wir studieren nicht am Hauptcampus der Universität, sondern an der Domäne Marienburg, einem umgebauten Gehöft, das Studiengänge wie Kreatives Schreiben, Kulturjournalismus, Philosophie, Kunst & Medien, aber auch Musik und Szenische Künste beherbergt, ein paar Kilometer außerhalb von Hildesheim. Man ist umgeben von Künstlern verschiedener Art, auch das hat der Master mit meinem Bachelor gemein.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist der grundsätzliche Aufbau der Studiengänge, natürlich jeweils auf das Sprechen oder das Schreiben gemünzt:

In Sprechkunst lernte ich

  1. eine breite Basis für das Sprechen, samt theoretischer und praktischer Vertiefung in verschiedene Richtungen (beispielsweise Anatomie, Schauspiel und Phonetik),
  2. wieder anderen das Sprechen beizubringen (Unterrichtspraxis), und
  3. im Einzelunterricht das eigene Sprechen zu optimieren (Hauptfach).

In Literarischem Schreiben lerne ich

  1. eine breite Basis für das Schreiben, samt theoretischer und praktischer Vertiefung in verschiedene Richtungen (beispielsweise Kontrolle und Literatur, Kulturjournalismus und die Geschichte des Creative Writing),
  2. wieder anderen das Schreiben beizubringen (Creative Writing als Kulturtechnik), und
  3. mit einem Mentor am eigenen Roman zu arbeiten.

Es gibt aber auch große Unterschiede. Obwohl ich in beiden Studiengänge sehr kleine Semestergruppen hatte und habe (8 bzw. 20, jeweils mit ungleich mehr Frauen im Jahrgang), ist der Zusammenhalt ein ganz anderer. Das liegt meiner Meinung nach an der Studienstruktur. An der Hochschule in Stuttgart wird jedes Semester ein Stundenplan vorgelegt, den man zu besuchen hat. Alle Kurse sind vorgegeben, ich habe mich in Stuttgart in vier Jahren kein einziges Mal mit Semesterwochenstunden oder ETCS-Punkten beschäftigt, das war nicht notwendig. Nach einem Jahr kann man zwischen Literaturkursen wählen und nach dem Grundstudium ein Profil, grundsätzlich hat man aber fast alle Kurse im Semesterverband, was zumindest aus meinem Semester eine zweite Familie geschmiedet hat. Wir kannten uns alle sehr gut.

In Hildesheim dagegen wird durch die Studienordnung vorgegeben, was man in den beiden Masterjahren zu schaffen hat, wann man aber was macht, liegt bei einem selbst. Man wählt jedes Semester neu, welche Kurse man gerne hätte und versucht dies mit dem Plan abzugleichen. Was dazu führt, dass ich im ersten Semester noch nie meinen kompletten Jahrgang gesehen habe. Wir haben keinen einzigen Kurs miteinander und ich kenne nicht einmal alle. Auf der anderen Seite ermöglicht diese Struktur mir, alle Kurse auf zwei Tage die Woche zu legen, sodass ich das erste Semester relativ sauber aus Stuttgart pendelnd leisten konnte. Den Großteil der Zeit verbringe ich mit Schreiben und das geht in Stuttgart und in Zügen ebenso gut, wie in Hildesheim.

Trotz des versprengten Semesters haben wir uns zu einer relativ festen Gruppe von etwa 8 Leuten zusammengefunden, die sich regelmäßig trifft und mir auch in Hildesheim eine Familie gibt, ein Umfeld, in dem ich mich sehr wohl fühle.

Das Studium selbst ist unglaublich toll. Viele Sachen bauen auf meinem vorherigem Studium auf, beziehungsweise kann ich viele Strukturen aus dem Sprechen im Schreiben weiterführen. Während ich in Stuttgart der Schreiber war, bin ich in Hildesheim der Sprecher und darf oft vorlesen. Ich arbeite an meinem Roman und habe jedes Semester wechselnd einen anderen Mentor, der mich bei dem Projekt begleitet. Was will ich mehr?

Zwei Sachen, dir mir noch aufgefallen sind:

  1. Es wird einem leicht gemacht, nichts zu sagen. Egal, ob ich in „Einführung in den Kulturjournalismus“ mit 90 Leuten sitze, oder in „Schrift und Sprache im Mittelalter“ mit 6 Leuten, es gibt Menschen, deren Stimme ich noch nie gehört habe. Die Dozenten stellen ihre Frage und wenn niemand antwortet, reden Sie weiter. Und da sie das schnell tun, gibt es auch immer weniger, die reden. Natürlich gibt es die Üblichen, die oft etwas sagen und eine Diskussion führen. Aber das sind sehr wenige. Ich weiß nicht, woran es liegt, ob es eine Mentalität der Studierenden oder eine der Lehrenden ist, aber trotz aller Bemühungen, Diskussionen zu führen, werden die Stunden oft zu Vorlesungen verformt. Und das ist sehr schade. Wieso wird der unglaubliche Vorteil kleiner Gruppen nicht genutzt? Sowohl von den Dozenten, und viel mehr noch, von den Studierenden?
  2. Der Studiengang ist in einer andauernden Verteidigungshaltung. In Stuttgart ist eher das Problem, dass außerhalb einer kleinen Interessengruppe niemand den Studiengang kennt. Das geht soweit, dass ich auf der Suche nach einem Praktikumsplatz fast durchgehend überrascht angesehen wurde. Sprechkunst, so etwas kann man studieren? Und wenn selbst potentielle zukünftige Arbeitgeber so reagieren, dann hat man meiner Meinung nach einen zu geringen Bekanntheitsgrad. Wenn ich jetzt mit Menschen über mein Studium rede gibt es immer noch Leute, die sagen, so etwas kann man studieren? Aber weit weniger. Was es dagegen umso häufiger gibt, ist eine gewisse Skepsis darüber ob man jemandem beibringen kann, zu schreiben. Diese Skepsis ist in Hildesheim (und wahrscheinlich auch in Leipzig) bekannt und immer wieder kommt man innerhalb des Studiums darauf zu sprechen. Manchmal hatte ich dabei das Gefühl, eine Institution, die sich sogar innerhalb ihrer Gruppe so sehr verteidigt, kann sich doch selbst nicht ganz sicher sein. Verständlich, was ich meine?

Ich bin gespannt, wie es im kommenden Semester weiter geht. Die Mentoren werden Verlagslektoren sein und es wird viel Neues zu lernen geben. Jetzt aber erstmal Semesterferien. Ich schreibe nun ein wenig.

Roman: Das unerhörte Leben des Alex Woods von Gavin Extence

 

Der erste Satz aus Das unerhörte Leben des Alex Woods:

 Sie griffen mich in Dover auf, als ich wieder einreisen wollte.

Diese Geschichte beginnt, wo sie eigentlich endet und erzählt sich dann wieder von vorne. Ein alter Kniff, der aber in Alex Fall sehr gut funktioniert. Alex ist ein junger Mann von 17 Jahren, als diese Geschichte endet, sie beginnt, als er 10 ist, und sie beginnt mit einem Knall. Anfangs, da weiß man nicht, was genau da eigentlich los ist und warum wir Alex so gerne zuhören. Alex hat keinen Krebs, das kann ich versichern, die Angst hatte ich nämlich. Tatsächlich ist die Geschichte doch ein wenig ungewöhnlicher. Und so folgen wir diesem Reisebericht durch die sieben Jahre. Faszinierend. Ich will nichts über die Geschichte selbst sagen. Es ist eine Geschichte über Freundschaft und Reisen und Literatur und das Leben, manchmal ein wenig Klischeehaft, dann wieder so erfrischend, dass man über die schon zu oft gelesenen Floskeln hinwegsieht. Gavin Extence, Jahrgang 1982 aus England, hat hiermit einen tollen ersten Roman hingelegt, den man sehr schnell runterlesen kann. Der einen Zug hat und der es einem erlaubt, in der Geschichte zu verweilen.

Dazu kommt, dass das Team von Limes hier volle Arbeit geleistet hat, wenn wir mal von Titel absehen. Dieser ist mir zu sehr auf einen aktuellen Trend angelegt, im Original heißt es: The Universe Versus Alex Woods. Aber ansonsten: Ein tolles Cover, welches sich mit der Lektüre des Buches auch immer mehr erschließt und einen hingebungsvollen Satz! Jetzt Mail, jeder handgeschriebene Zettel unterschiedlicher Personen hat eine andere Schrift und ein anderes Aussehen bekommen. Das sieht nach Liebe aus und wertet das Buch, sowieso schon in Hardcover und mit Lesebändchen, unglaublich auf. Es macht einfach Spaß, dieses Buch zu lesen, sowohl von der Aufmachung, als auch von der Geschichte. Ich bin sehr gespannt, was wir als nächstes von Gavin Extence lesen dürfen.

Das unerhörte Leben des Alex Woods von Gavin Extence wurde übersetzt von Alexandra Ernst und erschien bei Limes.

Das Leben ist ein Erdbeben: Ein Lesebericht samt Autorenkommentar.

Wenn ich nicht spreche oder schreibe, sammele ich manchmal Schreibmaschinen. Darüber bin ich mit Florian von maschinengeschrieben zusammengekommen. Der junge Mann aus der Schweiz hat sich mit seinem Blog innerhalb kürzester Zeit einen festen Platz in der Typosphäre gesichert. Und ab und an haben wir Kontakt. Er kommentierte am 24.11. kurz nach Mitternacht und fragte nach der digitalen Version von „Das Leben ist ein Erdbeben und ich stehe neben dem Türrahmen„. Ich war gerade mitten im Erstellen des Artikels mit der Version, also schickte ich ihm die Fassung gleich noch per Mail. Danach veröffentlichte ich den Artikel dazu und ging ins Bett. Am nächsten Morgen habe ich eine Mail von Flo im Eingang, gesendet um 3:40 Uhr. Er hat das Buch in einem Zug von Freitag auf Samstag durchgelesen.

Anbei seine Notizen, samt Uhrzeit und Seitenanzahl. Und das Ganze wiederrum von mir kommentiert. Viel Spaß!

PS: Die Seitenzahlen sind gegenüber der Printfassung um zwei nach hinten verschoben.

1:03 Zähne geputzt. Seite 1
Seite 47: Gelacht.
1:36, Seite 55: Hotel California gehört
1:41, Seite 58: „ich bin noch bei sam, aber ich komme bald wieder. ich wecke dich morgen um sechs.“
er drehte sich mit seinem stuhl um.
„bist du dann um sechs schon wach, oder noch?“ – gefällt mir!
1:44, Seite 61: Der versteckte Wecker gefällt mir – da könnte ich mir noch eine Scheibe abschneiden.
1:48, Seite 68: Formatierungsrichtlinien erinnern mich an meine Englischlehrerin.
1:49: seite 69: die an den Haaren herbeigezogene Geschichte erinnert mich an Vorgaben für Leberreime

Ich habe ehrlich gesagt bis gerade eben keine Ahnung gehabt, was Leberreime sind.

1:55, Seite 75: Ein Klapphandy? Gibt’s denn sowas?

Ach Flo, selbst in der Schweiz muss es solche Handys doch geben, oder?

2:00, Seite 84: Die Montenegro-Episode finde ich super.
2:03, Seite 87. „wofür Gedanken nicht mal einen augenaufschlag benötigen, braucht die hand auf der tastatur stunden.“
2:05, Seite 87: ich musste mir langsam angewöhnen, die beiden Kinder nicht als Plage, sondern als kleine menschen zu betrachten. hobbits, sozusagen.“
2:06, Seite 90: Was für ein schöner Euphemismus! In der Welt wohnen.
2:11, Seite 96: Leerschlag fehlt: wie bei penny.ich wusste

Shit. Danke.

2:17, Seite 106: „Der Cursor blinkte drohend.“
2:18, Seite 108: „Dann sollte er sich ‚Götz von Berlichingen‘ – ist das nicht Lessing?

Ne, Goethe.

2:19, Wikipedia: Es ist Goethe.
2:20, Wikipedia: Aha, „Schwäbischer Gruss“. Kannte ich nicht.

Hab ich auch noch nie jemanden sagen hören.

2:21, Seite 110: Ich sollte den Kaktus im Bad wieder einmal giessen.

Deshalb habe ich keine mehr.

02:33, 128: Die wievielte Nacht macht er jetzt schon durch?

Grundsätzlich macht er doch keine einzige Nacht durch, oder?

02:35, 131: Morgen ist Samstag, wieso sollte ich nicht mehr wach sein?“ My thoughts, exactly.

Wie schön!

02:43, 144: „Bis zum Baggersee…“ moment, wieso Baggersee? Vorhin hatte ich noch Bergsee gelesen – zurück auf 141 – tatsächlich, kein Berg- sondern ein Baggersee.
02:50, 158: „Das wichtigste für einen Mann auf Reisen ist ein Handtuch“ – Douglas Adams?

Douglas Adams. Übrigens nicht die einzige Anspielung. Und auch nicht die Einzige an Douglas Adams.

02:51, 158: Hermes Baby!

Oh ja, ich musste die Kleine doch verewigen.

02:54, 164: Das maschinengeschriebene gefällt mir.

Haha, davon gehe ich aus.

02:57, 169: Linda im Hosenanzug. Die Emanze aus dem Lehrbuch. 🙂

So ist sie ja auch angelegt.

03:04, 180: Tassino-Park in Lugano? Websuche. Interessant! Da hätte das erste multinationale Type-In auch stattfinden können, aber der Parco Civico war auch nett.

Wow, bei sowas will ich irgendwann auch dabei sein.

03:08, 185: Schöne Nebenhandlung.

Eine der vielen.

03:12, 192: Wie wahr: „Das war eines der Probleme mit dem schreiben. Oft ist man dann motiviert, wenn man nicht die Möglichkeit zum schreiben hat. und wenn man die Zeit hat, dann küsst einen die muse nicht.“
03:18, 201: „Was zählt, ist nicht das Papier, nicht worauf, sondern was geschrieben ist. es geht um die Worte selbst.“
03:20, 203: Irgendwie scheint es in Stuttgart immer zu regnen?

Komm mich mal besuchen. Dann wirst du das erleben. Ne, so schlimm ist es nicht. Aber es ist eben doch ein Kessel und das merkt man.

03:26, 213: Grosse Klasse!
Danke.
03:30, 224.

Danke, Flo, für diesen Bericht. So schön, dir beim lesen folgen zu können 🙂 Sowas wünsche ich mir auch von anderen.

Bericht: Slam in Esslingen am 18.9.10

Eindrücke des Esslinger Slams
Eindrücke des Esslinger Slams (Quelle: Ente / dead-hands.de)

Eigentlich sind meine Gedanken noch viel zu verklebt, um schon zu tippen. Aber in ein paar Stunden geht es schon wieder weiter nach Erlangen. Deshalb in kurz:

11 Slammer, Nikita als featured Act, Das U-Bahn Seminar von mir und ein grandioser Doppelsieg von Sophie Passmann und Gabriele Busse.

Alle obigen Bilder plus noch ein paar mehr und in groß gibt es auf dead-hands.de. Mein Facebookbild hat sich dementsprechend schon angepasst.

Toll ist, dass ich mit ein paar der Leute von gestern bald ins Auto nach Esslingen steige und sie dort gleich normal erleben darf. Ich freue mich!