Hörbuch: Tschick von Wolfgang Herrndorf, gelesen von Hanno Koffler

Wenn man die Rückseite von Tschick liest, liest sich das so:

Maik, Sohn einer zerrütteten, wohlhabenden Unternehmerfamilie, verbringt die Ferien allein am Pool der elterlichen Villa. Am ersten Ferientag sind alle anderen zu Tatjanas Geburtstagsfeier eingeladen, außer den Idioten, den Fetten, dem Nazi, Maik und Tschick. Tschick, eigentlich Andrej, ist Deutschrusse, wohnt im Hochhaus und sieht unerhört asiatisch aus und ein bisschen gefährlich. Plötzlich ist er da und drängt sich dem widerstrebenden Maik auf. Im Handumdrehen hat er aus Maik herausgekitzelt, dass der unsterblich in Tatjana verliebt ist. Kurze Zeit später sitzen die beiden in einem geklauten Lada und machen sich auf in Richtung Südosten, in die Walachei, denn da wohnt Tschicks Opa. Eine somnambul-schöne Reise durch die sommerglühende deutsche Provinz beginnt, unvergesslich wie die Flussfahrt von Tom Sawyer und Huck Finn.

Maik und Tschick sind beide 14 und genauso liest sich der Klappentext: Wie eine Geschichte für Jugendliche. Zumindest körperlich bin ich ein paar Jahre älter als 14. Tatsächlich konnte ich aber das Hörbuch nicht mehr weglegen. Wolfgang Herrndorf (Jahrgang 1965) ist auch schon länger kein Jugendlicher mehr, aber er trifft die Sprache und die Gedankengänge unglaublich gut. Und dazu kommt ein extrem passender Hanno Koffler. Hannos jugendliche Stimme und ein ganz leichter Berliner Dialekt (eher eine Akzentfärbung als ein Dialekt) machen das Hörbuch zu einer leicht verdaulichen Kost. Hanno liest so schön und manchmal mit einem Lachen, als ob ihn Selbst die Geschichte auch belustigt. Die Geschichte der beiden Jugs ist ein Roadtrip in einem echtem russischen Auto, dem Lada Niva. Ein Roadtrip mit Musik, Mädchen, Witz und unerwarteten Wendungen. Ich saß lächelnd in der Bahn und lachte immer wieder unvermittelt auf. Ich glaube, innerlich bin ich immer noch Kind. Ich kann mich köstlich amüsieren bei Tschick.

Das Manko bei der Sache ist natürlich dieses “Autorisierte Lesefassung”. Heißt nämlich nichts anderes als dass diese Version gekürzt ist. Da will man ja wissen, wie der Rest des Buches ist. Deshalb muss ich mir irgendwann mal die gedruckte Fassung holen. Aber ich habe Angst, dass es ohne die Spreche von Hanno Koffler nicht ganz so gut wird. Eine Hörprobe gibt’s auf der Verlagsseite, aber ich finde den Ausschnitt nicht ganz passend gewählt. Dennoch, es gibt einen kleinen Einblick ins Buch und in die Spreche.

Tschick von Wolgang Herrndorf erschien bei Rowohlt, das Hörbuch, gesprochen von Hanno Koffler erschien bei Argon. 

Meine persönlichen Buch/Film/Musik-Highlights in 2011

sf fragte:

..was war denn für dich dein persönliches “buch des jahres 2011″ ?…

Es folgen ein paar mehr oder weniger lange Listen von Dingen, die ich in diesem Jahr genossen habe.

Buch (die Reihenfolge ist nicht relevant)

Hörbuch (die Reihenfolge ist nicht relevant)
Film (die Reihenfolge ist nicht relevant)
  • Kick-Ass
  • In Time
  • Attack the Block
  • Colombiana
  • X-Men: Erste Entscheidung
Musik (die Reihenfolge.. ihr wisst schon)
  • Dick Brave
  • Mumford and Sons
  • Philipp Poisel
Was ist mit euch?

Buch: Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy von Adaobi Tricia Nwaubani

Ich hatte weder von Adaobi Tricia Nwaubani, noch von ihrem Debütroman Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy etwas gehört, aber das Format (größer als ein normales Tachenbuch) der Titel und das Cover interessierten mich.

Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy ist die Geschichte von Kingsley, geboren in Nigeria. Sohn einer Bildungsfamilie, die arm, aber ehrlich sind. Er ist der erste Sohn, hat fertig studiert und soll seine Familie wie auch seine Angebetete stolz machen, aber er findet keinen Job. Ola, seine Freundin, wendet sich ab und sucht sich einen reichen Mann, sein Vater liegt im sterben und Kingsley ist unzufrieden mit seinem Leben. Verzweifelt wendet er sich an seinen Onkel Cash Daddy. Die Familie hat sich von ihm abgewendet, denn Cash Daddy ist Scammer. Er verdient sein Geld damit, indem er gutgläube Menschen in aller Welt mit Mails betrügt. Das macht ihn in der ehrlichen Familie unbeliebt, aber unglaublich reich. In der Not nimmt Kinglsey Geld von ihm an. Als sein Vater aber stirbt, steigt er ins Geschäft seines Onkels ein. Auf knapp 500 Seiten beschreibt Adaobi Tricia Nwaubani Nigeria und die Welt der Scammer auf humorvolle, skurrile, aber auch nachdenkliche Weise. Sie nimmt uns mit auf eine Reise durch eine Welt, die zumindest mir überhaupt nicht bekannt ist, aber unglaublichen Spaß macht.

Was mich wirklich gestört hat, dass Cash Daddy im ganzen Roman niemals meerblaue Schuhe hat. Also, vielleicht hat er sie, aber sie werden nicht erwähnt. Und trotz all der schönen, ungewöhnlichen und spannenden Dinge hat mich die Story nicht ganz mitgerissen. Es hat wirklich Spaß gemacht, aber es hat mich nicht vollständig mitgerissen. Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy ist ein sehr schönes, ungewöhnliches Buch, aber nicht eines der Besten aus diesem Jahr für mich.

Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy von Adaobi Tricia Nwaubani erschien im dtv und wurde übersetzt von Karen Nölle. Bisher ist kein Hörbuch erschienen.

Buch: Anders sein ist ganz normal von Pierre Jarawan

Das ist es also, Pierre Jarawans Anders sein ist ganz normal. Pierre ist Slam Poet aus Kirchheim Teck und Student in München, jetzt hat er eine Sammlung seiner Texte zwischen zwei Buchdeckel gepackt und bei Lektora veröffentlicht. Auf 119 Seiten tummeln sich Pierres Slamtexte, Variationen von Redewendungen und Texte, die extra für das Buch geschrieben wurden. Und es sind tolle Texte dabei. Als ich mich durch das Buch las, hatte ich andauernd Pierres Stimme im Ohr gehabt. Das ist unglaublich cool, aber gleichzeitig auch der Genickbruch des Buches. Ich glaube, die 24 Geschichten sind schön für Menschen, die Pierre schonmal live gesehen haben und die Texte nochmal nachlesen wollen, um all die wunderbaren Wortspiele, Gedankenbilder und Traumgebilde wiederholt zu erleben. Jemand aber, der mit dem Namen Pierre Jarawan nicht kennt, wird meiner meines Erachtens leider nicht in diese Stimmung kommen und deshalb kaum etwas mit den Texten in Anders sein ist ganz normal kaum was anfangen.

Deshalb, wenn ihr Pierre schon kennt, wird euch dieses Buch große Freude machen. Alle anderen lesen das Interview mit Pierre, lernen ihn dadurch kennen und kaufen sich dann das Buch ;)

Anders sein ist ganz normal von Pierre Jarawan erschien bei Lektora. Ein Hörbuch gibt es bisher nicht. Wäre die logische Entwicklung.

Interview: Pierre Jarawan, Slam Poet und Autor von “Anders sein ist ganz normal.”

Pierre Jarawan, Slam Poet aus Kirchheim Teck, hat seine Texte sortiert und in ein Buch gepackt. Anders sein ist ganz normal ist der Titel und der rote Faden dieser Sammlung an Texten und Gedichten. Heute morgen hat er sich die Zeit genommen, mir ein paar Fragen zum Buch, zur Kunst und zu allem anderen zu beantworten. Dabei saß ich in Fellbach und er… zumindest nicht bei mir. Aber das Internet macht ja vieles möglich. Ein Schreibgespräch, unter anderem über das Schreiben.

Fabian: Pierre, ich hab’ in den letzten Tagen dein Buch lesen dürfen und ich muss sagen, bei fast jedem der Texte im Buch habe ich deine Stimme im Ohr gehabt.
Pierre: Das freut mich, weil das natürlich der Idealfall ist. Text und Vortrag gehen ja normalerweise Hand in Hand.

Aber andererseits habe ich Texte gefunden, die du – glaube ich – noch nie auf einer Bühne gemacht hast, oder?
Das stimmt. Das war mir auch wichtig. Ich glaube, das bringt ein gewisses Gleichgewicht in das Buch.

Gibt es für dich einen Unterschied zwischen Texten, die du “für’s Hören” schreibst und Texten, die explizit gelesen werden sollten? Also, schreibst du dann schon ganz anders?
Ja, aber der Unterschied ist nicht sehr groß. Einen Bühnentext strukturiere ich einfach anders. Die Effekte, die man damit erzielen will, sollten ja an der richtigen Stelle kommen. Außerdem muss man bedenken, dass die Zuschauer in der Regel nur 5-7 Minuten Zeit haben. Also schaue ich, dass ich keine allzu komplexen Bilder nehme, weil dann die Gefahr besteht, dass die Zuhörer sich in einem Bild verfangen, während der Text weiterläuft. Jemand, der einen Text liest, kann ihn sooft er will lesen – die Zuhörer haben immer nur diesen einen Moment.

Es sei denn, sie lesen sie nach.
Genau!

Eine Sache, die mir beim Lesen aufgefallen ist, sind die fließenden Übergänge von Lyrik in Prosa. Manche Texte sehen lyrisch aus, reimen sich aber nicht immer, aber plötzlich taucht eben doch ein Reimpaar auf. Wie sehr unterscheidest du zwischen Lyrik und Prosa? Und, falls man das fragen kann, welche Form ist dir lieber?
Ja, das stimmt. Ich mag diese Art zu Reimen sehr, weil sie so ungezwungen ist. Man hat einfach einen größeren Spielraum. Die Übergänge zwischen Lyrik und Prosa sind oft fließend. Ich habe eigentlich keine Form, die ich lieber mag. Ich finde, es gibt Themen, die eignen sich besser für Lyrik und andere, die eigenen sich besser für einen Prosatext, aber auch das kann man nicht grundsätzlich sagen.

Und dann sind da noch diese “Variationen einer Redewendungen.” Machst du das auch auf der Bühne? Oder wie kam es zu diesen Kürzesttexten?
Nein, höchstens Mal als Zugabe. Damit wollte ich einfach nur Redewendungen und Aphorismen hinterfragen, von denen die meisten glauben, sie seien besonders weise oder würden viel hergeben, wobei sie eigentlich eher oberflächlich sind.

Ein indirekter Aufruf, kritisch zu sein und nichts einfach so hinzunehmen?
Ja, im Prinzip sogar ein direkter Aufruf, die Dinge, die man liest, auch zu hinterfragen.

Hinterfragen, bzw. Kritisieren ist ein ganz gutes Stichwort. Seit Oktober bist du ja in München und studierst Theater-, Film- und Fernsehkritik. Wie ist der erste Eindruck?
Der erste Eindruck ist super. Wir sind an der Hochschule für Fernsehen und Film untergebracht, das Gebäude ist großartig, die Kommilitonen ebenfalls und die Kurse sind sehr interessant. Ich habe im Moment ziemliches Glück mit allem.

Was genau muss man sich denn unter dem Begriff vorstellen? Was sind denn die Ziele und Inhalte des Studiums? Und wieviele studieren das?
Im Prinzip genau das, was er aussagt: Man wird da zum Kritiker ausgebildet, zum Kulturjournalisten. Mit einem gewöhnlichen Studium ist das nicht zu vergleichen. Jedes Jahr werden etwa 5-7 Studenten angenommen, man studiert also in relativ kleinen Gruppen, kann viel produktiver arbeiten und der Praxisbezug ist sehr hoch. Inhalte des Studiums sind beispielsweise regelmäßige Besuche im Theater und Kino und Seminare wie “Musik im Horrorfilm”, “Feuilletonanalyse”, “Filmgeschichte” und so weiter. Ab und zu kommen Journalisten von außerhalb und geben Seminare zum Thema “Interview” oder “Reportage”.

Ist es schöner, selbst Kunst zu schaffen oder die Kunst anderer zu kritisieren?
Kunst selbst zu schaffen ist schöner. Kunst zu kritisieren ist aber natürlich wichtig. Der Begriff “Kritik” bedeutet ja nicht, per se etwas Negatives über einen Gegenstand zu sagen, es gibt ja auch positive Kritik. Kritik ist wichtig für die Entwicklung der Kunst.

Du hast es vorher schon kurz anklingen lassen, du hast im Moment ziemlich viel Glück mit allem: Das Buch, das Studium deiner Wahl und vor kurzem auch noch baden-württembergischer Poetry Slam Landesmeister. Habe ich etwas Wichtiges vergessen?
Nein, das ist ja auch mehr als genug.

Auf jeden Fall! Mit dieser Antwort nimmst du auch meine nächste Frage ein wenig vorweg: Bist du eher der Typ, der dann einfach mal alles Erreichte genießen kann oder strebst du gleich weiter?
Irgendwie beides. Ich genieße das alles im Moment sehr, aber ich finde es wichtig, sich nicht auf Erreichtem auszuruhen. Damit meine ich nicht möglichst viele Titel und Preise zu gewinnen – das kann man ohnehin nie planen – sondern, dass ich mich künstlerisch weiterentwickeln will.

Du bist ja extrem viel als Slam Poet unterwegs, fast jedes Wochenende. Ist dann überhaupt Zeit für extra Lesungen aus dem Buch?
Ja, aber im Moment versuche ich da ein Gleichgewicht herzustellen, also weniger Slams und mehr Solo-Shows zu machen.

Gibt es eine Anlaufstelle, wo man all deine Auftrittstermine findet?
Es gibt eine Facebook-Fanpage, wo ich regelmäßig poste, wo ich in den nächsten Wochen auftreten werde. Ansonsten hoffe ich, dass ich jetzt endlich bald eine Homepage zustande bekomme.

Gibt es bei all deinem Tun ein Projekt, was in nächster Zeit deine Aufmerksamkeit am meisten beanspruchen wird?
Neben dem zeitaufwändigen Studium will ich vor allem versuchen, die Solo-Show weiterzuentwickeln, um damit noch mehr auf Tour gehen zu können.

Zum Abschluss eine ganz andere Frage: Du bist zwar in Kirchheim Teck aufgewachsen, aber geboren bist du in Amman, Jordanien. Gibt es eine Eigenschaft, eine Sache an dir, von der du sagst, du hast sie von dort mitgebracht?
Nichts, was ich spontan anbringen könnte, ich finde, in mir eine ganz gute Mischung aus deutschen und libanesischen Einflüssen – mein Vater ist ja Libanese.

Eine Mischung ist immer gut. Pierre, vielen Dank für deine Zeit und die schönen Antworten! Ich wünsche dir viel Erfolg mit dem Buch, deinem Studium und natürlich mit dem Soloprogramm und ich hoffe, wir sehen uns bald auf einer Bühne wieder. Alles Gute dir!
Danke dir!

Meine Rezension von Anders sein ist ganz normal folgt bald, mehr über Pierre findet ihr auf seiner Facebook-Seite und im Lektora Interview.

Buch: So was von da von Tino Hanekamp

Meine Geschichte dazu: Gehe in der Jahreszeit mit dem unpassenden Namen “Sommer” durch eine Buchhandlung, um Bücher nach ihrem Cover zu beurteilen. Bei So was von da bleibe ich stehen. Ein geiles minimalistisches Cover. Da steh’ ich derzeit sehr drauf. Schlage das Buch auf und sehe im Inneren das Bild von Tino Hanekamp. Schwarz gekleidet, Haare gegeelt, Kippe im Mund, Banane in der Brusttasche. Ich muss sagen, irgendwie wirkt der Mann auf dem Bild ein bisschen arrogant.

Zwei Wochen später bin ich bei einer Freundin in Karlsruhe. Und da demnächst eine Lesung von Hanekamp zu eben diesem Roman in Karlsruhe sein wird, hängt in jeder passenden Buchhandlung ein Bild von dem Buch und ihm in RIESIG. Und wie ich so das Bild so oft sehe, empfinde ich das Bild schon als ziemlich arrogant.

Wiederrum ein paar Monate später aber drückt ein Freund mir das Buch in die Hand. Ich bin fasziniert, wie es seinen Weg zu mir findet. Schlage es auf. Sehe das Bild wieder und bin angefressen. Beginne mit Lesen und bin begeistert. Wirklich!

Die Geschichte von Oskar Wrobel und die letzte Nacht seines eigenen Clubs in Hamburg. Auch noch eine Silvesternacht. Es beginnt nach dem Sex und geht über Drugs und Rock’n'Roll zu 15 Seiten Nichts.

Geil geschrieben. Geile Ideen, geile Story, geile Worte. So arrogant er auf dem Bild auf mich wirkt, Tino Hanekamp hat ein geiles, lesenswertes Buch geschrieben.

Der einzige Wermutstropfen: Ich zitiere mich:

Peter Renz sagte mir mal, dass das Ende einer Geschichte immer Licht oder Schatten über die gesamte Geschichte wirft.

Nach den 15 Seiten Nichts kommt ein sowas von erzwungenes Happy End, welches einen so großen Schatten über das Buch wirft, dass es einem echt viel verleiden kann. Wenn ihr also bei dem Nichts ankommt beim lesen, dann bleibt dabei. Lest nicht weiter.

So was von da von Tino Hanekamp, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch

Hörbuch: Die Bibel nach Biff von Christopher Moore, gelesen von Simon Jäger

Das Hörbuch bei Audible

Schon vor knapp drei Jahren habe ich über das Buch geschrieben. Ich erinnere mich, wir sind damals mit dem Bus in Sizilien liegengeblieben und haben Stunden wartend vor der Werkstatt verbracht. Dabei haben wir uns gegenseitig aus Die Bibel nach Biff vorgelesen. Und uns bepisst vor Lachen.

Vor kurzem habe ich das Hörbuch in die Hände bekommen. Die Geschichte ist auch nach Jahren immer noch genauso geil und Simon Jäger, obwohl ich ihn schon echt oft gehört habe, überrascht mich wieder extrem positiv. Er schafft es so schön, die verschiedenen Stimmungen rüberzubringen, dass diese 15 Stunden echt unglaublich waren. Und lange war ich nicht mehr so traurig, dass ein Hörbuch zu Ende ist. Die Bibel nach Biff ist ein tolles, tolles Buch gehört, wie gelesen.

Die Bibel nach Biff von Christopher Moore erschien bei Goldmann und wurde aus dem Amerikanischen übersetzt von Jörn Ingwersen.

Buch: Stadt der Diebe von David Benioff in der Heyne Pocket Edition

Ich war in Karlsruhe in einer Buchhandlung unterwegs. Immer gefährlich, weil das immer teuer werden kann. Eine Freundin hat plötzlich eines dieser kleiner Bücher. Von Heyne. Heyne Pocket steht in der linken unteren Ecke. Ich bin erstmal mehr von dem Format als von Inhalt begeistert.

Vielleicht halb so groß wie ein normales Taschenbuch und man blättert nach oben! Das offizielle Video von Heyne gibt euch da einen Überblick drüber.

Ich muss ehrlich sagen, das Video ist nicht so gut gemacht, aber man sieht, was ich meine. Ich habe das also in Buchhandlung gesehen, mich darüber online informiert und dann mir eines der Bücher besorgt: Stadt der Diebe von David Benioff.

Im belagerten und ausgehungerten Leningrad im Jahr 1942 sollen zwei junge Menschen, Kolja und Lew, hingerichtet werden. Der eine, weil er geplündert hat, der andere, weil er desertiert ist. Aber statt zum Schafott  werden sie zum Chef des Geheimdienstes gebracht, der ihnen einen Deal vorschlägt: Wenn sie innerhalb der nächsten Tage für die Hochzeit seiner Tochter ein Duzend Eier finden, dürfen sie leben. Ansonsten werden sie hingerichtet.

Ein unglaublich geiles Buch! Es ist spannend, lustig, ängstigend und auch unglaublich. Aber dadurch eben extrem schön. Eine sehr sehr tolle Story. Mehr will ich gar nicht sagen.

Zurück zum Pocket Format. Ich hatte vor ein paar Monaten mal Populärmusik aus Vittula als besonderes Taschenbuch vorgestellt. Heyne versucht auch, Taschenbücher tatsächlich Taschenbuchmäßig zu machen, geht aber einen anderen Ansatz. Wie gesagt, das Buch ist halb so hoch, aber kaum dicker als das normale Taschenbuch. Die Schriftgröße ist die Gleiche. Das wird vor allem bewerkstelligt, dass das Papier viel dünner geworden ist. Kennt ihr englische Bücher? Diese haben oft so ein dünnes Papier. Das fühlt sich minderwertiger an und man sieht oft den Text auf der anderen Seite durchscheinen. Aber das schlimmste ist das umblättern! Es ist für die Finger eh schon ganz komisch, das Buch von unten nach oben zu blättern, statt zu der Seite. Und dann noch dieses dünne Papier! Darüber habe ich oft geflucht.

Die Motiviation von Heyne ist toll, aber an der Umsetzung hapert es meiner Meinung nach sehr. Dann doch lieber ein normales Taschenbuch.

Stadt der Diebe von David Benioff ist erschienen bei Heyne in der normalen Version und in der Heyne Pocket Version. ( Die normale Version ist 5 Cent billiger, gibt sich also nichts.) Übersetzerin ist Ursula-Maria Mössner.

Buch: Herr aller Dinge von Andreas Eschbach

Das Buch bei Amazon

Das ist er also, der neue Eschbach. Ich hab’ nicht alles, aber einige von Andreas Eschbach gelesen und war bis auf den letzten, Der Nobelpreis, immer begeistert. Vom Nobelpreis war ich dann so enttäuscht, dass ich erstmal keine weiteren Bücher mehr von Eschbach lesen wollte. Der Titel aber, Herr aller Dinge, hat mich dann so angesprochen, dass ich es nochmal probieren wollte.

Hiroshi und Charlotte lernen sich kennen, als sie Kinder sind. Die eine ist die Tochter des französischen Botschafters in Japan, der andere der Sohn eines Hausmädchens. Die eine Reich, der andere Arm, was sie als Kind nicht stört. Ihre Eltern dafür umso mehr. Eines Tages hat der kleine Hiroshi eine Idee, wie man jeden Menschen reich machen kann. Diese Idee und ihre verwirklichung begleitet ihn den Rest seines Lebens.

Knapp 700 Seiten lang lässt Andreas Eschbach uns in seine Welt eintauchen. Was als reelles Abbild der unseren beginnt, wird zu einer phantastischen Utopie. Ich mag dieses Buch sehr! Wie bei Der Letzte seiner Art und Eine Billion Dollar könnte ich mich ewig in der Welt verlieren, die Eschbach beschreibt.

Was bei einem Hardcover und 700 Seiten echt ein bisschen tricky ist, ist das Gewicht, das man immer mit sich rumschleppt. Und in der ersten Ausgabe muss irgendjemand beim Lektorieren / Setzen geschlampt haben, denn die Buchstabenfolge “cia” ist im Buch immer groß geschrieben. Also wird aus der Hausfrau PatriCIA Steel, unter anderem. Ansonsten, sehr tolles Buch! Sehr lesenswert!

Herr aller Dinge von Andreas Eschbach erschien bei Bastei Lübbe.

Buch: Das traurige Ende des Austernjungen und andere Geschichten von Tim Burton

Aus der Buchvorschau bei Amazon

Mal was anderes von Tim Burton, dachte ich, als ich Das traurige Ende des Austernjungen und andere Geschichten in der Hand hielt. Nachdem ich viele seiner Filme gesehen habe, war ich sehr gespannt auf die Geschichten zwischen diesen beiden schwarzen, mit Leinen bezogenen Buchdeckeln. Was ich vorfand, waren Geschichten in Reimform, vom Dreizeiler bis zu richtigen Balladen ist alles dabei. Und jedes Gedicht ist mit Zeichnungen von Tim Burton versehen. Aber eigentlich ist es nichts anderes als seine Filme. Es sind skurrile Geschichten und skurrile Figuren, manche sprechen einen mehr an, als die anderen.

Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Bilderbuch mit Text ist, oder eine Geschichtensammlung mit vielen Bildern. Für Fans von Burton ist es eine tolle Reise durch dessen Kopf. Für manch andere eher ein Brett vor ihrem eigenen.

Die Hardcover Ausgabe ist zwar hochwertig, ob der hohe Preis für ein Buch, in dem auf mancher Seite nur sechs Worte stehen, gerechtfertigt ist, ist eine andere Frage. Und besonders bei diesem Werk ist mir mal wieder die Macht und Verantwortung der Übersetzer aufgefallen, sehr gerne würde ich mal das Original sehen, auch wenn die Übersetzung echt gelungen scheint.

Das traurige Ende des Austernjungen und andere Geschichten von Tim Burton. Übersetzt von Katja Sämann, erschienen im Quadriga Verlag.

 

Hörbuch: Das Opfer von John Katzenbach, gelesen von Simon Jäger

Hörbuch bei Audible

Wieder ein Katzenbach, wieder ein Jäger im Ohr. Bei diedem eingespielten Team, weiß ich, was mich erwartet und ich habe Spaß dabei. Diesmal: Das Ofper.

Ashley trifft sich mit Michael. Und damit fangen die Probleme an. Der junge Mann entwickelt eine so starke Obsession für Ashley, dass sie ihre Familie um Hilfe bittet. Doch selbst die kommt nicht gegen “die Liebe” von Michael an. Also entwickeln sie einen Plan, wie sie den Stalker dauerhaft aus dem Leben ihrer Tochter entfernen können. Fragt sich, wer hier das Opfer von wem ist.

Wie erwartet, eine solide Story, sehr gut geschrieben, sehr gut gesprochen, hat mich wirklich bei Laune gehalten auch in der gekürzten Fassung.

Aber da die Geschichte in zwei Ebenen erzählt wird, ist man manchmal ein wenig verwirrt, wo man sich gerade befindet.

Über den Titel lässt sich natürlich wieder streiten. Aber das hatten wir ja schon. Und die Audioqualität ist spürbar dumpf. Das ist nicht so schön.

Das Opfer von John Katzenbach, erschienen bei Knaur, übersetzt von Anke Kreutzer, gesprochen von Simon Jäger.

Buch: God hates us all von Hank Moody

Californication ist eine sehr schöne Serie. Auch ein tolles Album, das muss man zugeben. Aber eben auch eine schöne Serie. David Duchovny spielt Hank Moody, einen abgefuckten Autor, der versucht in Los Angeles mit all den Frauen, dem Alkohol und dem Schreiben klarzukommen. Derzeit wird die fünfte Staffel gedreht und die vierte Staffel ist schon ausgelaufen.

Also kann man in der Zwischenzeit mal ein bisschen lesen. Beispielsweise God hates us all, den Roman, mit dem Hank Moody in der serie seinen Durchbruch geschafft hat.

Bücher von fiktiven Schriftstellern aus Serien oder Filmen auf den echten Markt zu bringen, ist eine schöne Art, Merchandising zu betreiben. Aber oft eben eher ein Gag, als wirklich gute Literatur. Ich war gespannt, wie es bei diesem wird.

Die Aufmachung ist schonmal geil. Das Buch sieht (bis auf den roten CALIFORNICATION-Sticker) aus, wie in der Serie. Der Klappentext über den Autor beschreibt Hank Moody, wie er in der Serie steht. Die Danksagung spielt genauso auf die Serie an.

Der restliche Inhalt ist okay. Der Protagonist, der (wenn ich aufmerksam war) niemals mit Namen genannt wird, erzählt seine Zeit nach dem College, wie er zum Drogendealer wird, nach New York zieht und ein bisschen Sex hat. Es ist eine lesbare Geschichte. Aber es ist nicht Hank Moody. Das Buch hätte auch unter jedem anderen Titel veröffentlicht werden können. Ich glaube, das Buch gewinnt viel durch die Vorstellung von Hank Moody, die der Leser aus der Serie kennt. Aber man könnte es auch so lesen und hätte Spaß daran.

Der echte Autor ist übrigens Jonathan Grotenstein. Kennt ihr nicht? Ging mir genauso. Jonathan Grotenstein ist professioneller Pokerspieler und Schriftsteller, wobei unter seinem eigenen Namen nur Bücher über Poker veröffentlicht worden sind. Des weiteren betätigt er sich eben als Ghostwriter für solche Sachen wie God hates us all. Wer mehr über ihn erfahren will und wie es zu diesem Projekt kam, hier gibt es ein gutes Interview. Der Titel des Buches, God hates us all, ist übrigens eigentlich ein Albumtitel der Band Slayer. Tom Kapinos, der die Serie erschaffen hat, liebt die Band.

Alles in allem: Wenn man die Serie kennt, ist es ein cooles Tüpfelchen. Ansonsten ist es ein Buch, was man mal zwischendurch lesen kann.

Buch: Sandman Slim. Höllen Dämmerung von Richard Kadrey

Sandman Slim ist der Name des Romans und der Name der Hauptfigur.

James Stark aka Sandman Slim war Magier in L.A., bis er von eifersüchtigen Kollegen in die Hölle geschickt wurde, lebend. Als er dann erfährt, dass seine Freundin umgebracht wurde, kommt er aus der Hölle zurück und will Rache üben.

Das ist die Story des Romans und sie ist genauso skurril, wie sie sich anhört. Es spielt zwar in Los Angeles, aber es ist ein Los Angeles voller Magier, Alchemisten, Dämonen und Engeln. Es ist dreckig, brutal, derb und unglaublich cool. Es ist wie Constantine und Supernatural, nur eben in Buchform. Ich hab das Buch verschlungen und viel geschmunzelt.

Richard Kadrey ist Autor und Fotograf in San Francisco und schreibt seit den 80ern Romane. Sandman Slim ist seine neueste Reihe, in Deutschland kam jetzt eben der erste raus, in Amerika wird demnächst Teil 3 veröffentlicht.

Sandman Slim ist ein unglaublich gutes Buch, geile Unterhaltung, ich freu mich auf die nächsten Bände. Leseprobe gibt’s hier, Verfilmung ist anscheinend in Arbeit.

Buch: In Sachen Joseph von Husch Josten

Ich bekam In Sachen Joseph mit der offiziellen Pressemitteilung empfohlen.

In dem Roman geht es um Helen und ihren besten Freund Joseph. Die Beiden kennen sich seit Kindertagen. Und jetzt träumt Helen zweimal den genau gleichen Traum von Josephs Tod. Sie sieht das als Zeichen und versucht Joseph davor zu warnen. Doch Joseph, wie auch seine Mutter lassen sich davon nicht beeindrucken. So in etwa steht es auch auf dem Buchrücken.
Doch ich bekam noch eine weitere Presseinfo und das Problem mit dieser Presseinfo ist: Da steht sozusagen das Ende drin. Erinnert ihr euch an The sixth Sense? Es hat sich so angefühlt, als ob dir jemand vor dem gemeinsamen ansehen sagt, dass… na, ihr wisst schon.

Deshalb konnte ich die erste Hälfte nicht ganz geniessen. Und auch im Nachhinein gewinnt das Buch etwa ab der Hälfte erst richtig an Fahrt. Während ich mich durch die ersten Seiten ein wenig durchquälen musste, habe ich die zweite Hälfte geradezu verschlungen. Ich weiß nicht, ob man den ersten Teil braucht, damit man den zweiten versteht, aber er ist ein wenig anstrengend. Ansonsten: Ein gutes Buch! Eine gute Wendung, eine schöne Geschichte und ein gutes Gefühl, wenn man durch ist. Soweit man das für ein Buch mit dem Untertitel “Ende einer Freundschaft” sagen kann.

Wenn ich mich nicht täusche, ist es auch das erste Buch, das ich von der Berlin University Press lese. Extrem hochwertig verarbeitet, gutes Papier, nicht zu starr, leider ohne Lesebändchen, aber das ist das einzige Manko.

Alles in allem ist In Sachen Joseph ein Buch, das sich gut lesen lässt und auch spannend ist, solange man das Ende nicht kennt und einen auch noch eine Weile danach beschäftigt.

Hörbuch: Alle sieben Wellen von Daniel Glattauer, gelesen von Andrea Sawatzki und Christian Berkel

Alle sieben Wellen bei Audible

Alle sieben Wellen bei Audible

Alle sieben Wellen ist der Nachfolgeroman von Gut gegen Nordwind. Ersterer beginnt genau dort, wo letzterer endet. Nachdem ich den ersten Teil gelesen hatte, wollte ich mir den zweiten anhören. Gute Idee! Andrea Sawatzki und Christian Berkel hören sich gut an! Und aufgrund der Länge des Buches ist es auch ungekürzt. Aber dafür ist Audible ja bekannt. Die Story selbst ist, nunja, eben eine Fortsetzung. Wem das erste Buch gefallen hat, der wird auch hier schmunzeln. Wer aber etwas neues erwartet, wird enttäuscht. Und tatsächlich plätschert die zweite Hälfte des Romans nur so vor sich hin und wenn wir ehrlich sind, gibt es ja nur zwei Möglichkeiten: Entweder, sie kommen zusammen, oder eben nicht. Und irgendwann ist man das ewige Hin und Her leid und wenn man dann zum Ende kommt, nickt man, sagt, Schön war’s und ist gedanklich schon wieder weg. Kann man mal machen. Kann man aber auch lassen. Die Hörprobe hilft einem definitiv. Wenn ihr euch das ein paar Stunden lang so anhören oder lesen könnt, besorgt euch den ersten Teil und entscheidet dann, ob ich das noch länger haben wollt.