Roman: Rogue One. Eine Star Wars Story von Alexander Freed

Lesestoff: Rogue One, a Star Wars Story von Alexander Freed. #amreading #starwars #rogueone

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Der erste Satz aus Rogue One. Eine Star Was Story:

Galen Erso war kein guter Farmer.

Dies ist also der Halbsatz aus dem Vorspann von Star Wars Episode 4. Die Rebellen, die die Pläne des Todessterns klauen. Ich sah und mochte den Film, ich lese gern Filmbücher, warum also nicht das hier?

Vieles ist wie beim Vorgängerroman Der Auslöser: Es ist Fanservice, der in Deutschland viel zu spät auf dem Markt erschienen ist und der inkonsistente Übersetzungen auf dem Cover hat.

Im Gegensatz zum Auslöser gibt es hier aber einen Film dazu. Deshalb ist es total schön, die Story nochmal auf Papier zu erleben. Das sogar vertieft, weil man plötzlich all das Innenleben der Figuren viel genauer beschrieben bekommt, Momente gedehnt und gezeigt werden können, die im Film zu wenig oder gar keinen Platz gefunden haben. Das macht Spaß, das lässt die Geschichte besser erleben. Dazu kommt, dass ich diesen einen Tacken besser geschrieben finde, als Der Auslöser. Handwerklich feiner.

Auf der anderen Seite, es ist tatsächlich die exakte Story des Films. Selbst beim Dreh improvisierte Szenen sind hier eingearbeitet. Freed muss also direkt am Film entlanggeschrieben haben. Das heißt, es ist zwar vertieft, aber es gibt nicht wirklich neue Szenen. So ein paar kleine Add-Ons sind dabei, aber kein ’so hätte der Film auch sein können‘, kein alternatives Ende oder sonstwas. Und: Obwohl er handwerklich besser ist als Luceno, schafft Freed es nicht, den Rhythmus aus dem Film ins Literarische zu übertragen. Stellen, die im Film extrem gutes Timing haben und gut funktionieren, funktionieren im Buch nur, weil man davor den Film gesehen hat.

Schade, dass diese literarische Interpretation des Stoffes hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Hätte mehr werden können. Ist aber auch so eine schöne Sache, in dieser Geschichte, in dieser Welt zu schwelgen.

Rogue One. Eine Star Was Story von Alexander Freed wurde übersetzt von Andreas Kasprzak und erschien bei Penhaligon. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Hörbuch: „Geister“ von Nathan Hill, gelesen von Uve Teschner

Buchmesse, Tag 3. Der Tag beginnt mit Dietmar Wunder und Uve Teschner im Interview. #lbm17

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Der erste Satz aus Geister:

Hätte Samuel gewusst, dass seine Mutter weggehen würde, hätte er vielleicht besser aufgepasst.

Samuel hört Jahrzehnte nichts von seiner Mutter, wird Literaturprofessor an einer Uni, versucht sich als Schriftsteller und kommt mit seinem Leben so ganz okay klar. Und dann erfährt er, dass seine Mutter den erzkonservativen Präsidentschaftskandidaten im Park mit Kieseln beworfen hat und nun einen Shitstorm über sich ergehen lassen muss.

Und nun soll er, der seit Jahren seine Enttäuschung über seine Mutter kultiviert, einen öffentlichen Brief schreiben, um die Bevölkerung zu beruhigen. Das ist der Beginn und die Rahmenhandlung. Aber dann taucht der Roman ein in unzählige Geschichten von Dutzenden Personen über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren, spinnt viele kleine Fäden, die sich alle immer wieder irgendwo kreuzen.

Seit Am Ende aller Zeiten habe ich Uve Teschner in meinem Bewusstsein. Kurz vor der Buchmesse in Leipzig und dem Interview mit ihm und Dietmar Wunder habe ich dann erfahren, dass er Geister eingesprochen hat und ich habe mir das Hörbuch geholt, ohne zu wissen, worum es geht. Geiles Cover und Uve Teschner, reicht erstmal. Und dann habe ich ihm 23 Stunden zugehört, alle diese Ausführungen mitgenommen, viel gelacht und mitgefühlt und natürlich mir über mein eigenes Leben Gedanken gemacht.

Bei diesen knapp 900 Seiten war die Hörbuchvariante meine bessere Wahl. Weil bei all den guten Geschichten, irgendwann war die Hauptgeschichte so weit auseinandergezerrt, dass ich froh war, dass mir das jemand vorliest und ich nicht selbst lesen muss. Weil ich höchstwahrscheinlich irgendwann aufgehört hätte.

Dennoch: Großer Roman mit guten Geschichten und viel zum Nachdenken. Urlaubslektüre, wenn man den Biss hat, durchzuhalten.

Geister von Nathan Hill wurde übersetzt von Katrin Behringer und Werner Löcher-Lawrence und erschien bei Piper. Das Hörbuch wurde gesprochen von Uve Teschner und erschien bei Audible. Audible hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

PS: Ich habe den Roman auch beim SWR3 Lesetag empfohlen:

Sachbuch: Talk like TED von Carmine Gallo

Nachdem ich bestätigt bekommen habe, dass ich meinen TEDxStuttgart Talk halten werde, bekam ich dieses Buch als „Hausaufgabe“: Talk like TED. Carmine Gallo ist Sprecher und Coach für Sprecher und hat schon mehrere Bücher über über das Halten von Vorträgen geschrieben, die alle so klingen, als ob sie sich inhaltlich extrem ähnlich sind.

Vielleicht, wenn man nicht Sprechkunst studiert hat, lernt man ein paar Sachen durch das Buch. Wenn nicht, dann hat man, trotzdem Spaß beim lesen und wird an ein paar Sachen erinnert. Das größte Problem des Buches ist seine amerikanische Art. Bevor das Buch losgeht, muss ich mich durch Seiten Eigenlob lesen. Gallo legt den Penis auf den Tisch und erklärt mir ganz genau, wieso er der Beste ist, dieses Buch geschrieben zu haben. Und viele Sachen werden nicht einmal, sondern siebenmal bekräftigt, damit es auch jeder Leser verstanden hat. Das macht das Lesen anstrengend und Gallo erstmal sehr unsympathisch und suspekt. Wer sich selbst so anpreisen muss, der kann nicht so gut sein, wie er behauptet. Der Eindruck verfliegt im Laufe des Buches. Aber dafür muss man auch weiterlesen und nicht abgeschreckt sein.

Talk like TED ist ähnlich zu vielen Ted Talks: Es ist unterhaltsam, enthält schöne Anekdoten und eigentlich ist der Großteil des Inhalts bekannt, aber es ist trotzdem schön, immer wieder mal daran erinnert zu werden, es immer wieder zu hören.

Talk like TED von Carmine Gallo erschien bei Macmillan. Die deutsche Version wurde übersetzt von Silvia Kinkel und erschien beim Redline Verlag.

Roman und Hörbuch: Das Nest von Cynthia D’Aprix Sweeny, gelesen von Johann von Bülow

Der erste Satz aus Das Nest geht über die halbe erste Seite und ist wohl der längste im ganzen Buch. Ein Buch über die mittlerweile erwachsenen vier Geschwister Plumb, die eigentlich jeweils 500.000 Euro aus einem Fond bekommen sollten, wenn Melody, die Jüngste, 40 wird. Aber wenige Monate vorher verursacht Leo, der Älteste, einen Vorfall, der das Geld fast vollkommen aufbraucht.

Die Geschwister hatten mit dem Geld gerechnet, das Leben damit geplant und haben jetzt mehr oder weniger Probleme. Und sie müssen, obwohl ihre Leben weit auseinander gedriftet sind, sich wieder miteinander beschäftigen.

Cynthia D’Aprix Sweeney erzählt ausschweifend, detailliert, breit. Es geht nicht nur um die vier Geschwister, sondern auch um ihre Mutter, ihre Kinder und Lebenspartner, ihre Arbeitskollegen und sonstige Menschen, die mit ihnen zusammentreffen. Wir lernen die Hintergründe, die Motivationen und die Wünsche kennen. Und Dutzende Handlungsstränge. nach einem Drittel des Romans ist mir klar, dass es gar nicht um die Familie geht und wie sie ihre Geldprobleme lösen. Sondern um das Gesellschaftsbild, welches D’Aprix Sweeny zeichnet. Dieses ist tatsächlich spannend, weil sie immer wieder Charaktere erzählt, die ich kenne, die jeder aus seinem Leben kennt. Insofern lache und nicke ich und sage, jaja, kenn ich auch! Und am Ende bin ich auch berührt.

Aber Das Nest hat auch extrem langatmige Strecken. Episoden, bei denen ich mir bis heute nicht sicher bin, ob ich sie gebraucht hätte. Machmal kommt mir die Grenze dessen, was noch erzählt wird, und was dann zu viel ist, willkürlich vor.

Bevor ich das Buch angefangen habe, war ich auf der Lesung von Cynthia D’Aprix Sweeney und Johann von Bülow, der das Hörbuch gesprochen hat. Natürlich weiß sie, welche Stellen sie heraussuchen muss, natürlich kann er die Stellen so lesen, dass man Lust auf mehr hat. Also höre ich mir das gesamte Buch an, 12 Stunden.

Ich bin oft überrascht, auf der Bühne liefert Johann von Bülow eine großartige Show und es ist toll, ihm zuzuhören. Aus 12 Stunden gedehnt fällt er mir zu oft in einen coolen Duktus, lässt fast alle Figuren mit einer ähnlichen Art von Überheblichkeit sprechen und denken, sodass ich mir manchmal denke, vielleicht hätten sie anders gewirkt, wenn ich es selbst gelesen hätte. Auf der anderen Seite weiß ich nicht, ob ich es tatsächlich komplett gelesen hätte, weil, wie gesagt, war er mir Streckenweise viel zu lang.

Ich weiß, Das Nest ist international erfolgreich und wird für Amazon verfilmt. D’Aprix Sweeney, sie schreibt auch das Drehbuch, meinte nach der Lesung zu mir, dass viel gekürzt wird, um den Stoff auf Filmlänge zu bekommen. Das kann dem Buch ganz gut tun. In der jetzigen Form fand ich Buch und Hörbuch nett, aber in keine Richtung herausragend.

Das Nest von Cynthia D’Aprix-Sweeney wurde übersetzt von Nicolai Schweder-Schreiner und erschien bei Klett-Cotta. Das Hörbuch wurde gesprochen von Johann von Bülow und erschien bei Der Audio Verlag. Der Verlag hat mir Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.

Warum ich lese, das Buch. Ab März überall.

Wie kam es dazu, dass wir zu Lesern wurden? Wer führte uns zum ersten Mal ans Bücherregal und zeigte uns seine Schätze, welcher Roman bescherte uns durchwachte Nächte, welche Lektüre änderte unsere Sicht auf die Dinge so grundlegend, dass wir nach ihr nicht mehr dieselben waren? Warum ich lese ist das Gemeinschaftswerk 40 deutschsprachiger Buchblogger, die in persönlichen Geschichten erzählen, warum die Literatur zu ihnen und zum Menschsein überhaupt gehört wie die Luft zum Atmen.

Sandro fragte vor eine Weile, warum wir lesen. Ich antwortete, viele andere auch. Ab März 2017 gibts die gesammelten Antworten von 40 Buchbloggern in einem Band zu kaufen, beim Homunculus Verlag.

Ab jetzt schon hier vorbestellbar. Viel Spaß beim schmökern.

Diese Blogs sind dabei:
1001buecher.wordpress.combibliothekarium.debooknerds.debuchrevier.com,
buchstabenmagie.blogspot.debuecher-kater-tee.dechristianweis.orgdasdebuet.comdasgrauesofa.com,
dingfest.wordpress.comfilmtheaterlesesaal.blogspot.defraeuleinjulia.de,
kaffeehaussitzer.dekapri-zioes.dekulturgeschwaetz.wordpress.com,
laubet.delectureoflife.wordpress.comlesemanie.blogspot.de,
lesenmachtgluecklich.wordpress.comlesenslust.wordpress.comliteratourismus.net,
literaturgedanken.blogspot.comliteraturleuchtet.wordpress.comlohntdaslesen.de,
lustauflesen.demokita.denotizhefte.wordpress.comnovelero.de,
palomapixel.blogspot.depeter-liest.depinkfisch.netpoesierausch.com,
schiefgelesen.netsoundsandbooks.comwasmitbuechern.de und
zeichenundzeiten.com.

Gedichte: Hold Your Own von Kate Tempest

Lesestoff: Hold Your Own von Kate Tempest. #amreading #katetempest #suhrkamp #nofilter #lyrik #bookstagram #books

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Die erste Strophe aus Hold Your Own:

Picture the scene:
A boy fifteen.
With the usual dreams
And the usual routine.

Lyrik und ich, wir werden echt selten warm. In meinem Sprechkunststudium bin ich immer wieder mit ihnen in Kontakt gekommen. Wenn es gefunkt hat, dann richtig. Aber das passiert eben nicht oft. Ich möchte Geschichten lesen und diese fehlen mir bei Lyrik oft. Ich habe Hold Your Own gelesen, weil ich von dem Roman von Kate Tempest sehr mochte. Ich weiß von ihren Songs, dass dort die Protagonisten des Romans wieder auftauchen. Ich hoffte, das sei auch hier der Fall. Ist es nicht, zumindest nicht direkt. Aber man liest aus ihren Gedichten das selbe Milieu heraus, die gleichen Probleme, die gleichen Themen.

Aber eben in Gedichten. Wenn ich die Geschichte in ihnen finde, funktioniert das für mich. In seltenen Fällen, wenn ich nur die Atmosphäre spüre. Es gibt Sätze, Passagen oder ganze Gedichte, die ich mag.

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Aber größtenteils bin ich darauf zurückgeworfen, wenigstens den Flow zu spüren, den Rhythmus, der den Originalfassungen so stark inne wohnt, dass man nicht drumherum kommt, ihn zu spüren. Dies ist das Tolle an dieser Version: Man bekommt die Originalfassung neben der deutschen Übersetzung. Leider kommt diese überhaupt nicht an das Original ran. Ich ahne, wie schwer Lyrikübersetzungen sind. Diese reicht, um mal etwas nachzusehen, was man im englischen nicht versteht, aber sie ist in keiner Hinsicht ein Ersatz.

Ich werde mir wohl keine Gedichte mehr von Kate Tempest durchlesen, da warte ich lieber auf ihren nächsten Roman.

Hold Your Own von Kate Tempest wurde übersetzt von Johanna Wange und erschien bei suhrkamp. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Lesung: Cynthia D’Aprix Sweeney am 10.11. im Literaturhaus Stuttgart

Bevor ich die 20 Minuten runter zum Literaturhaus laufe, laufe ich die zehn Minuten runter zu Klett-Cotta, so nah ist der Verlag für mich. Dort fand die Revue statt:

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Verlages und der Klett-Gruppe stellten Bücher von Klett-Cotta und Tropen vor. Und zwar vor allen aus der Klett-Gruppe, die sich das gerne ansehen und einigen geladenen Gästen. Star des Abends war Cynthia d’Aprix Sweeney, die über »Das Nest« sprach und daraus las.

Im gut gefüllten Saal gibt es also drei Tipps aus dem neuen Herbstprogramm, nicht vorgestellt von den Verkäufern sondern von Lesern, die eben zufällig auch im Verlag arbeiten. Vorgestellt von Menschen, denen das jeweilige Buch tatsächlich gefällt. Und es ist schön, jemandem zuzuhören, der Begeistert ist, sei es von Geheimnis in Weiß, dem Krimi aus den 1930ern, der jetzt zum ersten Mal auf Deutsch erscheint, oder von Verlangen, einem flämischen Roman über ein Dorf und eine Familie, welche sich plötzlich im ersten Weltkrieg wiederfinden. Und selbst das dritte Buch, Die Blumen der Mode, wird so interessant beschrieben, dass ich es zwar immer noch nicht kaufen würde, aber zumindest darin blättere. Das haben der Titel und das Cover nicht geschafft.

Los geht es aber mit Cynthia D’Aprix Sweeney, Debütantin und Weltbestsellerin, für etwa eine halbe Stunde erzählt sie von ihrem Roman Das Nest, der es in diesem Jahr in mehrere Länder und hunderttausende Hände geschafft hat und nun eben auch auf Deutsch erscheint. Die Agentur Anzinger, Wünscher, Rasp hat einen großartigen Umschlag für die deutsche Ausgabe entworfen, dieser prangt über Sweeney, die mit ihrem trockenem Humor von der Entstehung erzählt und ein wenig daraus vorliest. Dann geht sie und macht Lust auf mehr. Ein Glück werde ich zwei Stunden später auf ihrer Lesung sein.

Zwei Stunden später, im Literaturhaus stehen vielleicht ein Dutzend Tische vor der Eckbühne, auf der Bühne begrüßt Stefanie Stegmann Sweeney, Johann von Bülow, der nicht nur bei den Lesungen dabei ist, sondern auch das Hörbuch gesprochen hat, und Moderatorin Petra Mostbacher-Dix, dann übernimmt Frau Mostbacher-Dix. Sie kann nicht nur fließend zwischen Deutsch und Englisch wechseln, sie kennt und mag den Roman offensichtlich, zusätzlich kennt sie sich auch gut in New York und den dortigen Gesellschaften aus und diese spielen in Das Nest eine große Rolle. So werden wir durch den Abend unterhalten, bekommen Antworten, Informationen, Ausschnitte auf Englisch und auf Deutsch. Sweeney ist witzig und reagiert wunderbar, Johann von Bülow lässt sich in die Szenen fallen und es macht extrem viel Spaß, ihm zuzuhören. Doch bei all ihren Fähigkeiten und guten Fragen schafft Frau Mostbacher-Dix es nicht immer, ein Gemeinschaftsgefühl auf der Bühne aufzubauen. Streckenweise sieht Bülow so aus, als ob er aus Versehen auf die Bühne gestellt wurde, andersherum fühlt sich auch Sweeney bei den deutschen Passagen an, wie fehl am Platz. Ich hätte mir ein stärkeres Miteinbeziehen aller Personen gewünscht. Von Bülow begleitet Sweeney nun schon eine Weile, er kennt das Buch extrem gut, ich hätte es spannend gefunden, wie er auf manche Fragen reagiert. Andersherum würde ich auch gern wissen, was Sweeny über von Bülow zu sagen hat.

Generell hätte ich gern Fragen gestellt, aber nach exakt 90 Minuten sind wir durch und wir Applaudieren, Fragen können keine gestellt werden. Ich weiß nicht, ob so etwas vertraglich irgendwo festgelegt wurde und wer das entschieden hat, aber ich dachte, schade, genau das hätte vor jedem anderem Publikum auch passieren können, wir in Stuttgart haben nichts einzigartiges erlebt.

Stattdessen frage ich Sweeney, während sie mein Buch signiert.

Wir reden über die Verfilmung, die kommen wird, Amazon hat sich die Rechte gesichert, Transparent-Produzentin Jill Soloway ist mit dabei und Sweeney selbst schreibt das Drehbuch. Wir reden darüber, wieviel für diesen Film gestrichen werden muss, wie es ist nochmal mehr Zeit mit seinen Figuren zu verbringen, wie es ist, zum ersten Mal ein Drehbuch zu schreiben.

Danach, im Restaurant, sitze ich Johann von Bülow gegenüber und wir reden über das Sprechen, die Kunst ein Hörbuch einzulesen, über Soziolekte und ich habe das Gefühl, ähnlich wie bei Dietmar Wunder vor zwei Jahren, dass er es zu schätzen weiß, dass es nicht nur um den Autoren und den Roman geht.

Irgendwann löst sich die Gruppe auf, ich bedanke mich bei allen für einen schönen Abend, setzte meine Kopfhörer auf und lasse mir auf dem Heimweg von Johann von Bülow den Roman erzählen.

Buch: Stories of Your Life and others von Ted Chiang

Geiles Cover, geile Geschichten: Ted Chiang mit Stories of your Life and others.

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Der erste Satz aus Story of your Life:

Your father is about to ask me the question.

Vor drei Monaten habe ich diesen Teaser für Arrival gesehen.

Die Geschichte einer Linguistin, die beauftragt wird, eine Aliensprache zu übersetzen. Mehr musste ich von diesem Film nicht wissen, um sehr interessiert zu sein. Also suchte ich, ob es vielleicht ein Buch dazu gibt. Siehe da, gibt es, quasi. Der Film basiert nämlich nicht auf einem kompletten Roman, sondern auf einer Kurzgeschichte, was meistens ja viel besser ist, weil der Film dann überhaupt die Chance hat, die Geschichte in rund zwei Stunden zu erzählen.

Story of your life, Geschichte deines Lebens, so heißt die Geschichte, auf welcher der Titelfilm basiert. Ted Chiang ist der Autor. Ich hatte zuvor noch nie was von ihm gehört oder gelesen, aber nach drei Stunden hatte ich die Geschichte durch und war BÄM! Vorweg genommen: Neben Blauschmuck ist das für mich die Geschichte des Jahres. Science-Fiction, wie Science Fiction sein sollte: Nah an unserer Realität, philosophisch und immer unser eigenes Leben in Frage stellend. Hier natürlich verstärkt, weil ich gerne mit Sprache und ihrer Wirkung umgehe. Zu hören ist meine Begeisterung auch im Podcast des Literaturcafé, da habe ich über die Geschichte und das Buch geredet, noch bevor ich die Sammlung durchhatte.

Mittlerweile bin ich durch und immer noch begeistert. Chiang baut mit jeder Geschichte eine neue Welt, eine neue Prämisse, viele in einer möglichen Zukunft, manche in einer alternativen Gegenwart oder Vergangenheit. So gibt es  eine wunderbare Geschichte über den Turmbau zu Babel und was passiert, als die Menschheit am Himmelsgewölbe ankommt. Oder eine andere, in der regelmäßig Engel auf der Erde erscheinen und man den Seelen zusehen kann, wie sie entweder in den Himmel oder in die Hölle fahren.

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Wunderbare Geschichten, über die man sich ewig unterhalten kann und ewig drüber nachdenken kann. Wer die Serie Black Mirror mag, bekommt hier ähnliches in Buchform. Im Podcast sagte ich noch, dass zumindest die Titelgeschichte gut auf englisch lesbar ist, es gibt aber auch Geschichten, an denen ich mit meinem Englisch an Grenzen komme, weil der Inhalt so abgefahren ist, dass es ganz gut ist, wenn man wirklich alles richtig versteht.

Witzigerweise hat Golkonda, der deutsche Verlag, diese Sammlung nicht einfach übernommen, sondern alle bis 2014 erschienenen Geschichten von Ted Chiang in zwei Erzählbände aufgeteilt, in Hölle ist die Abwesenheit Gottes (hier ist auch Story of your life enthalten) und Das wahre Wesen der Dinge. Wer englisch kann, kann den Großteil von Chiangs Geschichten kostenlos und legal online lesen, entweder auf seiner Wikipediaseite zu finden, oder hier.

Stories of Your Life and others von Ted Chiang erschien bei Picador, die deutschen Sammlungen Hölle ist die Abwesenheit Gottes (Übersetzt von molosovsky)  und Das wahre Wesen der Dinge (Übersetzt von Karin Will) erschienen bei Golkonda. Arrival, die Verfilmung der Titelgeschichte kommt am 24. November in die deutschen Kinos.

Roman und Hörbuch: Sophia, der Tod und ich von Thees Uhlmann

Und jetzt: Thees Uhlmann und der Tod.

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Der erste Satz aus Sophia, der Tod und ich:

Es klingelte an der Tür und im Treppenhaus roch es nach frisch gebrühtem Kaffee.

Ich hatte die Lesung mit Thees gefeiert und war danach gespannt, wie das Buch weitergeht. Und weil die Lesung so gut funktioniert hat, habe ich mir die Lesung angehört. Wer bei Spotify angemeldet ist, kann das dort tun. Was ich bei der Lesung gesagt habe, gilt immer noch:

Er ist kein perfekter Sprecher, aber ein großartiger Performer. Und das zieht er durch. Es macht Spaß, ihm zuzuhören. Aber auch die Geschichte funktioniert. Ich weiß, dass Thees Uhlmann unterhaltsam ist. Aber in diesem Roman schafft er euch eine Tiefe, die ich nicht erwartet hatte.

Natürlich habe ich jetzt auch immer seine Stimme im Kopf, wenn ich im Roman lese. Deshalb kann ich nicht sagen, ob das Buch auch ohne diese Stimme im Kopf so gut ist. Schlecht ist es auf keinen Fall. Für dieses hatte Uhlmann 12 Jahre gebraucht. Ich hoffe, das nächste kommt schneller.

Sophia, der Tod und ich von Thees Uhlmann erschien als Roman bei KiWi und als Hörbuch bei Grand Hotel van Cleef.

Roman: Fahrenheit 451 von Ray Bradbury

Alter Lesestoff: Fahrenheit 451 von Ray Bradbury. Noch nie gelesen. Wird Zeit.

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Der erste Satz aus Fahrenheit 451:

Es war eine Lust, Feuer zu legen.

Eines der Bücher, die ich immer als „das sollte ich irgendwann noch lesen“ abgespeichert hatte, aber nie dazu gekommen bin. Dann auf einer der Fahrten, die länger dauern, als gedacht, war das Buch, das ich eigentlich dabei hatte, ausgelesen und in einem Bücherschrank fand ich dieses.

Also setzte ich mich in die Bahn und las es durch, in einem Zug. Haha.

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Mehr als 50 Jahre alt, aber der Sog beginnt auf der ersten Seite und hört nicht mehr auf. Bradbury konnte schreiben, konnte in Worten die Faszination, die Begierde, die Probleme seiner Charaktere einfangen.

Heute würden wir die Geschichte anders bauen, manche Ereignisse verändern, um die Geschichte noch spannender zu bauen, wahrscheinlich auch das Ende eindeutiger machen.

Aber das ist nicht wichtig, die Geschichte ist auch so gut genug und die Sprache bleibt es sowieso. Ich bin, froh, es endlich gelesen zu haben. Ich sollte noch mehr alten Lesestoff konsumieren.

Fahrenheit 451 von Ray Bradbury, wurde übersetzt von Fritz Güttinger und erschien bei Heyne.

 

Kinderbuch: Sophiechen und der Riese von Roald Dahl (mit Gewinnspiel!)

Der erste Satz aus Sophiechen und der Riese:

Sophiechen konnte nicht einschlafen.

Ich hatte den Namen Roald Dahl schon gehört, aber ich hatte noch nie etwas von ihm gelesen oder genau gewusst, wer er war. Autor nämlich, von verfilmten Werken wie Mathilda, der fantastische Mr. Fox und Charlie und die Schokoladenfabrik. Und eben auch Sophiechen und der Riese.

Kommenden Donnerstag (21. Juli) kommt der Film unter dem englischen Orginaltitel BFG – BIG FRIENDLY GIANT ins Kino, höchste Zeit, davor das Buch zu lesen.

Sophiechen ist Waisenkind und mir reichen die ersten beiden Seiten, um zu verstehen, dass das kein gutes Waisenhaus ist, in dem Sophiechen ist. Wobei ich mir gar nicht sicher bin, ob es jemals ein gutes Waisenhaus gegeben hat. Aber schon einen kurzen Moment, nachdem wir Sophiechen und das Waisenhaus kennengelernt haben, kommt der Riese am Fenster vorbei und entführt sie. In die Welt der Riesen, die Menschen fressen und böse sind. Nur ihr Riese macht das nicht, denn er ist der Gute Riese, der GuRie. Er sammelt Träume und verteilt sie an Kinder und er muss sich gegen die bösen Riesen zur Wehr setzen. Eine Sache, bei der Sophiechen helfen wird.

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Ja, eine Kindergeschichte, ein Erzähler, der für Kinder erzählt. Aber Roald Dahl eben erzählt hat, immer mit einer guten Prise schwarzem Humor und Derbheit. Es ist kein „Es war einmal Märchen“. Es ist eine phantastische Geschichte, mit sterbenden Menschen und Flüchen und einer klaren Sicht auf die schlechten Seiten des Lebens. Trotzdem bleibt ein Happy End.

Sophiechen und der Riese kam in Deutschland erstmals 1984 auf den Markt und erhielt ein Jahr später den deutschen Jugendliteraturpeis.  Zu Recht. Die Geschichte und die Erzählart haben bis heute nichts von der Faszination eingebüßt. Im Gegenteil, selbst die damalige Übersetzung von Adam Quidam (ein Pseudonym des Lektors Hermann Gieselbusch) strahlt bis heute. Da der Riese nie wirklich in der Schule war, hat er ein einzigartiges Vokabular, das auch im Deutschen extrem viel Spaß macht. Die Zeit schrieb in ihrer Rezension damals:

Wer käme auf Besseres als „menschliche Leberwesen“ für „human beans“ (= human beings) oder als „Spanier schmecken nach Spanferkel“ für „Turks from Turkey ist tasting of turkey“? Da es nicht immer möglich ist, Entsprechungen zu finden, hat sich der Übersetzer vorgenommen, „daß auf jeder Seite ungefähr derselbe Humorpegel erreicht wird.

Dieser Humorpegel hat sich bis heute gehalten. Sophiechen und der Riese ist ein Buch, für das man kein Kind mehr sein muss, um es grandios finden zu können. Es ist witzig und derb und brutal und voller Herz.

Und die in diesem Jahr erschienene neue Auflage des Buches bei Rowohlt ist extrem schön gestaltet, inklusive der originalen Illustrationen von Quentin Blake, an denen sich wiederum der Film orientiert hat.

Gewinnspiel:

Ich verlose 2 mal 2 Freikarten für den zugehörigen Kinofilm. Schreibt mir eine Mail mit eurer Adresse und sagt mir, welches Kinderbuch ihr erst nach eurer Kindheit kennen und lieben gelernt habt. Der Zufall entscheidet dann. Einsendeschluss ist Mittwoch, der 20 Juli, 12 Uhr. Dann gehen die Karten direkt raus. Die Adressen werden für nichts anderes verwendet und direkt danach wieder gelöscht. Viel Erfolg!

Sophiechen und der Riese von Roald Dahl wurde übersetzt von Adam Quidam und erschien bei Rowohlt. Das Rezensionsexemplar und die Freikarten wurden mir zur Verfügung gestellt.

Roman: Worauf du dich verlassen kannst von Kate Tempest

Der erste Absatz aus Worauf du dich verlassen kannst:

Es kriecht dir in die Knochen. Du merkst es nicht mal. Erst, wenn du daran entlangfährst, das immer schon Vertraute vorbeigleiten und zurückbleiben siehst.

Plötzlich war Kate Tempest auf meinem Radar. Der Name führte über einen Spoken Word Text zu diesem Roman. Bevor wir über den Inhalt reden, erstmal die Form. Die ist nämlich unglaublich geil. Okay, ich verstehe den Dinosaurier auch nach dem Lesen nicht, aber das minimale Cover ohne Schutzumschlag, das Gefühl, dieses Buch in der Hand zu halten und es aufzuschlagen, ich liebe es. Das Buch hat eine Fadenbindung und einen geraden Buchrücken und wenn ich es aufschlage, liegt es flach auf dem Tisch. Ich bin total begeistert.

Was in der Form beginnt, geht im Inhalt weiter. Das Intro liest sich wie ein Spoken Word Text, ein Rap in Prosaform und die Beats springen mir entgegen, was mir erstmal schwerfällt und mich verwirrt. Danach wird es besser, entweder sind die Beats schwächer oder ich habe mich an sie gewöhnt.

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Kate Tempest erzählt einen Ausschnitt aus dem Leben in London, mit vielen Geschichten und Ereignissen und Menschen, deren Wege irgendwann immer zusammenfinden. Sie erzählt mit einem detaillierten auktorialen Erzähler, der extrem nah an den Figuren ist. Ich lese nicht nur abwechselnd die Gedanken und Gefühle der vier Protagonisten, ich kenne ihre Familie bis zu den Großeltern, ich weiß, warum die Eltern sich wie verhalten haben und verstehe, warum sich die Protagonisten verhalten, wie sie es tun. Ich muss es nicht akzeptieren oder gar gut heißen, aber ich kann es nachvollziehen.

Mehr noch, ich will es verfolgen. Obwohl es verwirrend und anstrengend ist und Kate Tempest von Person zu Person, von Gefühl zu Gegengefühl springt, will ich dabei sein. Obwohl ich mein Problem mit Geschichten über Drogen habe und sie meist als Attitüde und Lebensstil lese, der nicht meiner ist, geht es mir hier anders.

Ich brauche eine ganze Weile, bis ich die Geschichten verstehe und wer wie zusammengehört. Aber dann folge ich ihnen und will mehr wissen, selbst, als das Buch zu Ende ist. Dann sitze ich enttäuscht da. Lese den Anfang nochmal. Schade, dass es nicht weitergeht. Aber hej, genau das ist es, ein Ausschnitt aus dem Leben. Es gäbe keinen guten Punkt, um auszusteigen.

Und wir steigen auch nicht wirklich aus, denn Kate Tempest verschränkt ihre Künste. Das heißt, die Geschichten ihrer Protagonisten gehen in ihren Liedern und Gedichten weiter. Und vielleicht, hoffentlich, irgendwann in einem neuen Roman.

Worauf du dich verlassen kannst ist ein dichter, intensiver Roman, in dem man sich erst zurechtfinden muss und dann nicht mehr raus will. Gerne mehr davon.

Worauf du dich verlassen kannst (Originaltitel: The Bricks that Built the Houses) von Kate Tempest wurde übersetzt von Karl und Stella Umlaut und erschien bei rowohlt. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Roman: Das Lied des Quarktiers von Jasper Fforde

Lesestoff: Das Lied des Quarktiers von Jasper Fforde.

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Der erste Satz aus Das Lied des Quarktiers:

Ich arbeite in der Zaubererindustrie.

Das also ist Teil der der Drachentötertrilogie von Jasper Fforde. Der Roman setzt da ein, wo „Die letzte Drachentöterin“ aufhört: Die Drachen leben, Jennifer Strange war für eine Zeitlang berühmt und das Quarktier hat sich geopfert, damit alle anderen leben können. Danach geht das Leben in der Zaubereragentur KAZAM geht so absurd weiter, wie es immer war. Nur dass es neue Probleme gibt.

Eigentlich total egal. Bücher wie diese liest man nicht der Geschichte, sondern des Lesevergnügen wegen. Das macht den Klappentext auch so schlecht. Um überhaupt etwas sagen zu können, verrät er Dreiviertel des Buches. Aber da das Teil 2 einer Trilogie ist, werden eh kaum Menschen bei diesem Buch anfangen. Wieso also der krude Versuch, die Story auf dem Klappentext wiederzugeben? Wem das erste Buch gefallen hat, der wird auch zu diesem greifen. Und genau diesen Leuten wird auch dieser Teil gefallen, weil wir eben wieder in diese Welt von Jennifer Strange eintauchen können. Diese Welt voller praktischer Magie.

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Weil sie einfach Spaß macht. Das Absurde, die liebenswerten Figuren, die menschlichen Probleme. Und natürlich auch die Story, dieses „wie geht es weiter?“, das alles zusammenhält.

Klar, ich bin nicht die primäre Zielgruppe der Drachentöter-Trilogie, sie wird explizit als Jugendbuch verkauft. Vielleicht komme ich deshalb nicht klar mit dem Covermotiv und der Schrift auf dem Cover. Ich mag aber auch die Cover von Terry Pratchett-Romanen nicht wirklich, während ich den Inhalt sehr gerne lese.

Hier finde ich es schade, denn Bücher wie dieses, Welten wie diese könnten noch mehr Menschen begeistern, für ein paar Stunden aus unserer Realität in eine gar nicht so ferne Welt entführen und sie Spaß haben lassen. Wenn es sie erreichen würde.

Ich freue mich auf den dritten Teil der Trilogie und hoffe, ich komme irgendwann dazu, auch die restlichen Bücher von Fforde zu lesen.

Das Lied des Quarktiers von Jasper Fforde erschien bei One und wurde übersetzt von Barbara Neeb und Katharina Schmidt. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Kurzgeschichtensammlung: Basar der bösen Träume von Stephen KIng

Lesestoff: Basar der bösen Träume von Stephen King.

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Der erste Satz aus Basar der bösen Träume:

Manche dieser Geschichten wurden bereits anderswo veröffentlicht, was jedoch nicht heißt, sie wären jemals fertig gewesen oder wären es jetzt.

In einer der ersten Ankündigungen zu diesem Buch las ich, dass Stephen King zum ersten Mal seit „Das Leben und das Schreiben“ stärker auf den Prozess des Schreibens eingehen will und, gemischt mit Kurzgeschichten, auch Tipps zum Schreiben geben möchte. Ich lese sowieso viel, was Stephen King produziert, wenn es dann auch noch Schreibtipps beinhaltet, umso besser.

Anfang des Jahres ist das Buch in Deutschland erschienen, 20 Geschichten, von 16 verschiedenen Übersetzern ins Deutsche übertragen. Tatsächlich hat jede Geschichte ein eigenes Vorwort, eine Entstehungsgeschichte. Das ist für Stephen King nichts Neues, all seine Bücher haben ein Nachwort, in welchem die Entstehungsgeschichte des jeweiligen Romans erklärt wird. In diesem Fall fällt diese zwar ein wenig ausführlicher aus, „Tipps zum Schreiben“ würde ich das aber nicht nennen. In dieser Hinsicht ist die Sammlung enttäuschend. Der Fairness halber muss ich aber auch sagen, dass mit den Schreibtipps niemals geworben wurde.

Die Kurzgeschichten selber sind, ähnlich wie Kings Romane, von variierender Qualität. Es gibt auch zwei Gedichte, die ich zwar versucht habe, zu lesen, aber dann überblättert habe. Einerseits komme ich mit Lyrik selten klar, andererseits ist King auch kein Lyriker.  Bis auf diese Gedichte habe ich die Geschichten und Vorworte sehr gern gelesen. Ich mag die Schreibe von Stephen King. Wie schon in der letzten Rezension gesagt, aufgrund seiner Bekanntheit kann King mehr spielen. Anderen Autoren würden viele Dinge wahrscheinlich rausgestrichen werden, weil „man das so nicht macht.“ King macht es einfach und es macht Spaß zu lesen.  Und was durch die Vorworte dann doch klar wird: Stephen King „findet“ seine Geschichten, wie alle anderen auch. Seine Schreibmethoden decken sich an vielen Stellen mit den meinen und den von vielen anderen. Das ist schön, zu lesen. Das gibt mir als Autor ein Gefühl von „ich bin nicht allein“. Ich wusste das auch vorher, aber es ist gut, immer wieder Bestätigung zu bekommen.

Wie gesagt, schön, die Geschichten zu lesen, sie bestätigen auch, dass King bei Weitem nicht der Horror-Typ ist, als der er lange Zeit abgestempelt wurde. Aber ich freue mich auch wieder, länger in eine einzelne Geschichte einzutauchen.

Nebenbei, ich habe auch für ein paar Geschichten ins Hörbuch gehört. Ist David Nathan, kann man sowieso fast immer machen. War er für mich lange Zeit die deutsche Stimme von Johnny Depp, mittlerweile habe ich so viele Stephen King Romane von ihm gehört, dass er mittlerweile eben meine deutsche Stimme von Stephen King.

Basar der bösen Träume von Stephen King wurde übersetzt von Ulrich Blumenbach, Bernhard Kleinschmidt, Karl-Heinz Ebnet, Wulf Bergner, Kristof Kurz, Friedrich Mader, Gunnar Kwisinski, Urban Hofstetter , Jürgen Langowski, Gisbert Haefs, Johann Christoph Maass, Jürgen Bürger , Julian Haefs, Jan Buss, Jakob Schmidt und Friedrich Sommersberg und erschien bei Heyne. Das Hörbuch wurde gesprochen von David Nathan und erschien bei Random House Audio. Der Verlag hat ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Roman: Taqwacore von Michael Muhammad Knight

Der erste Satz aus Taqwacore:

Bismillahir, Rahmanir und so weiter –

Yusef zieht zum Studieren nach Buffalo und seine Eltern sind ziemlich froh, dass er in eine WG zieht, in der nur Muslimen wohnen. Was sie nicht wissen: In dieser WG wird der Islam ganz schön lax gelebt. Oder extrem, wie man es nimmt. Hier kommt der Islam klar mit Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Hier versucht eine Generation junger Muslime, den Islam in eine neue Zeit zu bringen.

http://wasuebrigbleibt.tumblr.com/post/140973774052/irgendwo-da-draußen-gibt-es-einen-coolen-islam

Ähnlich wie bei „Unter Null“ von Bret Easton Ellis erzählt Knight keine komplexe Geschichte, sondern beschreibt eine Atmosphäre, eine Szene, die einerseits vollkommen vom Islam durchdrungen ist und ihn auf der anderen Seite sehr speziell ablehnt. Die letzten zehn Seiten des Buches sind Glossar, eine Liste der am häufigsten verwendeten arabischen Ausdrücke. Diese Liste braucht man, ich habe in diesem Buch ein Lesezeichen an der Stelle, wo ich im Roman bin und eines hinten beim Glossar, weil ich andauernd Worte nachschlagen muss.

Aber die irgendwann weiß man einigermaßen, was all die Begriffe bedeuten und dann ist man Teil der Gang, fühlt sich verbunden, versteht ein wenig mehr, was Islam alles bedeuten kann und welche Kämpfe innerhalb dieses Begriffes geführt werden.

Taqwacore kommt auf den ersten Blick provokanter daher, als ich es nach dem Lesen empfunden habe. Was überhaupt nicht enttäuschend gemeint ist. Es ist eine spannende Lektüre, die einem fast nebenher Lebensarten näher bringt, die ich sonst nur gefüllt mit Vorurteilen kenne. Dieser Roman hat einige davon abgebaut.

Taqwacore von Michael Muhammad Knight wurde übersetzt von Yamin von Rauch und erschien irgendwann mal bei Heyne Hardcore, mittlerweile ist er nur noch bei Rogner & Bernhard zu haben.