Buch: Das traurige Ende des Austernjungen und andere Geschichten von Tim Burton

Aus der Buchvorschau bei Amazon

Mal was anderes von Tim Burton, dachte ich, als ich Das traurige Ende des Austernjungen und andere Geschichten in der Hand hielt. Nachdem ich viele seiner Filme gesehen habe, war ich sehr gespannt auf die Geschichten zwischen diesen beiden schwarzen, mit Leinen bezogenen Buchdeckeln. Was ich vorfand, waren Geschichten in Reimform, vom Dreizeiler bis zu richtigen Balladen ist alles dabei. Und jedes Gedicht ist mit Zeichnungen von Tim Burton versehen. Aber eigentlich ist es nichts anderes als seine Filme. Es sind skurrile Geschichten und skurrile Figuren, manche sprechen einen mehr an, als die anderen.

Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Bilderbuch mit Text ist, oder eine Geschichtensammlung mit vielen Bildern. Für Fans von Burton ist es eine tolle Reise durch dessen Kopf. Für manch andere eher ein Brett vor ihrem eigenen.

Die Hardcover Ausgabe ist zwar hochwertig, ob der hohe Preis für ein Buch, in dem auf mancher Seite nur sechs Worte stehen, gerechtfertigt ist, ist eine andere Frage. Und besonders bei diesem Werk ist mir mal wieder die Macht und Verantwortung der Übersetzer aufgefallen, sehr gerne würde ich mal das Original sehen, auch wenn die Übersetzung echt gelungen scheint.

Das traurige Ende des Austernjungen und andere Geschichten von Tim Burton. Übersetzt von Katja Sämann, erschienen im Quadriga Verlag.

 

Hörbuch: Das Opfer von John Katzenbach, gelesen von Simon Jäger

Hörbuch bei Audible

Wieder ein Katzenbach, wieder ein Jäger im Ohr. Bei diedem eingespielten Team, weiß ich, was mich erwartet und ich habe Spaß dabei. Diesmal: Das Ofper.

Ashley trifft sich mit Michael. Und damit fangen die Probleme an. Der junge Mann entwickelt eine so starke Obsession für Ashley, dass sie ihre Familie um Hilfe bittet. Doch selbst die kommt nicht gegen “die Liebe” von Michael an. Also entwickeln sie einen Plan, wie sie den Stalker dauerhaft aus dem Leben ihrer Tochter entfernen können. Fragt sich, wer hier das Opfer von wem ist.

Wie erwartet, eine solide Story, sehr gut geschrieben, sehr gut gesprochen, hat mich wirklich bei Laune gehalten auch in der gekürzten Fassung.

Aber da die Geschichte in zwei Ebenen erzählt wird, ist man manchmal ein wenig verwirrt, wo man sich gerade befindet.

Über den Titel lässt sich natürlich wieder streiten. Aber das hatten wir ja schon. Und die Audioqualität ist spürbar dumpf. Das ist nicht so schön.

Das Opfer von John Katzenbach, erschienen bei Knaur, übersetzt von Anke Kreutzer, gesprochen von Simon Jäger.

Buch: God hates us all von Hank Moody

Californication ist eine sehr schöne Serie. Auch ein tolles Album, das muss man zugeben. Aber eben auch eine schöne Serie. David Duchovny spielt Hank Moody, einen abgefuckten Autor, der versucht in Los Angeles mit all den Frauen, dem Alkohol und dem Schreiben klarzukommen. Derzeit wird die fünfte Staffel gedreht und die vierte Staffel ist schon ausgelaufen.

Also kann man in der Zwischenzeit mal ein bisschen lesen. Beispielsweise God hates us all, den Roman, mit dem Hank Moody in der serie seinen Durchbruch geschafft hat.

Bücher von fiktiven Schriftstellern aus Serien oder Filmen auf den echten Markt zu bringen, ist eine schöne Art, Merchandising zu betreiben. Aber oft eben eher ein Gag, als wirklich gute Literatur. Ich war gespannt, wie es bei diesem wird.

Die Aufmachung ist schonmal geil. Das Buch sieht (bis auf den roten CALIFORNICATION-Sticker) aus, wie in der Serie. Der Klappentext über den Autor beschreibt Hank Moody, wie er in der Serie steht. Die Danksagung spielt genauso auf die Serie an.

Der restliche Inhalt ist okay. Der Protagonist, der (wenn ich aufmerksam war) niemals mit Namen genannt wird, erzählt seine Zeit nach dem College, wie er zum Drogendealer wird, nach New York zieht und ein bisschen Sex hat. Es ist eine lesbare Geschichte. Aber es ist nicht Hank Moody. Das Buch hätte auch unter jedem anderen Titel veröffentlicht werden können. Ich glaube, das Buch gewinnt viel durch die Vorstellung von Hank Moody, die der Leser aus der Serie kennt. Aber man könnte es auch so lesen und hätte Spaß daran.

Der echte Autor ist übrigens Jonathan Grotenstein. Kennt ihr nicht? Ging mir genauso. Jonathan Grotenstein ist professioneller Pokerspieler und Schriftsteller, wobei unter seinem eigenen Namen nur Bücher über Poker veröffentlicht worden sind. Des weiteren betätigt er sich eben als Ghostwriter für solche Sachen wie God hates us all. Wer mehr über ihn erfahren will und wie es zu diesem Projekt kam, hier gibt es ein gutes Interview. Der Titel des Buches, God hates us all, ist übrigens eigentlich ein Albumtitel der Band Slayer. Tom Kapinos, der die Serie erschaffen hat, liebt die Band.

Alles in allem: Wenn man die Serie kennt, ist es ein cooles Tüpfelchen. Ansonsten ist es ein Buch, was man mal zwischendurch lesen kann.

Buch: Sandman Slim. Höllen Dämmerung von Richard Kadrey

Sandman Slim ist der Name des Romans und der Name der Hauptfigur.

James Stark aka Sandman Slim war Magier in L.A., bis er von eifersüchtigen Kollegen in die Hölle geschickt wurde, lebend. Als er dann erfährt, dass seine Freundin umgebracht wurde, kommt er aus der Hölle zurück und will Rache üben.

Das ist die Story des Romans und sie ist genauso skurril, wie sie sich anhört. Es spielt zwar in Los Angeles, aber es ist ein Los Angeles voller Magier, Alchemisten, Dämonen und Engeln. Es ist dreckig, brutal, derb und unglaublich cool. Es ist wie Constantine und Supernatural, nur eben in Buchform. Ich hab das Buch verschlungen und viel geschmunzelt.

Richard Kadrey ist Autor und Fotograf in San Francisco und schreibt seit den 80ern Romane. Sandman Slim ist seine neueste Reihe, in Deutschland kam jetzt eben der erste raus, in Amerika wird demnächst Teil 3 veröffentlicht.

Sandman Slim ist ein unglaublich gutes Buch, geile Unterhaltung, ich freu mich auf die nächsten Bände. Leseprobe gibt’s hier, Verfilmung ist anscheinend in Arbeit.

Buch: In Sachen Joseph von Husch Josten

Ich bekam In Sachen Joseph mit der offiziellen Pressemitteilung empfohlen.

In dem Roman geht es um Helen und ihren besten Freund Joseph. Die Beiden kennen sich seit Kindertagen. Und jetzt träumt Helen zweimal den genau gleichen Traum von Josephs Tod. Sie sieht das als Zeichen und versucht Joseph davor zu warnen. Doch Joseph, wie auch seine Mutter lassen sich davon nicht beeindrucken. So in etwa steht es auch auf dem Buchrücken.
Doch ich bekam noch eine weitere Presseinfo und das Problem mit dieser Presseinfo ist: Da steht sozusagen das Ende drin. Erinnert ihr euch an The sixth Sense? Es hat sich so angefühlt, als ob dir jemand vor dem gemeinsamen ansehen sagt, dass… na, ihr wisst schon.

Deshalb konnte ich die erste Hälfte nicht ganz geniessen. Und auch im Nachhinein gewinnt das Buch etwa ab der Hälfte erst richtig an Fahrt. Während ich mich durch die ersten Seiten ein wenig durchquälen musste, habe ich die zweite Hälfte geradezu verschlungen. Ich weiß nicht, ob man den ersten Teil braucht, damit man den zweiten versteht, aber er ist ein wenig anstrengend. Ansonsten: Ein gutes Buch! Eine gute Wendung, eine schöne Geschichte und ein gutes Gefühl, wenn man durch ist. Soweit man das für ein Buch mit dem Untertitel “Ende einer Freundschaft” sagen kann.

Wenn ich mich nicht täusche, ist es auch das erste Buch, das ich von der Berlin University Press lese. Extrem hochwertig verarbeitet, gutes Papier, nicht zu starr, leider ohne Lesebändchen, aber das ist das einzige Manko.

Alles in allem ist In Sachen Joseph ein Buch, das sich gut lesen lässt und auch spannend ist, solange man das Ende nicht kennt und einen auch noch eine Weile danach beschäftigt.

Hörbuch: Alle sieben Wellen von Daniel Glattauer, gelesen von Andrea Sawatzki und Christian Berkel

Alle sieben Wellen bei Audible

Alle sieben Wellen bei Audible

Alle sieben Wellen ist der Nachfolgeroman von Gut gegen Nordwind. Ersterer beginnt genau dort, wo letzterer endet. Nachdem ich den ersten Teil gelesen hatte, wollte ich mir den zweiten anhören. Gute Idee! Andrea Sawatzki und Christian Berkel hören sich gut an! Und aufgrund der Länge des Buches ist es auch ungekürzt. Aber dafür ist Audible ja bekannt. Die Story selbst ist, nunja, eben eine Fortsetzung. Wem das erste Buch gefallen hat, der wird auch hier schmunzeln. Wer aber etwas neues erwartet, wird enttäuscht. Und tatsächlich plätschert die zweite Hälfte des Romans nur so vor sich hin und wenn wir ehrlich sind, gibt es ja nur zwei Möglichkeiten: Entweder, sie kommen zusammen, oder eben nicht. Und irgendwann ist man das ewige Hin und Her leid und wenn man dann zum Ende kommt, nickt man, sagt, Schön war’s und ist gedanklich schon wieder weg. Kann man mal machen. Kann man aber auch lassen. Die Hörprobe hilft einem definitiv. Wenn ihr euch das ein paar Stunden lang so anhören oder lesen könnt, besorgt euch den ersten Teil und entscheidet dann, ob ich das noch länger haben wollt.

Buch: Populärmusik aus Vittula von Mikael Niemi

Populärmusik aus Vittula ist eines dieser Bücher, von denen man schon oft gehört hat, aber irgendwie nie dazu kommt, sie zu lesen. Ähnlich wie Der Schatten des Windes.

Der Roman erzählt die Geschichte von Matti und Niila, die in einem kleinen Schwedischen Dorfen ganz oben im Norden aufwachsen. In den 60ern. Und irgendwann erreicht der Rock’n'Roll auch sie.

Irgendjemand sagte mal:

Eine gute Geschichte muss mit einer Explosion beginnen. Und sich dann steigern.

Populärmusik aus Vittula beginnt mit einer urinesken Rettungsaktion in der Kälte. Und steigert sich dann in seiner Skurilität. Es ist ein Roman zum staunen und schmunzeln. Er erinnert an Michel aus Lönneberga plus Sex, Alkohol und Rock’n'Roll. Er ist schrullig, schräg und lesenswert. Achja, und: Vittula bedeutet so viel wie Fotze. ;)

Besonders an dem Buch ist übrigens auch sein Format. btb vermarktet die Reihe als Das besondere Taschenbuch. Die Bücher sind mit bedruckten Leinen bezogen, haben ein Lesebändchen und sind in ihrer Größe nur halb so hoch wie ein normales Taschenbuch. Und dadurch in ihrer Transportierbarkeit noch handlicher als normale Taschenbücher. Darüber aber nochmal bald gesondert mehr.

Buch: Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer

Was für ein hässliches Cover!

Was für ein hässliches Cover!

Eine Freundin von mir hatte mir, als wie beide für Birbæk schwärmten, empfahl sie mir Kluun und Daniel Glattauer. Ersteren las ich und fand ihn großartig. Letzteren vergas ich. Bis ich vor ein paar Tagen im Café Gleis 3 in Stuttgart war. Dazu aber später mehr. Jedenfalls steht im Café ein BookCrossing-Regal, also einem Regal voller Bücher, welche auf Wanderschaft sind. Viel Zeug, welches dort wahrscheinlich nie wegkommt. Aber zwischen all den Romanen und Büchern steht da Daniel Glattauers Gut gegen Nordwind. Erinnerungen werden in meinem Kopf getriggert, ich denke an Birbæk und Kluun und nehme das Buch mit. Continue reading

Buch: Nackt schlafen ist Bio von Vanessa Farquharson

Bio on the road...

Bio on the road...

Nackt schlafen ist Bio ist ein Buch, welches gerade voll in den Trend passt. Ist doch derzeit alles Bio, baby. Die Geschichte zu diesem Buch ist folgende:

Vanessa ist Journalistin und nimmt sich folgendes vor: Für ein Jahr will sie jeden Tag eine ökologische Sache machen und das bis zum Ende des Jahres durchhalten. Dafür richtet sie den Blog green as a thistle ein und beginnt. Mittlerweile ist das Jahr vorbei und das Buch dazu ist herausgekommen, wobei das Buch keine gedruckte Fassung des Blogs ist, sondern sozusagen ein Tagebuch, das den Blog begleitet.

Natürlich ist Nackt schlafen ist Bio kein literarisches Meisterwerk. Aber auf den 354 Seiten werden nicht nur 366 Umwelttipps vorgestellt, sondern auch, wie Vanessa versucht, Umwelt und verzweifeltes Singledasein in Einklang zu bringen. Liest sich schnell, gut und schmunzelnd. Und gleichzeitig verändert es doch ein wenig die eigene Einstellung zur Umwelt. Und weil es so umweltschonend ist, habe ich mein Exemplar auf der Slamfahrt nach Fulda gleich weiterverliehen.

Buch: 27 von Kim Frank

Kim Franks 27 mit ausgeklapptem Buchumschlag.

Kim Franks 27 mit ausgeklapptem Buchumschlag.

So, seit heute ist 27 von Kim Frank also erhältlich. Kim ist den meisten wahrscheinlich immer noch als Sänger der Band Echt bekannt. Mittlerweile hat sich aber auch mit der Fotografie, der Schauspielerei und eben auch mit dem Romanschreiben befasst. 27 ist sein Debütroman.

In 27 geht es um den Klub 27, dieser ungewöhnlichen Ansammlung an Musikern, die im Alter von 27 Jahren gestorben sind. Und es geht um Mika, der selbst die unbändige Angst hat, mit 27 zu sterben.

Ich liebe Bücher über Musik. Bücher wie Owen Noone oder Super Agoraphobie Therapie. Und 27 gehört da auf jeden Fall dazu. Man liest sich schnell und gut durch die Seiten und man hat wirklich Spaß beim lesen. Es ist ein kurzweiliger Roman, eine schöne Geschichte und eine gute Unterhaltung für ein paar gute Stunden.

Aber: Peter Renz sagte mir mal, dass das Ende einer Geschichte immer Licht oder Schatten über die gesamte Geschichte wirft. In Fall von 27 ist das definitiv Schatten.

SPOILER:

Vielleicht liegt das auch in der Natur solcher Geschichten, die nur auf eine eine Frage ausgearbeitet sind, nämlich, ob Mika mit 27 stirbt. Denn wie man es auch wendet, das Ende kann eigentlich fast nur unbefriedigend sein. Es sei denn, mann hat den großen Twist am Ende. Leider vermisse ich den am Ende von Franks ersten Roman. Es fühlt sich so an, als wüsste Frank selbst nicht, wie er das Buch hatte beenden sollen. Und deshalb ist es ein offenes Ende.

Deshalb27 ist ein gutes Buch, welches man im Garten im Sonnenschein bequem runterlesen kann, das Ende aber fand ich extrem unbefriedigend.

Wer mehr über das Buch und die Arbeit von Kim Frank erfahren möchte, hier geht’s zum Interview mit Kim Frank über 27.

Nachtrag:

Kim schrieb mir, nachdem er die Rezension gelesen hatte und möchte etwas klarstellen:

Moin Fabian…
Finde es absolut fein, dass Dir das Ende nicht gefällt, wollte Dich nur wissen lassen, dass ich die letzte Seite zu allererst geschrieben hatte, also das Ende, das gewollt offene Ende stand von Anfang an fest.
Wenn Du es nicht magst ist das fein, aber ich tue nichts weil ich nicht weiß, sondern weil ich mich dafür entscheide.
LG
KIM

Buch: Die Kälte darf nicht siegen von Gisela Mayer

Gisela Mayer ist Lehrerin an einer Schule im Süden Deutschlands. Und Gisela Mayer ist Mutter von Nina Mayer, der Referendarin, welche 2009 bei dem Amoklauf in Winnenden erschossen wurde. Mittlerweile ist Frau Mayer Pressesprecherin und im Vorstand im Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden. Und sie hat nach den Ereignissen 2009 ein Buch geschrieben. Continue reading

Interview: Kim Frank, Autor des Buches “27″

Kim Frank (Bild: Privat)

Kim Frank (Bild: Privat)

Kurz vor und nach dem Millenium gab’s in Deutschland eine extrem bekannte Band namens Echt. Da waren ganz coole Songs, die sie gespielt haben, bis sie sich 2002 aufgelöst haben. Frontsänger Kim aber blieb künstlerisch extrem aktiv. Er fotografiert gerne, spielte die Hauptrolle in NVA, synchronisiert Animationsfilme, veröffentlichte ein Soloalbum ( Hellblau ) und bringt dieses Jahr seinen Debütroman 27 auf den Markt. Die Rezension für den Roman folgt am 2. Mai, hier erstmal mein Interview mit Kim über seinen Roman und das Künstlertum generell. Es ist ein sonniger Tag, als ich die Fragen tippe und es bleiben durchgehend sonnige Tage, bis ich die antworten per Mail zurückbekomme:

Hallo Kim,
zuallererst nehme ich mir Freiheit und erlaube mir die Frechheit, dich zu duzen. Und direkt danach erstmal ein großes Danke, dass du dir die Zeit für ein paar Fragen nimmst. Also, los:

Kim, du machst Musik, du schauspielerst, du arbeitest als Regisseur und Fotograf und sprichst ab und an bei Hörspielen mit. Und jetzt bringst du auch noch deinen Debütroman auf den Markt. Wie kommt’s? Bist du mit den anderen Tätigkeiten nicht ausgelastet genug?

Doch, im Grunde habe ich genug zu tun. Freunde von mir fragen manchmal, wann ich das überhaupt mache. Aber ich lebe und liebe meine Arbeit.
Obwohl ich Unterschiedliches mache, tue ich es immer voll und ganz und mein Grundsatz ist: Du schaffst nur so viel, wie Du schaffst.
Banal, aber wirksam um das Leben und die Freundin nicht zu vernachlässigen.

Wenn dich jemand fragt, was du machst, was antwortest du dann? Bist du dann einfach nur Künstler oder hast du eine “Lieblingskunst”, die du ausführst?

Künstler ist schon mein Lieblingsbegriff, aber einige Menschen reagieren darauf negativ, wenn ich mich so nenne, da sie irgendwie der Meinung sind, das dürften nur andere von einem behaupten, dass man Künstler ist.
Ich bin Kim.
Ich erzähle Geschichten.
Ob in Liedern, Bildern, Worten, es sind und bleiben Geschichten.

Und welchen “Job” gibt es denn, den du noch gern mal machen würdest?

hahaha…
Spontan fällt mir keiner ein.
Mein Job ist mein Traumjob, also immer der, den ich aktuell mache.

Widmen wir uns deinem Buch. In 27 geht es um den Klub 27, dieser ungewöhnlichen Ansammlung an Musikern, die im Alter von 27 Jahren gestorben sind. Und es geht um Mika, der selbst die unbändige Angst hat, mit 27 zu sterben. Da du selbst die 27 Jahre überschritten hast, frage ich mich, was ist deine persönliche Angst?

Ich habe durchaus auch unter Todesangst gelitten, auch Panikattacken gehören zu meinem Gefühlsportfolio. Aber in meinem Leben wurden meine Ängste nie so lebensbeeinflussend, dass ich lebensunfähig wurde.
Meine größte Angst ist zu versagen , nicht geliebt zu werden und sie ist gleichzeitig mein größter Motor.

Als ich dein Buch gelesen habe, diese Beschreibung über Musik, gute Songs und das Bandleben, da bekam ich immer Lust, meinen Plattenspieler anzuwerfen. Als du das Buch geschrieben hast, hast du dann nicht Lust bekommen, wieder Musik zu machen?

Nein aber ich habe auch sehr viel Musik beim schreiben gehört.
Viel Doors und Jimy Hendrix, Bob Dylan und Chet baker.

Die Exzesse, die du im du im Buch beschreibst. Eigene Erfahrung oder irgendwo auch das Bedienen von Klischees?

Der Roman ist Fiktion und in diesem Fall dramatisierte Realität mit einer ordentlichen Portion Phantasie, wenn ich so ausweichend antworten darf.

Inwiefern unterscheidet sich das Songs schreiben vom Buch schreiben? Und falls man das sagen kann, was ist einfacher?

Ein Song hat eine klare Struktur. Natürlich kann man sich eine aussuchen, aber die ist dann sehr klar. Ein Popsong hat fast immer einen Refrain oder eine Hook, auf die der Rest des Textes zuläuft. So etwas gibt es im Roman zwar auch. Diese Zeilen, die plötzlich alles auf den Punkt zu bringen scheinen, was die letzten Kapitel aufgebaut haben. Dennoch darf ein Roman eine komplett eigenständige Struktur haben und daher ist es umso schwerer, sich nicht zu verlieren und natürlich ist es ein weitaus langwieriger Prozess einen Roman, als einen Song zu schreiben. Von schwer oder einfach kann aber dennoch nicht die Rede sein.

Das Buch kommt im Mai in den Handel und du wirst dann auch auf Lesetour gehen. Leider immer zu weit weg, als das ich mal vorbeikommen könnte.

Sind deine Lesungen denn dem Buch gemäß Rock’n’Roll oder eher Wasserglaslesungen?

Am 02.05., also am Tag der Veröffentlichung, mache ich mit Freunden eine Lesung, die denke ich, sehr Rock ‘n Roll wird. Es wird Kühlschränke geben, aus denen man sich einfach bedienen kann, Eva Briegel, Axel Bosse und viele mehr werden Songs von Mitgliedern des Klub 27 spielen und ich werde mit z.B. Detlev Buck und Niels Ruf lesen. Das Ganze wird gefilmt und dann auf 27s eignem Tape.tv Kanal anzusehen sein.

Ich freue mich sehr darauf.
Bei den Feels Like Home Lesungen Mitte Mai wird auch Musik gemacht werden. Wie eine eigene Lesereise, sollte es eine geben, aussehen wird, kann ich noch nicht sagen, aber hoffentlich werden sie dem Buch gerecht.

Und was ist das nächste Projekt? Ein weiteres Buch? Oder ein Film? Oder Musik?

Leider kann und will ich über meine Nächsten Projekte noch nicht schreiben, aber ich freue mich sehr auf die nächsten zwei Jahre und alles was da kommt, vor allem freue ich mich aber darauf, 27 endlich raus zu bringen.

Ich bin auf die nächsten Sachen von dir sehr gespannt, sage nochmals Danke für die Zeit und wünsche dir alles Gute und viel Erfolg mit 27!

PS: Achja, zwei Fragen noch:

Auf dem Cover von “27” ist eine Frau drauf und das ist nicht Janis Joplin. Wer ist das?

Kristen Pfaff, Bassistin von HOLE, eigentlich wäre Janis Joplin korrekt, aber irgendwie sah es so einfach cooler aus.

In welcher Sprache singt “Fears” denn? Oder anders gefragt, in welcher Sprache schreibt Mika?

Ich weiss es selber nicht, aber ich würde sagen englisch.
Vielleicht kommen sie aus Brighton.
Aber ich habe das absichtlich, auch für mich selbst nie fest gelegt

Beste Grüße
KIM

Vielen Dank von meiner Seite aus an Kim für das Interview und an Rowohlt für das Buch und die Möglichkeit des Interviews! Wie Kim schon gesagt hat, am 02.05. steigt das Kick Off in Berlin mit tollen Gästen, die sonstigen Termine sind:

11. Mai, Köln, Underground

13. Mai, Berlin, Hotel Michelberger

14. Mai, Lüneburg, Salon Hansen

15. Mai, Hamburg, Knust

Auf der Homepage des Romans gibt es sowohl einen Trailer für das Hörbuch (auch gesprochen Kim), als auch eine Leseprobe von 27. Enjoy!

Hörbuch: Der Professor von John Katzenbach, gelesen von Simon Jäger

Die letzten Tage habe ich mal wieder Simon Jäger im Ohr gehabt. Da ich gerade auf dem Psychothriller-Trip bin und Jäfer sowohl Sebastian Fitzek, als auch John Katzenbach liest, höre ich ihn derzeit oft.

Es ist auch kein Wunder, dass die Synchronstimme von Heath Ledger die Bücher der Beiden spricht, denn Katzenbach und Fitzek sind sich in der Art der Bücher sehr ähnlich. Der Professor ist also der neue Roman von John Katzenbach. Die Story erzählt euch Simon:

Das Buch ist gewohnt gut. Sowohl gut gelesen, als auch gut erzählt. Es ist spannend, man bleibt dabei und hat am Ende ein Lächeln auf dem Gesicht. Danach vergisst man es aber auch schnell. Kann man, wie alle seine anderen Romane mal für Zwischendurch lesen oder Hören.

Was mich bei Katzenbach so richtig stört, ist die Wahl der Namen in Deutschland. Seine Bücher heißen Der Professor, Der Patient oder auch Das Opfer. Alles Titel, die so unglaublich austauschbar sind, dass ich bei jedem Buch nochmal die Inhaltsangabe lesen muss, um sicherzugehen, dass ich das Buch noch nicht kenne. Und so richtig böse wirds dann, wenn das Buch Das Auge seit der Neuauflage Der Fotograf heißt. Warum kann man denn nicht einfach den englischen Titel übersetzen?

Buch: Mädchen und andere komische Dinge von Michel Birbæk

Lesern dieses Blogs dürfte Michel Birbæk kein Fremder mehr sein. Michel hat in sein Versprechen des Leseabends wahr gemacht und seine Kindheitserinnerungen auf den Markt gebracht: Mädchen und andere komische Dinge.

Das Buch ist offensichtlich für Kinder entworfen. Es ist im Baumhaus Verlag erschienen, das ist der Kinderableger von Lübbe. Es hat ein Hardcover, sodass ungeschickte Kinderhände nichts zerknittern können. Es enthält lustige Zeichnungen von Frank “Spong” Plein. Es hat 127 Seiten und ist in höchstens zwei Stunden ausgelesen. Und die Schriftart ist riesig und zwar nicht Comic Sans, aber nah dran. Schaut in die Leseprobe, dann wisst ihr, was ich meine.

Die Geschichten sind lustig und toll.

Aber, zum ersten: Ja, es sind zwar Kindergschichten, aber so intelligent ich Kinder auch halte, ich denke, einige der Witze und Gags werden sie nicht verstehen. Deshalb bin ich mir nicht ganz sicher, ob es ganz richtig war, es so offensichtlich nach Kinderbuch aussehen zu lassen.

Aber, zum zweiten: Die Geschichten sind lustig zu lesen, es ist aber nochmals um ein vielfaches toller, sie mit Birbæks dänisch-deutsch erzählt zu bekommen. Wen das auch interessiert, ein paar der Geschichten von Mädchen und andere komische Dinge sind auch auf Frauengeschichten zu finden. Insofern, viel Spaß beim lesen und hören.