Roman: Ymir, oder: Aus der Hirnschale der Himmel von Philip Krömer

Lesestoff: Ymir von Philipp Krömer. #dasdebut #homunculus #bookstagram #amreading

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Der erste Absatz aus Ymir, oder: Aus der Hirnschale der Himmel:

Alles, was Sie tun müssen, um Zutritt zu meiner Geschichte zu erhalten, ist, diese Seite als schwere Eichentüre zu begreifen. Und anzuklopfen.

Klopfen Sie!

Eine Expedition dreier Gesandter aus Deutschland in ein scheinbar bodenloses Loch in Island knapp vor dem 2. Weltkrieg. Der Lyriker unter diesen dreien erzählt diese Geschichte, die schon in der Rahmenhandlung etwas ausschweifendes, phantasierendes hat.

Anfangs war ich gespannt und habe mich gerne in diese Geschichte fallen lassen, die hier und da an Jules Verne erinnerte, er wird auch erwähnt, wie kann es auch anders sein bei einer Geschichte, die eine Expedition in das Innere der Erde beschriebt.

Die Sprache hat etwas zwischen Tristram Shandy und den Zamonien Romanen von Walter Moers. Unterhaltsam, definitiv. Und natürlich will ich wissen, wie es weitergeht, obwohl ich mit der nordischen Mythologie und der Geschichte von Ymir überhaupt nichts anfangen kann. Aber gerade in der Sprache will Philip mir einfach zu viel. Ich will selbst denken können, mitraten und meine Assoziationen haben können. Das wird mir hier nicht erlaubt, weil Krömer auf so vielen Ebenen Wortspiele, Referenzen und Auflösungen hintereinanderpackt, dass ich gar nicht die Chance habe, meinen eigenen Kopf anzustrengen.

Deshalb blieb Ymir für mich eine nette Geschichte, die bei einem minimalerem Erzählstil sich hätte mehr entfalten können.

Ich habe über das Buch auch im Podcast des Literaturcafé geredet.

Ymir, oder: Aus der Hirnschale der Himmel von Philipp Krömer erschien beim homunculus verlag und steht auf der Shortlist des „Das Debüt 2016“ Bloggerpreises. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Meine Stimme für den „Das Debüt 2016“ Bloggerpreis.

Der Literaturblog „Das Debüt“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Debütromane näher zu beleuchten und die Perlen unter ihnen hervorzuheben. Um dieser Aufgabe noch stärker nachzukommen, gibt es dieses Jahr erstmals einen Bloggerpreis für das beste deutschsprachige Debüt aus diesem Jahr. Dafür bin ich zusammen mit 20 weiteren Literaturbloggern Teil der Jury.

Über das Jahr hinweg haben wir insgesamt 50 Titel eingereicht. Das Team hinter Das Debüt hat daraus eine Shortlist erstellt und jeder Blogger hat nun eine Stimme, die er einem dieser Romane geben kann. Folgend also eine natürlich hoch subjektive Kurzmeinung zu jedem Shortlistitel in Lesereihenfolge (ausführliche Rezensionen sind oder werden verlinkt) und meine Punktevergabe.

Blauschmuck von Katharina Winkler. Die Geschichte des Lebens eines türkischen Mädchens, samt erster Liebe, gewaltvoller Ehe und der Flucht in den Westen ist nicht neu, aber die bildhafte, sehr verdichtete Sprache bringt mir das Erzählte so schmerzhaft nah, dass ich nicht aufhören konnte, zu lesen und extrem vielen Menschen davon erzählt habe.

Nachts ist es leise in Teheran von Shida Bazyar. Eine Familiengeschichte samt Flucht aus dem Iran nach Deutschland, über 40 Jahre und aus vier verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Hat mich immer wieder an Blauschmuck erinnert, weil die Thematik eine ähnliche ist. Bazyar setzt ihre Sprache extrem spannend ein und gibt nicht nur eine Wahrheit, sondern eine Bandbreite an Gefühlen für ein Land, eine Kultur und sich selbst. Hat mich mitgenommen und mir ein neues Land gezeigt, hat viel Spaß gemacht.

Weißes Rauschen oder Die sieben Tage von Barsdorf von Uli Wittstock. Ein extrem zersplittertes Mosaik , das Bild einer Kleinstadt in Momentaufnahmen, aufgehängt an einen Mord. Klar liest man, weil man wissen will, wer’s war. Es gab tolle und lustige Momente. Aber im Ganzen war mir die Szenerie zu kleinteilig, der Erzähler zu zerstreut, redefreudig und inkonsistent und leider auch das Lektorat des Romanes nicht sauber genug.

Ymir oder Aus der Hirnschale der Himmel von Philip Krömer. Eine Phantasterei, eine Expedition dreier Gesandter aus Deutschland in ein scheinbar bodenloses Loch in Island knapp vor dem 2. Weltkrieg. Erinnerte hier und da an Jules Verne und von der Sprache an etwas zwischen Tristram Shandy und den Zamonien Romanen von Walter Moers. Unterhaltsam, aber auch hier zeigt mir der Erzähler zu sehr, wie toll er ist. Ich will selbst denken können, mitraten und meine Assoziationen haben können. Das wird mir hier nicht erlaubt. Deshalb blieb es für mich eine nette Geschichte, die bei einem minimalerem Erzählstil sich hätte mehr entfalten können.

Weißblende von Sonja Harter. Tja, was? Vielleicht eine im verstörendstem Sinne Coming-of-Age Geschichte, ein Einblick in das Erwachsenwerden in der Blase des kleinen Dorfes der Protagonistin. ich brauchte eine Weile, bis ich auf den kalten, lethargischen Ton der Erzählung klargekommen bin, dann wollte ich nicht mehr davon weg.

Vielleicht lag es an der Lesereihenfolge, vielleicht einfach an dem Gefühl, das Katharina Winkler mit ihrem Roman in mir ausgelöst hat. Für mich war es, bevor ich die anderen vier las, neben Ted Chiang, das Buch des Jahres. Überhaupt. Das hat sich auch nach der Lektüre der anderen nicht mehr geändert, obwohl Weißblende von Sonja Harter sehr sehr knapp auf Platz Zwei steht. Also: Meine Stimme für Das Debüt 2016 geht an Katharina Winkler mit Blauschmuck.

Und nun bin ich gespannt, wie die anderen Stimmen ihre verteilen. Am 15. Dezember wird dann der Sieger bekannt gegeben, natürlich auf Das Debüt, welches auch Interviews mit den Schortlistautoren geführt und sowieso extrem viel Liebe und Herzblut in dieses Projekt gesteckt hat. Ich freue mich, dass ich dabei sein darf. Danke!

Update:

Mit knappem Vorsprung vor Philip Krömer hat Shida Bazyar „Das Debüt 2016“ gewonnen. Gratulation!