Roman: Der Marsianer von Andy Weir

Der erste Satz aus Der Marsianer:

Ich bin sowas von im Arsch.

Mark Watney hat ein Problem: Er ist Teil einer Marsmission, die aufgrund eines Sturmes abgebrochen werden muss. Aber Mark wird im Sturm verletzt und ohnmächtig. Er bleibt alleine auf dem Mars zurück und muss bis zur nächsten Marsmission in vier Jahren überleben.

Ich musste mich am Anfang an die Schreibe gewöhnen. Der Großteil des Buches sind die Logbucheinträge von Watney. Und die sind sehr umgangssprachlich. Aber wenn man drin ist, funktioniert die Sprache sehr gut. Erst nach der Hälfte des Buches kommt eine weitere Perspektive hinzu, als die Nasa nämlich anhand von Satellitenfotos bemerkt, dass Watney gar nicht tot ist, sie aber keinen Kontakt aufnehmen können. Aber will gar nicht zu viel verraten.

Der Marsianer ist ein unglaublich spannendes Buch. Schon lange habe kein Buch mehr gelesen, dass mich so in den Bann gezogen hat und ich unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht. Und Andy Weir baut seine Spannung ganz wissenschaftlich auf. Es gibt keine Aliens oder Geister oder sonst was. Es gibt nur den Mars, Mark und den Vorrat an Sauerstoff und Lebensmitteln und Wasser, der definitiv nicht auf vier Jahre ausgelegt ist. Erinnert ihr euch an die Transferaufgaben in Mathematik damals in der Schule? Auch „praxisbezogene Aufgaben“ genannt?

Du hast eine Badewanne mit einem Fassungsvermögen von 120 Liter. Aus dem Voll aufgedrehten Hahn kommen alle 5 Minuten 17, 4 Liter. Durch den Ablauf fließen pro Minuten 3,14 Liter. Wie lange braucht es, bis die Badewanne voll ist?

Genauso ist dieser Roman. Nur mit Mars und Lebensgefahr und das ganze kombiniert mit dem Faktor menschliche Fehlbarkeit. Unglaublich spannend. Faktenreich und trotzdem sehr gut zu lesen. Was mich am meisten gestört hat, war eine Entscheidung in der deutschen Übersetzung. Ich habe keinen großen Vergleich zum englischen Original (nur einmal mir die erste Seite angesehen), und jeder Übersetzer aus dem Englischen schlägt sich mit dem Problem Du/Sie herum, seien es Artikel, Filme oder eben Romane. Ich persönlich gehe da nach dem Prinzip der Nähe. Wie nah stehen sich die Personen? Würde ich in diesem Moment die Person siezen oder duzen? Und wenn ich jetzt den Fall habe, dass da Astronauten auf einer Mission zum Mars mehrere Jahre aufeinander sitzen und schon wirklich viel übereinander wissen, dann tendiere ich zum Du. Genauso Watney selbst. Wie gesagt, er schreibt umgangssprachlich und schimpft auch immer wieder. Ich glaube nicht, dass er seine Leserschaft Siezen würde. Jürgen Langowski, der Übersetzer, hat das aber gemacht. Wie gesagt, ich will kein Urteil über die Übersetzung und ihre Qualität fällen, aber diese Entscheidung hat mich in meinem Lesefluss immer wieder gestört.

Und klar, literarisch gesehen ist Der Marsianer klein Highlight. Viele Sachen würde ich, würden wahrscheinlich viele, anders machen. Aber die Geschichte reisst es voll raus.

Weil ich die letzten Tage so begeistert war von dem Roman, habe ich ein wenig nachgeforscht. Schon während des Lesens dachte ich, perfekter Stoff für eine Verfilmung. Kurze Suche ergab: Im November diesen Jahres erscheint der Film, Regie führt Ridley Scott und Mark Watney wird gespielt von Matt Damon. Das kann man definitiv machen. Ich bin sehr gespannt.

Weiterhin sehr spannend, Andy Weir ist eigentlich Softwareentwickler. Er schreibt schon lange, aber immer nur so vor sich hin und veröffentlicht seine Texte und Geschichten auf seiner Homepage, kostenlos. Dort hatte er auch diesen Roman als Fortsetzungsgeschichte veröffentlicht. Leser hatten ihn dann darum gebeten, es als herunterladbares eBook zu veröffentlichen, was Andy machte. 3 Monate und 35 000 Downloads später stand Random House vor seiner Tür und hat das Buch unter Vertrag genommen.

Auch das ist eine schöne Geschichte, eine, die einen Indie-Autoren nochmal ermutigen kann. Ich bin gespannt auf den Film und auf andere Geschichten von Andy Weir und kann dieses Buch sehr empfehlen. Lesen!

Der Marsianer von Andy Weir wurde übersetzt von Jürgen Langowski und erschien bei Heyne.