Roman: Vincent von Joey Goebel

Neuer Lesestoff: Vincent von Joey Goebel. So viel davon gehört, jetzt ist es dran. #diogenes #amreading

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Der erste Satz aus Vincent:

Tut mir leid, daß du es ausgerechnet von mir erfährst, aber du wirst nie glücklich sein.

Harlan ist der Manager von Vincent. Vincent ist Künstler und wie alle Großen erschafft er das Beste, wenn er leidet. Harlan sorgt dafür, dass Vincent leidet. Dies ist seine Geschichte.

Schon seit Jahren sagen mir viele Menschen, ich sollte dieses Buch doch endlich lesen, meine Liebste hat mir ein Exemplar auch vor ein paar Jahren geschenkt, dieses stand im Regal der ungelesenen Bücher. Ich wusste, worum es geht, aber es gab immer irgendwas anderes. Bis eben jetzt. Weil ich die WDR Hörspielversion gehört habe. Die ist leider überhaupt nicht gut. Sie versucht, mehr als 400 Seiten Roman auf 50 Minuten zu pressen und drückt dabei alles Leben heraus. So sehr, dass ich wusste, jetzt muss ich das Buch lesen und hoffen, dass es besser ist, als das Hörspiel. Ist es.

Joey Goebel schreibt nüchtern, melancholisch gefärbt, literarisch nicht herausragend, aber der Geschichte angemessen. Und um sie geht es. Das Bild des leidenden Künstlers ist kein neues, in negativer Version fiel es mir oft in Hildesheim auf. Und die Qualität von „Konsumkunst“ ist auch bekannt. Aber diese „Schule des Leidens“, die Goebel entwirft, ist so konsequent und spannend, dass ich auf jeden Fall wissen will, wie diese Geschichte verläuft.

Sie hat mich nicht nur unterhalten, sondern auch noch zum Nachdenken gebracht, über die These „Gute Kunst nur aus Leiden“ und auch darüber, wo ich mich selbst in diesem ganzen Betrieb sehe. Damit schafft Joey Goebel mit Vincent mehr, als viele andere Titel. Ich bin gespannt auf das nächste.

Vincent von Joey Goebel erschien bei Diogenes und wurde übersetzt von Hans M. Herzog und Matthias Jendis.

 

Roman: Superhero von Anthony McCarten

 

Der erste Satz aus Superhero:

Aufblende…

Und damit sind wir mitten im Roman, der aufgrund seines Schreibstils eigentlich keiner ist. Anthony McCarten beschreibt die Geschichte des 14jährigen, an Krebs erkrankten Don. Der Junge ist noch Jungfrau und hat noch nie die Liebe einer Frau gespürt, die nicht seine Mutter ist. Und da er wohl nicht mehr so lang zu leben hat, ist dies sein größtes Problem. Um irgendwie damit umzugehen erschafft er seinen eigenen Comic über den Helden MiracleMan, der Mann, der quasi unsterblich ist. Dons Comics sind so verstörend gewalttätig, pervers und düster, so dass seine Eltern den Psychologen Adrian hinzuziehen. Und somit beginnt die Geschichte zwischen den beiden Männern, in der immer undeutlicher wird, wer hier eigentlich wem hilft.

McCarten erzählt eine schöne Geschichte über die Liebe, das Leben und den Tod. Leider hat mich die Form, in der er erzählt, sehr gestört. McCarten schreibt fast ein Drehbuch, mit Sprecherangaben und Regieanweisungen, angereichert mit den Gedanken der jeweiligen Personen. Ja, irgendwann habe ich mich daran gewöhnt. Aber so richtig Spaß macht das nicht. Viel zu oft dachte ich, mann, kann er nicht ganz normale Sätze schreiben?

Der Roman und die Geschichte sind schön und lesenwert, die Textform dagegen hat mich gestört. Vielleicht geht es euch da anders.

Superhero von Anthony McCarten wurde übersetzt von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié und erschien bei Diogenes.