Roman: Der Blumensammler von David Whitehouse

Der erste Satz aus Der Blumensammler:

Dreitausend Meter unter dem Meeresspiegel ächzen die Knochen unter der Last der Einsamkeit.

Der erste Roman von David Whitehouse, Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek, hatte mich ernüchtert und irgendwie enttäuscht zurückgelassen. Aber ich sah dieses Cover, den Titel und den Klappentext und dachte, ich will es nochmal probieren.

Drei Männer und drei Geschichten, von denen nur eine die des Blumensammlers ist, wunderbar skurril und mit feinen Worten und Bildern erzählt. Das konnte David Whitehouse schon im Roman zuvor, das Ding mit den Worten und den Bildern.

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Diesmal aber fühle ich mich aber auch in der Geschichte und mit den Figuren wohl. Mit dem ehemaligen Waisenkind, das in der Londoner Notrufzentrale arbeitet. Mit dem alten Professor, der eigentlich nur mit seiner Frau zusammen sein will. Und natürlich mit Peter, dem Tatortreiniger, der in der Bibliothek in einem alten Buch einen Liebesbrief mit den Namen von sechs seltenen Blumen findet. Er beschließt, diese zu finden.

Whitehouse fädelt die Geschichten ineinander und ich ahne, dass alles irgendwie zusammengehört. Was es natürlich auch tut. Trotzdem und gerade deshalb lese ich mich ziemlich schnell durch das Buch, stets mit dem Smartphone in der Hand, weil ich die Blumen nachschlagen will, um die es geht. In ein paar Tagen habe ich die knapp 400 Seiten durch, lächelnd und gut gelaunt, weil es dann doch nochmal überraschend ist.

Es gibt zwei Dinge, die mich an der Geschichte wundern, die ich gern noch erörtert hätte. Bei einem Roman, der von Anfang bis Ende sauber geknüpft ist, stellen sich mir diese beiden Fragen (,die ich hier nicht stellen kann, ohne zu spoilern).  Aber ich kann sie auch als Interpretationsfreiraum sehen, welcher dem Leser gelassen wird.

Der Blumensammler ist ein innerlich und äußerlich schönes Buch, voller Liebe für die Natur und die losen Fäden des Lebens, mit einem besonderen Blick auf Charaktere und das Schicksal jedes Einzelnen.

Das erste Kapitel ist eine gute Leseprobe. Wenn man die Erlebnisse dort annehmen kann, dann kann man sich auf den Rest des Romanes freuen. Wenn man dort abgeschreckt wird, liest man lieber was anderes.

Der Blumensammler von David Whitehouse wurde übersetzt von Dorothee Merkel und erschien bei Tropen. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Roman: Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek von David Whitehouse

Der erste Satz aus Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek:

Lippen.

Ich hatte das Buch in der Buchhandlung gesehen und ich mochte den Titel und das Cover. Der Buchrücken versprach eine spannende und lustige Abenteuerreise. Und ich freute mich auf eine unterhaltsame Roadnovel. Hätte ich doch bloß nicht drauf gehört. Das Buch ist eine Mogelpackung, in jeder Hinsicht. Es geht nicht um eine Reise mit dem Bücherbus. Es geht um eine Flucht mit dem Bücherbus. Und die Flucht beginnt erst etwa ab der Hälfte des Buches. Und es ist keine leichte Abenteuerliteratur. Streckenweise ist der Roman so brutal und voller Gewalt, dass ich nicht durchgehend lesen konnte, sondern das Buch zur Seite legen musste.

Wenn man dann seine Erwartungen hinter sich gebracht hat und sich darauf einstellt, etwas ganz anderes zu lesen, als geplant, dann ist das auch gut möglich. Whitehouse hat eine Sprache voller Bilder, eine sehr lyrische Prosa. Sie klingt manchmal ein wenig gewollt, und der Erzähler hat eine Haltung, die ich nicht immer mag, aber im Großen steckt im Buch einige Stellen, die ich unterstreichen möchte. Die Geschichte ist eine Erzählung über das Leben und die Literatur und wie aller miteinander zusammenhängt. Eine Geschichte, die man gut lesen kann und die auch bis zum Ende spannend ist, auch wenn besonders die Nebenfiguren klischeehafte und eindimensionale Züge haben und die Handlung stellenweise lückenhaft und unglaubwürdig ist.

Also, wenn man sich darauf einstellt, dann bekommt man eine Geschichte mit vielen schönen Wortkombinationen. Aber mit dem Cover, dem Titel und dem Klappentext wird hier etwas versprochen, was nicht gehalten wird.

Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek von David Whitehouse wurde übersetzt von Dorothee Merkel und erschien im Tropen Verlag.