Ich: Master Literarisches Schreiben in Hildesheim

Wenn mich jemand fragt, was ich später mal machen möchte – und ja, man wird mit 28 auch noch gefragt, was man später mal machen will – dann antworte ich seit Jahren, ich möchte vom Schreiben leben können. Ich möchte meine eigenen Bücher schreiben und davon leben können.

Ich habe alle Gespräche über dieses Thema in jeder Variation durchgemacht und bin mir des schweren Weges bewusst, den ich da gewählt habe. Aber hej, bisher läuft das Leben mit all seinen schönen Umwegen doch ganz gut, oder? Als ich vor vier Jahren nach meiner Radiozeit studieren wollte, entschied ich zwischen Kreativem Schreiben und Sprechkunst. Viele Gründe haben mich in Stuttgart gehalten und ich wählte das Sprechen. Jetzt ist die Wahl des Masters dran und diesmal sollte es das Schreiben sein. Also bewarb ich mich und bangte und bekam dann vor wenigen Monaten meine Zulassung aus Hildesheim. Leipzig sagte ab, aber das ist eine andere Geschichte.

Im Mittelpunkt des Master-Studiengangs Literarisches Schreiben (M. A.) steht die Arbeit an einem eigenen erzählerischen, lyrischen, szenischen, essayistischen oder kulturjournalistischen Projekt. Dieses Projekt soll zu Beginn des Studiums in einem Konzeptpapier grob umrissen sein und wird dann von den Lehrenden des Studiengangs während des Studiums intensiv betreut.

Um das Schreiben herum werden Seminare angeboten, die es möglich machen, Ihre eigene Literaturwerkstatt zu beobachten, zu verstehen und zu optimieren. Zugleich werden Sie in die literatur- und kulturbetrieblichen Kontexte eingeführt.

So steht es im Studienprofil. Das heißt, ich werde zwei Jahre lang an einem Roman arbeiten, der den Arbeitstitel „Eine Nacht mit genügend Schlaf ist nur eine weitere, an die du dich nicht erinnern wirst“ trägt. Er ist zwar ein wenig mehr, als nur grob umrissen, aber ich kann trotzdem noch viel an ihm lernen.

Ab nächstem Monat werde ich also in Hildesheim Literarisches Schreiben studieren. Ich kann es immer noch nicht ganz glauben! Wow!

Heute habe ich einen Roman fertig geschrieben.

Am 17. Januar diesen Jahres habe ich auf einer Schreibmaschine die ersten fünf Seiten eines Romanmanuskriptes begonnen. Nach 5 Seiten habe ich die Geschichte zur Seite gelegt, weil ich erst noch die erste Rohfassung von „Dimensionssprünge“ fertig schreiben wollte. Das war am 23. April. Seitdem habe ich fast täglich an diesem neuen Roman geschrieben. Heute – fast genau elf Monate später – habe ich ihn fertig gemacht. Also, die erste Rohfassung. Rund 54000 Worte. Jetzt muss das eine kurze Weile ruhen, dann muss ich da nochmal drüber. Wahrscheinlich noch ein paarmal. Und dann geht es an die Verlagssuche. Oder die Suche nach der Form besten Veröffentlichung. Aber trotzdem, einen Roman fertig zu schreiben ist jedes Mal ein Wow-Moment!

Ein „Wow“-Moment ist ein Moment, in dem deine eigene persönliche Welt den Atem anhält und alles um dich herum sagt und fühlt und denkt zusammen mit dir: „Wow!“

Das gute Ding heißt

Eine Nacht mit genügend Schlaf ist nur eine weitere, an die du dich nicht erinnern wirst.“

und weil ich auf eine unglaublich ruhige Art erleichtert und traurig und zufrieden und so weiter bin, wie das eben immer ist, wenn man ein gutes Buch zu Ende hat, hier die ersten drei Absätze aus der Rohfassung. Die passende Musik dazu gibt’s hier. Viel Spaß!

Hätte Katharina sich ein Wetter für ihre Beerdigung aussuchen können, wäre es wahrscheinlich genau dieses gewesen. Es war einer der ersten Frühlingstage des Jahres. Der Winter war hart und lang gewesen, viel länger, als es gebraucht hätte, die Menschen im Süden Deutschlands daran zu erinnern, wie schön der Frühling und der Sommer sein konnten.

Jetzt aber war der Frühling da, passend zur Beerdigung seiner Frau. Die Bäume um sie herum blühten und das Gras strahlte in saftigem Grün. Vögel, die sich an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt hatten, drehten ihre Runden und begleiteten die kleine Zeremonie zu der Stelle, an der die die Mitarbeiter des Friedhofs am Tag zuvor das Grab ausgehoben hatten. David lief direkt hinter dem kleinen Wägelchen, auf welchem de Sarg von Katharina aufgebahrt war. Wie alle anderen war er in einen dunklen Anzug gekleidet, er schwitzte und weinte und die Tränen vermischten sich auf dem Weg nach unten mit dem Schweiß. Er hatte die gesamte Zeremonie über in der ersten Reihe gesessen und nichts von all den guten Worten über seine Frau mitbekommen. Selbst jetzt, an der Seite seiner Mutter, konnte er nicht begreifen, was hier gerade geschah.

Die alten Männer, die den Sarg geschoben hatten, hievten ihn nun langsam in das Loch. Was für ein schöner Gedanke, Katharina könnte schon jetzt irgendwo sein, das Wetter mitbestimmen und läge nicht in diesem Sarg, der gerade hinabgelassen wurde. Die alten Männer, konnten sie eigentlich noch aufrichtig traurig sein, bei all den Beerdigungen fremder Menschen, die sie begleiteten? Jedenfalls, sie zogen die Seile wieder nach oben und entfernten sich diskret. Der Pfarrer äußerte wieder ein paar Worte, Kauderwelsch in pastoralem Singsang, dann schmiss David als erster ein Schäufelchen Erde auf den nagelneuen Sarg. Und eine Blume hinterher. Dann stand er an dem Grab seiner Frau. 28 Jahre alt und Witwer.

Aus „Eine Nacht mit genügend Schlaf ist nur eine weitere, an die du dich nicht erinnern wirst.“

Der Spotify-Soundtrack zu meinem nächsten Roman.

Ich lebe ziemlich asket, was Drogen und Alkohol angeht. Es gibt andere Wege den erwünschten Zustand zu erreichen. Neben dem Lachen von Freunden ist das Musik. Deshalb schreibe ich meine Geschichten und Texte gerne auf Musik. Meinen ersten Roman beispielsweise habe ich fast komplett auf den ersten beiden Alben von Kaizers Orchstra geschrieben. Der noch nicht veröffentlichte Roman namens „Der Junge namens Kasimir“ entstand auf Mumford & Sons live at Haldern Pop. Komplett. Im Loop. Monatelang. Und aktuell schreibe ich den nächsten Roman. Er heißt „Eine Nacht mit genügend Schlaf ist nur eine weitere, an die du dich nicht erinnern wirst“. Darin geht es um das Leben nach dem Tod des liebsten Menschen, um Friedhöfe und um Musik. Und diesmal mache ich das ein wenig anders. Ich hab da ein Gefühl, das ich gerne mit dem Roman übertragen will und dafür suche ich mir über Spotify die passende Musik aus und werfe sie oben in die Playlist und lasse daraus wieder das Radio laufen. Deshalb kommen da auch immer wieder Lieder dazu. Vielleicht wollt ihr euch ja schonmal einstimmen.