Film & Verlosung: Sieben Minuten nach Mitternacht

Conors Mutter wird bald an Krebs sterben und er kommt überhaupt nicht drauf klar. Er flüchtet sich in seine Zeichnungen und seine Fantasie und sieht sich eines Nachts, sieben Minuten nach Mitternacht, einem Baummonster gegenüber, dass ihm weder etwas Böses will, noch ihm helfen will, sondern ihm Geschichten erzählt, über böse Hexen und gute Könige.

Ich will gar nicht zu tief in die Geschichte einsteigen, es geht um die Beziehung von Sohn und Mutter, um Verlust und natürlich um Liebe.

Ich habe den Roman zum Film noch nicht gelesen, aber in der Vergangenheit hat sich diese Reihenfolge als die bessere herausgestellt. Klar, meine Fantasie wird beschnitten, mir wird vorgegeben, wie Figuren aussehen und wie sie sprechen (Ford Prefect ist meiner Fantasie immer Mos Def). Aber auf der anderen Seite denke ich im Film nicht die ganze Zeit, hey, aber im Buch war das anders. Und da kaum etwas meine eigene Fantasy schlagen kann, kann ich gut auf die Interpretation anderer aufbauen.

Also bin ich ganz unvoreingenommen in den Film und kam fasziniert wieder raus. Sieben Minuten nach Mitternacht ist manchmal düster und ergreifend und dann wieder lustig und leicht, es ist kein Märchen, sondern ein Fantasydrama, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob es wirklich für Kinder geeignet ist.

Patrick Ness hat den Roman zum Film geschrieben. Wikipedia erzählt den Hintergrund:

Das Buch ist von einer Idee von Siobhan Dowd inspiriert, deren unerwarteter Tod verhinderte, dass sie die Geschichte selbst aufschreiben konnte. Dowd starb 2007 nach drei Jahren Krankheit mit 47 Jahren an Brustkrebs.

Siobhan Dowd wird mehrmals genannt und ich hatte mich im Kino noch gefragt, was dieses ‚inspiriert von‘ bedeutet. Mit diesem Wissen hebt sich die Geschichte auf eine ganz neue Ebene und wenn ich das Buch in den Händen habe, werde ich es auch lesen wollen.

Wie in den Geschichten, die das Monster dem Jungen erzählt, so ist auch der Film selbst nicht in gut und böse aufgeteilt. Und es gibt kein Happy End. Er ist trotz all seiner fantastischen Elemente voller realistischer Gefühle und geht damit ungleich näher, als jedes ‚vielleicht leben sie noch heute‘.

Sieben Minuten nach Mitternacht läuft ab 4. Mai im Kino.

Verlosung:

Studiocanal hat mir zweimal zwei Freikarten fürs Kino plus Roman zur Verfügung gestellt.

Schreibt mir eine Mail (oder einen Kommentar) mit eurer Adresse und sagt mir, welches Märchen beschäftigt euch bis heute?

Der Zufall entscheidet dann. Einsendeschluss ist Donnerstag, 27. April, 12 Uhr. Dann gehen die Pakete direkt raus. Die Adressen werden für nichts anderes verwendet und direkt danach wieder gelöscht. Viel Erfolg!

 

Film: Es war einmal in Deutschland…

Ein Jahr nach Kriegsende versucht der jüdische David Bermann mit Freunden, einen Wäschehandel aufzumachen und reist als Handelsvetreter durch die Gegend um Frankfurt. Dank kleiner Tricks und Flunkereien floriert das Geschäft, aber David muss sich gleichzeitig vor den Amerikanern in Acht nehmen. Er steht im Verdacht, mit den Nazis kollaboriert zu haben.

So viel erzählt auch der Trailer. Und wenn es nur nach dem Trailer geht, dann hätte ich mir den Film nicht angesehen. Ich wusste nicht, was mich erwartet, ich habe die Romane von Michel Bergmann nicht gelesen, kenne also auch nicht die Vorlagen, „Die Teilacher“ und „Machloikes“ und der Trailer, als auch die Beschreibungen nennen den Film eine Komödie. Dabei ist er viel mehr.

Was im Trailer plump und extrem verfälschend zusammengeschnitten ist, verschweigt den gesamten Teil der Tragik, die unter dem schwarzen Humor und der fröhlichen Musik liegt. Die Ahnung des Grauens und der Angst, die noch nichtmal ein Jahr her ist. Klar ist der Film auch witzig und ich kann an vielen Stellen lachen. Aber es geht eben auch tiefer. Gerade Moritz Beibtreu, dessen Charakter mir im Trailer noch extrem unsympathisch rüberkommt, zeigt, was alles unter dem Chuzpe liegt, den er vor sich herträgt. Dazu kommt ein durch das Setting, die Geräusche, die Musik und den Farbton (der in Nebel im August schrecklich war) ein Gefühl auf, dass sich authentisch gibt.

All das macht „Es war einmal in Deutschland…“ zwar nicht zu dem großen Kinohit des Jahres, aber zu einem netten sehenswerten Film, der auch viel Lust auf die zugehörigen Romane macht. Und der einen besseren Trailer als den vorliegenden verdient hat.

Es war einmal in Deutschland… läuft seit 6. April im Kino, und basiert (lose?) auf den Romanen „Die Teilacher“ und „Machloikes„, geschrieben von Michel Bergmann und erschienen bei dtv. X-Verleih hat mir die Kinotickets zur Verfügung gestellt.

Filmkritik: Silence von Martin Scorsese

Ein neuer Film von Martin Scorsese, mit Liam Neeson, Adam Driver und Andrew Garfield? Will ich sehen, auch wenn es nicht mein Thema ist.

Silence erzählt die Geschichte zweier Jesuiten im 17. Jahrhundert, die nach Japan gehen, um einen verschollenen Pater aufzuspüren. Eine beschwerliche Reise durch ein Land, in dem Christen verfolgt und getötet werden.

Ich bin vor ein paar Jahren aus der Kirche ausgetreten, ich habe nicht nur in religiösen Belangen ein großes Problem mit Extremen, ich möchte Dinge in Balance halten. Aber wie gesagt, ich wollte den Film trotzdem sehen. Nun:

Der Film ist eine Tortur. Die zwei Stunden und 40 Minuten fühlen sich fast doppelt so lange an. Das Martyrium der Jesuiten erlebe ich als Zuschauer mit, mit grandiosen Bildern und einem sehr guten Sounddesign, der meiner Beobachtung nach ohne Soundtrack auskommt. Wirklich, die Kamera, die Bilder, die Komposition, extrem gut gelungen. Die Geschichte aber bringt mich an meine Grenzen.

Die ausführliche Darstellung der Folter von Christen durch Buddhisten (auf Ansage eines Inquisitors, welch Ironie) erinnert an Mel Gibsons „Passion Christi“ und die Sturheit und Arroganz beider Religionen wird so eindrücklich dargestellt (und natürlich erweitert durch das eigene Wissen der Gewalt und Folter, die die Christen bei Andersgläubigen eingesetzt haben), dass ich den Film nur als Apokalypse Now des Glaubens ernst nehmen kann, als einen Antireligionsfilm, der zeigt, wozu fanatisch religiöse Menschen fähig sein können.

Leider meint Scorsese das nicht so. Er widmet den Film am Ende den Christen und Jesuiten. Er meint das ernst. Ich kann es nicht fassen.

Noch ein Kommentar zur deutschen Synchronisation: Sie ist unauffällig und damit sehr gelungen, bis auf einen Off-Sprecher gegen Ende des Films. Ein niederländischer Seefahrer beschreibt, wie er auf die Jesuiten trifft und ihren Leidensweg erfährt. Während alles andere sehr gut synchronisiert ist, was bei dem japanischen Akzent und den lateinischen Messen, die gehalten werden, wirklich nicht leicht ist, fällt dieser Sprecher durch seine Unterdurchschnittlichkeit auf. Ich will niemanden angreifen oder zu nahe treten, aber ich hatte das Gefühl, für diese vielleicht zehn Sätze hat das Studio den Praktikanten in die Kabine gestellt. Mit leichtem Dialekt, verwirrender Betonung und ohne Haltung wird der Text heruntergelesen. Was angesichts der gesamten Produktionsqualität so extrem auffällt, dass es mich vollkommen aus dem Film gerissen hat. Ich war an dem Punkt sowieso schon der Bilder, der länge und des Leids überdrüssig, aber dies war der Höhepunkt.

Silence ist kein schlechter Film. Er ist bildgewaltig und episch, aber er ist auch eine Tortur mit einer Moral, die man sich nicht antun muss. Besonders, wenn man der christlichen Religion eh schon kritisch gegenüber steht.

Silence läuft seit dem 2. März in den deutschen Kinos. Ich habe vom Verleih zwei Freikarten zur Rezension erhalten.

Deutsche Übersetzung: Player 2 von 00WARTHERAPY00.

Dieser Kurzfilm basiert auf einem Youtubekommentar von 00WARTHERAPY00. Dies ist die deutsche Übersetzung:

Also, als ich vier war, hat mein Vater eine gut erhaltene XBox gekauft. Ihr wisst schon, die erste, klobige von 2001. Wir hatten unglaublich viel Spaß dabei, alle möglichen Spiele zu spielen – bis mein Vater starb, als ich erst sechs war.
Ich konnte die Konsole zehn Jahre lang nicht anfassen.
Aber als ich es dann tat, fiel mir etwas auf:
Wir haben immer ein Rennspiel gespielt, Rally Sports Challenge. Tatsächlich ganz schön großartig für seine Zeit.
Als ich anfing, damit rumzuspielen … habe ich einen GHOST gefunden.
Buchstäblich.
Wisst ihr, wenn man Rennen auf Zeit fährt, wird die schnellste Zeit als Geisterfahrer aufgenommen. Yep, ihr könnt’s euch denken – sein Ghost fährt bis heute auf der Strecke.
Also habe ich gespielt und gespielt und gespielt, bis ich es fast geschafft hatte. Bis ich eines Tages besser war und ihn überholte und …
Ich blieb direkt vor der Ziellinie stehen, nur um sicherzugehen, dass ich ihn nicht löschte.
Reine Glückseligkeit.

Leider hat die XBox mittlerweile den Geist aufgegeben. Die Geschichte bleibt.

 

 

Film: Eine Geschichte von Liebe und Finsternis, ab heute im Kino

Die letzten Buchverfilmungen, die ich gesehen habe, waren eher enttäuschend, zum Teil auch deshalb, weil sie im Vergleich zur Vorlage abgefallen sind. Als ich die Einladung zu Eine Geschichte von Liebe und Finsternis bekam, dachte ich, diesmal liest du das Buch nicht vorher.

Ich muss leider gestehen, dass mir Amos Oz zwar etwas sagt, ich aber bisher nichts von ihm gelesen habe. Dann saß ich in der Vorführung und lese im Presseheft das Interview mit Natalie Portman, sie spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern schrieb auch das Drehbuch und führte Regie. Die letzten beiden Dinge zum ersten Mal. Ich hatte die Befürchtung, dass sowas auch in die Hose gehen könnte. Aber dann wird es dunkel im Saal und der Film geht los.

Als es wieder hell wird, bin ich berührt und überrascht und interessiert. Im Gegensatz zu Nebel im August schafft der Film durch seine grobkörnige, kontrastreiche Ästhetik tatsächlich ein Gefühl von Vergangenheit. Im Gegensatz zu Tschick und Mängelexemplar kann ich hier mit dem Erzähler sehr gut umgehen, hier erinnert sich ein alter Mann an seine Kindheit. Die Übergänge zwischen Gegenwart und Vergangenheit sind extrem gut umgesetzt, ebenso die Ahnung des jungen Amos. Er kann nicht ganz greifen, was mit seiner Mutter, was mit seinen Eltern und was mit der Welt gerade passiert, aber er versteht, dass etwas großes im Gange ist.

Ich mochte den Film in seiner Ästhetik, in seiner Erzählart. Ich bin mir sicher, dass der Roman noch viel mehr kann. Aber der Film hat einen sehr positiven Grundstein gelegt, sodass ich irgendwann den Roman sehr gerne lesen werde.

Eine Geschichte von Liebe und Finsternis von Amos Oz wurde verfilmt von Natalie Portman und läuft seit 3. November im Kino.

Film & Gewinnspiel: Tschick

Das also ist der Film zu Tschick. Ich bin begeistert vom Hörbuch, gelesen von Hanno Koffler. Ich bin begeistert vom Roman von Wolfgang Herrndorf und mag die Filme von Fatih Akin und war ziemlich gespannt auf diese Verfilmung.

Seit 15. September läuft sie im Kino, gestern waren wir drin. Und es war okay. Der Film ist nicht schlecht. Ich habe zusammen mit vielen anderen im Kino oft gelacht, war überrascht und war berührt.

Aber es gab auch viele Sachen, die für mich nicht funktionieren. Ich brauchte eine ganze Weile, bis ich drin war. Besonders am Anfang kam es mir manchmal vor, als ob Menschen vor einer Kamera Stellen aus dem Buch vorlesen. Gespielt, nicht erlebt. Besonders auffällig war, dass manche Pointen nicht wirklich zünden können, weil das Timing nicht stimmt. Kennt ihr das, wenn jemand zu schnell antwortet? So ging mir an Anfang durchgehend. Das wird im Laufe des Filmes besser. Aber er kann sich trotzdem nicht vom Buch lösen, wie er sollte. Im Making-of (sehr sehenswert) sagt Produzent Marco Mehlitz:

Tschick als Film hatte nie den Ansatz, dass wir den Roman bebildern wollten, sondern wir wollten einen Film machen, der als eigenständiges Werk funktioniert.

Der Film funktioniert zwar eigenständig, aber wenn man das Buch kennt, dann ist er genau das: Eine bebilderte Version. Großteile der Dialoge sind exakt übernommen. Was nicht verfilmbar ist, wird von Maik aus dem Off gesprochen, ähnlich wie bei Mängelexemplar. Und die meisten Lacher haben eben genau die Stellen bekommen, die Wort für Wort aus dem Roman stammen.

Zusätzlich gab es viele Stellen, in denen der Film eine Atmosphäre aufbaut oder aufbauen könnte, sich dafür aber nicht genug Zeit lässt. Viele Stellen, wo ich dachte, schade! Das hätte gleich geil werden können.

Im Interview mit der Morgenpost erzählt Regisseur Fatih Akin, dass er nur 7 Wochen Vorbereitungszeit hatte, weil er den Film kurzfristig übernommen hatte. In dieser Zeit wurde die Rolle des Maik nochmal umbesetzt, so ist Tristan Göbel dazugekommen. Auch das Casting von Tschick mit Anand Batbileg scheint nicht einfach gewesen zu sein.

Ich will gar nicht sagen, dass die beiden schlechte Schauspieler sind. Aber in vielen Momenten hätten sie, hätte der ganze Film mehr Zeit in der Vorbereitung und auch in den Szenen gebraucht, um sich richtig entfalten zu können. Man kann den beiden zusehen, wie sie sich nicht nur als Maik und Tschick, sondern auch als Tristan und Anand aneinander gewöhnen.

Überraschend war Mercedes Müller als Isa. Sie ist nicht die Isa aus dem Buch und das ist gut so. Hier schafft es der Film, sich von der Vorlage zu lösen und eigenständig ein eigenes Gefühl aufzubauen. Isa im Film ist um einiges älter als im Buch, was wahrscheinlich produktionstechnische Gründe hat. Sonst hätte man nicht die Szenen am Badesee drehen können. Aber sie ist eine passende Figur für diese Reise und bis zum Ende des Films habe ich mir gewünscht, dass sie nochmal auftaucht.

Passiert nicht. Stattdessen wird die Handlung des Romans, die im Film teilweise weggelassen wurde, animiert angedeutet und Kenner der Grundlage können sich über die Visualisierung freuen.

Am Ende bleibe ich dann mit gemischten Gefühlen zurück. Auf der einen Seite hatte ich Spaß und habe mich gefreut. Andererseits ist mir der Film gleichzeitig zu nah und zu fern am Roman und er hätte eben mehr Zeit vertragen, mehr Reife. Vielleicht muss ich ihn mir in ein paar Wochen nochmal ansehen, mal sehen, wie er mir dann gefällt.

Was ich mir wünsche: Dass Mercedes Müller die Isa auch in der (zeitnahen) Verfilmung von „Bilder deiner großen Liebe“ spielt und jemand so weit vorgedacht hat, dass es alternative Versionen der Szenen mit Maik und Tschick gibt, damit diese dann dort eingebaut werden können. Das wär ziemlich geil.

Gewinnspiel:

Studiocanal hat mir zwei Tschick-Pakete zur Verfügung gestellt: Einmal Roman plus Filmplakat und einmal Hörbuch (die Hanno Koffler-Version) plus Filmplakat.

Schreibt mir eine Mail (oder einen Kommentar) mit eurer Adresse, der Angabe, ob ihr lieber Hörbuch oder Buch haben wollt und sagt mir, auf welche Buchverfilmung wartet ihr noch?

Der Zufall entscheidet dann. Einsendeschluss ist Donnerstag 29. September 12 Uhr. Dann gehen die Pakete direkt raus. Die Adressen werden für nichts anderes verwendet und direkt danach wieder gelöscht. Viel Erfolg!

Film: BFG – Big Friendly Giant

Seit Donnerstag läuft Big Friendly Giant im Kino. Ich mochte das Buch und der Trailer sah gut aus, nach an den originalen Illustrationen von Quentin Blake. Also sind wir gestern ins Kino.

Es gibt tatsächlich viele schöne Sachen an und in diesem Film. Mark Rylance spielt einen großartigen Riesen und tatsächlich sieht ein Großteil des Films aus wie eine in Bewegtbild umgewandelte Version der Zeichnungen. Auch die Sprache ist wunderbar. Wunderbar nah an der grandiosen Übersetzung von Adam Quidam und wunderbar lustig in ihrem Gebrauch.

Trotzdem konnte mich der Film über weite Strecken hinweg nicht bannen. Ich war dabei, ja. Aber ich war nicht drin. Aus mehreren Gründen. Zuerst die Kamerafahrt, zu viele Szenen sehen so aus, als seien sie gedreht damit man zeigen kann, wie toll der 3D-Effekt ist. Solange die Filmemacher das 3D-Feature nicht als natürlichen Teil ihrer Werkzeugkiste sehen, sondern es noch immer als den neuen heißen Scheiß sehen, den sie ausstellen müssen, möchte ich solche Szenen nicht sehen.

Dann die Darstellerin der Sophie, Ruby Barnhill. Sie sieht aus, wie die Sophie im Buch. Und sie verhält sich auch so. Aber es tut mir leid, ich kaufe ihr ihr Spiel einfach nicht ab. In keinem Moment fühle ich mit ihr oder kann ihre Wandel mitempfinden. Das kann am schauspielerischen Talent liegen oder an der Synchronisation, das kann ich noch nicht einschätzen. Dafür müsste ich die originale Fassung nochmal sehen.

Zuletzt die Geschichte. Während Dahl im Roman eine eindeutige Linie fährt und Sophie(chen) und der Riese die Mission haben, die anderen bösen Riesen vom Menschen fressen abzuhalten, verstärkt Steven Spielberg das im Roman schwächer ausgesprägte Thema der Einsamkeit des Riesen und Sophie. Dadurch wird der Film emotionaler und ernster, aber er verliert auch an Stringenz, weil wir als Zuschauer schnell zwischen diesen Themen wechseln müssen und dadurch beide Themen ihre Kraft verlieren.

Ich wollte den Film mögen und habe mich auf ihn gefreut. Ich fand ihn auch nicht schlecht. Aber leider auch nicht gut.

Film: Mängelexemplar ( + Gewinnspiel)

Ich habe „Mängelexemplar“ kurz nach dem Erscheinen 2009 gelesen. Ich weiß auch nicht mehr, was die Handlung war, aber ich erinnere mich gut an das Gefühl. An das „verstanden fühlen“. Kuttners Stärke in ihren beiden ersten Romanen ist es, Dinge, die man kennt, sehr genau zu beschreiben. Man liest (oder hört) und denkt, ja, genau! So ist es! Sarah Kuttners Figuren waren nie ich, aber ich konnte sie verstehen, konnte ihr Handeln nachvollziehen. Und jetzt kommt die Verfilmung. Davor habe ich den Trailer gesehen, weil, dafür sind sie ja da, oder?

Das Problem ist, dieser hier suggeriert einen Film, den ich nicht sehen möchte. Denn das Gefühl, das ich beim Lesen hatte, kommt hier nicht auf. Der Trailer verspricht mir eine flache Komödie, die auf Lacher und ein paar skurrile Momente und das wäre schade, wenn das alles ist, was von Mängelexemplar übrig bleibt.

Mit diesem mauen Gefühl saß ich in der Pressevorführung, innerlich die Arme verschränkt. Dann aber, knapp 112 Minuten später, bin ich überrascht. Denn Laura Lackmann legt mit ihrem Langfilmdebüt einen Film hin, der es sehr wohl mit dem Gefühl des Romanes aufnehmen kann. Das Gefühl, dass nicht immer alles geil ist, aber am Ende des Tages wenigstens okay. Und natürlich gibt es die Lacher, die im Trailer zusammengeschnitten sind. Aber im Film, ohne die musische Untermalung im Trailer, sind die Szenen eher tragikkomisch und berühren mehr, als der Witz selbst es tut.

Es gibt aber auch ein paar komische Dinge am Film:

  • Der „Mängelexemplar-Moment“: Eine Szene aus dem Roman, die mir sehr gut in Erinnerung ist, ist jene gegen Ende des Buches, in der quasi der Titel des Buches aufgegriffen und erklärt wird. War für mich ein Schlüsselmoment, eine tolle Szene, auf die ich mich gefreut habe. Die leider so nicht vorkommt. Klar, der Inhalt der Szene ist verarbeitet, aber der Titel wird nur indirekt ziemlich am Anfang des Films aufgegriffen. Sehr schade.
  • Das innere Kind und die inneren Monologe: Karos inneres Kind wird visualisiert, als Kind, das die gleichen Klamotten trägt. Und im ganzen Film gibt es immer wieder innere Monologe aus dem Off. Bei beiden Effekte schwanke ich zwischen „Das ist eine coole Lösung“ und „Echt jetzt?“. Weil, das Kind stellenweise viel zu plump eingesetzt wird und die inneren Monologe immer wieder wie Auszüge aus dem Hörbuch klingen, die es bei richtiger Schauspielleistung nicht gebraucht hätte. Caro Eisinger bringt die Leistung auch, und dann sehe ich, was mir gleichzeitig noch erzählt wird. Beide Effekte hätten mir bei dezenterem Einsatz besser gefallen.
  • Inkonsequente Designsprache: Beim Filmplakat hat jemand versucht, das Gefühl des Romanes, das Cover des Romanes durch das verknitterten Papier anzudeuten. Der Schriftzug dagegen ist ein komplett anderer. Ist okay, dachte ich, wird wohl der aus dem Film sein. Falsch gedacht! Im Film wird wieder eine ganz andere Schrift verwendet. Eine viel komödieskere. Irritiert mich. Und führt zum letzten Punkt:
  • Der Trailer: Da wird was verkauft, was nicht geliefert wird. In meinem Fall bin ich froh drum. Aber das heißt, dass man zwei Zielgruppen verprellt: Jene, die das Buch gelesen haben, sagen nach dem Trailer, ne, das ist ja ganz anders, da geh ich nicht rein. Und jene, die das Buch nicht gesehen haben, sehen den Trailer und dann den Film und sagen: Ja, ne, das war ja gar keine Komödie. Ist doch für alle dumm. Könnte man nicht wenigstens einen zweiten Trailer schneiden, der nicht ganz so komödiantisch rüberkommt?

Vielleicht ist es ganz gut, dass meine Lektüre schon länger her ist, weil bestimmt ganz viel anders ist, als im Buch. Aber es ist eine gute Interpretation des Stoffes, ein schöner Gefühlsübermittler. Er wird nicht mein bester Film des Jahres, aber er ist bei weitem besser, als der Trailer es vermuten lässt.

Mängelexemplar läuft ab 12. Mai im Kino.

Zur Vorfreude gibts ein Gewinnspiel!

Ich darf zwei Filmpakete verlosen, die jeweils das Filmplakat (höchstwahrscheinlich größer, als im Bild) und den Roman beinhalten. Hinterlasst einen Kommentar (mit gültiger Mailadresse), bis zum 5. Mai 23:59 Uhr. Unter allen Kommentaren werden zwei Gewinner gelost.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, natürlich. Die Gewinne werden von X-Verleih zur Verfügung gestellt, diese versenden sie auch. Viel Glück wünsche ich.

Film: Vielleicht lieber morgen

Samstag hatte ich das Glück, „Vielleicht lieber morgen“ in der Preview zu sehen, bevor er am kommenden Donnerstag offiziell anläuft. Da aber alle Welt dann über den neuen James Bond schreiben wird, kann ich ein bisschen über diesen schreiben. Mir ist das Buch zum Film – sowohl als englisch, als auch auf deutsch – schon in der Buchhandlung aufgefallen und war deshalb umso erfreuter, den Film zu sehen.

Zum Inhalt:

Charlie kommt auf die Highschool. Und Charlie ist die Art Mensch, die sich eher durch die Highschool kämpfen müssen, als sie genießen zu können. Aber Charlie kämpft sich eh schon durch sein Leben, hat doch sein bester Freund im letzten Jahr Selbstmord begangen. Charlie hat Glück, er lernt die Stiefgeschwister Sam und Patrick kennen. Die beiden nehmen ihn unter die Fittiche und bringen ihm dem echten Leben näher. In all seinen Einzelheiten, wie der guten Musik, den Drogen und natürlich diesem Ding namens Liebe. Und Charlie merkt, dass der Kampf durch das Leben nicht wirklich leichter wird.

Ich habe das Buch nicht gelesen. Das kann man mir anlasten, aber ich glaube, damit gehöre ich zum größten Teil der Leute, die den Film sehen werden. Einerseits ist der Film ein typischer Teeniefilm mit all seinen Vor- und Nachteilen. Andererseits ist der Film in den 90ern angesiedelt, mit all der guten Musik der Jahrzehnte zuvor und ohne modernen Schnickschnack wie Facebook und Smartphones. Und dann sind da noch die echt guten Schauspieler. Ich mag Emma Watson in diesem Film sehr.

Für mich leidet der Film sehr darunter, dass er zu viel unterzubringen versucht. Sex, Drogen, psychische Probleme, sexuelle Belästigung und Homosexualität, nur um mal ein paar zu nennen. Ich kann mir gut vorstellen, dass im Buch alles besser zusammenpasst. Im Film wird viel zur angerissen und angedeutet, was das gesamte Machwerk wie all die Charaktere vage macht. Sehr schade.

Dazu kommt: Die offensichtliche Zielgruppe dieses Films – Teenies – kennt weder die Musik aus dem Film, noch die Art, zu leben. Sie kann den Film nicht verstehen! Oder wieviele 14 bis 16jährige kennen denn die Rocky Horror Picture Show?

Vielleicht lieber morgen ist ein schöner Film, der von seiner Zielgruppe erstmal erwischt werden muss. Und grundsätzlich hoffe ich, dass der Film, wenn man das Buch kennt, einfach nochmal um einiges besser funktioniert. Ab 1. November dann offiziell hoffentlich auch bei euch im Kino.

Achja und als  Beispiel echt schlechter deutscher Marketingarbeit: Vielleicht lieber morgen heißt im englischen „The perks of being a wallflower“ (auf deutsch etwa: „Die Vorzüge, ein Mauerblümchen zu sein“. Mal abgesehen davon, dass der Titel einfach viel schöner ist, die erste deutsche Buchausgabe kam unter dem Titel „Vielleicht lieber morgen“ heraus. Das war 1999. 2011 wird das Buch neu veröffentlicht unter dem Titel „Das also ist mein Leben“. 2012 kommt der Film raus und nutzt den Titel von vor 13 Jahren. Wenn da nicht gerade der Aufkleber auf dem Buch drauf ist, wie bitte soll man dann herausfinden, dass das zusammengehört? Selbst die Filmhomepage kommt damit nicht ganz klar:

VIELLEICHT LIEBER MORGEN ist die Verfilmung des gleichnamigen Briefromans, der hierzulande auch unter dem Titel „Das also ist mein Leben“ bekannt ist.

Ein echt verquerer Satz. Ich würde gern wissen, wer für all die verschiedenen Namen verantwortlich ist. Soviel zur deutschen Marketingarbeit und zu „Vielleicht lieber morgen“ für heute. Viel Spaß beim ansehen wünsche ich!

PS: Es kommen Schreibmaschinen vor.

Das Bahn-Seminar: Vom Text zum Film zum Aufkleber

Das ist doch ein schönes Beispiel, wie eine Idee verschiedene Formate durchläuft. Angefangen hat es mit meinem Text Das U-Bahn-Seminar. Wie es zu diesem kam, findet man in den Textgedanken zum Text.

Die Idee ist, aus dem alltäglichen Trott durch dieses unverhoffte Seminar auszubrechen und vielleicht jemanden zum Lächeln zu bringen.

2011 wurde die Geschichte von zwei jungen Frauen verfilmt. Der Kurzfilm „Das Bahneseminar“ wurde nominiert für den Jugendfilmpreis 2011 Baden-Württemberg und ist auf Youtube zu sehen. In der Filmbeschreibung steht:

Es ist ein Morgen wie jeder andere in der Haupstadt der Anonymität.
Die Bahn kommt und der Arbeitstag beginnt.
Doch wer sind eigentlich die anderen, die Dir gegenübersitzen?
Und wer bist Du in ihren Köpfen?

Einem feinen Kopf gefiel der Film und vor allem diese Beschreibung so sehr, dass er sie wieder in die Welt entlassen wollte. Deshalb kursieren mittlerweile die oben zu sehenden Aufkleber mit dem Spruch. Toll, wie die Grundidee sich hält und sich in den verschiedenen Formaten verändert und weiterentwickelt. Mal sehen was der nächste Schritt sein wird.

Meine persönlichen Buch/Film/Musik-Highlights in 2011

sf fragte:

..was war denn für dich dein persönliches “buch des jahres 2011″ ?…

Es folgen ein paar mehr oder weniger lange Listen von Dingen, die ich in diesem Jahr genossen habe.

Buch (die Reihenfolge ist nicht relevant)

Hörbuch (die Reihenfolge ist nicht relevant)
Film (die Reihenfolge ist nicht relevant)
  • Kick-Ass
  • In Time
  • Attack the Block
  • Colombiana
  • X-Men: Erste Entscheidung
Musik (die Reihenfolge.. ihr wisst schon)
  • Dick Brave
  • Mumford and Sons
  • Philipp Poisel
Was ist mit euch?

Film: Gamer

Gamer lief gestern durch meinen Player. Schöner Film, schnelle Kamerafahrten, krasse Bilder und Gedankengänge. Verbindet „Die Sims“ und Stephen Kings „Menschenjagd“ in einer nicht allzu fernen möglichen Zukunft. Wenn ihr mal die Möglichkeit habt, seht ihn euch mal an.

Mit dabei unter anderem Michael C. Hall, vielen bekannt als „Dexter“. Eine Szene muss ich euch nun zeigen, eine Tanznummer zu „I got you under my skin“ von Sammy Davis Junior. Hall ist großartig darin. Leider nicht einbettbar, deshalb hier.

 

„Das Bahnseminar“ wurde für den Jugendfilmpreis 2011 Baden-Württemberg nominiert

Der im Rahmen des Seminarkurses „Film“ 2010/11 entstandene Film wird am 03. Dezember 2011 auf dem Jugendfilmpreis-Festival in Stuttgart gezeigt.

Die zwei Schülerinnen des Hohenstaufen-Gymnasiums Franziska Heinrich und Esther Brechlin lernten bei einem Poetry-Slam-Abend auf den Jugendmedientagen 2010 den 24-jährigen Schriftsteller Fabian Neidhardt kennen.

Seine Kurzgeschichte „Das U-Bahn-Seminar“ beeindruckte die zwei Schülerinnen derart, dass Sie sich entschlossen, ihn im Rahmen des Seminarkurses zu verfilmen.

Der Film „Das Bahnseminar“ überzeugte schon die Seminarkursleiter Herr Bunte und Herr Hellstern, nun auch die Leiter des Jugendfilmpreises , welche ihn zur Teilnahme am Wettbewerb auswählten. Das Festival findet vom 01. bis 04. Dezember 2011 im Metropolkino der Innenstadtkinos Stuttgart statt. Das Bahnseminar wird am 03. Dezember 2011 im Block 4 in der Zeit von 16.00 bis 18.00 Uhr gezeigt. Die Preisverleihung findet am 04. Dezember 2011 im Metropolkino statt.

Wir wünschen den jungen Filmemacherinnen viel Erfolg.

Eigentlich wollte ich diese Neuigkeit zurückhalten, bis der Film selbst auch online ist, aber wenn es jetzt schon auf der Seite des Gymnasiums steht, dann kann ichs auch schon veröffentlichen. Ironie, dass die Seite des Jugendfilmpreises mit dem gleichen Design arbeitet, dass ich früher auch hatte. Wenn das jemand haben will, es heißt „Desk Mess

„Babydaddy“ kommt erst im April 2012 ins Kino. Als „Einer wie Bruno“.

Das aktuelle Plakat

Vor knapp einem Jahr war ich beim Filmdreh für „Babydaddy“ dabei. Hatte damals auch Christian kennengelernt. War eine schöne Erfahrung damals und irgendwann hatte ich die Info, dass der Film Ende des Jahres in die Kinos kommen soll. Christian schrieb mir in den Kommentaren, dass sich sowohl das Releasedatum, als auch der Name geändert haben. Der Film nunmehr „Einer wie Bruno“ und wird erst am 12.04.2012 ins Kino kommen.

Der Inhalt:

Christian Ulmen (Mein neuer Freund, Männerherzen, Maria, ihm schmeckt’s nicht!) spielt einen geistig zurückgebliebenen Vater, der von seiner Tochter langsam geistig überholt wird und sich dadurch die Vater – Tochter Rollen tauschen. Dazu kommt dann noch die Pupertät und die erste Liebe der 13jährigen.

Erinnerte mich schon damals an „Ich bin Sam“ von 2001 und die Titeländerung macht das nicht gerade besser. Mal sehen, ob der fertige Film das noch ändert.