Buch: Tough Sh*t von Kevin Smith

Der erste Satz aus Tough Sh*t:

Hallo, ich bin Kevin Smith, das Produkt der Eier von Don Smith.

Kevin Smith ist Filmemacher (Dogma, Chasing Amy, Clerks) und Schauspieler (Silent Bob) mit einer rebellischen Einstellung zu Hollywood und Blockbusterfilmen. Dass man es als Indy-Filmemacher nicht leicht hat und ziemlich viel krasses Zeug erlebt, kann man sich vorstellen. Und Kevin erzählt in Tough Sh*tgenau diese krassen Sachen und seinen Werdegang vom Filmgeek zum Filmemacher.

Der Anfang ist heftig. Die Widmung und das erste Kapitel sind skurril und latent eklig. Mir kommt es vor, als ob Kevin versucht, da eine Sperre für biedere Menschen einzubauen. Das heftigste zuerst, damit unpassende Leser gar nicht erst weiterlesen. Wer weiterliest, kann sich amüsieren.

Aber gleichzeitig ist dieser Einstieg auch mein Grund für ein maues Gefühl, nachdem ich mit dem Buch durch war. Smith setzt mit seinem krassen Einstieg die Latte für die folgenden Geschichten sehr hoch – und kann sie meiner Meinung nach nicht erreichen. Nach diesem Einstieg war der Rest des Buches zwar okay, aber nicht so gut, wie erwartet. Heyne hat das ja ganz klug gemacht mit der der Heyne Hardcore-Sparte. Hier kann man all die Bücher veröffentlichen, die für das normale Publikum zu heftig sein könnten. Die Romane von John Niven erscheinen in Deutschland beispielsweise dort. Aber abgesehen vom Einstieg, hätte man Tough Sh*t auch überall anders veröffentlichen können. Dieses Buch kann also auch enttäuschen. Und hat mich auch ein wenig enttäuscht. Dennoch:

Wenn man seine Filme kennt und mag, ist das Buch ein toller Einblick und Hintergrundbericht. Kevin schreibt flüssig und lustig, man kann die 334 Seiten gut runterlesen. Wer noch nie etwas von Kevin gehört hat, wird vom Einstieg eh abgeschreckt sein.

Tough Sh*t von Kevin Smith erschien bei Heyne Harcore und wurde übersetzt von Daniel Müller.

Buch: Das also ist mein Leben von Stephen Chbosky

Der erste Satz aus Das also ist mein Leben:

Lieber Freund,
ich schreibe Dir, weil sie meinte, dass Du zuhörst und verstehst und nicht versucht hast, auf dieser Party mit einer bestimmten Person zu schlafen, obwohl Du das gekonnt hättest.

Nachdem ich den andersnamigen aber dennoch zum Roman gehörendem Film gesehen hatte, wollte ich das Buch lesen. Getan! Und meine damaligen Hoffnungen haben sich erfüllt. Die Story ist die gleiche:

Charlie kommt auf die Highschool. Und Charlie ist die Art Mensch, die sich eher durch die Highschool kämpfen müssen, als sie genießen zu können. Aber Charlie kämpft sich eh schon durch sein Leben, hat doch sein bester Freund im letzten Jahr Selbstmord begangen. Charlie hat Glück, er lernt die Stiefgeschwister Sam und Patrick kennen. Die beiden nehmen ihn unter die Fittiche und bringen ihm dem echten Leben näher. In all seinen Einzelheiten, wie der guten Musik, den Drogen und natürlich diesem Ding namens Liebe. Und Charlie merkt, dass der Kampf durch das Leben nicht wirklich leichter wird.

Charlie ist ja 15. also ein Jahr älter als meine Schwester. Und ich bin 12 Jahre älter als diese. Besonders am Anfang liest sich das Buch auch wirklich wie die Beschreibungen eines kleinen Jungen. Aber im Laufe des Buches entwickelt man so etwas wie eine Meta-Ebene. Und bemerkt, dass es zwar die Worte eines fünzehnjährigen sind. Die Wahrheiten darunter aber zumindest zehn Jahre später immer noch genauso gültig sind. Das Buch liest sich schnell und gut. Es macht Spaß. Wirft Fragen auf, bestätigt in manchen Einstellungen und hinterlässt nach dem Lesen ein gutes Gefühl. Das also ist mein Leben ist ein Buch über das Erwachsenwerden, um die Liebe und so generell über das Leben. Und wenn man davor den Film sieht – der unter dem Namen „Vielleicht lieber morgen“ läuft – dann passen die Charaktere sehr gut rein.

Das also ist mein Leben von Stephen Chbosky erschien bei Heyne und wurde übersetzt Oliver Plaschka.

Buch: The Walking Dead von Robert Kirkman

Ich habe noch keinen Comic aus Robert Kirkmans Reihe „The Walking Dead“ gelesen. Aber ich habe die beiden existierenden Staffeln der dazugehörigen Serie gesehen. Deshalb kenne ich das Universum ein bisschen. Aber nicht vollständig. Und jetzt da also der erste Roman aus dem Universum da – The Walking Dead Nein, es ist weder ein Roman zur Serie (wie es auf dem Cover steht), noch ein Roman zum Comic. Es erzählt nicht die gleiche Geschichte nochmal, sondern eine andere Geschichte aus dem selben Universum. Ähnlich wie es beim Expanded Universe vom Star Wars der Fall ist, wird in diesem Roman die Vorgeschichte eines Charakters erzählt. In diesem Fall die des Governor. Dieser kommt in den Comics und in der Serie vor, aber dort erst ab der noch nicht ausgestrahlten dritten Staffel. Ich kenne ihn also noch nicht. Aber – und das ist das Coole daran – der Roman mach dennoch Spaß. Es ist eine sehr visuell geschriebene Geschichte, eine blutige, actionreiche Story, die sich gut runterlesen lässt. Ich habe keine tiefphilosophischen Abhandlungen erwartet und bin nicht enttäuscht worden. Robert Kirkman hat sich für den Roman Hilfe von Jay Bonansinga geholt, der normalerweise mit Thrillern aufwartet. Diese Combo funktioniert. Und es ist offensichtlich, dass der Roman als Auftakt für eine ganze Reihe von Romanen gedacht ist, die Story endet offen. Umso unpassender, dass der deutsche Titel nur The Walking Dead ist. Wie soll denn dann der nächste heißen? Und der Untertitel als auch der Klappentext führen mehr von dem Roman weg, als zu ihm hin. Das deutsche Marketing gefällt mir also gar nicht. Aber die Geschichte ist dennoch spannend zu lesen. Und für Kenner der Serie und des gesamten Universums wahrscheinlich umso mehr. Aber eben auch für Neulinge wie mich.

The Walking Dead von Robert Kirkman und Jay Bonansinga erschien bei Heyne und wurde übersetzt von Wally Anker.

Hörbuch: Der Anschlag von Stephen King, gelesen von David Nathan

Da sitze ich also Freitag Nacht mit Kopfhörern am Tisch und esse und höre mir die letzten Kapitel von „Der Anschlag“ an. Gänsehaut!

Stephen King hat schon mit vielen anderen Romanen mein herz erwärmt und mich für lange Zeit unterhalten, wie auch mit dem letzten, „Die Arena„. Und wie genau beim letzten mal ist hier auch das schlechteste am Roman der deutsche Name. Der englische Name ist 11/22/63, das Datum vom Attentat auf John F. Kennedy. Hier meine Überlegung, wie der deutsche Verlag auf den Namen gekommen ist:

A: Ich glaube nicht, dass das deutsche Publikum weiß, was am 22.11.1963 passiert ist. Wir müssen den Namen ändern.

B: Ja, außerdem haben wir seit ein paar Romanen bei Stephen Kind die Angewohnheit, die Titel auf ein bis zwei Worte runterzukürzen: Die Arena, Wahn oder Love.

A: Wie wäre es mit „Das Attentat“? Es war ja auch ein Attentat auf Kennedy.

B: Ja, wäre ein guter Name, aber den haben wir schonmal benutzt.

A: Wann? Wo?

B: 1987. Dead Zone – Das Attentat.

A: Ach kacke, warum konnten wir damals nicht einfach den Originalnamen lassen?

B: Weiß ich nicht, aber wir brauchen nun einen neuen Namen für dieses Buch.

A: Was gibt es denn für Synonyme für „Attentat“?

B: Anschlag?

A: Gibt’s schon ein Buch namens „Der Anschlag?“

B: Ne, nur ein paar Filme.

A: Gut, dann nennen wir es der Anschlag.

So ähnlich muss das meiner Meinung nach abgelaufen sein. Das wundert mich bei jedem Buch erneut. Und das nicht nur bei Stephen King. Aber zurück zum Buch. Die Story:

Durch ein Wurmloch gelangt der Englischlehrer Jake Epping in die Vergangenheit und versucht, den Anschlag auf John F. Kennedy zu verhindern.

Unglaublich gut! Zeitreisen sind nicht neu und immer wieder wird man an Filme und Bücher wie Replay und Butterfly Effect erinnert, aber die Geschichte ist toll erzählt und nimmt extrem schöne Endungen und nimmt Stephen King noch ein Stück weiter aus der Horror Ecke heraus. Ich gehe sogar so weit, zu sagen: Der Anschlag ist der schönste Liebesroman, den ich in diesem Jahr bisher gelesen habe! Ohne Witz!

Dazu kommt natürlich auch die Spreche von David Nathan. Ich kann ihm Stunden zuhören! In diesem Fall knapp 32 Stunden.

Ob als 1000 Seiten Buch oder als Hörbuch, dieser Roman ist unglaublich empfehlenswert!

Der Anschlag von Stephen King wurde übersetzt von Wulf Bergner und erschien bei Heyne. Das ungekürzte Hörbuch wurde von David Nathan gelesen und erschien bei Random House Audio.

Buch: Stadt der Diebe von David Benioff in der Heyne Pocket Edition

Ich war in Karlsruhe in einer Buchhandlung unterwegs. Immer gefährlich, weil das immer teuer werden kann. Eine Freundin hat plötzlich eines dieser kleiner Bücher. Von Heyne. Heyne Pocket steht in der linken unteren Ecke. Ich bin erstmal mehr von dem Format als von Inhalt begeistert.

Vielleicht halb so groß wie ein normales Taschenbuch und man blättert nach oben! Das offizielle Video von Heyne gibt euch da einen Überblick drüber.

Ich muss ehrlich sagen, das Video ist nicht so gut gemacht, aber man sieht, was ich meine. Ich habe das also in Buchhandlung gesehen, mich darüber online informiert und dann mir eines der Bücher besorgt: Stadt der Diebe von David Benioff.

Im belagerten und ausgehungerten Leningrad im Jahr 1942 sollen zwei junge Menschen, Kolja und Lew, hingerichtet werden. Der eine, weil er geplündert hat, der andere, weil er desertiert ist. Aber statt zum Schafott  werden sie zum Chef des Geheimdienstes gebracht, der ihnen einen Deal vorschlägt: Wenn sie innerhalb der nächsten Tage für die Hochzeit seiner Tochter ein Duzend Eier finden, dürfen sie leben. Ansonsten werden sie hingerichtet.

Ein unglaublich geiles Buch! Es ist spannend, lustig, ängstigend und auch unglaublich. Aber dadurch eben extrem schön. Eine sehr sehr tolle Story. Mehr will ich gar nicht sagen.

Zurück zum Pocket Format. Ich hatte vor ein paar Monaten mal Populärmusik aus Vittula als besonderes Taschenbuch vorgestellt. Heyne versucht auch, Taschenbücher tatsächlich Taschenbuchmäßig zu machen, geht aber einen anderen Ansatz. Wie gesagt, das Buch ist halb so hoch, aber kaum dicker als das normale Taschenbuch. Die Schriftgröße ist die Gleiche. Das wird vor allem bewerkstelligt, dass das Papier viel dünner geworden ist. Kennt ihr englische Bücher? Diese haben oft so ein dünnes Papier. Das fühlt sich minderwertiger an und man sieht oft den Text auf der anderen Seite durchscheinen. Aber das schlimmste ist das umblättern! Es ist für die Finger eh schon ganz komisch, das Buch von unten nach oben zu blättern, statt zu der Seite. Und dann noch dieses dünne Papier! Darüber habe ich oft geflucht.

Die Motiviation von Heyne ist toll, aber an der Umsetzung hapert es meiner Meinung nach sehr. Dann doch lieber ein normales Taschenbuch.

Stadt der Diebe von David Benioff ist erschienen bei Heyne in der normalen Version und in der Heyne Pocket Version. ( Die normale Version ist 5 Cent billiger, gibt sich also nichts.) Übersetzerin ist Ursula-Maria Mössner.

Buch: Replay von Ken Grimwood

Vielleicht kennen einige von euch den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und werden deshalb gleich sagen, „Hej, der Inhalt des Buches kommt mir bekannt vor.“ Deshalb komme ich euch zuvor und sage: „Yo, Regisseur Harold Ramis hat sich von Replay inspirieren lassen.“

Für alle, welche den Film nicht kennen, hier der Inhalt des Buches:

Jeff stirbt an seinem 42. (!) Geburtstag an einem Herzinfarkt. Und kommt kurz darauf als 18jähriger wieder zu sich. Nach kurzer Zeit der Verwirrung lebt er sein Leben nochmal. Durch sein Vorwissen ist es ein reiches und interessantes Leben. Ein Leben, welches wieder mit 42 (!) endet. Und wieder wacht er mit 18 auf.

So richtig spannend wird die Geschichte dann, als Jeff merkt, dass es nicht der einzige ist, der sein Leben wiederholt lebt.

Ich glaube, ich habe nichtmal zwei Tage gebraucht, um Replay durchzulesen. Ken Grimwood schreibt mit flotten Worten und tollen Ideen, die 410 Seiten liest man schnell und flüssig und man denkt auch noch eine ganze Weile darüber nach, was man alles tun würde, würde man sein Leben nochmal erleben dürfen.

Tragische Ironie, dass Grimwood 2003 selbst durch einen Herzinfakrt starb.