Bericht: #D17, #Deutschlandspricht, ein Experiment von Zeit Online

Auf dem Z2X-Festival in Stuttgart unterhielt ich mich eine kurze Zeit mit Jochen Wegner, Chefredakteur von Zeit Online. Dabei erzählte er von diesem Experiment, bei dem sie versuchen wollten, Menschen mit verschiedenen Einstellungen zusammenzubringen. Kurz darauf erschien der erste Aufruf zu #D17, Deutschland spricht.

Warum wir #D17 starten

Zeit Online rief auf, sich am gestrigen Sonntag ein paar Stunden Zeit zu nehmen, ein paar Fragen mit Ja oder Nein zu beantworten (Hat Deutschland zu viele Flüchtlinge aufgenommen? Soll Deutschland zur D-Mark zurückkehren? Sollen homosexuelle Paare heiraten dürfen? War der Ausstieg aus der Atomenergie richtig? Geht der Westen fair mit Russland um?) und dann den Willen und die Offenheit zu haben, sich mit jemandem zu unterhalten, der in mindestens einer Frage anderer Meinung ist.

Natürlich machte ich mit. Ich klickte Nein und Ja und bestätigte nach ein paar Wochen meine Bereitschaft, mich mit Jan zu treffen und traf ihn dann. Unsere Differenz war die Russlandfrage. Die einzige Frage, die ich nicht ohne zu zögern beantworten konnte und dann, auch in Erinnerungen an meine Erfahrungen in Polen vor zwei Jahren, mit einer guten Prise Polemik mit Nein beantwortete. Jan offensichtlich mit Ja. Ich freute mich auf das Treffen, aber ich ahnte, dass wir uns nun keine hitzige Diskussion liefern würden. Waren wir uns doch bei den meisten Fragen einig. Und die Frage, bei der nicht, war ich nicht so standfest, wie bei den anderen. In der Mail an die ZeitOnline-Redaktion schrieb Jan:

Denn eine hitzige Diskussion hatten wir nicht. Nachdem wir uns im Smalltak über Beruf und Hintergründe des jeweils anderen ausgetauscht hatten, gingen wir zum möglichen Spannungsfeld der Diskussion über: Der Umgang mit Russland.

Recht schnell merkten wir, dass es weniger um gegensätzliche Meinungen als eher um einen Erfahrungsaustausch der jüngeren deutschen Geschichte und der Rolle, die Russland dabei spielte, ging. 

Unsere unterschiedlichen Biographien, sowohl geographisch, als auch im Alter, brachten so manch kleine Anekdote zu tage und verschaffte dem jeweils anderen eine weiteres Puzzleteil zu dieser Thematik.

Besser kann ich es nicht formulieren. Im Nachklapp sah ich auf den Ergebnisseiten der Zeit, dass ich mit meinen Antworten auch immer zur Mehrheit derer gehöre, die mitgemacht haben. Wäre also schwer gewesen, jemanden zu finden, der bei kontroverseren Fragen anderer Meinung ist. Und zumindest hatten sich 12.000 Menschen registriert.

Trotz eines sehr harmonischen Treffens mag ich diese Idee und bin gespannt, was daraus in den Folgejahren wird. Und, ich kenne jemand Neuen. Wenn es das nicht wert war. In diesem Sinne: Danke. Und: Gerne wieder.