Gedichte: Hold Your Own von Kate Tempest

Lesestoff: Hold Your Own von Kate Tempest. #amreading #katetempest #suhrkamp #nofilter #lyrik #bookstagram #books

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Die erste Strophe aus Hold Your Own:

Picture the scene:
A boy fifteen.
With the usual dreams
And the usual routine.

Lyrik und ich, wir werden echt selten warm. In meinem Sprechkunststudium bin ich immer wieder mit ihnen in Kontakt gekommen. Wenn es gefunkt hat, dann richtig. Aber das passiert eben nicht oft. Ich möchte Geschichten lesen und diese fehlen mir bei Lyrik oft. Ich habe Hold Your Own gelesen, weil ich von dem Roman von Kate Tempest sehr mochte. Ich weiß von ihren Songs, dass dort die Protagonisten des Romans wieder auftauchen. Ich hoffte, das sei auch hier der Fall. Ist es nicht, zumindest nicht direkt. Aber man liest aus ihren Gedichten das selbe Milieu heraus, die gleichen Probleme, die gleichen Themen.

Aber eben in Gedichten. Wenn ich die Geschichte in ihnen finde, funktioniert das für mich. In seltenen Fällen, wenn ich nur die Atmosphäre spüre. Es gibt Sätze, Passagen oder ganze Gedichte, die ich mag.

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Aber größtenteils bin ich darauf zurückgeworfen, wenigstens den Flow zu spüren, den Rhythmus, der den Originalfassungen so stark inne wohnt, dass man nicht drumherum kommt, ihn zu spüren. Dies ist das Tolle an dieser Version: Man bekommt die Originalfassung neben der deutschen Übersetzung. Leider kommt diese überhaupt nicht an das Original ran. Ich ahne, wie schwer Lyrikübersetzungen sind. Diese reicht, um mal etwas nachzusehen, was man im englischen nicht versteht, aber sie ist in keiner Hinsicht ein Ersatz.

Ich werde mir wohl keine Gedichte mehr von Kate Tempest durchlesen, da warte ich lieber auf ihren nächsten Roman.

Hold Your Own von Kate Tempest wurde übersetzt von Johanna Wange und erschien bei suhrkamp. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Roman: Worauf du dich verlassen kannst von Kate Tempest

Der erste Absatz aus Worauf du dich verlassen kannst:

Es kriecht dir in die Knochen. Du merkst es nicht mal. Erst, wenn du daran entlangfährst, das immer schon Vertraute vorbeigleiten und zurückbleiben siehst.

Plötzlich war Kate Tempest auf meinem Radar. Der Name führte über einen Spoken Word Text zu diesem Roman. Bevor wir über den Inhalt reden, erstmal die Form. Die ist nämlich unglaublich geil. Okay, ich verstehe den Dinosaurier auch nach dem Lesen nicht, aber das minimale Cover ohne Schutzumschlag, das Gefühl, dieses Buch in der Hand zu halten und es aufzuschlagen, ich liebe es. Das Buch hat eine Fadenbindung und einen geraden Buchrücken und wenn ich es aufschlage, liegt es flach auf dem Tisch. Ich bin total begeistert.

Was in der Form beginnt, geht im Inhalt weiter. Das Intro liest sich wie ein Spoken Word Text, ein Rap in Prosaform und die Beats springen mir entgegen, was mir erstmal schwerfällt und mich verwirrt. Danach wird es besser, entweder sind die Beats schwächer oder ich habe mich an sie gewöhnt.

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Kate Tempest erzählt einen Ausschnitt aus dem Leben in London, mit vielen Geschichten und Ereignissen und Menschen, deren Wege irgendwann immer zusammenfinden. Sie erzählt mit einem detaillierten auktorialen Erzähler, der extrem nah an den Figuren ist. Ich lese nicht nur abwechselnd die Gedanken und Gefühle der vier Protagonisten, ich kenne ihre Familie bis zu den Großeltern, ich weiß, warum die Eltern sich wie verhalten haben und verstehe, warum sich die Protagonisten verhalten, wie sie es tun. Ich muss es nicht akzeptieren oder gar gut heißen, aber ich kann es nachvollziehen.

Mehr noch, ich will es verfolgen. Obwohl es verwirrend und anstrengend ist und Kate Tempest von Person zu Person, von Gefühl zu Gegengefühl springt, will ich dabei sein. Obwohl ich mein Problem mit Geschichten über Drogen habe und sie meist als Attitüde und Lebensstil lese, der nicht meiner ist, geht es mir hier anders.

Ich brauche eine ganze Weile, bis ich die Geschichten verstehe und wer wie zusammengehört. Aber dann folge ich ihnen und will mehr wissen, selbst, als das Buch zu Ende ist. Dann sitze ich enttäuscht da. Lese den Anfang nochmal. Schade, dass es nicht weitergeht. Aber hej, genau das ist es, ein Ausschnitt aus dem Leben. Es gäbe keinen guten Punkt, um auszusteigen.

Und wir steigen auch nicht wirklich aus, denn Kate Tempest verschränkt ihre Künste. Das heißt, die Geschichten ihrer Protagonisten gehen in ihren Liedern und Gedichten weiter. Und vielleicht, hoffentlich, irgendwann in einem neuen Roman.

Worauf du dich verlassen kannst ist ein dichter, intensiver Roman, in dem man sich erst zurechtfinden muss und dann nicht mehr raus will. Gerne mehr davon.

Worauf du dich verlassen kannst (Originaltitel: The Bricks that Built the Houses) von Kate Tempest wurde übersetzt von Karl und Stella Umlaut und erschien bei rowohlt. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.