Roman: Nachts ist es leise in Teheran von Shida Bazyar

Neuer Lesestoff: Nachts ist es leise in Teheran von Shida Bazyar. #amreading #nofilter #kiwi #dasdebut #debut #lis

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Der erste Satz aus Nachts ist es leise in Teheran:

König der Könige haben sie ihn genannt und gesagt, Wir feiern ihnm wir feiern seine Frau, die Schönheit, sie haben gesagt, Wir lieben dieses Land und dann haben wir gesagt, Wir lieben dieses Land.

Die Geschichte einer Familie, die aus dem Iran nach Deutschland fliehen muss, in vier Akten, die 40 Jahre überbrücken und aus der Sicht vier verschiedener Familienmitglieder. Das ist der Roman in einem Satz.

Dahinter stecken aber rund 280 Seiten, die mir ein Land und eine Kultur gezeigt haben, die ich kaum kenne. Dabei setzt Bazyar die Möglichkeiten, die sie durch ihre Erzählstruktur hat, extrem gut ein. So ist jeder Akt nicht nur in seiner eigenen überzeugenden Sprache geschrieben, sondern auch aus einer anderen Lebenseinstellung. Das heißt, ich kriege nicht nur eine Version des Irans, ich bekomme vier. Und damit ein Spektrum an Wahrnehmung und Einschätzung die mir sagt, dass es nicht den Iran, die Kultur oder gar den Islam gibt, sondern eben so viele, wie es Menschen gibt. Natürlich, das ist nichts Neues und war mir eigentlich schon vorher klar, aber es ist gut. Immer mal wieder daran erinnert zu werden.

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Ich musste beim Lesen an Am Ende bleiben die Zedern denken und an Taqwacore, an Blauschmuck und an türkische Freunde, die mir damals schon nahe gebracht haben, wie es ist, zwischen zwei Kulturen zu leben. Ich habe viel über Teheran und den Iran gelernt, aber auch viel gelesen, was mir nicht neu war. Es trotzdem immer wieder auf verschiedene Arten vermittelt zu bekommen, ist gut. Hier liegt auch die Stärke von Shida Bazyar, die übrigens auch in Hildesheim studiert hat, in jedem Abschnitt vermittelt sie auf andere Arten. Manchmal brauche ich, um von der Atmosphäre eingefangen zu werden, manchmal bin ich direkt drin. Als Geschichte im gesamten habe ich Nachts ist es leise in Teheran gern gelesen und freue mich auf Bazyars nächsten Roman. Achja, und: Extrem schönes und durchdachtes Cover. Nach der Lektüre des Romanes umso mehr.

Nachts ist es leise in Teheran von Shida Bazyar erschien bei Kiepenheuer & Witsch. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

 

 

Buch: So was von da von Tino Hanekamp

Meine Geschichte dazu: Gehe in der Jahreszeit mit dem unpassenden Namen „Sommer“ durch eine Buchhandlung, um Bücher nach ihrem Cover zu beurteilen. Bei So was von da bleibe ich stehen. Ein geiles minimalistisches Cover. Da steh‘ ich derzeit sehr drauf. Schlage das Buch auf und sehe im Inneren das Bild von Tino Hanekamp. Schwarz gekleidet, Haare gegeelt, Kippe im Mund, Banane in der Brusttasche. Ich muss sagen, irgendwie wirkt der Mann auf dem Bild ein bisschen arrogant.

Zwei Wochen später bin ich bei einer Freundin in Karlsruhe. Und da demnächst eine Lesung von Hanekamp zu eben diesem Roman in Karlsruhe sein wird, hängt in jeder passenden Buchhandlung ein Bild von dem Buch und ihm in RIESIG. Und wie ich so das Bild so oft sehe, empfinde ich das Bild schon als ziemlich arrogant.

Wiederrum ein paar Monate später aber drückt ein Freund mir das Buch in die Hand. Ich bin fasziniert, wie es seinen Weg zu mir findet. Schlage es auf. Sehe das Bild wieder und bin angefressen. Beginne mit Lesen und bin begeistert. Wirklich!

Die Geschichte von Oskar Wrobel und die letzte Nacht seines eigenen Clubs in Hamburg. Auch noch eine Silvesternacht. Es beginnt nach dem Sex und geht über Drugs und Rock’n’Roll zu 15 Seiten Nichts.

Geil geschrieben. Geile Ideen, geile Story, geile Worte. So arrogant er auf dem Bild auf mich wirkt, Tino Hanekamp hat ein geiles, lesenswertes Buch geschrieben.

Der einzige Wermutstropfen: Ich zitiere mich:

Peter Renz sagte mir mal, dass das Ende einer Geschichte immer Licht oder Schatten über die gesamte Geschichte wirft.

Nach den 15 Seiten Nichts kommt ein sowas von erzwungenes Happy End, welches einen so großen Schatten über das Buch wirft, dass es einem echt viel verleiden kann. Wenn ihr also bei dem Nichts ankommt beim lesen, dann bleibt dabei. Lest nicht weiter.

So was von da von Tino Hanekamp, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch