Bilderbuch: Schieb den Wal zurück ins Meer! von Sophie Schoenwald und Lea Johanna Becker

Denn es war so: Ich stand am Strand und vor mir lag ein Wal.
Er lebte noch, ich war allein, es war so eine Qual.
Ich bin nicht der Stärkste, das Tier war tonnenschwer,
Und die Wellen haben gerufen
Schieb den Wal zurück ins Meer!

Aus „Walkampf“ von den Toten Hosen

Zuerst musste ich an die Toten Hosen denken. Dann an Frederick. Schieb den Wal zurück ins Meer ist eine Mischung aus beidem, die Geschichte einer kleinen Maus, die versucht, den Wal zurück ins Meer zu bekommen. Eine Geschichte über die Möglichkeit des Unmöglichen. Über Zusammenhalt und Respekt.

Sophie Schoenwald hat sich bei diesem Buch für gereimten Text entschieden. Ich habe meine großen Probleme mit Lyrik und es gibt nur wenige leuchtende Beispiele, die für mich funktionieren. In diesem Fall ist die Geschichte als Gedicht ganz nett, ich glaube, ohne den aufgesetzten Rahmen, dass sich alles reimen muss, hätte es noch feiner, noch passender werden können. Aber in diesem Buch ist der Text auch nur Nebensache.

Schieb den Wal zurück ins Meer ist das erste Ergebnis des Boje Förderprojektes für junge Illustratoren, bei dem Kommunikationsdesignstudierende der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin um den Text ihre Illustrationen bauen konnten. Die Version von Lea Johanna Becker wurde gedruckt, wie das Buch noch hätte werden können, sieht man auf der Seite.

Genauso spannend wie das Buch selbst ist, wie unterschiedliche Köpfe diese Geschichte bebildern. Auffällig bei Lea Johanna Becker finde ich die Lebendigkeit ihrer Scherenschnitte abfotografierter Oberflächen. Ich habe beim Betrachten der Bilder das Gefühl, ein Bild eines Filmes zu sehen, die Bewegung der Tiere, der ganzen Welt zwingt sich mir auf. Ich finde es noch nichtmal die schönsten Illustrationen, aber diese Form von Lebendigkeit finde ich extrem spannend. 

Eine nette Geschichte und faszinierende Illustrationen, ich würde gern wissen, wie ich als Kind darauf reagiert hätte. Und ich freue mich darauf, was durch dieses Förderprojekt sonst noch passiert.

Schieb den Wal zurück ins Meer von Sophie Schoenwald und Lea Johanna Becker erschien bei Boje. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Kinderbuch: Sophiechen und der Riese von Roald Dahl (mit Gewinnspiel!)

Der erste Satz aus Sophiechen und der Riese:

Sophiechen konnte nicht einschlafen.

Ich hatte den Namen Roald Dahl schon gehört, aber ich hatte noch nie etwas von ihm gelesen oder genau gewusst, wer er war. Autor nämlich, von verfilmten Werken wie Mathilda, der fantastische Mr. Fox und Charlie und die Schokoladenfabrik. Und eben auch Sophiechen und der Riese.

Kommenden Donnerstag (21. Juli) kommt der Film unter dem englischen Orginaltitel BFG – BIG FRIENDLY GIANT ins Kino, höchste Zeit, davor das Buch zu lesen.

Sophiechen ist Waisenkind und mir reichen die ersten beiden Seiten, um zu verstehen, dass das kein gutes Waisenhaus ist, in dem Sophiechen ist. Wobei ich mir gar nicht sicher bin, ob es jemals ein gutes Waisenhaus gegeben hat. Aber schon einen kurzen Moment, nachdem wir Sophiechen und das Waisenhaus kennengelernt haben, kommt der Riese am Fenster vorbei und entführt sie. In die Welt der Riesen, die Menschen fressen und böse sind. Nur ihr Riese macht das nicht, denn er ist der Gute Riese, der GuRie. Er sammelt Träume und verteilt sie an Kinder und er muss sich gegen die bösen Riesen zur Wehr setzen. Eine Sache, bei der Sophiechen helfen wird.

http://wasuebrigbleibt.tumblr.com/post/147441493877/was-ich-meine-und-was-ich-sage-sind-zwei

Ja, eine Kindergeschichte, ein Erzähler, der für Kinder erzählt. Aber Roald Dahl eben erzählt hat, immer mit einer guten Prise schwarzem Humor und Derbheit. Es ist kein „Es war einmal Märchen“. Es ist eine phantastische Geschichte, mit sterbenden Menschen und Flüchen und einer klaren Sicht auf die schlechten Seiten des Lebens. Trotzdem bleibt ein Happy End.

Sophiechen und der Riese kam in Deutschland erstmals 1984 auf den Markt und erhielt ein Jahr später den deutschen Jugendliteraturpeis.  Zu Recht. Die Geschichte und die Erzählart haben bis heute nichts von der Faszination eingebüßt. Im Gegenteil, selbst die damalige Übersetzung von Adam Quidam (ein Pseudonym des Lektors Hermann Gieselbusch) strahlt bis heute. Da der Riese nie wirklich in der Schule war, hat er ein einzigartiges Vokabular, das auch im Deutschen extrem viel Spaß macht. Die Zeit schrieb in ihrer Rezension damals:

Wer käme auf Besseres als „menschliche Leberwesen“ für „human beans“ (= human beings) oder als „Spanier schmecken nach Spanferkel“ für „Turks from Turkey ist tasting of turkey“? Da es nicht immer möglich ist, Entsprechungen zu finden, hat sich der Übersetzer vorgenommen, „daß auf jeder Seite ungefähr derselbe Humorpegel erreicht wird.

Dieser Humorpegel hat sich bis heute gehalten. Sophiechen und der Riese ist ein Buch, für das man kein Kind mehr sein muss, um es grandios finden zu können. Es ist witzig und derb und brutal und voller Herz.

Und die in diesem Jahr erschienene neue Auflage des Buches bei Rowohlt ist extrem schön gestaltet, inklusive der originalen Illustrationen von Quentin Blake, an denen sich wiederum der Film orientiert hat.

Gewinnspiel:

Ich verlose 2 mal 2 Freikarten für den zugehörigen Kinofilm. Schreibt mir eine Mail mit eurer Adresse und sagt mir, welches Kinderbuch ihr erst nach eurer Kindheit kennen und lieben gelernt habt. Der Zufall entscheidet dann. Einsendeschluss ist Mittwoch, der 20 Juli, 12 Uhr. Dann gehen die Karten direkt raus. Die Adressen werden für nichts anderes verwendet und direkt danach wieder gelöscht. Viel Erfolg!

Sophiechen und der Riese von Roald Dahl wurde übersetzt von Adam Quidam und erschien bei Rowohlt. Das Rezensionsexemplar und die Freikarten wurden mir zur Verfügung gestellt.

Buch: Der Ernst des Lebens kann mich mal von Michel Birbæk

Das ist es also, das letzte Buch von Michel Birbæk für längere Zeit.

Es war eine schöne Dekade mit 5 Romanen, hunderte Leseshows und tausende Begegnungen, doch nun werde ich eine literarische Atempause einlegen. (…) Stattdessen werde ich mich vorerst ausschließlich, um meine zweite Schreibleidenschaft kümmern: Film. Sprich: Drehbücher. (aus seinem Blog.)

Wenn man das weiß, nimmt man von ihm, was man kriegen kann. Und das sind eben zwei Kinderbücher. Mädchen und andere komische Dinge und eben Der Ernst des Lebens kann mich mal. Wenn man Birbæk mal live gesehen hat, merkt man: Die Geschichten sind Anekdoten, die er sonst auf seinen Leseshows vorträgt.

Während Mädchen und andere komische Dinge noch seine Kindheit in Dänemark beschrieb, erzählt Der Ernst des Lebens kann mich mal von seiner Jugend und dem Umzug nach Deutschland. Es geht um Fußball, Rock’n’Roll & Drehbuchschreiben. Schöne, lustige Geschichten. Aber:

  1. Wie schon beim Kinderbuch davor sind zwar das Cover, das Layout und die  Schrift die eines Kinderbuches, die Geschichten aber generell weniger. Vielleicht kann man sie als Kind lesen, aber ihre vollständige Wirkung entfalten sie wohl eher bei erwachsenen.
  2. Ist auch hier der Spaß halb so groß, wenn man Birbæk nicht schonmal live gesehen hat.
  3. Finde ich knapp 13 Euro für 123 Seiten in einer relativ großen (kindergemäß) Schrift ziemlich happig.

Für Birbæk-Einsteiger gibt es wohl bessere Bücher, Nele & Paul beispielsweise. Für Fans ist das Buch eine schöne Erinnerung und definitiv lesenswert.

Der Ernst des Lebens kann mich mal von Michel Birbæk erschien im Baumhaus-Verlag.