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Schlagwort: Manuskript

Aus der Rohfassung ein Manuskript machen.

Ich liebe es, Geschichten zu erzählen. Ich liebe es, sie mir auszudenken, den Plot aufzubauen, Figuren zu kreieren und sie die Grenze überschreiten zu lassen, die ich als Mensch aus welchen Gründen auch immer nicht überschreiten konnte. Die erste Rohfassung zu schreiben, ist wie ein hoffentlich gutes Buch lesen, nur dass es etwa ein Jahr lang so geht. Danach ist man fertig und froh und ein bisschen leer und traurig, dass es vorbei ist. Dann legt man das ganze Ding ein wenig zur Seite, schickt dem innersten Kreis der Lieblingsmenschen eine Kopie und lässt seinen Kopf über das nächste Projekt nachdenken. Aber irgendwann haben dann der der Welt bester Vater und die der Welt beste große kleine Schwester ihre Kopien durchgearbeitet und geben sie zurück. Und jetzt geht es darum, die Rechtschreibfehler, losen roten Enden, falschen Fakten und Unstimmigkeiten auszumerzen. Aus der Rohfassung eine frühe Version des Manuskriptes zu machen. Um das dann irgendwann an Verlage schicken zu können. Nicht falsch verstehen, auch das Schreiben ist Arbeit. Aber das jetzt macht nochmal um einiges weniger Spaß. Besonders, wenn der Kopf schon an die nächste Romanidee denkt und eigentlich lieber wieder schreiben will. Aber wenn ich das mache, wird dieses Projekt nie fertig. Schritt, Atemzug, Besenstrich. Schön hintereinander.

Also, die nächsten Wochen bin ich mit der Überarbeitung von „Dimensionssprünge“ beschäftigt. Packen wir’s an.

Heute habe ich einen Roman fertig geschrieben.

Am 17. Januar diesen Jahres habe ich auf einer Schreibmaschine die ersten fünf Seiten eines Romanmanuskriptes begonnen. Nach 5 Seiten habe ich die Geschichte zur Seite gelegt, weil ich erst noch die erste Rohfassung von „Dimensionssprünge“ fertig schreiben wollte. Das war am 23. April. Seitdem habe ich fast täglich an diesem neuen Roman geschrieben. Heute – fast genau elf Monate später – habe ich ihn fertig gemacht. Also, die erste Rohfassung. Rund 54000 Worte. Jetzt muss das eine kurze Weile ruhen, dann muss ich da nochmal drüber. Wahrscheinlich noch ein paarmal. Und dann geht es an die Verlagssuche. Oder die Suche nach der Form besten Veröffentlichung. Aber trotzdem, einen Roman fertig zu schreiben ist jedes Mal ein Wow-Moment!

Ein „Wow“-Moment ist ein Moment, in dem deine eigene persönliche Welt den Atem anhält und alles um dich herum sagt und fühlt und denkt zusammen mit dir: „Wow!“

Das gute Ding heißt

Eine Nacht mit genügend Schlaf ist nur eine weitere, an die du dich nicht erinnern wirst.“

und weil ich auf eine unglaublich ruhige Art erleichtert und traurig und zufrieden und so weiter bin, wie das eben immer ist, wenn man ein gutes Buch zu Ende hat, hier die ersten drei Absätze aus der Rohfassung. Die passende Musik dazu gibt’s hier. Viel Spaß!

Hätte Katharina sich ein Wetter für ihre Beerdigung aussuchen können, wäre es wahrscheinlich genau dieses gewesen. Es war einer der ersten Frühlingstage des Jahres. Der Winter war hart und lang gewesen, viel länger, als es gebraucht hätte, die Menschen im Süden Deutschlands daran zu erinnern, wie schön der Frühling und der Sommer sein konnten.

Jetzt aber war der Frühling da, passend zur Beerdigung seiner Frau. Die Bäume um sie herum blühten und das Gras strahlte in saftigem Grün. Vögel, die sich an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt hatten, drehten ihre Runden und begleiteten die kleine Zeremonie zu der Stelle, an der die die Mitarbeiter des Friedhofs am Tag zuvor das Grab ausgehoben hatten. David lief direkt hinter dem kleinen Wägelchen, auf welchem de Sarg von Katharina aufgebahrt war. Wie alle anderen war er in einen dunklen Anzug gekleidet, er schwitzte und weinte und die Tränen vermischten sich auf dem Weg nach unten mit dem Schweiß. Er hatte die gesamte Zeremonie über in der ersten Reihe gesessen und nichts von all den guten Worten über seine Frau mitbekommen. Selbst jetzt, an der Seite seiner Mutter, konnte er nicht begreifen, was hier gerade geschah.

Die alten Männer, die den Sarg geschoben hatten, hievten ihn nun langsam in das Loch. Was für ein schöner Gedanke, Katharina könnte schon jetzt irgendwo sein, das Wetter mitbestimmen und läge nicht in diesem Sarg, der gerade hinabgelassen wurde. Die alten Männer, konnten sie eigentlich noch aufrichtig traurig sein, bei all den Beerdigungen fremder Menschen, die sie begleiteten? Jedenfalls, sie zogen die Seile wieder nach oben und entfernten sich diskret. Der Pfarrer äußerte wieder ein paar Worte, Kauderwelsch in pastoralem Singsang, dann schmiss David als erster ein Schäufelchen Erde auf den nagelneuen Sarg. Und eine Blume hinterher. Dann stand er an dem Grab seiner Frau. 28 Jahre alt und Witwer.

Aus „Eine Nacht mit genügend Schlaf ist nur eine weitere, an die du dich nicht erinnern wirst.“

Heute habe ich meinen Roman fertig geschrieben.

Heute ist Welttag des Buches. Viele der Blogger schenken heute Lesefreude, indem sie Bücher verlosen. Ich habe meine wenige Zeit heute genommen und die letzten 750 Worte meines neuesten Romanes getippt.

Heute schreibe ich meinen Roman fertig.

Seit Wochen sage ich das jedem, der es hören will. Aber irgendwie wurde das Ende doch noch länger, als ich dachte. Heute habe ich ihn tatsächlich beendet. Es ist jedesmal ein unglaublich gutes Gefühl, ein Manuskript zu beenden. Sagen auch andere. Natürlich ist der Roman noch lange nicht fertig. Da liegt noch viel Weg vor mir. Aber das hier ist ein guter großer Schritt. Jetzt geht die Rohfassung an ein paar Menschen im engsten Kreis. Damit ich die erste Kritik und Resonanz einfahren kann. Und ich kann mich in der Zwischenzeit um das nächste große Stück Text kümmern.