Buch: Homeland von Cory Doctorow

Der erste Satz aus Homeland:

Attending Burning Man made me simultaneously one of the most photographed people on the planet and one of the least surveilled humans in the modern world.

Wow, ich habe mich sehr gefreut, endlich den Nachfolger von Little Brother zu lesen, habe ich doch wirklich eine lange Zeit mit der Produktion des Little Brother Hörbuchs verbracht. Anfang diesen Jahres kam dann die englische Fassung heraus und wie üblich bei Cory auch die kostenlosen Downloadversionen. Die epub habe ich mir auf mein Nook gezogen und damit ein paar Nächte verbracht.

Die Story setzt ein paar Jahre nach den Ereignissen in Little Brother an. Marcus ist mittlerweile 19, immer noch mit Ange zusammen, aber ansonsten hat sich alles geändert. Seine Eltern sind beide arbeitslos und können ihm das Studium nicht bezahlen, also fliegt er. Die Empörung über die Heimatschutzbehörde hat sich gelegt, Carrie Johnstone, das Böse im ersten Teil, ist vom Erdboden verschluckt und Marcus verbringt seine Zeit mit Jobsuche, Ange und im Noisebridge Hackerspace. Normalerweise. Wenn er nicht, und hier steigt das Buch ein, auf dem Burning Man Festival ist. Die ersten drei Kapitel beschreibt Marcus das Festival und das Feeling und ich dachte die ganze Zeit, wow, da wäre ich gerne. Auf dem Festival aber trifft Marcus auf Masha und Zeb, zwei alte „Bekannte“ aus dem ersten Buch. Masha gibt Marcus einen USB-Stick mit geheimen Akten und der Bitte, diese zu veröffentlichen, wenn sie verschwindet oder verschleppt wird. Noch auf dem Festival beobachtet Marcus, wie Carry Johnstone Masha und Zeb entführt. Zurück in San Francisco macht sich Marcus zusammen mit Ange daran, die Daten zu sichten und zu veröffentlichen. Aber es gibt viele Menschen und Institutionen, die ein Problem damit haben.

Soweit zur Story, den Rest liest man am besten selbst. Ich hab das Buch sehr gerne gelesen, selbst auf Englisch kann man das gut runterlesen. Die Worte fließen, sie spielen in einer Nerd/Geek-Umgebung mit Hackerspace, Kryptografie, Burning Man, ein bisschen Liebe, ein bisschen Politik und das ganze immer viel näher an der Realitität, als mir lieb ist. Denkt mal, das Buch – es geht um gefährliche Dokumente und wie man die gefahrlos Veröffentlichen kann – kommt im Februar raus. Im Juni beginnt die Affäre mit Edward Snowden und was mit ihm wird, ist bis jetzt nicht klar. Und jetzt lese ich das Buch und denke, wow, das hat echt nicht mehr mit fernen Welten zu tun. Cory springt hier auf einen ziemlich aktuellen Zug auf, das macht die ganze Sache wirklich spannend. Auch sonst, wie gesagt, mag ich die Worte und die Art der Geschichte, aber es gibt auch ein paar Sachen, die nicht ganz ausgearbeitet sind. Achtung, Spoiler ahead.

<spoiler> Marcus trifft auf dem Burning Man ganz coole real existierende Menschen, beispielsweise Wil Wheaton und die Gründer der Electronic Frontier Foundation. Das ist ein chönes Cameo und macht Spaß, darüber zu lesen. Aber später, wenn es darum geht, die Dokumente zu veröffentlichen und Marcus dabei Hilfe braucht, dachte ich die ganze Zeit, Alter! Frag doch die Jungs! Die werden dir helfen! Aber sie werden einfach überhaupt nicht mehr erwähnt. </spoiler>

Und solche, sagen wir mal offene rote Fäden gibt es in der Geschichte mehrere. Das Ende ist beispielsweise so offen, dass ich ein paarmal geblättert habe, bis ich glauben konnte, dass das Buch wirklich so offen endet. Bei solchen Enden frage ich mich immer, wusste der Autor nicht weiter oder soll es noch einen weiteren Teil geben.

Grundsätzlich also ein gut runterlesbares Buch mit gutem Gefühl und massig Informationen über unsere Welt und besonders dieses Internet, aber zu viele offene Fragen und ein paar Logikfehler lassen am Ende ein bisschen maues Gefühl zurück. Schade.

Wie gesagt, ich habe die kostenlose Creative Commons Fassung gelesen. Die ist gefühlt 50 Seiten länger als die kommerzielle Fassung, weil andauernd Erklärungen über Creative Commons und Corys Motivation und natürlich Verweise auf die kommerzielle Fassung erfolgen. Ist nicht schlimm, man weiß ja, worauf man sich einlässt. Und man darf ja gerne das Buch kaufen. Für alle, die des englischen nicht ganz so mächtig sind, Heyne bringt am 30. September die deutsche Fassung auf den Markt. Zur Übersetzung kann ich leider nichts sagen. Jetzt habe ich hier aus einem Humble Bundle noch Pirate Cinema von Cory Doctorow legen, mal sehen, wie das wird. Davor aber gibt’s noch ein paar andere Bücher.

Achja, und: Ich weiß nicht, ob es davon ein Hörbuch geben wird. Einerseits bin ich noch viel zu beschäftigt mit #Incommunicado und komme da nicht weiter und andererseits sind die neuen Bücher von Cory Doctorow zwar unter einer Creative Commons Lizenz erschienen, aber erlauben keine Weiterverarbeitung. Ein Hörbuch wäre also ein etwas größerer Akt.

Homeland von Cory Doctorow erschien bei Tor Books. Die  deutsche Fassung namens „Little Brother – Homeland“ erscheint bei Heyne und ist übersetzt von Oliver Plaschka.

Buch: Das also ist mein Leben von Stephen Chbosky

Der erste Satz aus Das also ist mein Leben:

Lieber Freund,
ich schreibe Dir, weil sie meinte, dass Du zuhörst und verstehst und nicht versucht hast, auf dieser Party mit einer bestimmten Person zu schlafen, obwohl Du das gekonnt hättest.

Nachdem ich den andersnamigen aber dennoch zum Roman gehörendem Film gesehen hatte, wollte ich das Buch lesen. Getan! Und meine damaligen Hoffnungen haben sich erfüllt. Die Story ist die gleiche:

Charlie kommt auf die Highschool. Und Charlie ist die Art Mensch, die sich eher durch die Highschool kämpfen müssen, als sie genießen zu können. Aber Charlie kämpft sich eh schon durch sein Leben, hat doch sein bester Freund im letzten Jahr Selbstmord begangen. Charlie hat Glück, er lernt die Stiefgeschwister Sam und Patrick kennen. Die beiden nehmen ihn unter die Fittiche und bringen ihm dem echten Leben näher. In all seinen Einzelheiten, wie der guten Musik, den Drogen und natürlich diesem Ding namens Liebe. Und Charlie merkt, dass der Kampf durch das Leben nicht wirklich leichter wird.

Charlie ist ja 15. also ein Jahr älter als meine Schwester. Und ich bin 12 Jahre älter als diese. Besonders am Anfang liest sich das Buch auch wirklich wie die Beschreibungen eines kleinen Jungen. Aber im Laufe des Buches entwickelt man so etwas wie eine Meta-Ebene. Und bemerkt, dass es zwar die Worte eines fünzehnjährigen sind. Die Wahrheiten darunter aber zumindest zehn Jahre später immer noch genauso gültig sind. Das Buch liest sich schnell und gut. Es macht Spaß. Wirft Fragen auf, bestätigt in manchen Einstellungen und hinterlässt nach dem Lesen ein gutes Gefühl. Das also ist mein Leben ist ein Buch über das Erwachsenwerden, um die Liebe und so generell über das Leben. Und wenn man davor den Film sieht – der unter dem Namen „Vielleicht lieber morgen“ läuft – dann passen die Charaktere sehr gut rein.

Das also ist mein Leben von Stephen Chbosky erschien bei Heyne und wurde übersetzt Oliver Plaschka.