Buch: Beobachtungen aus der letzten Reihe von Neil Gaiman

Der erste Satz aus Beobachtungen aus der letzten Reihe:

Ich bin dem Journalismus entflohen – oder habe mich ungeschickt von ihm gelöst -, weil ich die Freiheit haben wollte, mir selbst Sachen auszudenken.

Ich kenne Gaiman noch gar nicht so lange, aber ich lese seine Bücher gern, ich mag dieses Realität plus einen Hauch Magie. Ich sehe ihn mir auch gern an, wenn er Reden und Vorträge hält. Nun ist ein ganzes Buch davon entstanden, eine Sammlung von Vorworten, Essays, Reden und Vorträgen, die Gaiman in mehr als 20 Jahren in der Unterhaltungsbranche verfasst hat.

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Einigermaßen sortiert nach Dingen über das Schreiben selbst, über andere Menschen und über seine eigenen Geschichten. Gaiman schreibt selbst, es ist kein Buch, dass man einfach von vorne nach hinten lesen sollte. Ich habe es getan und es klappt tatsächlich nicht gut. Weil Gaiman zwar extrem gut Geschichten erzählen und Vorträge halten kann, aber gelesen funktionieren diese Vorträge leider nicht so gut, wie wenn man sie hört. Und wenn man einen nach dem anderen liest, merkt man eben doch, dass sie aus einem Kopf kommen und manche Bilder, Ideen und Anekdoten – so gut sie sind – immer wieder von Gaiman verwendet worden. Irgendwann hatte ich dann das Gefühl, schon zu kennen, was ich las.

Es sind viele schöne Texte in diesem Buch, viele Leseempfehlungen und viele tolle Gedanken, richtig spannend wird es aber dann, wenn Neil Gaiman seine alten Texte nochmal kommentiert und in Zusammenhang bringt.

Es ist eine gute Zusammenstellung zum Teil sonst kaum erhältlicher Texte und ich hatte meine Freude, es zu lesen. Aber ich kann es nur Fans empfehlen und wünschte mir mehr Aufmerksamkeit und ein wenig mehr Zeit bei der Komposition.

Eine Sache noch, im Original heißt das Buch ‚The View from the Cheap Seats‘. Der titelgebende Aufsatz heißt im Buch auch ‚Die Aussicht von den billigen Plätzen‘. Warum das Buch selbst eine ungenauere Übersetzung erhalten hat, weiß ich nicht, aber es irritiert mich.

Beobachtungen aus der letzten Reihe von Neil Gaiman wurde übersetzt von Rainer Schumacher und Ruggero Leò und erschien bei Eichborn. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 

 

Buch: Inferno von Dan Brown

Der Satz von Inferno:

Ich bin der Schatten.

Das also ist der neue Roman von Dan Brown. Seit dem Verlorenem Symbol von 2009 haben wir weder einen Film, noch ein Buch von Dan Brown bekommen. Und jetzt Inferno. Ich muss sagen, das Medienecho war diesmal um einiges kleiner, als beim letzten Buch. Dennoch scheint das dem Erfolg keinen Abbruch zu tun. Der Roman ist direkt auf Platz 1 der Charts eingestiegen. Aber zu Recht?

Zuallererstmal muss ich sagen, bei dem Buch wurde produktionstechnisch vieles sehr viel besser gemacht. Seit dem verlorenem Symbol übernimmt Lübbe, der deutsche Verlag, die englischen Titel direkt. Dass es diesmal tatsächlich auch im englischen ein Einworttitel ist, kommt der Serie im deutschen ja sehr zu Gute. Des weiteren wurde viel mehr Liebe und Sorgfalt in die Übersetzung und Produktion des Hörbuches gesteckt. Während beim letzten Buch sechs Übersetzer den Text in 10 Tagen zusammenstückelten, wurde Inferno, in einem italienischen Bunker, von Axel Merz und Rainer Schumacher übersetzt. Beide waren damals schon beim letzten Buch dabei.

Hauptfigur des Buches ist wieder der Symbolforscher Robert Langdon. Das Schema ist wie in allen Romanen von Dan Brown wieder ähnlich, aber diesmal wird die Struktur ein wenig durcheinandergebracht. Wir folgen einem Robert Langdon mit Gedächnisverlust, der Dank Dantes Inferno eine Jagd auf eine Bedrohung für die gesamte Welt macht. Natürlich hat er eine schöne junge Frau an seiner Seite und seine Platzangst spielt auch wieder eine Rolle. Und natürlich gibt es ein paar unerwartete Wendungen.

Während des Lesens habe ich mir überlegt: Wenn ein Bösewicht eine Sache entwickelt, mit der er der Welt Schaden zufügen will, warum legt er dann eine verschlüsselte Spur, damit das verhindert werden kann? Aber, tatsächlich wird dies am Ende aufgelöst.

Wie alle anderen seiner Romane auch liest man ihn am besten mit der aufgeschlagenen Wikipedia neben einem, denn man möchte die ganze Zeit die beschriebenen Gemälde und Gebäude und Fakten nachschlagen. Man bekommt wieder jede Menge Wissen und Interessantes mit und tatsächlich ist man wieder nach kurzer Zeit gefesselt von der Geschichte und liest dieses rund 700 Seiten dicke Buch extrem schnell durch. Und wenn man dann durch ist, dann denkt man über die Themen auch noch eine Weile nach.

Wenn es darum geht, zu unterhalten und gleichzeitig zu informieren, dann schafft Dan Brown das wieder. Aber unglaublich begeistert bin ich dann doch nicht.

Inferno von Dan Brown wurde Übersetzt von Axel Merz und Rainer Schuhmacher und erschien bei Lübbe. Das Hörbuchwurde gelesen von Wolfgang Pampel.