Hörbuch: Tschick von Wolfgang Herrndorf, gelesen von Hanno Koffler

Wenn man die Rückseite von Tschick liest, liest sich das so:

Maik, Sohn einer zerrütteten, wohlhabenden Unternehmerfamilie, verbringt die Ferien allein am Pool der elterlichen Villa. Am ersten Ferientag sind alle anderen zu Tatjanas Geburtstagsfeier eingeladen, außer den Idioten, den Fetten, dem Nazi, Maik und Tschick. Tschick, eigentlich Andrej, ist Deutschrusse, wohnt im Hochhaus und sieht unerhört asiatisch aus und ein bisschen gefährlich. Plötzlich ist er da und drängt sich dem widerstrebenden Maik auf. Im Handumdrehen hat er aus Maik herausgekitzelt, dass der unsterblich in Tatjana verliebt ist. Kurze Zeit später sitzen die beiden in einem geklauten Lada und machen sich auf in Richtung Südosten, in die Walachei, denn da wohnt Tschicks Opa. Eine somnambul-schöne Reise durch die sommerglühende deutsche Provinz beginnt, unvergesslich wie die Flussfahrt von Tom Sawyer und Huck Finn.

Maik und Tschick sind beide 14 und genauso liest sich der Klappentext: Wie eine Geschichte für Jugendliche. Zumindest körperlich bin ich ein paar Jahre älter als 14. Tatsächlich konnte ich aber das Hörbuch nicht mehr weglegen. Wolfgang Herrndorf (Jahrgang 1965) ist auch schon länger kein Jugendlicher mehr, aber er trifft die Sprache und die Gedankengänge unglaublich gut. Und dazu kommt ein extrem passender Hanno Koffler. Hannos jugendliche Stimme und ein ganz leichter Berliner Dialekt (eher eine Akzentfärbung als ein Dialekt) machen das Hörbuch zu einer leicht verdaulichen Kost. Hanno liest so schön und manchmal mit einem Lachen, als ob ihn Selbst die Geschichte auch belustigt. Die Geschichte der beiden Jugs ist ein Roadtrip in einem echtem russischen Auto, dem Lada Niva. Ein Roadtrip mit Musik, Mädchen, Witz und unerwarteten Wendungen. Ich saß lächelnd in der Bahn und lachte immer wieder unvermittelt auf. Ich glaube, innerlich bin ich immer noch Kind. Ich kann mich köstlich amüsieren bei Tschick.

Das Manko bei der Sache ist natürlich dieses “Autorisierte Lesefassung”. Heißt nämlich nichts anderes als dass diese Version gekürzt ist. Da will man ja wissen, wie der Rest des Buches ist. Deshalb muss ich mir irgendwann mal die gedruckte Fassung holen. Aber ich habe Angst, dass es ohne die Spreche von Hanno Koffler nicht ganz so gut wird. Eine Hörprobe gibt’s auf der Verlagsseite, aber ich finde den Ausschnitt nicht ganz passend gewählt. Dennoch, es gibt einen kleinen Einblick ins Buch und in die Spreche.

Tschick von Wolgang Herrndorf erschien bei Rowohlt, das Hörbuch, gesprochen von Hanno Koffler erschien bei Argon. 

Hörbuch: Jurassic Park von Michael Crichton, gelesen von Oliver Rohrbeck

Jurassic park ist ein Film, an dem man in meiner Jugend nicht vorbeikam. Auch wenn ich bei dem Erscheinen 1993 erst 8 Jahre alt war. Wie viele andere hat auch mich der Film fasziniert. Vom Nachfolger las ich auch gleich das Buch, bei Jurassic Park (oder wie das Buch damals im Deutschen hieß: Dino Park) selbst habe ich das nicht geschafft. Deshalb habe ich mich sehr auf das Hörbuch von Oliver Rohrbeck gefreut. Ich hatte bei der Lesung von Little Brother ja die Ehre, mich mit ihm eine Weile zu unterhalten. Deshalb freut es mich umso mehr, wenn ich ein von ihm gesprochenes Hörbuch in die Finger bekomme, besonders wenn es ungekürzt und mehr als 16 Stunden lang ist.

Ich muss aber leider sagen, dass ich seine Spreche diesmal nicht so gut finde. Die Stimme hört sich so gezwungen neutral an, ein bisschen nach unten gepresst. Ich hatte manchmal nicht so Lust, weiter zuzuhören. Das Buch selbst ist gut, im Grunde besser als der Film, wenn auch an manchen Stellen extrem langatmig. Dafür ist die Rolle des Chaostheoretikers Malcom weiter ausgebaut und diese Gedakengänge sind superinteressant. Schön, den Inhalt zu kennen, vielleicht wäre das eigene Lesen aber besser gewesen.

Ich habe mir nach dem Hörbuch erstmal die Filme nochmal angesehen :)

Jurassic Park von Michael Crichton erschien beim Goldmann Verlag und wurde übersetzt von Klaus Berr. Das Hörbuch erschien bei Audible und wurde gelesen von Oliver Rohrbeck.

Comic: Chew von John Layman und Rob Guillory

Chew ist die Geschichte von Chu. Tony Chu ist Polizist und Cibopath. Das heißt, wenn er etwas isst, dann schmeckt er, was alles mit der Frucht, dem Fleisch passiert ist, bevor er reinbeisst. Als Polizist eine tolle Eigenschaft, denn durch einen herzhaften Biss in die Leiche erfährt man mehr, als man erfragen könnte. Dazu kommt, dass Chew in einer Version unserer Welt spielt, in der Hünchen verboten ist und nur noch illegal zu bekommen. Chew ist so ziemlich genauso skurril, wie sich diese Inhaltsangabe liest. Volume I dieser Comicserie umfasst die Geschichten 1 bis 5 und gibt einen ganz guten Eindruck über die Welt und macht Lust auf mehr. ich werde mir auf jeden Fall die anderen Folgen holen. Ich habe die englische Fassung hier, keine Ahnung, wie die deutsche Übersetzung ist.

Chew von John Layman und Rob Guillory erscheint bei Image Comics. Die deutsche Ausgabe erscheint bei Cross Cult und wurde übersetzt von Marc-Oliver Frisch.

Buch: Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy von Adaobi Tricia Nwaubani

Ich hatte weder von Adaobi Tricia Nwaubani, noch von ihrem Debütroman Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy etwas gehört, aber das Format (größer als ein normales Tachenbuch) der Titel und das Cover interessierten mich.

Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy ist die Geschichte von Kingsley, geboren in Nigeria. Sohn einer Bildungsfamilie, die arm, aber ehrlich sind. Er ist der erste Sohn, hat fertig studiert und soll seine Familie wie auch seine Angebetete stolz machen, aber er findet keinen Job. Ola, seine Freundin, wendet sich ab und sucht sich einen reichen Mann, sein Vater liegt im sterben und Kingsley ist unzufrieden mit seinem Leben. Verzweifelt wendet er sich an seinen Onkel Cash Daddy. Die Familie hat sich von ihm abgewendet, denn Cash Daddy ist Scammer. Er verdient sein Geld damit, indem er gutgläube Menschen in aller Welt mit Mails betrügt. Das macht ihn in der ehrlichen Familie unbeliebt, aber unglaublich reich. In der Not nimmt Kinglsey Geld von ihm an. Als sein Vater aber stirbt, steigt er ins Geschäft seines Onkels ein. Auf knapp 500 Seiten beschreibt Adaobi Tricia Nwaubani Nigeria und die Welt der Scammer auf humorvolle, skurrile, aber auch nachdenkliche Weise. Sie nimmt uns mit auf eine Reise durch eine Welt, die zumindest mir überhaupt nicht bekannt ist, aber unglaublichen Spaß macht.

Was mich wirklich gestört hat, dass Cash Daddy im ganzen Roman niemals meerblaue Schuhe hat. Also, vielleicht hat er sie, aber sie werden nicht erwähnt. Und trotz all der schönen, ungewöhnlichen und spannenden Dinge hat mich die Story nicht ganz mitgerissen. Es hat wirklich Spaß gemacht, aber es hat mich nicht vollständig mitgerissen. Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy ist ein sehr schönes, ungewöhnliches Buch, aber nicht eines der Besten aus diesem Jahr für mich.

Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy von Adaobi Tricia Nwaubani erschien im dtv und wurde übersetzt von Karen Nölle. Bisher ist kein Hörbuch erschienen.

Buch: Anders sein ist ganz normal von Pierre Jarawan

Das ist es also, Pierre Jarawans Anders sein ist ganz normal. Pierre ist Slam Poet aus Kirchheim Teck und Student in München, jetzt hat er eine Sammlung seiner Texte zwischen zwei Buchdeckel gepackt und bei Lektora veröffentlicht. Auf 119 Seiten tummeln sich Pierres Slamtexte, Variationen von Redewendungen und Texte, die extra für das Buch geschrieben wurden. Und es sind tolle Texte dabei. Als ich mich durch das Buch las, hatte ich andauernd Pierres Stimme im Ohr gehabt. Das ist unglaublich cool, aber gleichzeitig auch der Genickbruch des Buches. Ich glaube, die 24 Geschichten sind schön für Menschen, die Pierre schonmal live gesehen haben und die Texte nochmal nachlesen wollen, um all die wunderbaren Wortspiele, Gedankenbilder und Traumgebilde wiederholt zu erleben. Jemand aber, der mit dem Namen Pierre Jarawan nicht kennt, wird meiner meines Erachtens leider nicht in diese Stimmung kommen und deshalb kaum etwas mit den Texten in Anders sein ist ganz normal kaum was anfangen.

Deshalb, wenn ihr Pierre schon kennt, wird euch dieses Buch große Freude machen. Alle anderen lesen das Interview mit Pierre, lernen ihn dadurch kennen und kaufen sich dann das Buch ;)

Anders sein ist ganz normal von Pierre Jarawan erschien bei Lektora. Ein Hörbuch gibt es bisher nicht. Wäre die logische Entwicklung.

Buch: So was von da von Tino Hanekamp

Meine Geschichte dazu: Gehe in der Jahreszeit mit dem unpassenden Namen “Sommer” durch eine Buchhandlung, um Bücher nach ihrem Cover zu beurteilen. Bei So was von da bleibe ich stehen. Ein geiles minimalistisches Cover. Da steh’ ich derzeit sehr drauf. Schlage das Buch auf und sehe im Inneren das Bild von Tino Hanekamp. Schwarz gekleidet, Haare gegeelt, Kippe im Mund, Banane in der Brusttasche. Ich muss sagen, irgendwie wirkt der Mann auf dem Bild ein bisschen arrogant.

Zwei Wochen später bin ich bei einer Freundin in Karlsruhe. Und da demnächst eine Lesung von Hanekamp zu eben diesem Roman in Karlsruhe sein wird, hängt in jeder passenden Buchhandlung ein Bild von dem Buch und ihm in RIESIG. Und wie ich so das Bild so oft sehe, empfinde ich das Bild schon als ziemlich arrogant.

Wiederrum ein paar Monate später aber drückt ein Freund mir das Buch in die Hand. Ich bin fasziniert, wie es seinen Weg zu mir findet. Schlage es auf. Sehe das Bild wieder und bin angefressen. Beginne mit Lesen und bin begeistert. Wirklich!

Die Geschichte von Oskar Wrobel und die letzte Nacht seines eigenen Clubs in Hamburg. Auch noch eine Silvesternacht. Es beginnt nach dem Sex und geht über Drugs und Rock’n'Roll zu 15 Seiten Nichts.

Geil geschrieben. Geile Ideen, geile Story, geile Worte. So arrogant er auf dem Bild auf mich wirkt, Tino Hanekamp hat ein geiles, lesenswertes Buch geschrieben.

Der einzige Wermutstropfen: Ich zitiere mich:

Peter Renz sagte mir mal, dass das Ende einer Geschichte immer Licht oder Schatten über die gesamte Geschichte wirft.

Nach den 15 Seiten Nichts kommt ein sowas von erzwungenes Happy End, welches einen so großen Schatten über das Buch wirft, dass es einem echt viel verleiden kann. Wenn ihr also bei dem Nichts ankommt beim lesen, dann bleibt dabei. Lest nicht weiter.

So was von da von Tino Hanekamp, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch

Hörbuch: Die Bibel nach Biff von Christopher Moore, gelesen von Simon Jäger

Das Hörbuch bei Audible

Schon vor knapp drei Jahren habe ich über das Buch geschrieben. Ich erinnere mich, wir sind damals mit dem Bus in Sizilien liegengeblieben und haben Stunden wartend vor der Werkstatt verbracht. Dabei haben wir uns gegenseitig aus Die Bibel nach Biff vorgelesen. Und uns bepisst vor Lachen.

Vor kurzem habe ich das Hörbuch in die Hände bekommen. Die Geschichte ist auch nach Jahren immer noch genauso geil und Simon Jäger, obwohl ich ihn schon echt oft gehört habe, überrascht mich wieder extrem positiv. Er schafft es so schön, die verschiedenen Stimmungen rüberzubringen, dass diese 15 Stunden echt unglaublich waren. Und lange war ich nicht mehr so traurig, dass ein Hörbuch zu Ende ist. Die Bibel nach Biff ist ein tolles, tolles Buch gehört, wie gelesen.

Die Bibel nach Biff von Christopher Moore erschien bei Goldmann und wurde aus dem Amerikanischen übersetzt von Jörn Ingwersen.

Buch: Stadt der Diebe von David Benioff in der Heyne Pocket Edition

Ich war in Karlsruhe in einer Buchhandlung unterwegs. Immer gefährlich, weil das immer teuer werden kann. Eine Freundin hat plötzlich eines dieser kleiner Bücher. Von Heyne. Heyne Pocket steht in der linken unteren Ecke. Ich bin erstmal mehr von dem Format als von Inhalt begeistert.

Vielleicht halb so groß wie ein normales Taschenbuch und man blättert nach oben! Das offizielle Video von Heyne gibt euch da einen Überblick drüber.

Ich muss ehrlich sagen, das Video ist nicht so gut gemacht, aber man sieht, was ich meine. Ich habe das also in Buchhandlung gesehen, mich darüber online informiert und dann mir eines der Bücher besorgt: Stadt der Diebe von David Benioff.

Im belagerten und ausgehungerten Leningrad im Jahr 1942 sollen zwei junge Menschen, Kolja und Lew, hingerichtet werden. Der eine, weil er geplündert hat, der andere, weil er desertiert ist. Aber statt zum Schafott  werden sie zum Chef des Geheimdienstes gebracht, der ihnen einen Deal vorschlägt: Wenn sie innerhalb der nächsten Tage für die Hochzeit seiner Tochter ein Duzend Eier finden, dürfen sie leben. Ansonsten werden sie hingerichtet.

Ein unglaublich geiles Buch! Es ist spannend, lustig, ängstigend und auch unglaublich. Aber dadurch eben extrem schön. Eine sehr sehr tolle Story. Mehr will ich gar nicht sagen.

Zurück zum Pocket Format. Ich hatte vor ein paar Monaten mal Populärmusik aus Vittula als besonderes Taschenbuch vorgestellt. Heyne versucht auch, Taschenbücher tatsächlich Taschenbuchmäßig zu machen, geht aber einen anderen Ansatz. Wie gesagt, das Buch ist halb so hoch, aber kaum dicker als das normale Taschenbuch. Die Schriftgröße ist die Gleiche. Das wird vor allem bewerkstelligt, dass das Papier viel dünner geworden ist. Kennt ihr englische Bücher? Diese haben oft so ein dünnes Papier. Das fühlt sich minderwertiger an und man sieht oft den Text auf der anderen Seite durchscheinen. Aber das schlimmste ist das umblättern! Es ist für die Finger eh schon ganz komisch, das Buch von unten nach oben zu blättern, statt zu der Seite. Und dann noch dieses dünne Papier! Darüber habe ich oft geflucht.

Die Motiviation von Heyne ist toll, aber an der Umsetzung hapert es meiner Meinung nach sehr. Dann doch lieber ein normales Taschenbuch.

Stadt der Diebe von David Benioff ist erschienen bei Heyne in der normalen Version und in der Heyne Pocket Version. ( Die normale Version ist 5 Cent billiger, gibt sich also nichts.) Übersetzerin ist Ursula-Maria Mössner.

Buch: Herr aller Dinge von Andreas Eschbach

Das Buch bei Amazon

Das ist er also, der neue Eschbach. Ich hab’ nicht alles, aber einige von Andreas Eschbach gelesen und war bis auf den letzten, Der Nobelpreis, immer begeistert. Vom Nobelpreis war ich dann so enttäuscht, dass ich erstmal keine weiteren Bücher mehr von Eschbach lesen wollte. Der Titel aber, Herr aller Dinge, hat mich dann so angesprochen, dass ich es nochmal probieren wollte.

Hiroshi und Charlotte lernen sich kennen, als sie Kinder sind. Die eine ist die Tochter des französischen Botschafters in Japan, der andere der Sohn eines Hausmädchens. Die eine Reich, der andere Arm, was sie als Kind nicht stört. Ihre Eltern dafür umso mehr. Eines Tages hat der kleine Hiroshi eine Idee, wie man jeden Menschen reich machen kann. Diese Idee und ihre verwirklichung begleitet ihn den Rest seines Lebens.

Knapp 700 Seiten lang lässt Andreas Eschbach uns in seine Welt eintauchen. Was als reelles Abbild der unseren beginnt, wird zu einer phantastischen Utopie. Ich mag dieses Buch sehr! Wie bei Der Letzte seiner Art und Eine Billion Dollar könnte ich mich ewig in der Welt verlieren, die Eschbach beschreibt.

Was bei einem Hardcover und 700 Seiten echt ein bisschen tricky ist, ist das Gewicht, das man immer mit sich rumschleppt. Und in der ersten Ausgabe muss irgendjemand beim Lektorieren / Setzen geschlampt haben, denn die Buchstabenfolge “cia” ist im Buch immer groß geschrieben. Also wird aus der Hausfrau PatriCIA Steel, unter anderem. Ansonsten, sehr tolles Buch! Sehr lesenswert!

Herr aller Dinge von Andreas Eschbach erschien bei Bastei Lübbe.

Buch: Das traurige Ende des Austernjungen und andere Geschichten von Tim Burton

Aus der Buchvorschau bei Amazon

Mal was anderes von Tim Burton, dachte ich, als ich Das traurige Ende des Austernjungen und andere Geschichten in der Hand hielt. Nachdem ich viele seiner Filme gesehen habe, war ich sehr gespannt auf die Geschichten zwischen diesen beiden schwarzen, mit Leinen bezogenen Buchdeckeln. Was ich vorfand, waren Geschichten in Reimform, vom Dreizeiler bis zu richtigen Balladen ist alles dabei. Und jedes Gedicht ist mit Zeichnungen von Tim Burton versehen. Aber eigentlich ist es nichts anderes als seine Filme. Es sind skurrile Geschichten und skurrile Figuren, manche sprechen einen mehr an, als die anderen.

Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Bilderbuch mit Text ist, oder eine Geschichtensammlung mit vielen Bildern. Für Fans von Burton ist es eine tolle Reise durch dessen Kopf. Für manch andere eher ein Brett vor ihrem eigenen.

Die Hardcover Ausgabe ist zwar hochwertig, ob der hohe Preis für ein Buch, in dem auf mancher Seite nur sechs Worte stehen, gerechtfertigt ist, ist eine andere Frage. Und besonders bei diesem Werk ist mir mal wieder die Macht und Verantwortung der Übersetzer aufgefallen, sehr gerne würde ich mal das Original sehen, auch wenn die Übersetzung echt gelungen scheint.

Das traurige Ende des Austernjungen und andere Geschichten von Tim Burton. Übersetzt von Katja Sämann, erschienen im Quadriga Verlag.

 

Hörbuch: Das Opfer von John Katzenbach, gelesen von Simon Jäger

Hörbuch bei Audible

Wieder ein Katzenbach, wieder ein Jäger im Ohr. Bei diedem eingespielten Team, weiß ich, was mich erwartet und ich habe Spaß dabei. Diesmal: Das Ofper.

Ashley trifft sich mit Michael. Und damit fangen die Probleme an. Der junge Mann entwickelt eine so starke Obsession für Ashley, dass sie ihre Familie um Hilfe bittet. Doch selbst die kommt nicht gegen “die Liebe” von Michael an. Also entwickeln sie einen Plan, wie sie den Stalker dauerhaft aus dem Leben ihrer Tochter entfernen können. Fragt sich, wer hier das Opfer von wem ist.

Wie erwartet, eine solide Story, sehr gut geschrieben, sehr gut gesprochen, hat mich wirklich bei Laune gehalten auch in der gekürzten Fassung.

Aber da die Geschichte in zwei Ebenen erzählt wird, ist man manchmal ein wenig verwirrt, wo man sich gerade befindet.

Über den Titel lässt sich natürlich wieder streiten. Aber das hatten wir ja schon. Und die Audioqualität ist spürbar dumpf. Das ist nicht so schön.

Das Opfer von John Katzenbach, erschienen bei Knaur, übersetzt von Anke Kreutzer, gesprochen von Simon Jäger.

Buch: Gott bewahre von John Niven

Gott bewahre bei Amazon

John Niven kennen wir ja mittlerweile von Coma. Gott bewahre ist der neue Roman. Und der ist geil. Mal abgesehen vom Cover und vom deutschen Titel. Aber das ist ja nicht zum ersten Mal so. Es gibt immer wieder schlechte Titel und Cover. Dafür ist der Inhalt umso geiler.

Gott war im Urlaub. 400 Jahre. Und als er zurückkommt, ist es 2011 und die Menschheit geht ziemlich krass den Bach runter. Also schickt er Jesus nochmal auf die Erde, um die einzig wichtige Botschaft zu verbreiten: Seid Lieb.

Ich will gar nicht weit vorgreifen. Das Buch ist auf gesunde Weise genauso derb, wie man es von Niven gewohnt ist und es enthält alles was man für ein gutes Buch braucht: Einen Helden (Jesus. Einen cooleren Helden gibt es wohl nicht), gute Musik, einen Roadtrip und ein geniales Finale.

Wie gesagt, lasst euch nicht vom schlechten Titel und schlechtem Cover ablenken, kauft euch das Buch, spätestens als Taschenbuch.

 

Gott bewahre von John Niven wurde übersetzt von Stephan Glietsch und Jörn Ingwersen und erschien bei Heyne Hardcore. Der Originaltitel lautet The second coming.

Hörbuch: Teuflisches Genie und Teuflisches Team von Catherine Jinks, gelesen von Stefan Kaminski

Das Hörbuch bei Audible

Manchmal kommen einem Hörbücher auf unterschiedlichstem Wege unter. Ich habe von Catherine Jinks nichts gehört gehabt, bis ich das Cover und den Namen des Buches gesehen habe. Teuflisches Genie verspricht, einen interessanten Inhalt zu haben. Hat es auch.

Cadel ist ein Junge mit einem außergewöhnlichen Gehirn und einem Faible für Computer und Netzwerke aller Art. Und sein Vater ist einer der bösesten Bösewichte der Welt. Unter seiner Aufsicht lernt er in einem Institut des Bösen (AXIS), wie man richtig kriminell wird. Ein teuflisches Genie.

Das Hörbuch bei Audible

Der zweite Teil, Teuflisches Team, beschreibt, wie Cadel gemeinsam mit anderen fähigen Jugendlichen ein Team bildet, welches das ehemaligen Imperium seines Vaters zu Fall zu bringen versucht.

Beide Teile werden von Stefan Kaminski gesprochen. Die Leistung von Kaminski ist extrem gut. Ich war immer wieder überrascht, dass es tatsächlich nur ein Sprecher ist, der all die Stimmen so hinbekommt. Er führt echt gut durch die Geschichte und es macht extrem Spaß, ihm zuzuhören.

Die Geschichte selbst ist im ersten Teil noch extrem schön und interessant beschrieben. Cadel erlebt eine skurrile und spannende Geschichte, lustig und amüsant, aber offensichtlich eher ein Jugednbuch. Ich habe die knapp 7 einhalb Stunden sehr gerne gehört. Angespornt dadurch habe ich mir den zweiten Teil ungekürzt geholt. Obwohl die Geschichte ja weitergeht, muss ich sagen, dass es mir einfach zu nach am ersten Buch war. Ich habe mich besonders gegen Ende dieser 14 einhalb Stunden ziemlich gelangweilt, denn ein paar offensichtliche Wendungen innerhalb der Geschichte werden so sehr in die Länge gezogen, dass man an der anscheinend so hohen Intelligenz von Cadel immer wieder zweifelt.

Alles in allem ist Teuflisches Genie sehr empfehlenswert, Teuflisches Team dagegen bei weitem nicht mehr so spannend wie der erste Teil. Es gibt schon ein drittes Buch, das ist aber noch nicht als Hörbuch veröffentlicht. Und ehrlich gesagt interessiert er mich auch gar nicht mehr.

Teuflisches Genie und Teuflisches Team von Catherine Jinks sind beide bei Knaur erschienen und von Bernhard Kempen und Jakob Schmidt übersetzt worden. Die Hörbücher wurden von Stefan Kaminski gesprochen.

Buch: God hates us all von Hank Moody

Californication ist eine sehr schöne Serie. Auch ein tolles Album, das muss man zugeben. Aber eben auch eine schöne Serie. David Duchovny spielt Hank Moody, einen abgefuckten Autor, der versucht in Los Angeles mit all den Frauen, dem Alkohol und dem Schreiben klarzukommen. Derzeit wird die fünfte Staffel gedreht und die vierte Staffel ist schon ausgelaufen.

Also kann man in der Zwischenzeit mal ein bisschen lesen. Beispielsweise God hates us all, den Roman, mit dem Hank Moody in der serie seinen Durchbruch geschafft hat.

Bücher von fiktiven Schriftstellern aus Serien oder Filmen auf den echten Markt zu bringen, ist eine schöne Art, Merchandising zu betreiben. Aber oft eben eher ein Gag, als wirklich gute Literatur. Ich war gespannt, wie es bei diesem wird.

Die Aufmachung ist schonmal geil. Das Buch sieht (bis auf den roten CALIFORNICATION-Sticker) aus, wie in der Serie. Der Klappentext über den Autor beschreibt Hank Moody, wie er in der Serie steht. Die Danksagung spielt genauso auf die Serie an.

Der restliche Inhalt ist okay. Der Protagonist, der (wenn ich aufmerksam war) niemals mit Namen genannt wird, erzählt seine Zeit nach dem College, wie er zum Drogendealer wird, nach New York zieht und ein bisschen Sex hat. Es ist eine lesbare Geschichte. Aber es ist nicht Hank Moody. Das Buch hätte auch unter jedem anderen Titel veröffentlicht werden können. Ich glaube, das Buch gewinnt viel durch die Vorstellung von Hank Moody, die der Leser aus der Serie kennt. Aber man könnte es auch so lesen und hätte Spaß daran.

Der echte Autor ist übrigens Jonathan Grotenstein. Kennt ihr nicht? Ging mir genauso. Jonathan Grotenstein ist professioneller Pokerspieler und Schriftsteller, wobei unter seinem eigenen Namen nur Bücher über Poker veröffentlicht worden sind. Des weiteren betätigt er sich eben als Ghostwriter für solche Sachen wie God hates us all. Wer mehr über ihn erfahren will und wie es zu diesem Projekt kam, hier gibt es ein gutes Interview. Der Titel des Buches, God hates us all, ist übrigens eigentlich ein Albumtitel der Band Slayer. Tom Kapinos, der die Serie erschaffen hat, liebt die Band.

Alles in allem: Wenn man die Serie kennt, ist es ein cooles Tüpfelchen. Ansonsten ist es ein Buch, was man mal zwischendurch lesen kann.

Vergleich: Nook Touch vs. Rocket eBook

Links das Urgestein, das Rocket eBook, rechts der mehr als 10 Jahre jüngere Nook Touch

Wie versprochen ein kleiner Vergleich zwischen meinen beiden Lesegeräten elektronischer Bücher und Texte. Das Rocket eBook von NuvoMedia (irgendwann aufgekauft von Gemstar und nichtmal 5 Jahre später dann komplett eingestampft) kam 1998 auf den Markt für den stolzen Preis von 675 Deutschen Mark. Es ist eines der, wenn nicht sogar das erste Lesegerät für den großen Markt. Das Gerät hat die Maße eines Taschenbuchs (185x125x30), wobei auf der einen Seite eine Ausbuchtung ist, sodass das Gerät sehr gut in der Hand liegt. Das sieht man auf dem späteren Bild gut. Das Gewicht liegt bei 626 Gramm. Es hat einen LCD-Bildschirm, der nur Schwarz und Weiß anzeigen kann, also auch keine Graustufen. Das Display hat eine Größe von 480×320 Pixel und ist mit dimmbarer Hintergrundbeleuchtung ausgestattet. Bedienbar ist das Rocket eBook über zwei Tasten und den Touchscreen. Ihr lest richtig. Schon damals lag dem Gerät ein Stylus bei, mit dem man das Gerät nutzen kann. Es gibt vier Kurztasten am Bildschirmrand: Zur letzten gelesenen Seite, zur Bibliothek, die Bildschirmausrichtung ändern und eine selbst bestimmbare Taste. Man kann Stellen markieren und auch schon Anmerkungen schreiben, genauso wie Worte im PONS-Wörterbuch (war schon installiert) nachschlagen und die Schriftgröße ändern. Es gibt die Auswahl zwischen groß und klein. Das Betriebsystem ist einfach, aber funktional. Nur manche Menüführungen sind ein bisschen unsinnig gemacht. Die Akkulaufzeit (sind übrigens 8 ganz normale AA-Akkus, die man leicht wechseln könnte, auch wenn das nicht vorgesehen ist) beträgt 40 Stunden ohne Leselicht, 20 Stunden bei mittlerer Beleuchtung. Der Speicher ist bei meiner PRO Version 16 MB groß. Kein Tippfehler. Das entspricht etwa 18.000 Seiten. Angezeigt werden kann nur das eigene .rb Format oder .txt und .html in einfachster Form. Alles andere muss konvertiert werden. Bespielt wird der Reader über die Software Rocket Librarian, die es für Windows und Apple OS 9 (!!) gibt. Angeschlossen wird der Reader per seriellem Anschluss, das ist auch der Grund, weshalb ich ihn nicht an meinem Mac nutzen kann. Im Lieferumfang des Readers war neben dem Ladegerät auch eine Lederhülle, ein Stylus, ein Putztuch und eine Station, mit der das Gerät auch mit dem Rechner verbunden wird. Achja, es hatte auch einen Infrarotport, den ich niemals genutzt habe.

Der Nook ist unglaublich viel dünner. Beim Rocket eBook sieht man die Ausbuchtung und den Stylus.

Der Nook Touch von Barnes & Noble dagegen ist im Juni diesen Jahres veröffentlicht worden. Für umgerechnet 110 Euro bekommt man ein kleines (165.1x127x11.9) und extrem leichtes Gerät (212 Gramm). Das Display ist ein 6″ eInk Display mit 600×800 Pixel und 16 Graustufen. Insgesamt gibt es 5 Tasten, wobei diese nur 3 Funktionen haben, denn die Tasten am linken und rechten Rand sind jeweils die Blätter-Tasten. Über den nook Button unten kommt man ins Menü. Auch hier ist ein Touchscreen eingebaut. Wie auch beim Rocket eBook gibts hier die Möglichkeit, Textstellen zu markieren und Bemerkungen zu schreiben, Worte im englischen Wörterbuch nachzuschlagen und die Schrift in mehreren Schriftgrößen anzuzeigen. Aber weiterhin kann man auch den Zeilenabstand und den Rand, sowie die Schriftart auswählen und eben Textstellen über Twitter / Facebook / Google sharen. Auf dem Nook läuft eine modifizierte Android Version 2.1. Dadurch lassen sich die funktionen auch nochmal richtig aufbohren. Die Akkulaufzeit wird von Barnes & Noble mit 2 Monaten bei einem täglichen Lesepensum von 60 Seiten angegeben. Als Speicher stehen im Gerät für Bücher 1 GB zur Verfügung, durch den SD-Kartenslot kann das um 32 GB erhöht werden. Der Nook liest über .epub auch .jpg (anscheinend) und .pdf, also viel freundlichere Formate. Angeschlossen und geladen wird der Nook über USB, über Wifi kann aber auch drahtlos im Barnes & Noble Store nach Büchern gesucht werden. Der Lieferumfang beschränkt sich auf den Nook und das Ladegerät.

Die Geräte im Lesemodus. Obwohl der Nook keine Beleuchtung hat, ist er besser lesbar. Dafür kann beim Rocket eBook die Leserichtung geändert werden.

Vorteile des Nook Touch gegenüber dem Rocket eBook:

  • Lange Akkulaufzeit
  • Unglaublich gut lesbares Display
  • Leicht
  • Konnektivität über Wifi und USB
  • Android als Basis für viele Spielereien
  • Mit Barnes & Noble als Hersteller direkt ein großer Markt für Lesestoff
  • Zeigt die gängigen Formate an.
Vorteile des Rocket eBook gegenüber dem Nook Touch:
  • Hintergrundbeleuchtung
  • Leserichtung kann geändert werden

Faszinierend, wie sich in 10 Jahren einerseits nichts, andererseits alles ändert. Oder: Wie weit die Idee schon vor 10 Jahren war. Viele Funktionen gabs schon damals, manche gute Sachen haben sich seitdem einfach nicht verändert oder sind gar nicht mehr vorhanden. Dafür gibt es wiederrum Sachen, wie das Display und das Betriebssystem, die um einiges weiter sind. Auffällig ist, dass damals einfach alles Zubehör schon dabei war. Heute wird durch die Taschen, Schutzfolien und Ständer einfach nochmal massig Geld gemacht.

Ich würde derzeit aber auch nicht mehr zurück tauschen wollen und bin begeistert von meinem Nook. Brauche blos noch die passende Hülle. Ich halte euch auf dem Laufenden, wie sich das gerät im Langzeittest schlägt. Und irgendwann demnächst gibt es nochmal einen Artikel über eInk.