Straßenpoesie: Am 19.08 im Blutsgeschwister Stuttgart

Der L’aufbretzelsteg, Stuttgarts Blutsgeschwisterstore, wird zehn Jahre alt und das wird gefeiert. Mit Glitzer, Glamour und Konfetti. Mit Süßigkeiten und neuer Kollektion. Und mittendrin sitze ich, mit 60 Jahre alter Schreibmaschine und tippe euch Postkarten. Eure Worte, mein Kopf, eure Geschichte. Samstag, ab 16 Uhr. Kommt vorbei!

 

 

 

Straßenpoesie: Literatur unserer Generation

Jeder Buchstabe, nicht nur die meinigen, ein Schlag, jede Zeile ein heller Glockenton, eine unendliche Melodie, die zwar immer ähnlich, aber niemals gleich erscholl. Ein geschäftiges Treiben, man hörte die Spannung, die Arbeit, die Energie und in den seltenen Momenten von Ruhe, die winzigen Augenblicke, in welchen Niemand auf eine der 48 Tasten vor sich hieb, hörte man Gedanken wachsen wie das Gras. Wir arbeiteten nicht nur, wir erschufen.

Gegen Abend wurde die Melodie langsamer, manchmal sogar melancholisch. Die Menschen rieben die Fingerkuppen, streichelten die Sehnen und ließen die Knochen knacken.

Denn Literatur unserer Generation war kein federleichtes Gedicht, geschrieben auf Pergament mit dem schwungvollen Triumph einer Feder, sie war laut und dreckig, voller Schimpfwörter, sie tat weh und wir spürten sie noch nachts, wenn wir in Träumen auf unsichtbaren Tastaturen weiterhieben.

Aber wenn wir die verschwommenen Bilder der Demonstranten auf der Straße sahen, die Zeitungen verschmiert von der zu früh berührten Schwärze, wenn wir aus dem Fenster sahen, wo auf unserer Straße mehrere Banner gespannt waren, wenn wir unsere Parolen als Echo von den Häuserwänden widerhallen hörten, wussten wir, dass unsere Kunst nicht nur in unseren Köpfen war, sondern sich durch jeden Tastendruck heraus manifestiert hatte und real geworden war.

Geschrieben auf einer Hermes Baby.

Buch: The Typewriter Revolution

Durch meinen Typewriterspotting-Tumblr und die Straßenpoesie habe ich so einen kleinen Eindruck in die Welt der heutigen Schreibmaschinennutzer, die sogenannte Typosphäre. Ein großer Aktivist in dieser Szene ist Richard Polt, Philosophie-Professor an der Xavier University in Cincinnaty und großer Schreibmaschinenfan.

Er hat jetzt ein Buch rausgebracht, The Typewriter Revolution, quasi das Handbuch für den Schreibmaschinennutzer heutzutage. Die Geschichte der Schreibmaschine, ausgewählte Modelle, Nutzer heutzutage und vieles mehr, in einem sehr liebevoll gestaltetem Buch.

Ein guter Einstieg in die Welt von Schreibmaschinen, vom heutigen Zeitpunkt aus.

 

Der kurze Dienstweg. Ein Lob an die Bahn.

Das Problem, wenn man über „die Bahn“ meckern will, ist, dass man ja immer nur von „der Bahn“ sprechen kann und keine einzelne Person adressieren kann. Das wird besonders dann deutlich, wenn man im Zug sitzt und schon weiß, dass man den Anzug nicht erwischen wird und die Nacht irgendwie in dieser fremden Stadt verbringen muss, aber der Bahnangestellte, der dir das im Zug gesagt hat, kann ja auch nichts dafür.

Dies hier ist anders. Eigentlich sind es eine Handvoll Leute bei der Bahn, die ich loben möchte, aber ich habe keine Namen, also lobe ich „die Bahn“:

Heute Morgen, nachdem ich sie in vier verschiedenen Zügen immer wieder mitgeschleppt habe, vergesse ich eine meiner Schreibmaschine beim Ausstieg in Hildesheim. Mir fällt das in dem Moment auf, als der Zug langsam den Bahnhof verlässt. Ich also direkt zum Service-Center.

Ich: Ich habe gerade etwas in dem ICE vergessen.

„Die Bahn“: Dann fährt das jetzt wohl nach Berlin.

Ich: So siehts aus.

„Die Bahn“ nimmt einen Block und einen Stift in die Hand.

„Die Bahn“: Dann wollen wir mal sehen, was wir da tun können. Was haben Sie denn vergessen?

Ich: Eine Schreibmaschine.

„Die Bahn“ lacht.

„Die Bahn“: Eine Schreibmaschine. Sowas gibt’s noch?

Ich: Ja, ein paar gibt’s noch. Diese war eine Privileg, aber ich glaube nicht, dass so viele andere Schreibmaschinen in dem Zug sind.

Im Schnelldurchlauf: Ich erkläre, wo ich saß, „die Bahn“ ruft direkt im Zug an und übermittelt das. Dann schreibt sie sich meine Handynummer auf. Kurz darauf klingelt mein Handy.

„Die Bahn“: Ja, Herr Neidhardt, mein Kollege hat die Schreibmaschine bisher nicht gefunden, das hat jetzt auf dem kurzen Dienstweg nicht geklappt. Da müssen Sie sich jetzt an den Fundservice der Bahn wenden, tut mir leid.

Ich: In Ordnung, dennoch vielen Dank fürs versuchen.

Das Problem mit dem Fundservice ist folgendes: Ich glaube nicht, dass jemand die Schreibmaschine klaut. Sie wird höchstwahrscheinlich in den Händen „der Bahn“ landen. Aber eben nicht in Hildesheim, sondern in Berlin. Und wenn ich mir die Schreibmaschine schicken lassen muss, zahle ich pauschal 20 Euro. Das übersteigt den materiellen Wert, kommt an den ideellen bei weitem nicht ran. Ein Dilemma. Dennoch, erstmal die Suchanfrage abschicken und sehen was passiert. Eine Stunde später klingelt das Handy wieder.

„Die Bahn“: Herr Neidhardt, der Kollege hat die Schreibmaschine gefunden. Wir machen das jetzt so, eine Kollegin sitzt im Zug nach Hildesheim und wird die Maschine um 14:23 Uhr hier wieder abgeben, dann können Sie sie einfach abholen.

Ich bin also um 14:23 Uhr wieder am Bahnhof, nehme meine Schreibmaschine in Empfang und sage „der Bahn“ danke. Wie gesagt, eigentlich waren es einfach ein paar Mitarbeiter, aber ich betrachte das als Seite „der Bahn“, die man nicht so oft zu sehen bekommt. Die es aber verdient hat, gesehen zu werden.

Wer hätte gerne eine Schreibmaschine?

Lustig, einen sehr ähnlichen Artikel habe ich 2012 geschrieben, kurz vor dem letzten Umzug. Jetzt steht wieder einer an und es gilt immer noch: Ich habe hier einige Schreibmaschinen, die bei mir nur nutzlos rumstehen. Deshalb die Idee des dezentralisierten Sammelns: Wer eine Schreibmaschine will, bekommt eine als Dauerleihgabe ohne irgendeine zeitliche Einschränkung. Aber wenn derjenige die Maschine nicht mehr will, hätte ich sie gern zurück. Deal? Meldet euch und holt euch euer Schmuckstück ab.

Und wenn ihr eine Maschine habt, die ihr nicht mehr braucht, immer her damit.

Straßenpoesie beim Kunst im Club-Festival in Stuttgart

Yeai, schon viel zu lange saß ich nicht mehr an der Hermes Baby und habe Geschichten geschrieben. Ich habe hier noch einige Karten, die noch geschrieben werden müssen. Umso schöner die folgende Ankündigung: Ich werde bei Kunst im Club dabei sein und dort einen Tisch für meine Straßenpoesie haben! Auf der zugehören Kunst im Club-Seite habe ich meinen eigenen Eintrag, dort findet man auch all die anderen Künstler, welche an diesem Wochenende im Zollamt Stuttgart zu sehen sein werden.

Ich wollte schon immer auf einem Festivalplakat stehen. So, jetzt macht Werbung für das Festival, klickt euch auf facebook und natürlich: Kommt vorbei!

Schreibmaschine: Silver Reed 200

Das Schreibmaschinensammeln ist bei mir ja keine ausgeprägte Sammelwut. Es ist eher ein „wenn eine Maschine zu mir kommt, freue ich mich sehr“. Das passiert regelmäßig alle paar Wochen. Nur, da ich im Oktober einen Straßenpoesie-Workshop halten werde und ich dort für jeden Teilnehmer eine Maschine brauche, bin ich gerade wieder ein bisschen mehr hinterher, noch ein paar Maschinen zu bekommen. So bin ich unter an obige Silver Reed 200 gekommen. Eine süße, kleine Maschine aus Metall, orange lackiert. Silver Reed gehörte damals neben Nakajima und Brother zu den drei größten Schreibmaschinenherstellern in Japan. Mehr kann ich leider nicht zu der Maschine und dem Unternehmen sagen. Ist meine erste Silver Reed. Das J klemmt ein wenig. Ansonsten ist die Machine topp in Schuss. Ich freue mich auf die weiteren Maschinen. Gilt auch für euch: Wenn ihr eine Schreibmaschine habt, die ihr loswerden wollt: Dies ist die Schreibmaschinenannahmestelle 😉

Dezentralisiertes Sammeln von Schreibmaschinen.

Manche Sachen kann man problemlos sammeln, ohne dass sie einem viel Platz wegnehmen. Bilder von Klotüren beispielsweise. Aber viele Sachen, die man sammelt, nehmen echt viel Platz weg! Schreibmaschinen gehören da dazu.

Und dazu kommt, man sammelt ja Sachen, weil sie einem gefallen. Wenn ich dann aber in all die Ecken gucke, in denen sich die Maschinen stapeln, denke ich, was soll das? Jetzt verstauben sie bei mir! Das ist nicht sinnvoll, vor allem, wenn so viele Menschen, die sie sehen oder von ihnen hören, total begeistert sind und auch gerne eine Schreibmaschine hätten. Also habe ich mir dieses „Dezentralisierte Sammeln“ überlegt. Ich sammele weiter die Maschinen, putze sie, teste sie aus und berichte darüber. Und danach gebe ich sie jemandem, der Lust auf eine Schreibmaschine hat. Und solange dieser Spaß an der Maschine hat, ist das besser, als wenn sie hier Platz wegnehmen und verstauben würde. Und falls diese Leute irgendwann keinen Bock mehr auf Schreibmaschinen haben, kommen die Maschinen wieder hierher zurück. So geschehen mit Fräulein Smilla, einer Privileg 270. Und mit Sherlock, einer Olympia SM1. Aber über letztere berichte ich nochmal.

Hier also auch der Aufruf: Wenn ihr Lust auf eine Schreibmaschine habt, als Dauerleihgabe sozusagen, meldet euch.

Und wenn ihr Schreibmaschinen habt, die ihr nicht mehr braucht, immer her damit 😉

Poetry: Texte und Straßenpoesie bei der Pforzheimer Kulturnacht im Kupferdächle

In Pforzheim steigt am Samstag, dem 28.04.2012 die Kulturnacht. Es gibt ein großes Programm, unter anderem auch im Kupferdächle.

Im Rahmen der Pforzheimer Kulturnacht präsentiert das Kupferdächle in drei Abschnitten jeweils zur vollen Stunde seinen Facettenreichtum auf der Café-Bühne: mit Musikern, Schauspielern und Literaten. Parallel dazu ist die Ausstellung „Land Art“ geöffnet und es werden verschiedene Video-Eigenproduktionen gezeigt.

 

Unter anderem werde ich dort durch den Abend führen und ein paar Texte vortragen. Des weiteren werde ich die Zeit zwischen den Sets mit Straßenpoesie füllen. Man versprach mir einen Tisch samt Sessel und einer old-school Schirmlampe. Ich bringe dafür die Schreibmaschine und die Postkarte. Ich freue mich darauf! Und darauf, euch Geschichten zu schreiben. Einlass ist um 19:00 Uhr, los geht’s um 20:00 Uhr.

Schreibmaschine: Privileg 270

Eine Privileg 270 von Quelle
Privileg 270, naked

Eine Privileg 270. Leider kann ich nicht wirklich viel über die Maschine sagen. Privileg war die Hausmarke des Versandhauses Quelle und deshalb steckt in dieser Hülle also eine Schreibmaschine aus einer anderen Produktion. Ich habe sie so weit wie möglich auseinandergebaut, aber nirgends einen Hinweis auf den echten Hersteller finden können. Aber aufgrund von ungenutzten Bohrungen gehe ich definitiv davon aus, dass ein anderer Hersteller die Maschine mit einem anderen Gehäuse verkauft. Vielleicht kann mir ja jemand helfen und sagen, wer hinter dieser Maschine steckt.

Ansonsten habe ich hier ein sehr schönes Maschinchen stehen. Die Dame, von der ich diese bekommen habe, sagte mir, sie sei kaum benutzt. Genau so sieht die Maschine auch aus. Die Typen funktionieren reibungslos, die Walze ist sauber, es gibt keine Kratzer am Gerät. Wahrscheinlich hat die Privileg ein paar Jahre geschlafen. Da die Anzahl der Schreibmaschinen langsam nicht mehr proportional zu der Anzahl der Bewohner hier in der Wohnung ist und ich nicht will, dass sie wieder schläft, wird diese schöne Maschine bald einer neuen Besitzerin überführt. Sie hat der Schreibmaschine sogar schon einen Namen gegeben: Fräulein Smilla.

Viel besser, als wenn sie hier verstauben würde 😉 Mehr Bilder gibt’s übrigens auf Typewriterspotting, meinem Schreibmaschinen-Projektblog.

neues Projekt: Typewriterspotting

Hank Moody aus Californication

Es ist doch so: Wenn man sich ein neues Hobby sucht, oder eine Leidenschaft einen findet, dann wird man automatisch für diese Leidenschaft sensibilisiert. Seit ich mich für Busse interessiere, fallen mir Busse vermehrt auf. Früher habe ich sie einfach übersehen. Seit knapp einem Jahr bin ich von Schreibmaschinen ganz gut fasziniert. Ich sammele langsam Wissen über Schreibmaschinen und Schreibmaschinen selbst und bin mit Schreibmaschinen in Fußgängerzonen unterwegs (Straßenpoesie). Und seitdem sehe ich überall Schreibmaschinen! Um dieses Phänomen so richtig auszuleben, habe ich ein kleines neues Projekt gestartet: Typewriterspotting. Schreibmaschinen in Filmen, Schreibmaschinen in Büchern, in Serien, im echten Leben. Die Seite sammelt Schreibmaschinen, wo immer sie auftauchen. Versehen mit den Informationen, woher die Bilder kommen und – wenn ich sie erkenne – was für eine Schreibmaschine da zu sehen ist.

Die ersten 25 Einträge sind online, viele weitere werden folgen. Für jede Unterstützung bin ich dankbar. Auf Deutsch: Wenn ihr in einem Film/Buch/Serie/Sonstwo eine Schreibmaschine erspäht, sagt mir Bescheid. Den Einträgen folgen geht am besten über twitter oder den RSS-Feed. Obwohl ihr da dann nicht das schöne Design der Seite seht 😉

Schreibmaschine: Olivetti Valentine

Wenn man sich mit Schreibmaschinen beschäftigt, stößt man irgendwann über die Hermes Baby. Sagte ich damals auch schon. Wenn man sich ein wenig weiter damit beschäftigt, stolpert man auch über die Valentine, eine der drei Schreibmaschinen, die in New York im Museum of Modern Art stehen. Technisch nichts Besonderes, aber designtechnisch außergewöhnlich! Ein signalfarbenrotes Stück Pop-Art in einem Schiebekoffer, designed by Ettore Sottsass. Von 1969.

Ein schönes Ding! Aber für eine Reiseschreibmaschine recht groß. In die Hülle passt die Hermes Baby, samt Koffer! Jetzt bin ich erstmal froh, dieses rote Ding hierzuhaben. Alles weitere wird sich ergeben. In den nächsten Tagen erzähle ich auch über die anderen „neuen“ Schreibmaschinen berichten, die hier eingetroffen sind. Ich glaube, Schreibmaschinen, das könnte eine neue Leidenschaft werden…

Die Sache mit der Straßenpoesie

Straßenpoesie bei FKK Frischfleisch in Karlsruhe
Straßenpoesie bei FKK Frischfleisch in Karlsruhe (Bild: Maurice Meijer)
Straßenpoesie: Passagenspaziergänge
Straßenpoesie: Passagenspaziergänge

Wenn ich mich traue, setze ich mich mit meiner Hermes Baby irgendwo hin, wo Menschen vorbeikommen. Da drücke ich ihnen Blanko Postkarten in die Hand. Sie schreiben ihren Namen und ihre Themen auf die Vorderseite der Karte und dann tippe ich ihnen auf die Rückseite einen Text zu eben diesem Thema.

Für solche Texte habe ich zwischen 10 und 20 Minuten Zeit. Wie bei jeder Massenproduktion gibt es bei so einer Fließbandarbeit extreme Schwankungen an Qualität. Aber jede Karte wird abfotografiert und die meiner Meinung nach besten tippe ich ab und stelle sie hier online.

Ich mag den Namen Straßenpoesie. Einerseits bezeichnet er schön den Enstehungsnamen der Geschichten. Andererseits haben die Geschichten und Gedichte für mich zumindest einen besonderen Flair. Eben dieses Poeten von der Straße-Ding. Muss eigentlich niemand ausser mir verstehen. Falls es doch jemand tut, umso besser.

Der erste Schwung an Geschichten entstand vor und nach der Lesung bei FKK Frischfleisch, hoffentlich gibt’s bald noch mehr.

Straßenpoesie: Wer braucht schon Farbe, wenn er Kontur hat?

Das Original
Das Original
Kurz nachdem ich den Kinosessel verlassen hatte, hatte ich schon wieder Lust, mich reinzusetzen. Stundenlang konnte ich mich in diesen abgefuckten Sesseln lümmeln und Filme über die Leinwand flimmern sehen.
Treffe ich ein Mädchen und es geht um Themen, die die Welt bewegen und hoffentlich mich in ihr Bett, dann komme ich schnell auf das Thema, welches mich in den Sesseln der Kinos dieser Welt leben lässt. Filme. Nicht dieses Milliardendollar CGI Geballere aus Hollywoodland. Kein Arthauskino aus Argentinien. Keine Keinohrfilme aus Deutschland.
Wir reden von alten Schwarzweißfilmen.

Wer braucht schon Farbe, wenn er Kontur hat?

Seid doch ehrlich, Jungs, interessiert euch die Farbe des T-Shirts oder die Kontur der Brüste, welche ihr darunter vermutet und erhofft? Von mir aus könnte das ganze Leben schwarzweiß sein. Alles Wichtige lässt sich auch farblos abbilden.
Fußball funktioniert ohne Farben. Die Arschkarte erkennt man dennoch. Die 22 Menschen auf dem Feld genauso. Wusstet ihr, dass die Arschkarte aus genau diesem Grund eingeführt wurde? Damit man sie als rote Karte erkennt. Das ist auch der Grund, weshalb die rote Ampel immer ganz oben ist.
Die ganze Welt funktioniert schwarzweiß. Ein rosa Schwein ist trotzdem noch ein rosa Schwein und rosa wäre ein ganz bestimmter Graugrad.
Die ganze Welt funktioniert schwarzweiß. Das Rotlichtmilleu erkennt man auch ohne die rote Farbe.
Die ganze Welt funktioniert schwarzweiß. Musik funktioniert ohne Farbe. Denn ganz egal, ob du dich durch Rock’n’Roll, Death Metal oder HipHop von deinem Radiowecker wecken lässt, du triffst den Wecker, ganz egal welche Farbe er hat.
Wenn das Mädel dann lacht. Oder zumindest lächelt, dann sage ich, ja, das ist nämlich auch der größte Irrtum in der Kunst. Dann stutzt das Mädel. Und ich sage, ja das ganze Leben ist Kunst.
Und alle Welt denkt, Kunst muss gut sein, sagt das Mädel.
Und ich nicke und denke, hä?, und sage, ja, das auch, aber eigentlich wollte ich auf was anderes hinaus. Der größte Irrtum in der Kunst ist… tja, und dann reisst der Film. Das ist das Problem an Schwarzweißfilmen. There ain’t no DVD. Das sind immer noch Filmrollen, die benutzt werden. Und manchmal bleiben die hängen und brennen durch.
Wie Menschen im echten Leben auch. Aber wie im echten Leben geht es meistens danach auch schnell weiter. Aber leider hat man dann schon einen Teil verpasst.
Die ganze Welt funktioniert in schwarzweiß. Wer braucht schon Farbe, wenn er Kontur hat?
Ich freue mich darauf, mich wieder in einen Kinosessel fallen zu lassen. Und nach dem Film geht es raus in die schwarze Nacht. So schwarz, weiß ich, dass man nur noch Konturen erkennt.

Aber wer braucht schon Farbe, wenn er Kontur hat?

Originalende:
Ich freue mich darauf, mich wieder in den Kinosessel fallen zu lassen und von Nikita gestellte Fragen zu beantworten. Aber wenn ich das hier lese, ist meine Zeit im Sessel fast vorbei. Und dann geht es raus in die schwarze Nacht. So schwarz, weiß ich, dass man nur noch Konturen erkennt.

Aber wer braucht schon Farbe, wenn er Kontur hat?