Ulrich Blumenbach zu verschiedenen Übersetzungen einer Passage aus Infinite Jest

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Text und Interview erschienen zuerst in Drift – Zeitschrift für Recherchen, Ausgabe 1. Veröffentlichung hier erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers. Mehr Info zu Drift gibts unter dem Text.


Ulrich Blumenbach ist literarischer Übersetzer aus dem Englischen und arbeitet gerade am Großprojekt Witz von Joshua Cohen (Vier neue Nachrichten und Solo für Schneidermann, dt. von Ulrich Blumenbach) und den noch unübersetzten Essays von David Foster Wallace. Er war an der Übertragung von James Joyce Finnegans Wake beteiligt und wurde spätestens mit seiner Arbeit an Wallace‘ Roman Infinite Jest zur Berühmtheit. In einem Beispiel zeigt er uns, wieso und spricht im Anschluss über Explosionen, Genauigkeitsfetischismus und seine Haltung zu Übersetzung und Gegenwartsliteratur allgemein.

David Foster Wallace’ Roman Infinite Jest spielt hauptsächlich an zwei Orten, in der Enfield Tennis Academy in einem fiktiven Stadtteil von Boston, wo Jugendliche für eine Karriere im Profisport trainiert werden, und in der Entzugsanstalt Ennet House. Die Patienten der Entzugsanstalt haben die Auflage, je nach der Droge, von der sie loskommen wollen, an Treffen der jeweiligen Selbsthilfegruppen teilzunehmen. Wer einst dem Sumpfsinn frönte, geht also zu Treffen der Anonymen Alkoholiker. Die Anonymen Alkoholiker werden trotz all ihrer oft parodierten Sektenhaftigkeit zu einem, wenn nicht zu dem positiven Sinnzentrum des Romans. Alles andere wird nach guter alter Postmodernistenweise durch die Ironiemühle gedreht, aber da die Rituale der Anonymen Alkoholiker auf paradoxe Weise in sich gebrochen sind, können sich bei ihnen fragmentierte, dafür aber wieder handlungsfähige Subjekte mit eigener Willenskraft herausbilden. Erst wenn man die alte, suchtverleugnende Identität über Bord geworfen und eingesehen hat, dass man Alkoholiker ist, kann man hoffen, trocken zu werden. Zum paradoxen Programm der Selbsthilfegruppe gehört es, die Verlogenheit der Beichtrituale bei den Gruppentreffen zu kennen und sie trotzdem zu praktizieren. Gerade diese Ambivalenz trägt zum Erfolg bei. Wenn ich trotz innerer Ablehnung nur lange genug das Spiel mitspiele, allmorgendlich Gott um Hilfe dabei zu bitten, ohne Alkohol durch den Tag zu kommen, dann wird aus dem Spiel irgendwann Ernst. Dann will ich irgendwann nüchtern bleiben, und im nächsten Schritt kann ich dann irgendwann nüchtern bleiben. Wallace beschreibt immer wieder Gruppentreffen der Anonymen Alkoholiker, und die dort vorgebrachten Geständnisse trockengelegter Trinker gehören zu den finstersten Passagen des Romans, die gleichwohl oft eine Art trojanischen Humor bergen. Der folgende Abschnitt wird von einem irischen Einwanderer erzählt, der einen so breiten Dialekt spricht, dass man zunächst fast gar nichts versteht:

’d been a confarmed bowl-splatterer for yars b’yond contin’. ’d been barred from t’facilities at o’t’ troock stops twixt hair’n Nork for yars. T’wallpaper in de loo a t’ome hoong in t’ese carled sheets froom t’wall, ay till yo. But now woon dey … ay’ll remaember’t’always. T’were a wake to t’day ofter ay stewed oop for me ninety-dey chip. Ay were tray moents sobber. Ay were thar on t’throne a’t’ome, yo new. No’t’put too fain a point’on it, ay prodooced as er uzhal and … and ay war soo amazed as to no’t’belaven’ me yairs. ’Twas a sone so wonefamiliar at t’first ay tought ay’d droped me wallet in t’loo, do yo new. Ay tought ay’d droped me wallet in t’loo as Good is me wetness. So doan ay bend twixt m’knays and’ad a luke in t’dim o’t’loo, and codn’t belave me’yize. So gud paple ay do then ay drope to m’knays by t’loo an’t’ad a rail luke. A loaver’s luke, d’yo new. And friends t’were loavely past me pur poewers t’say. T’were a tard in t’loo. A rail tard. T’were farm an’ teppered an’ aiver so jaintly aitched. T’luked … conestroocted instaid’ve sprayed. T’luked as ay fel’t’in me ’eart Good ’imsailf maint a tard t’luke. Me friends, this tard’o’mine practically had a poolse. Ay sted doan own m’knays an tanked me Har Par, which ay choose t’call me Har Par Good, an’ ay been tankin me Har Par own m’knays aiver sin, marnin and natetime an in t’loo’s’well, aiver sin.

Um zu verstehen, worum es in dieser Passage überhaupt geht, habe ich sie zunächst in ein unmarkiertes Standarddeutsch übersetzt – was schon eine Weile dauerte, weil ich zunächst
beispielsweise nicht verstanden habe, was mit dem vermaledeiten »Har Par« in den letzten Zeilen bloß gemeint sein sollte. Die standarddeutsche Version lautete schließlich folgendermaßen:

Ich war seit unzähligen Jahren ein amtlich beglaubigter Kloschüsselbespritzer. Bei den Trucker-Raststätten zwischen hier und New York durfte ich schon seit Jahren nicht mehr auf die Toilette. Zu Hause war die Tapete an der Badezimmerwand schon total wellig, das kann ich euch sagen. Aber dann auf einmal … den Tag vergess’ ich mein Lebtag nicht. Da fehlte nur noch eine Woche, und ich war neunzig Tage trocken. Drei Monate war ich nüchtern. Ich hock’ da also zu Hause auf dem Donnerbalken, ja. Bin da am Drücken wie immer, da beißt die Maus keinen Faden ab und … und ich war so verdattert, ich hab’ meinen Augen nicht getraut. Das hatte ich so lange nicht gesehen, dass ich erst gedacht habe, mir wär das Portmonnaie ins Klo gefallen, ja. Echt, ich hab gedacht, mir ist das Portmonnaie ins Klo gefallen, so wahr mir Gott helfe. Ich geh’ also in die Knie und seh’ mir das im Zwielicht des Badezimmers richtig an, und ich hab’ meinen Augen nicht getraut. Das muss man sich mal vorstellen, Leute, ich knie’ neben der Toilette und seh’ mir das richtig an. Wie man einer Geliebten tief in die Augen blickt, ja. Und meine Freunde, das war eine Lieblichkeit, da fehlen mir die Worte. Da lag eine richtige Wurst im Klo. ’Ne richtige Wurst. Die war fest, verjüngte sich und war ganz leicht gebogen. Sie sah … wohlgeformt aus statt gespritzt. Sie sah so aus, dass ich das Gefühl hatte, Gottvater persönlich hätte die Wurst erschaffen. Meine Freunde, diese meine Wurst hatte praktisch einen Puls. Ich bin also auf den Knien geblieben und habe meinem Höheren Wesen gedankt, das ich immer Gott nenne, und seit dem Tag dank’ ich meinem Höheren Wesen auf den Knien, morgens, abends und auch auf dem Klo.

Angelsächsische Dialekte werden von deutschen ÜbersetzerInnen schon seit einigen Jahrzehnten nur noch selten durch deutsche Dialekte ersetzt. Da es hier jedoch nur um eine kurze Passage geht, habe ich es mir trotzdem erlaubt und die Passage zunächst in ein geo- graphisch nicht lupenrein zuzuordnendes Norddeutsch übersetzt, wie es in Hamburg und meiner niedersächsischen Heimat anzutreffen sein dürfte:

Ich hadde seid zich Jaahn jesusmäßich die Renneridis. Bein Raststäddn zwischen hier und Njork durfd ich schon seid zich Jaahn nich mehr aufn Podd. Zu Hause die Tapede anna Wand vom Lokus war schon wellig wie Hulle. Aber dann aufn Mal … den Tach vergess ich mein Lebtach nich. Da fehlde nur noch ne Woche, ne, und ich war neunzich Tage troggn. Drei Monade wah ich nüchtann. Ich hock da also zu Hause aufm Donnabalkn, ne. Bin da am Machen wie immer, da beißd die Maus keinn Fadn ab und … und ich wah sowas von verdaddad, dassde midn Oahn schlaggast. Das hadd ich so lange nich gesehn, dass ich east gedacht hab, mir wärs Pordmoneh inn Lokus gefalln, ne. Echd, ich hab gedachd, mir isses Pordmoneh inn Lokus gefalln, so wah mir Gott helfe. Ich also in die Knie und seh mir das im Schummer vom Lokus richdich an, und da schlagga ich erst recht midn Oahn. Muss man sich ma vorstelln, Loide, ich knie nebem Lokus und seh mir das richdich an, wie unna na Lupe. Seh mir das an wie ne Geliebte, ne. Und meine Froinde, das war ne Lieblichkeid, da bleibd eim die Spugge wech. Da laach ne richdige Wuasd im Lokus. Ne richtige Wuasd. Die war fest, vajüngde sich und war gans leichd gebogn. Sie sah … wohl- geformd aus statt gespritzt. Sie sah aus, dass ichs Gefühl hadde, Godd selbsd hädde die Wuast erschaffn. Meine Froinde, diese meine Wuasd zwinkate mir praktisch zu. Ich also aufn Knien geblieben und dank meim Hören Wesen, das ich imma Godd nenn, und seid dem Dach dank ich meim Hören Wesen aufn Knien, morgens, ahms und aufm Lokus.

Das Ergebnis mag in sich stimmig sein, aber wenn ein irischer Einwanderer ins US-amerikanische Boston einen norddeutschen Dialekt spricht, schubst das den Leser aus der Fiktion, seine willing suspension of disbelief gerät an ihre Grenzen. Außerdem ist diese Passage noch viel zu verständlich. Wenn ich wirklich die für literarische Übersetzungen so wichtige Wirkungsäquivalenz erzielen will, muss ich die Übersetzung an dieser Stelle unverständlicher machen, da auch das Original für nichtirische Englischsprecher unverständlich ist. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf habe ich mich gefragt, warum muss das eigentlich ein irischer Immigrant sein? Kann der nicht auch aus der Schweiz, genauer gesagt aus Basel kommen? Ich habe also die Nationalität des Sprechers geändert, mich mit einem Freund, Lucas Burkart vom Historischen Seminar der Universität Basel, zusammengesetzt, und herausgekommen ist die folgende Fassung, wie sie jetzt im Buche steht:

Als aine, wo alli Aabeehysli versprützt, bin ych scho männgs Joor bekannt gse. In de Beize uff de Landstroosse han ych scho lang nimme uff d’ Schissi deerfe. Deheim, im Bad isch d’ Dabeete scho so wällig gse, das glaubsch gar nit. Aber denn uff aimool … das wird ych nie vergässe. Ai Wuche no, und ych hätt niinzig Tag nimme gsoffe. Drei Moonet wär ych denn undrungge gse. Also ich hogg dehaim uff dr Schissi, verstoosch. Bi am Drugge wie allewyl, das glaubsch gar nit, und … und bi so verstuunt gse, ych ha myne Auge nit traut. Das han ych scho lang nimme gsee, do han ych zerscht dänggt, ’s Portemonnaie isch mir ins Hysli gfalle, verstoosch. By Gott, ych han dänggt, ’s Portemonnaie isch mir ins Hysli gfalle. Ych kneule also aane und lueg mir die Sach im schummrige Liecht vom Hysli ganz genau aa. Ych ha myne Auge nit traut, versteend ihr, Lyt, ich kneule also näbem Haafe und lueg ganz gnau. Grad soo wie me emene Schatz in d’ Auge luegt. Miini Frynd, das isch e Fraid gse, mir fäle d’ Wort. Do lygt e richtig Wirschtli. E richtig Wirschtli. Feschd, spitzig und lycht krumm. Es hett ussgseh wie ne Wirschtli, gar nimme verspritzt. Graad eso als ob dr liebi Gott ʼs gmacht haig. Also miini Fründ, das Wirschtli hett fascht wie gläbt, Ych bi also kneule blybe und ha mym Heechere Wäse danggt, das Wäse wo fir my dr liebi Gott isch, und sit däm Tag dank ych däm Heechere Wäse uff de Kneu, am Morge, am Oobe und uff em Hysli. (US 507f.)

Dokumentation einer vielgliedrigen Frage-Antwort-Relation mit losem Bezug zum abgedruckten Textbeispiel – oder: Nennen wir es Interview.

1. Eine Welt, die Sprache macht
Grundsätzlich und vor allem Anderen gesagt: Durch Sprache erfassen wir die Welt. Wittgenstein schreibt im Tractatus logico-philosophicus: »Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.« Ich habe den Wunsch (und ich nehme an, viele Menschen teilen ihn), meine Welt besser zu verstehen. Also möchte ich ihre Grenzen ausweiten, indem ich lerne, sie sprachlich besser auf den Begriff zu bringen. Literatur hilft dabei. Wallace war für mich eine Offenbarung, weil sein sprachlicher Genauigkeitsfetischismus neue Welten erschließt.

2. Wie es sich zusammenreimt
Erst einmal habe ich mir die [oben ab- gedruckte, Anm. d. Red.] unverständliche anglo-irische Passage immer wieder vorgelesen, weil mir schwante, dass ich irgendwelcher phonetischer Verzerrungen wegen auf dem Schlauch stand. An dieser Stelle, bei diesen beiden Wörtern, also »Har« und »Par«, habe ich daher nicht groß recherchiert, sondern irgendwann ist einfach der Groschen gefallen; im Kontext der spezifischen Spiritualität der Anonymen Alkoholiker konnte es nichts anderes bedeuten als »Higher Power« / »Höheres Wesen«.
Verständlich? Finden Sie »Heechere Wäse« wirklich so verständlich? Damit dürften Sie ziemlich allein stehen. Mir blieb nach der Vorabentscheidung, die Passage ins Baseldytsch zu übersetzen, keine andere Wahl.

3. Sich Freiheit gönnen
Die einzige Reaktion darauf, an die ich mich erinnern kann, war die skep- tische Nachfrage, ob man die Nationalität einer literarischen Figur ändern dürfe, denn das sei doch ein massiver Eingriff in das Werk. Ein gewichtiger Einwand, aber hier hielt und halte ich mein Verfahren für legitim, weil die Passage in Infinite Jest so heraussticht, und dann muss man, wie Fritz Senn beim Zürcher Übersetzertreffen in der Joyce-Stiftung immer sagt, in der Übersetzung etwas veranstalten, damit die Leser merken, welche Dynamik der Text entfaltet. Kurz gesagt: Das muss kesseln!

4. Die Reihenfolge – Recherche und Übersetzung
Realia recherchiere ich möglichst sofort, also bei der ersten Rohübersetzung, denn der Sachgehalt beeinflusst unter Umständen den Wortlaut. Zitate, deren deutsche Entsprechungen ich nicht im Internet finde, sammle ich in der Regel und lege dann irgendwann einen Recherchetag in der Basler Unibibliothek ein. Experten frage ich erst, wenn ich allein nicht mehr weiterkomme, mit meinem Latein am Ende bin.
Auch der eigentlich kreative Teil des Übersetzens findet schon beim Rohübersetzen statt, habe ich festgestellt. Als erstes schlage ich Vokabeln bei www.dict.cc und www.linguee.de nach, wenn mich die dortigen Wortangebote nicht befriedigen, trete ich ans Regal und konsultiere das Pons-Großwörterbuch und den Großen Muret-Sanders, suche aber auch schon in meinen privat angelegten Synonymlisten nach idealen Ausdrücken. Auch Wortspiele drechsle ich – zumindest wenn ich ruhig und entspannt übersetze –, bevor ich zu tippen anfange, bevor Sätze eine grammatische Form annehmen.
Der Rhythmus einer Passage dagegen, habe ich – selber leicht verblüfft – festgestellt, bildet sich manchmal erst beim ersten Überarbeiten am folgenden Tag heraus.

5. Eindeutig Kompensiert
Es gibt unübersetzbare Wörter (das Englische kennt beispielsweise den schönen Ausdruck »petrichor«, der den lehmigen Geruch bezeichnet, der nach einem Sommerregen vom zuvor ausgetrockneten Erdboden aufsteigt), aber zum Glück gibt es das Prinzip des kompensierenden Übersetzens, d.h. wenn ich auf ein tatsächlich unübersetzbares Wort stoße, versuche ich, in seiner Satzumgebung einen ähnlichen Effekt zu erzeugen und vielleicht ein im Deutschen ähnlich auffälliges Wort einzubauen.

6. Ein Riese und der Weg dorthin
Meine Recherche geht so weit, bis ich mit einer gefundenen Lösung zufrieden bin und glaube, das Wort angemessen übersetzt zu haben. Das kann dauern. Wallace beschreibt in Infinite Jest beispielsweise einen Mann als ascapartic. Der Ausdruck stand jahrelang in meiner Fragenliste ungeklärter Wörter und Begriffe, denn das Oxford English Dictionary kannte ihn ebenso wenig wie der große Muret-Sanders von 1962 und das Webster’s Unabridged Dictionary. Durch puren Zufall habe ich in einem Antiquariat den Muret-Sanders in der Ausgabe von 1906 gefunden, und da stand dann endlich: »Ascapart«: »in alten Romanzen ein gewaltiger Riese, den Bevis of Hampton besiegte«. Ich bin (mehr aus philologischem als aus übersetzerischem Interesse) dem Eigennamen »Ascapart« nachgegangen und habe Verweise auf William Shakespeares in den Jahren 1590-92 entstandene Historie The Second Part of King Henry VI gefunden. In den gängigen Werkausgaben von heute ist die Passage aber nicht aufzufinden, und man muss bis zur Quarto-Ausgabe von 1594 zurück gehen, in der es in der Tat heißt: »As Beuys of South-hampton fell vpon Askapart«. Die Anspielung auf den Helden der in der Renaissance noch beliebten Romanzen war für spätere Zuschauer unverständlich und wurde in späteren Textausgaben daher gestrichen.

7. Richtig falsch übersetzen
Ich fürchte, es ist unergiebig, die Frage nach dem Vorgehen beim Recherchieren an den Aspekt der Figurenreden zu koppeln. Was Hal Incandenza angeht, den Jugendlichen mit dem photographischen Gedächtnis, der das Oxford English Dictionary auswendig lernt, so musste ich, um seinen Wortschatz adäquat zu übersetzen, enzyklopädische Wörterbücher aller möglichen Wissensgebiete konsultieren. Das ist letztlich aber eine Selbstverständlichkeit allen literarischen Übersetzens und wird im Fall von David Foster Wallace und Infinite Jest allenfalls quantitativ noch einmal gesteigert.
Wenn Sie mich nach Figuren fragen, die mich am meisten amüsiert, belehrt, gefordert und/oder befreit haben, fallen mir gleich zwei ein, nämlich der frankokanadische Terrorist Rémy Marathe, der ein nur unvollkommenes Englisch spricht, und der kokainsüchtige Dealer Randy Lenz, der den Intellektuellen markiert, sprachlich über seine Verhältnisse lebt und einen Schnitzer nach dem anderen produziert. Beider Redeweise wird durch Malapropismen und Artverwandtes charakterisiert, und Falsches richtig falsch zu übersetzen, ist eine Kunst für sich. Marathe wird beispielsweise nicht durch eine fehlerhafte Aussprache markiert wie Franzosen oft im Klischee, sondern verfehlt haarscharf die gemeinten idiomatischen Ausdrücke, wenn jemand für brutale Tätigkeiten nicht mehr »abgegart« (statt »abgebrüht«) genug ist oder wenn ein »Sündenwidder« gesucht wird. Und wenn Randy Lenz das ihm unbekannte Fremdwort bonafide (im Kontext etwa »waschecht«) als »bonerfied« verballhornt, steckt in der Schreibung ein boner, eine Erektion, was ich kompensierend nachgeahmt habe, indem ich Lenz an anderer Stelle statt von Geysiren auf Island von »Geishas auf Island« sprechen und aus regeneriert »regenerigiert« machen lasse.

8. Interpretation am Fall des Zaunkönigs
An einem anderen Beispiel lässt sich vielleicht eher und fruchtbarer demonstrieren, wie und warum ein Übersetzer beim Recherchieren vom Hundertsten ins Tausendste kommen kann. Die Situation: Der Footballspieler Orin Incadenza – der Bruder des Tennisspielers Hal Incandenza – sitzt in Phoenix im amerikanischen Bundesstaat Arizona in der prallen Sonne und badet sein schmerzendes Bein in einem Whirlpool, und dann heißt es: »Urplötzlich war Knall auf Fall ein Vogel in den Whirlpool geplumpst. Mit einem nichtssagenden, nüchternen Plop. Knall auf Fall. Aus dem weiten leeren Himmel. Über dem Whirlpool war nichts als Himmel. Der Vogel musste mitten im Flug einen Herzinfarkt erlitten haben, gestorben, aus dem leeren Himmel gefallen und tot direkt neben dem Bein im Whirlpool gelandet sein. Mit einem Finger schob Orin die Sonnenbrille auf die Nase und betrachtete ihn. Der Vogel hatte nichts Besonderes. Kein Raubvogel. Ein Zaunkönig vielleicht.«
Ein ornithologisch bewanderter Freund entdeckte hier eine Unstim- migkeit. Zumindest der europäische Zaunkönig nistet in niedrigen Sträu- chern, fliegt tief über dem Boden und – im Zusammenhang des Romans das Wichtigste – überquert im Flug niemals Wasserflächen. Nun könnte man natürlich argumentieren, dass ein Whirlpool nicht unbedingt als flugroutenbehindernde Wasserfläche gewertet werden muss. Ich bin der Frage trotzdem nachgegangen und habe die Bedenken in einem Diskussionsforum von Wallace-Lesern und -Fans geäußert. Die Antworten waren hochinteressant – und führten in ganz verschiedene Richtungen. Die erste Mail kommentierte nur kurz und bündig: »My vote is for the cactus wren« (Kaktuszaunkönig oder Campylorhynchus brunneicapillus). Als ich dem Hinweis bei Wikipedia nachging, entdeckte ich, dass der Kaktuszaun- könig der Staatsvogel von Arizona ist. Heureka!, dachte ich: Wallace arbeitet mit einer Anspielungstechnik, wie sie vor hundert Jahren von Autoren der klassischen Moderne wie James Joyce, Ezra Pound und T.S. Eliot entwickelt wurde: Die tiefere Bedeutung eines unscheinbaren Oberflächensignals dient der Figurencharakterisierung, denn wenn ein Footballspieler, der zur Mannschaft der Phoenix Cardinals gehört, in dieser Situation an das Wappentier seines Bundesstaates denkt, zeugt das von seiner Loyalität, er identifiziert sich mit seiner Mannschaft und über sie mit dem Bundesstaat, in dem er lebt.
Der Verfasser einer der wenigen bislang vorliegenden Monographien zu Infinite Jest vermutete dagegen eine spielerische Homophonie des Autors: Der Zaunkönig heißt auf englisch wren, und a wren klingt fast wie Orin, der Name unseres Footballspielers am Pool.
Wie besorge ich mir also Informatio- nen? Indem ich bei Wikipedia recherchiere und die geballte Kompetenz der Experten anzapfe, die sich in spezifischen Diskussionsforen organisiert haben. Aber was nützen mir die auf diese Weise gewonnenen Informationen? In der Übersetzung kann ja doch nur vom »Zaunkönig« die Rede sein, denn weder darf ich Orins mangelndes Wissen über die Vogelwelt seiner Heimat korrigieren, noch fände sich im Deutschen wohl der Name eines Vogels, der (a) in Arizona heimisch wäre und (b) eine Assonanz mit dem Namen »Orin« aufwiese. Das eben ausgebreiete Wissen ist übersetzerisch unnütz. Die Gründlichkeit, mit der ich Realia recherchiere, dient weniger der Übersetzung als der Interpretation: Ich will allen Anspielungen, Kontexten, Konnotationen, Bedeutungsverästelungen und -vernetzungen auf die Schliche kommen, um herauszufinden, was sich im Text »hinter« oder »unter« der Erzählung abspielt. Auf diese Weise bekommt der Roman für mich eine zusätzliche Tiefendimension; es ist also kein primär übersetzerisches, sondern ein literaturwissenschaftliches, ein interpretatorisches Interesse.

9. Maximale Umwege
Weniger grundsätzlich als einfach pragmatisch gesagt: Wörterbücher geben uns nur ein semantisches Minimum an Informationen, Übersetzer brauchen aber Maxima. Also bin ich permanent auf der Suche nach neuen idiomatischen, originellen und stilistischen Ausdrucksmöglichkeiten und frage mich permanent: Was würde ich in einer gegebenen Situation auf deutsch sagen? Erst wenn sich in jedem Satz ein freier, kreativer Umgang mit dem Original ausdrückt, entsteht ein wahrhaft deutscher Text, der nicht mehr auf die Eins-zu-Eins-Beziehungen der Wörterbücher reduzierbar ist.
Eine andere Ausdehnung der Sprache betreiben nichtmuttersprachliche AutorInnen, die »ungefestigt zwischen Sprachen, Kulturen und Systemen leben«, wie die Jury des Internationalen Literaturpreises gerade in einem Kommentar zu ihrer Shortlist formulierte. Dann wird auch der/die ÜbersetzerIn mit anderen Herausforderungen konfrontiert, muss u.U. Brüchigkeiten und Abweichungen von der Standardsprache rekonstruieren, muss sich abseits der ausgetretenen Pfade deutscher Idiomatik Wege durchs Sprachdickicht bahnen.

10. »Kreativität ist machbar, Frau Nachbar«
Man kann Metaphern und Komposita generieren, indem man Begriffe aus verschiedenen Bildbereichen montiert; man kann sprachliche Kohleflöze, Goldadern und Erzminen erbohren, indem man Familio-, Idio- und
Dialekte einbezieht (mein Lieblingsbeispiel sind Wulf Kirstens Gedichte in erdlebenbilder); man kann Zettel und Bleistift dabeihaben, um sich auf der Straße und in der U-Bahn die Umgangssprache der ZeitgenossInnen zu notieren; man kann Autoren wie Arno Schmidt lesen, lesen, lesen, um Techniken wie Wortartwechsel (»bebüchst und bebeilt« – Schwarze Spiegel) oder Anthropomorphose abzukupfern (»manchmal beschlich mich eine schlacksige Windin und zerwarf mir die Haare, wie ne halbwüchsige fleglige Geliebte«, ebd.).

11. SpielereiInnen
Deutsche AutorInnen arbeiten in ihren Texten, wenn sie ästhetisch entsprechend disponiert sind (sind ja nicht alle und müssen es auch nicht sein), genauso kreativ wie ÜbersetzerInnen (wenn deren Originale das erfordern) und denken sich Neologismen aus (»Syntaxmassaker«, Wolfgang Herrndorf), verstoßen gegen grammatische Normen (»Du fehlst mir so. Sehr. Sehrer. Am sehrsten«, Karen Köhler) oder reichern wie Frank Schulz in Kolks blonde Bräute Romane mit Dialektelementen an.

12. Herzensangelegenheiten
Diverse Wörter können für mich aus den verschiedensten Gründen zu Lieblingswörtern werden. Ich mag das Wort »Altweibersommer«, weil es die Stimmung der «schon von Herbstklarheit durchsponnenen Augusttage« einfängt, wie Tellkamp sie im Turm beschreibt, und das Phänomen der Marienseide, dieser in der Luft schwebenden langen Spinnfäden. Ich mag scheinbar sperrige Fremdwörter wie »multifaktorielles Kausalgefüge« (muss ich mal bei Niklas Luhmann aufgeschnappt haben), die komplexe Sachverhalte auf den Punkt bringen. Ich mag Wörter aus rein klanglichen Gründen wie Oskar Pastiors »Opfertopfverstopfer«. Ich mag Kettenkomposita wie »Leinwandgötterbotenstoffe«. Ich mag alte Wörter wie »Grummet«, die zweite oder dritte Mahd in einem Jahr. Ich mag Nonsense-Fremdwörter wie »Paraskavedekatriaphobie«, die Angst vor Freitag, dem 13. usw.

13. Brutto/Netto – Bezüge
Bei Lethems Dissident Gardens beschränkte sich die Recherche auf Alltagsrealia und amerikanische Zeitgeschichte. Bei Infinite Jest kam die Einzelwortrecherche hinzu, also das schiere Ergründen, was Wallace’ Rarwörter überhaupt bedeuten, um sie im nächsten Schritt durch ähnlich seltene und/oder auffällige deutsche Ausdrücke ersetzen zu können. Eine weitere Erschwernis war die Polyphonie des Romans, die Tatsache also, dass alle Figuren auf je eigentümliche Weise sprechen, sowie die diversen Textsorten und Fachsprachen. Bei Finnegans Wake schließlich lässt sich der Aufwand kaum mehr kalkulieren; vor Beginn einer (Pi mal Daumen acht Jahre in Anspruch nehmenden und allenfalls von Jan Philipp Reemtsma zu finanzierenden) Übersetzungsarbeit ist hier zu ergründen, welche semantischen Bedeutungen, musikalischen Anspielungen, literarischen Zitate, historischen Ereignisse, Werbeslogans, Alltagsgegenstände und -praktiken des Irlands der vorletzten Jahrhundertwende usw. usf. überblendet worden sind.

14. Keiner und Viele
Ich habe in den Neunzigern unabhängig von deren Autoren Bücher gekauft, nur weil Harry Rowohlt sie übersetzt hatte, weil ich wusste, dass ich bei ihm immer auf meine komiksüchtigen Kosten kam. (Heute würde ich gegen seine Übersetzungen zaghaft einwenden, dass bei ihm egal war, welcher Autor oben reinging; unten kam immer Harry Rowohlt raus). Auf ähnliche Weise bewundere ich, wie frei Marcus Ingendaay übersetzt, denn wenn ich eine Übersetzung von ihm lese, atme ich spätestens nach zwei Seiten auf, weil die erste Vokabel erschienen ist, die mir klarmacht, ich bin zu Hause, ich bin in Ingendaay-Country: »mandelblütenduftig«, »moppeli- ger Körper«, »knuffige Bambusbudike« (alles auf ein paar Seiten Truman Capote unterstrichen). Frank Heibert ist zum Niederknien; wenn man allein die erste Seite seiner Neuübersetzung von Faulkners The Sound and the Fury aufmerksam liest, kann man sich ein halbes Übersetzungsstudium schenken. Ich verehre Dirk van Gunsteren und Robin Detje, weil Autoren wie Thomas Pynchon und Paul Beatty bei ihnen kulturverlustfrei im Deutschen ankommen.
Und das sind nur erst die Kollegen, die wie ich aus dem Englischen übersetzen. Ich bewundere Susanne Langes Don Quijote, Brigitte Döberts Tutoren, Thomas Weilers Übersetzung von Viktor Martinowitschs Paranoia, alle Übersetzungen von Péter Esterházy und László Krasznahorkai durch Heike Flemming etcetera adcythera.
Vorbilder? Eins: Martin Luther.

15. Lebenübersetzung
Alles Übersetzen ist autobiographisch, denn jedes Wort, das ich hinschreibe, habe ich selbst erlebt: Das »Tütchen« (Unendlicher Spaß 1357) geht auf eine Klassenfahrt nach Passau zurück, bei der ich beim Vorlesen einer Zote aus einem mitgebrachten Witzbüchlein aus Unkenntnis des Worts »Kondom« laut kommentierte, das sei wohl so eine Art Tütchen, was ein homerisches Gelächter im Jungenschlafsaal auslöste und spätabends noch einmal den Klassenlehrer auf den Plan rief.
Ein paar Jahre später: Nach einer Hochzeitsfeier erzählte ich meinen Eltern von der Mutter des Bräutigams, deren Hand ruhig auf der Tischplatte lag, zu zittern begann, wenn sie nach dem Weinglas griff, sich dann aber fest und sicher darum schloss. »Intentionstremor«, kommentierte mein Vater, ein pensionierter Neurologe, lakonisch. Seine Fachsprache hat ein einziges Wort für ein Phänomen, zu dessen Beschreibung ich einen viergliedrigen Satz brauche. Faszinierend. Am liebsten hätte ich sofort Medizin studiert, um der Welt und speziell des Menschen auf diese Weise habhaft zu werden im Wort. Wallace besaß diese Fähigkeit, und sie macht den Unendlichen Spaß so berauschend dicht, konkret, komisch und sinnlich.
1995 habe ich die Erzählung eines irischen Autors für eine Literaturzeitschrift übersetzt – großenteils im Intercity, denn ich wohnte in Berlin und pendelte am Wochenende zu meiner Freundin in Bonn. Die Redakteurin hat mir die Erstfassung der Übersetzung um die Ohren gehauen; ich hatte u.a. »frigid« als »frigide« übersetzt – es ging um eine kalte Statue der Jungfrau Maria am Wegesrand.

16. Explosionen
Eine Lieblingsfigur in Unendlicher Spaß habe ich eigentlich nicht, weil Wallace ja auch negative Figuren voller Empathie schildert; auch in Poor Tony Krause, der immerhin ein Kunstherzen stehlender Junkie ist, wird Mitleid investiert; Figuren werden mit Vorgeschichte ausgestattet. Okay: Ich mag Hal Incandenza, dessen Belesenheit neidisch macht, und Joelle van Dyne, das Schönste Mädchen Aller Zeiten (SCHMAZ), auch weil ich wie sie Filme mag, »wo jede Menge Scheiß in die Luft fliegt« (Unendlicher Spaß 428).

17. »Herr Lehrer, kann ich für die Antwort ein Extrablatt haben?«
In Infinite Jest verdichtet sich das Bewusstsein eines ganzen Kontinents und das Nervensystem einer ganzen Epoche. – Infinite Jest ist eine 1.000 Seiten lange Innenschau der Depression, die depressiven Menschen die Botschaft vermittelt: »Du bist nicht allein.« (Für mich erweckte der Roman den Eindruck, Wallace sei seinen eigenen Dämonen entkommen, auch wenn er ihnen zwölf Jahre später doch erlag.) – Wallace setzt die Entwicklung fort, die Erich Auerbach in Mimesis nachgezeichnet hat, und versucht, Wirklichkeiten tiefer, umfassender und nuancierter darzustellen als seine literarischen Vorgänger. Immer dann, wenn eine Realismusform ihr Innovationspotential ausgeschöpft hat und zur literarischen Konvention erstarrt ist, entwickelt sich ein neuer Realismus, der der Realität auf andere Weise wieder näherzukommen versucht.

18. Jetzt und Warum und Ende
Vor einiger Zeit hätte ich noch gesagt, die Tristesse der deutschen Gegenwartsliteratur bestehe in ihrer zerquälten Anämie, ihrem monadischen, ja tendentiell autistischen Solipsismus. Der Beschränkung auf Innen- und Nabelschau. Der monologischen Perpektive. Dem Fehlen von Dialogen nicht zwischen Figuren, sondern zwischen Weltbildern und Ideologien, deren Konfrontation das Besondere von Romanen (im Gegensatz etwa zu Gedichten) ausmacht. Dem beängstigenden Ausschluss von Welt: »Ich und der leere Bildschirm des Computers, den ich mit Sprache fülle«.
Das war ein einziges großes Vorurteil oder eine unzulässige Verallgemeinerung, die von Autoren und Autorinnen wie Jana Hensel, Wolfgang Herrndorf, Karen Köhler, Sven Regener, Lutz Sei- ler, Saša Stanišić, Uwe Tellkamp und Ulf Erdmann Ziegler (um nur einige von denen zu nennen, die mich in den letzten Jahren begeistert haben) sofort ad absurdum geführt wird.
Warum habe ich überhaupt das Bedürfnis, Gegenwartsliteratur zu lesen? Weil sie Antworten auf die Frage nach dem deiktischen Nullpunkt formuliert: »Was habe ich hier? Und was habe ich hier zu suchen?« (Hans Magnus Enzensberger). Gegenwartsliteratur liefert in Form von sinnlich angereicherten individuellen Lebensentwürfen zeitdiagnostische Standortbestimmungen unterhalb der Ebenen von Politik, Gesellschaft und Kultur. Was erwarte ich von ihr? Rückversicherung über die Welt, in der ich lebe; Instrumente zu deren theoretischer Analyse in erzählender Form; Berichterstattung von den Konfliktlinien der Gesellschaft. Und: Aus was für einem Deutschland glauben SchriftstellerInnen der Gegenwart gekommen zu sein? Wie wird Vergangenheit perspektiviert?
Was man lernen kann? Erdung. Welthaltigkeit. Das Einbauen von Realia. Im Kleinen die Traute, nicht »ein Bier«, sondern »ein Beck’s« zu trinken, nicht »die Nachrichten zu verfolgen«, sondern »auf Spiegel Online zu gehen«. Im Großen den Mut, Tiefenbohrungen in Kollektivmentalitäten vorzunehmen, so wie Richard Ford in Frank erkundet, wie sich Amerikaner fühlen, die durch den Hurrikan Sandy das Dach über dem Kopf verloren haben.

Das Gespräch führte Alexander Rudolfi.


Es geht in dieser Zeitschrift um Zufallsfunde, detektivische Hartnäckigkeit und Glücksfälle, um blitzartige Einsichten und langjährige Faszination ebenso wie um Expeditionen, die kein Ende nehmen wollen. Wir erzählen von Recherchen für literarische, künstlerische, journalistische und wissenschaftliche Projekte. Von den Suchbewegungen, die vor den Texten und Ausstellungen liegen.

Text und Interview erschienen zuerst in Drift – Zeitschrift für Recherchen, Ausgabe 1. Drift ist das Ergebnis eines Projektsemesters am Literaturinstitut Hildesheim und erschien in der Edition Pächterhaus.

Darin liegt sowohl das Positive, als auch das Negative. Es ist unglaublich schön, dass solche Projekte, solche Zeitschriften, solche Realisierungen möglich sind. Gleichzeitig ist es aber unwahrscheinlich, dass diese erste Ausgabe eine große Verbreitung finden, oder es gar eine nächste Ausgabe geben wird. Man bekommt sie, wenn man sich zufällig mal im Büro des Herausgebers Simon Roloff befindet. Aber sonst wird es schwer. Eine Digitalversion könnte kommen, aber keiner weiß, wann. Ich mag das Projekt sehr und besonders dieser Text von Ulrich Blumenbach samt dem Interview hat mich begeistert, so sehr, dass ich ihn allen zugänglich machen wollte. Dies ist dank der Erlaubnis von Simon Roloff hiermit geschehen. Danke! Alle Rechte verbleiben bei ihren Inhabern.

Ich hoffe, ihr habe genauso Freude daran, wie ich. Und vielleicht, wenn ihr ganz nett fragt, bekommt ihr die ganze Zeitschrift. Lohnt sich!

Deutsche Übersetzung: Player 2 von 00WARTHERAPY00.

Dieser Kurzfilm basiert auf einem Youtubekommentar von 00WARTHERAPY00. Dies ist die deutsche Übersetzung:

Also, als ich vier war, hat mein Vater eine gut erhaltene XBox gekauft. Ihr wisst schon, die erste, klobige von 2001. Wir hatten unglaublich viel Spaß dabei, alle möglichen Spiele zu spielen – bis mein Vater starb, als ich erst sechs war.
Ich konnte die Konsole zehn Jahre lang nicht anfassen.
Aber als ich es dann tat, fiel mir etwas auf:
Wir haben immer ein Rennspiel gespielt, Rally Sports Challenge. Tatsächlich ganz schön großartig für seine Zeit.
Als ich anfing, damit rumzuspielen … habe ich einen GHOST gefunden.
Buchstäblich.
Wisst ihr, wenn man Rennen auf Zeit fährt, wird die schnellste Zeit als Geisterfahrer aufgenommen. Yep, ihr könnt’s euch denken – sein Ghost fährt bis heute auf der Strecke.
Also habe ich gespielt und gespielt und gespielt, bis ich es fast geschafft hatte. Bis ich eines Tages besser war und ihn überholte und …
Ich blieb direkt vor der Ziellinie stehen, nur um sicherzugehen, dass ich ihn nicht löschte.
Reine Glückseligkeit.

Leider hat die XBox mittlerweile den Geist aufgegeben. Die Geschichte bleibt.

 

 

Übersetzung: Der Emigrant von Luis Felipe Lomeli

Anscheinend gibt es von der wahrscheinlich berühmtesten spanischen Kürzestgeschichte noch keine deutsche Übersetzung. Also, die Geschichte „El emigrante“ von Luis Felipe Lomeli, erst im Original, dann in der Übersetzung, danke dafür an Viktor Reichelt!

«¿Olvida usted algo?» «-¡Ojalá!»

Luis Felipe Lomeli – El emigrante

„Vergessen Sie etwas?“ – „Hoffentlich!“

Luis Felipe Lomeli – Der Emigrant

Wie bei vielen Kürzestgeschichten funktioniert auch diese erst, wenn man den Kontext erfährt: Lomeli war irgendwann in spanischen Flugzeugen und Bussen das Schild «¿Olvida usted algo?» (deutsch etwa „Vergessen Sie etwas?“ oder „Haben Sie etwas vergessen?“) aufgefallen, welches Touristen und Reisende daran erinnert, wirklich alles mitzunehmen. Lomeli machte sich einen Spaß daraus, bei dem Schild immer zu überlegen, was er gern noch wüsste, aber vergessen hatte und was gern vergessen würde, aber nicht konnte. In einem Workshop für Kürzestgeschichten kam dann obige heraus. (Quelle: Wikipedia)

Lies I’ve told my 4 year old recently von Raul Gutierrez, deutsche Übersetzung

Wie gestern versprochen, hier das zweite Gedicht. Wie das so im Internet ist, werden manche Sachen sehr hoch gehyped, andere fallen einfach überhaupt nicht auf. Während also das eine Gedicht gerade durch das Netz geht, ist dieses viel unbekannter. Dennoch genauso gut. Viel Spaß beim lesen, der Link zum Original findet sich unten.

Lügen, die ich meinem Vierjährigen vor kurzem erzählt habe.

 

Die Maulwurfmännchen leben in den Unterführungen.
Die Vogelmännchen leben im Himmel.
Das Monster lebt eigentlich gar nicht unter dem Bett (es versteckt sich irgendwo in der Nähe)
Es gibt 71 Geschmacksrichtungen von Schnee, aber nur 63 Geschmacksrichtungen von Wasser.
Wenn du genügend singst, wirst du niemals älter werden.
Mach dir keine Sorgen, ich sperre böse Träume in kleine Käfige.
Jedes gute Zimmer hat einen Geist.
Als wir dich gemacht haben, haben wir etwas von uns zurückgelassen, damit du niemals allein bist.
Dein Schatten kennt deine Geheimnisse.
Bücher verstecken sich, wenn sie nicht gelesen werden wollen.
Die Zeit vergeht schneller, wenn du die Augen schließt.
Du hast alles gewusst, aber dann wurdest du geboren und hast vergessen und jetzt musst du alles nochmal lernen.
Sei lieb zu deinem Bruder, er wird immer dein bester Freund sein.
Wir sind nicht verloren.
Mütter und Väter gehen niemals wirklich verloren.
Wir wissen genau, wo wir hingehen.

“Lies I’ve told my 4 year old recently” von Raul Gutierrez, übersetzt von Fabian Neidhardt und Chantal Busse.

Lies I’ve told my 3 year old recently von Raul Gutierrez, deutsche Übersetzung

Raul Gutierrez ist Fotograf und Schriftsteller und hat 2008 ein Gedicht für einen seiner Söhne geschrieben, „Lies I’ve told my 3 year old recently“. In den letzten Tagen ist das Gedicht durch das Internet gewandert, meist aber ohne Verlinkung auf die originale Seite. Es ist ein wirklich schönes Gedicht. Und da ich dies gerne auch Menschen ohne englische Sprachkenntnisse zugänglich machen möchte, hier mit freundlicher Genehmigung die deutsche Übersetzung.

Lügen, die ich meinem Dreijährigen vor kurzem erzählt habe.

 

Bäume reden in der Nacht miteinander.

Alle Fische heißen entweder Lorna oder Jack.

Bevor dir deine Augen vom vielen Fernsehgucken herausfallen, werden sie sehr locker.

Winzige Bären leben in Abwasserrohren.

Wenn du sehr sehr leise bist, kannst du hören, wie die Wolken gegen den Himmel reiben.

Der Mond und die Sonne hatten vor langer Zeit einen Streit.

Jeder kennt mindestens eine Geheimsprache.

Wenn niemand zusieht, kann ich fliegen.

Wir sind alle durch unsichtbare Fäden miteinander verbunden.

Auch Bücher werden einsam.

Traurigkeit lässt sich aufessen.

Ich werde immer da sein.

„Lies I’ve told my 3 year old recently“ von Raul Gutierrez, übersetzt von Fabian Neidhardt und Chantal Busse.

Morgen folgt die Übersetzung des leider viel unbekannteren Gedichtes „Lies I’ve told my 4 year old recently“. Freut euch!

Übersetzung: Lulu and the Lampshades – Cups (You’re Gonna Miss Me). Deutsche Version.

Durch den Film Pitch Perfect bin auf den Song „Cups“ von Lulu and the Lampshades gekommen. Cooler Song, einfache Percussions und ein schöner Text. Lulu selbst schrieb in einem Blogpost über die Entstehungsgeschichte. Der Percussionrhythmus mit den Gläsern ist anscheinend sehr bekannt (Ich hörte ihn in diesem Song zum ersten Mal) und die Grundmelodie, als auch der Refrain stammt aus einem alten Folk Song, den sie am Lagerfeuer immer wieder gesungen hat. Ihre erste Fassung des Liedes nahm sie spontan auf, bevor es mit dem Fahrrad nach Berlin ging. Sie wollte – wie im Song besungen – Freunde dazu überreden, mitzukommen. Tatsächlich standen dann zwei ihrer Freunde an der Fähre und kamen mit.

Anna Kendrick, Hauptdarstellerin aus Pitch Perfect, sah den Song auf Reddit, übte ihn einen Nachmittag lang  und spielte ihn dann während einer Pause beim Filmdreh. Daraufhin wurde der Song in den Film aufgenommen. Macht den Film besser und den Song bekannter. Und weil schöne Lyrics, hier also die deutsche Übersetzung. Mit freundlicher Genehmigung von Lulu and the Lampshades.

Originalfassung samt dritter Strophe:

I got my ticket for the long way round
Two bottles of whiskey for the way
And I sure would like some sweet company
I’m leaving tomorrow what d’ya say?

When I’m gone/when I’m gone
When I’m gone/ when I’m gone
You’re gonna miss me when I’m gone
You’re gonna miss me by my hair you’re gonna miss me everywhere
You’re gonna miss me when I’m gone

I got my ticket for the long way round
The one with the prettiest views
Its got mountains its got rivers

Its got woods that’ll give you shivers

But it sure would be prettier with you

When I’m gone/when I’m gone
When I’m gone/ when I’m gone
You’re gonna miss me when I’m gone
You’re gonna miss me by my walk you’re gonna miss by my talk
And I know you will miss me when I’m gone.

I’ve got my ticket for the long way round
These feet weren’t built to stay too long
And I’d go there on my own
But you’ll miss me when your home
It’s for you dear that I sing this song

When I’m gone/when I’m gone
When I’m gone/ when I’m gone
You’re gonna miss me when I’m gone
You’re gonna miss me by my hair you’re gonna miss me everywhere
You’re gonna miss me when I’m gone

Deutsche Übersetzung:

Ich hab‘ mein Ticket für ’ne lange Reise,
zwei Flaschen Whiskey für den Weg.
Und ich würde mich über eine gute Begleitung freuen.
Morgen geh ich los. Was sagst du?

Wenn ich weg bin.
Du wirst mich vermissen, wenn ich weg bin.
Du wirst meine Haare vermissen, du wirst mich überall vermissen,
du wirst mich vermissen, wenn ich weg bin.

Ich hab‘ mein Ticket für ’ne lange Reise,
die eine mit dem schönsten Ausblick.
Sie hat Berge, Flüsse und Wälder,
bei denen du Gänsehaut bekommst.
Aber es wäre sicher schöner mit dir.

Wenn ich weg bin.
Du wirst mich vermissen, wenn ich weg bin.
Du wirst vermissen, wie ich gehe und wie ich rede
und ich weiß, du wirst mich vermissen, wenn ich weg bin.

Ich hab‘ mein Ticket für ’ne lange Reise,
diese Füße sind nicht dafür geeignet,
um lange an einem Ort zu bleiben.
Und ich würde auch alleine gehen,
aber du wirst mich vermissen, wenn du zuhause bist.
Für dich, Liebe, singe ich dieses Lied.

Wenn ich weg bin.
Du wirst mich vermissen, wenn ich weg bin.
Du wirst meine Haare vermissen, du wirst mich überall vermissen,
du wirst mich vermissen, wenn ich weg bin.

Wenn ihr schönere Ausdrücke findet, schreibt mir. Und hier nochmal der Song. Viel Spaß!

7 Tipps über das Schreiben, von Cory Doctorow. Auf Deutsch.

Ähnlich wie bei Steinbeck hingen die Tipps von Cory Doctorow eine Weile in meinem Browser und meinen Gedanken rum. Einerseits, weil sie gut sind, andererseits, weil sie den anderen ähnlich sind. Und weil sie fast unmöglich zu beherzigen sind. Diesmal ist die Übersetzung von mir. Verbesserungen sind willkommen.

  1. Schreibe jeden Tag. Gewohnheiten sind Sachen, die du umsonst bekommst und die keine spezielle Arbeit verlangen.
  2. Setze dir ein Tagesziel. Mach es klein. 75 Worte am Tag summieren sich zu einem Roman jährlich.
  3. Höre in der Mitte eines Satzes auf, sodass du am nächsten Tag drei oder vier Worte schreiben kannst, ohne „kreativ“ sein zu müssen.
  4. Gewöhne dir nicht an, nur zu schreiben, wenn gewisse Rituale befriedigt sind – die richtige Musik, ein sauberes Zimmer oder irgendwas anderes.
  5. Insbesondere: Gewöhne dir nicht an, zu schreiben, während du rauchst oder säufst. Hänge die Sache, die dir gut tut und dich vollkommen macht, nicht an etwas, das dich tötet.
  6. Schreibe, auch wenn du denkst, es ist Scheiße. Du kannst nicht beurteilen, ob es gut oder schlecht ist, solange du schreibst.
  7. Beginne niemals mit dem Korrigieren, solange du nicht mit dem Ganzen fertig bist. Sobald über das, was du schreibst, nachdenkst, verlierst du die Fähigkeit, das, was du schreibst, zu beenden.

Und für jene, welche das Original bevorzugen:

Write every day. Habits are things you get for free, without requiring any special work. Set a daily word target. Make it small. 75 words a day is a novel a year. Finish in the middle of a sentence, so you can type three or four words the next day without having to be „creative.“ Don’t get in the habit of only writing when there’s some ritual that’s been satisfied — the right music, a clean apartment, whatever.

Especially don’t get in the habit of writing while smoking or boozing. Don’t hook the thing that makes you sane and whole to something that’s killing you. Write even when you feel like it’s shit. You can’t tell what’s good and what’s bad while you’re writing it. Don’t ever rewrite until the whole thing is done. Once you start thinking about what you’re writing, you lose the ability to stop writing it.

(Gefunden bei Michael)

Von mir gesprochen gibt’s übrigens ein kostenloses Hörbuch von Cory Doctorows “Little Brother”. Zum Download geht’s hier lang.

 

6 Tipps über das Schreiben von John Steinbeck. Auf deutsch.

Ursprünglich erschienen die Tipps schon im Herbst 1975 im Paris Review. Vor ein paar Wochen geisterten sie dann durch das Internet. Ich las sie und musste seither immer wieder daran denken. Weil ich sie gut finde. Also wollte ich sie übersetzen, aber Patrick von media engine hat sich die Mühe schon gemacht, also übernehme ich seine Übersetzung:

6 Tipps um besser zu schreiben

1. Verabschiede Dich von der Vorstellung, dass Du jemals zu einem Ende kommst. Denk nicht mehr an die 400 Seiten, sondern schreibe lediglich eine Seite pro Tag. Das hilft. Wenn Du es schließlich geschafft hast, wirst Du überrascht sein.

2. Schreibe völlig frei und so schnell wie möglich. Fange niemals mit Korrekturen oder Umformulierungen an, bevor Du nicht alles aufgeschrieben hast. Dinge umzuschreiben ist lediglich eine Entschuldigung dafür, nicht weiterzumachen. Zudem beeinflusst es den Schreibfluss der nur Auftritt, wenn es zu einer unterbewussten Auseinandersetzung mit den Inhalten kommt.

3. Schenk Deinem Publikum keine Beachtung. Das namens- und gesichtslose Publikum würde Dich nur erschrecken. Zudem existiert es nicht. Beim Schreiben besteht Dein Publikum immer nur aus einem einzigen Leser. Manchmal hilft es, wenn man sich eine Person – egal ob echt oder ausgedacht– vorstellt und diese beim Schreiben direkt adressiert.

4. Wenn eine Szene oder ein Kapitel Dir Probleme bereitet, Du aber trotzdem darüber schreiben möchtest, dann überspringe diesen Teil erstmal und schreib an einer anderen Stelle weiter. Schau Dir den problematischen Teil erst ganz am Schluss noch einmal an. In vielen Fällen wirst Du dann feststellen, dass er tatsächlich nicht dort hin gehörte.

5. Hüte Dich vor Szenen, die Dir besonders ans Herz gewachsen sind. Sie haben eine Tendenz dazu, nicht ins Konzept zu passen.

6. Wenn Du Gebrauch von Dialogen machst – sprich sie laut aus, während Du sie schreibst. Nur dann werden sie klingen, als ob sie tatsächlich stattgefunden haben.

And for those who prefer the original…

1. Abandon the idea that you are ever going to finish. Lose track of the 400 pages and write just one page for each day, it helps. Then when it gets finished, you are always surprised.

2. Write freely and as rapidly as possible and throw the whole thing on paper. Never correct or rewrite until the whole thing is down. Rewrite in process is usually found to be an excuse for not going on. It also interferes with flow and rhythm which can only come from a kind of unconscious association with the material.

3. Forget your generalized audience. In the first place, the nameless, faceless audience will scare you to death and in the second place, unlike the theater, it doesn’t exist. In writing, your audience is one single reader. I have found that sometimes it helps to pick out one person—a real person you know, or an imagined person and write to that one.

4. If a scene or a section gets the better of you and you still think you want it—bypass it and go on. When you have finished the whole you can come back to it and then you may find that the reason it gave trouble is because it didn’t belong there.

5. Beware of a scene that becomes too dear to you, dearer than the rest. It will usually be found that it is out of drawing.

6. If you are using dialogue—say it aloud as you write it. Only then will it have the sound of speech.

Kurzfilm: Back to Solitude, samt deutscher Übersetzung.

Bei Klonblog bin ich über diesen schönen Kurzfilm von Joschka Laukeninks aus Hamburg gestossen. Es geht um eine Beziehung. Etappe für Etappe. Rückwärts erzählt. Tolle Bilder und eine sehr schöne Idee. Leider sagte mir Joschka, dass es keine deutsche Version geben wird. Deshalb unter dem Video für jeden ohne Englischkenntnisse eine, meine, deutsche Übersetzung des Textes, abgetippt und übersetzt in fast Echtzeit. Sagt Bescheid, falls ihr Fehler entdeckt. Ansonsten, viel Spaß mit der Geschichte und den Bildern:

‚Back to Solitude‘ (2011) from Joschka Laukeninks on Vimeo.

Deutsche Übersetzung:

Titel: Zurück zur Einsamkeit

 

Könnte dies das Ende sein? Sie waren sich nicht sicher.

Er konnte es nicht ertragen, wieder allein zu sein.

Und sie fühlte sich einfach so – verletzt.

 

Ihre Beziehung war schwierig.

Sie war gereizt durch die Routine und genervt von den Geräuschen, die er machte, wenn er trank. Und sie wurde so schnell verärgert. Er – sagte selten irgendetwas über irgendetwas.

 

Als er sie aufmerksam beobachtete, konnte er kaum glauben, dass er sie jemals geliebt hatte. Oder sie ihn. Ihr Lächeln kam ihm wie eine Lüge vor.

 

Aber die Zeit verging so schnell und dann kam ganz schnell der Sommer. Und alles wurde besser. Sie frühstückten nicht mehr miteinander und beschlossen, in getrennte Wohnungen zu ziehen. Da war dieses leichte Gefühl, alles schien so einfach.

Sie küssten sich öfter, sie lachte über seine Witze, der Sex wurde aufregender und wenn er bei der Arbeit war, konnte er nicht aufhören, an sie zu denken.

 

Wenn sie zusammen waren, sahen sie glücklich aus. Aber manchmal, wenn ihre Augen sich trafen, wussten sie nicht genau, wen sie gerade ansahen. Und mit jedem Kuss wurde ein neues Geheimnis geboren.

 

Und dann, irgendwie plötzlich, waren sie aufgeregt. Aber unsicher. Sie hatten einfach nicht die Chance gehabt, sich kennenzulernen. Fast wie Fremde. Als er sie am nächsten Tag anrief, war er nervös und das Gespräch fiel kurz aus. In dieser Nacht konnte er nicht schlafen. Keine einzige Sekunde lang.

 

Dann – trafen sie sich auf der Geburtstagsparty eines Freundes. Er versuchte witzig zu sein Und sie mochte ihn, irgendwie. Dennoch war für sie kaum noch Zeit übrig.

 

Später an diesem Abend kam er auf der Party an. Und dort war sie, saß am anderen Ende des Raumes. Kannte er sie von irgendwo her? Und dann – trafen sich ihre Augen zum letzten Mal. Sie würden sich niemals mehr wieder sehen.

Und trotzdem – in genau diesem Moment lächelte sie.

EDIT: Dank an Aline für die Verbesserungsvorschläge.

Matt Costa – Sunshine (deutsche Übersetzung)

In den letzten Tagen war hier in der Gegend Sonnenschein und plötzlich läuft bei mir auf den Ohren Matt Costa mit Sunshine. Dann den Song erstmal auf Loop gestellt und knapp 24 Stunden diesen einen Song gehört. Irgendwann war dann auch der Text drin, ist auch rechjt einfach, sind nur zwei Strophen, die jeweils zweimal gesungen werden. Hier die deutsche Übersetzung komplett ohne Zeichensetzung, weil es im englischen mehrere Möglichkeiten gibt, die Sätze zusammenzusetzen:

Sonnenschein,

ich will dir wirklich sagen

oh mein Sonnenschein

obwohl deine Himmel blau sind

trocknest du mein Bett aus

wie kann ich jetzt irgendeine Ruhe bekommen

Eines Tages

wirst du das Beste von mir bekommen

oh eines Tages

vielleicht wenn ich alt und grau bin

liege ich in meinen Bett

und werde bald zur Ruhe gebettet werden

Dub Fx – Love me or not (deutsche Übersetzung)

Die Erfahrung zeigt, dass ich ein Lied aus dem Kopf bekomme, nachdem ich es übersetzt habe. Hier und da. Und nachdem mir Dub Fx nun seit Wochen im Kopf hängt, werde ich also meinen aktuellen Favoriten übersetzen.

Dub Fx – Love me or not (deutsche Übersetzung) weiterlesen

Frank Turner – Photosynthesis (deutsche Übersetzung)

Auf dem Southside habe ich ganz viel neue Musik kennengelernt, unter anderem ja Just Jack. Wen ich aber noch kennengelernt habe und ihn aber wieder vergessen habe, war Frank Turner, ein geiler Gitarrist. Vor ein paar Tagen habe ich aber einen Artikel über ihn gesehen und da ist mir sein Auftritt wieder eingefallen. Und auch bei ihm gibt es einen Song, der mich noch mehr begeistert hat als sein Auftritt überhaupt. Photosynthesis heißt der Song und ich bin so begeistert von Melodie und Text, dass ich auch diesen übersetzt habe. Frank Turner – Photosynthesis (deutsche Übersetzung) weiterlesen

Just Jack – The day i died (deutsche Übersetzung)

Wie ihr ja schon mitbekommen habt, stehe ich auf den Song von Just Jack. Er lief die letzten tage hier im Reloop, also dachte ich, nicht nur der Song, sondern besonders auch der Text ist schön, hier also meine deutsche Übersetzung: Just Jack – The day i died (deutsche Übersetzung) weiterlesen