Was übrig bleibt: „Während ich schrieb, dachte ich: Es ist offensichtlich vermessen zu schreiben, ich bin viel zu jung….“

Während ich schrieb, dachte ich: Es ist offensichtlich vermessen zu schreiben, ich bin viel zu jung. Gleichzeitig: Später ist zu spät, es ist jetzt, immer Jetzt, und Unbedingt.

Ich verbrachte die Tage in dieser kleinen Küche und tippte auf Schroeders Schreibmaschine, ich hörte im Radio die Nachrichten und die Verkehrsmeldungen aus entfernt gelegenen Städten und Talsenken. Während ich schrieb, dachte ich, dass ich nichts erleben würde in dieser Küche und gleichzeitig: dass es ja auch draußen nichts zu erleben gäbe, nichts Nennenswertes. Und die Tage und die Stunden zogen an mir vorüber, in einem unerhörten Gleichmaß bewegten sie sich vor dem Fenster vorbei, während ich in der Küche saß ganz ruhig und unberührt von allem.

Einladung an die Waghalsigen – Dorothee Elmiger
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Was übrig bleibt: „Leben Sie eine Weile in diesen Büchern, lernen Sie davon, was Ihnen lernenswert scheint, aber vor…“

“Leben Sie eine Weile in diesen Büchern, lernen Sie davon, was Ihnen lernenswert scheint, aber vor allem lieben Sie sie. Diese Liebe wird Ihnen tausend- und tausendmal vergolten werden, und wie Ihr Leben auch werden mag, – sie wird, ich bin dessen gewiß, durch das Gewebe Ihres Werdens gehen als einer von den wichtigsten Fäden unter allen Fäden Ihrer Erfahrungen, Enttäuschungen und Freuden.”

Briefe an einen jungen Dichter – Rainer Maria Rilke
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Was übrig bleibt: „Ich stapelte, lötete und schweißte Gedanken aneinander in der Hoffnung auf ein Konstrukt, das mir…“

“Ich stapelte, lötete und schweißte Gedanken aneinander in der Hoffnung auf ein Konstrukt, das mir stabil erscheinen würde. Tragfähig.”

DZ – Selim Özdogan
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Was übrig bleibt: „(4) Ich kann sagen, dass ich in meinem Leben nichts getan habe, was ich nicht wollte. Wenn ich…“

(4)

Ich kann sagen, dass ich in meinem Leben nichts getan habe, was ich nicht wollte. Wenn ich unfreiwillig etwas getan habe, weil ich Geld verdienen musste zum Beispiel, habe ich mir immer Arbeiten gesucht, die keinen Geist erforderten, rein körperlich waren. Lieber habe ich am Existenzminimum rumgekrebst, als etwas zu tun, was mit Unfreiheit verbunden war. Illustrationen im Auftrag anzufertigen war ein Grenzfall, weil ich schon vor Ende meines Studiums nicht mehr malen wollte. Diese Sachen haben mich immer sehr unglücklich gemacht. Schreiben wollte ich immer.

Arbeit und Struktur – Wolfgang Herrndorf
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Was übrig bleibt: „It was one of those March days when the sun shines hot and the wind blows cold; when it is summer in…“

“It was one of those March days when the sun shines hot and the wind blows cold; when it is summer in the light, and winter in the shade”

Great Expectations – Charles Dickens
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Was übrig bleibt: „Als Beck fertig war, sah ihn Zimmermann mit einem eigenartigen Gesichtsausdruck an. »Robert, Robert,…“

“Als Beck fertig war, sah ihn Zimmermann mit einem eigenartigen Gesichtsausdruck an.
»Robert, Robert, Sie sind ja der glücklichste Mann der Welt.«
»Ach, und wieso?«
»Weil Sie lieben. Und geliebt werden.«
»Ich weiß nicht, ob das ausreicht, um der glücklichste Mann der Welt zu sein.«
»Ich habe auch nicht gesagt, dass Sie der klügste Mann der Welt sind. Ihnen ist ihr Glück nämlich durchaus nicht klar.«
»Nein?«
»Sicher nicht. Sonst säßen Sie ja nicht hier. Es ist doch oft so: Je näher man seinem Glück ist, desto schwieriger ist es zu kriegen oder auch nur zu begreifen. Ein typischer Anfängerfehler.«”

Becks letzter Sommer – Benedict Wells
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Was übrig bleibt: „Ich bat meine Schulkameradin Maria, mir einen Brief zu schreiben. Sie war witzig und lebenslustig….“

“Ich bat meine Schulkameradin Maria, mir einen Brief zu schreiben. Sie war witzig und lebenslustig. Sie lief gern nackt in ihrem leeren Haus herum, auch, als sie eigentlich schon zu alt dafür war. Nichts war ihr peinlich. Das bewunderte ich sehr, weil mir alles peinlich war, und das machte mich verletzlich.
Sie hüpfte gern auf ihrem Bett herum. Sie hüpfte so viele Jahre auf ihrem Bett herum, dass eines Nachmittags, als ich ihr beim Hüpfen zuschaute, die Nähte von Kissen und Deckbett platzten. Das kleine Zimmer war voller Federn. Unser Lachen hielt die Federn in der Luft. Ich dachte über Vögel nach.
Konnten sie auch fliegen, wenn niemand in der Nähe war, der lachte?”

Extrem laut und unglaublich nah – Jonathan Safran Foer
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Was übrig bleibt: „Wir alle haben die Fähigkeit, uns im Verlauf unseres Lebens tausendmal zu verlieben. Das ist nicht…“

“Wir alle haben die Fähigkeit, uns im Verlauf unseres Lebens tausendmal zu verlieben. Das ist nicht schwer.
Das erste Mädchen, in das ich mich verliebt habe, war mit mir in der sechsten Klasse. Sie hieß Missy; wir unterhielten uns über Pferde. Das Letzte Mädchen, das ich liebe, wird eins sein, das ich vermutlich noch gar nicht kenne. Sie zählen alle. Aber es gibt bestimmte Menschen, die man liebt und die etwas anderes bewirken; sie bewirken, wie man von nun an definiert, wie Liebe sich anfühlen soll. Das sind die wichtigen Menschen im Leben, und man trifft vielleicht vier oder fünf in einem Zeitraum von 80 Jahren.
Aber es gibt noch eine Stufe: Es gibt eine Person, die man liebt und die genau diese Definition verkörpert. Meistens merkt man das erst nachträglich, aber irgendwann merkt man es. Das ist die Person, die, ohne es zu wissen, zur Schablone für alles Weitere wird, dafür, was man an anderen Menschen immer lieben wird (…)”

Eine zu 85% wahre Geschichte – Chuck Klostermann
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Was übrig bleibt: „[…] aber ein Freund zeigte mir neulich einen ganz wunderbaren Ort, das Augusteum. Kaiser…“

“[…] aber ein Freund zeigte mir neulich einen ganz wunderbaren Ort, das Augusteum. Kaiser Augustus ließ es für seine sterblichen Überreste erbauen. Die Barbaren haben es zerstört, mitsamt allem anderen. Augustus, der erste große römische Kaiser. Wie hätte er sich vorstellen können, dass Rom, für ihn die ganze Welt, eines Tages in trümmern liegen würde?
Es ist einer der stillsten und einsamsten Orte Roms.
Die Stadt wuchs durch die Jahrhunderte um das Augusteum herum. Es erscheint einem wie eine kostbare Wunde. Wie Liebeskummer, an dem man festhalten will, weil er so angenehm schmerzt.
Wir alle wollen, dass immer alles so bleibt wie es ist. Wir nehmen es hin unglücklich zu sein aus Angst vor Veränderung. Aus Angst, alles könnte einstürzen. Und dann sah ich mich dort um. Sah die Spuren des Chaos, die es erlitten hatte. Wie es umfunktioniert wurde, verbrannt und geplündert und danach einen Weg fand wieder neu zu entstehen.
Und da war ich beruhigt. Vielleicht war mein leben gar nicht so chaotisch. Vielleicht ist es nur die Welt. Und die einzig wahre Falle ist, sich an irgendwas zu klammern.
Zerstörung ist ein Geschenk. Zerstörung ist der Weg zum Wandel.”

Eat Pray Love – Elizabeth Gilbert
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Was übrig bleibt: „(…) und dann ging mir ‘Ich’ verloren, und mein Schweigen war komplett. Ich begann,…“

“(…) und dann ging mir ‘Ich’ verloren, und mein Schweigen war komplett. Ich begann, Bücher mit leeren Seiten mit mir herumzutragen, so wie dieses, und ich füllte sie mit allem, was ich nicht sagen konnte, so fing es an, wenn ich beim Bäcker zwei Brötchen kaufen wollte, schrieb ich auf die nächste leere Seite: ‘Zwei Brötchen, bitte’ und zeigte sie ihm, und wenn ich Hilfe brauchte, schrieb ich: ‘Hilfe’, und wenn ich über etwas lachen musste, schrieb ich ‘Ha, ha, ha!’ und statt unter der Dusche zu singen, schrieb ich die Texte meiner Lieblingslieder auf, die Tinte färbte das Wasser blau oder rot oder grün, und die Musik lief mir an den Beinen hinunter (…)”

Extrem laut und unglaublich nah – Jonathan Safran Foer
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Was übrig bleibt: „Terry dachte an das, was Ray Davies neulich mal gesagt hatte: dass er sich jedes Mal das Herz aus…“

“Terry dachte an das, was Ray Davies neulich mal gesagt hatte: dass er sich jedes Mal das Herz aus dem Leib heulen könnte, wenn er die Plattensammlung von jemandem sah – so bewegend war es, den ganz persönlichen Soundtrack eines Menschen vor sich ausgebreitet zu sehen, nackt, offen, mit den Jahren verblasst. Wer wollte, konnte in den zerkratzten Vinylscheiben und den zerknickten Plattenhüllen alles sehen, es war alles da: all die persönlichen Hoffnungen und Sehnsüchte, das ganze private Universum, alles war bloßgelegt was ein junges Herz wünschte oder brauchte oder sich ersehnte.”

Als wir unsterblich waren – Tony Parsons
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