Straßenpoesie

Wenn ich mich traue, setze ich mich mit meiner Hermes Baby irgendwo hin, wo Menschen vorbeikommen. Da drücke ich ihnen Blanko Postkarten in die Hand. Sie schreiben ihren Namen und ihre Themen auf die Vorderseite der Karte und dann tippe ich ihnen auf die Rückseite einen Text zu eben diesem Thema.

Für solche Texte habe ich zwischen 10 und 20 Minuten Zeit. Wie bei jeder Massenproduktion gibt es bei so einer Fließbandarbeit extreme Schwankungen an Qualität. Aber jede Karte wird abfotografiert und die meiner Meinung nach besten tippe ich ab und stelle sie hier online.

Ich mag den Namen Straßenpoesie. Einerseits bezeichnet er schön den Enstehungsnamen der Geschichten. Andererseits haben die Geschichten und Gedichte für mich zumindest einen besonderen Flair. Eben dieses Poeten von der Straße-Ding. Muss eigentlich niemand ausser mir verstehen. Falls es doch jemand tut, umso besser.

Interviews unter anderem zum Thema Straßenpoesie:

– 5 Fragen an Faby

– Fabian Neidhardt ist der Gewinner des 3. Twitter-Lyrik-Wettbewerbs

Hier gibt es Fotos schon verschickter Postkarten mit Straßenpoesie. Folgend die ersten Sätze aller bisher veröffentlichten Straßenpoesie-Texte:

Paris!

Mit dem spitzen Ende des Lackschuhs drückte er die Kippe am Boden aus.

Die nackten Füße spüren jeden Kopfpflasterstein.

Verfickte Scheiße!

Warmer Regen tropft lautstark auf das Dach des Stalls, in welchem wir uns versteckt hatten.

Der Tracktorstrahl warf einen blauen Kreis auf den Asphalt. Die obligatorischen Soundeffekte wurden eingespielt.

Der Aufprall ist ohrenbetäubend.

BEGINN DER NACHRICHT

Es braucht keinen Menschen, um diesen Apparat zu bewegen, es braucht nur ein Quäntchen Fantasie.

Das Licht der Sonne kommt von hinten und wirft unsere langen Schatten auf die vernarbte Oberfläche des Mondes.

Immer, wenn ich dich besuchen komme, kommst du mir verwahrloster vor.

Die Sache ist die, sagt er und spuckt einen breiten braunen Strahl des Kautabaks über das Brückengeländer.

Gemeinsam betrachteten sie die kreischenden jungen Vögel, die noch nicht flügge waren und vor Hunger schrieen.

Normalerweise, wenn etwas passiert, dann liegen die Leute in meinen Armen und ich sage, “Es gibt Schlimmeres.”

Sie steht da und lacht.

Eine Frau mit einem kurzem Rock und einer langen Jacke.

18 Gedanken zu „Straßenpoesie“

  1. Hallo Fabian,
    coole Sache. Doch bei dem Foto erstaunt mich, dass du anscheinend noch nach dem Adler-such-System tippst. So viel wie du schreibst stelle ich mir das was mühsam vor, da lohnt sich ein kleiner Blindtippkurs allemal. Zumal das auch nicht unbedingt was kostet, weil es inzwischen gute Programme dafür gibt. Guxtu hier:
    http://portableapps.com/apps/education/typefaster_portable
    http://portableapps.com/apps/education/tipp10_portable
    oder ggf. weitere von
    http://www.portablefreeware.com/index.php?sc=269
    Schönen Gruß & tipp schön weiter!
    Joe

    1. Hej Joe , ich habe eher ein 6 Finger Tippsystem auf der normalen Tastatur. Aber bei jeder Schreibmaschine muss ich aufs neue die Abstände lernen 🙂

  2. Finde ich klasse. Habe ähnliche Phasen, in denen ich mich irgendwo hinsetze, die Situation beobachte und dann Gedanken aufschreibe. Nur lasse ich die Karten dann liegen. Ohne sie abzuschreiben/abzufotografieren. Sollte ich vielleicht tun. Grüße aus dem Norden! =)

  3. Hallo Fabian,
    ich habe dich erst gerade entdeckt, aber ich liebe schon dein Werk !
    Weiter so…
    Ein Buch mit diesen Karten würde die Spontanität natürlich etwas „stören“, wäre aber eine schöne Sache !

    1. Hallo Mathilde, danke für deine Worte! Tatsächlich wäre ein Buch nicht mehr spontan, aber man könnte die Texte mehr Menschen zugänglich machen.

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