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Buch: Kluun – Mitten ins Gesicht / Ohne sie

Nachdem meike mir in den Kommentaren zu Birbæks „Wenn das Leben ein Strand ist, sind Frauen das Meer“ Kluun empfohlen hat, habe ich mir gleich beide Bücher besorgt, nur um dann festzustellen: Das erste stand schon in dem Schrank hinter mir. Here we go:

Mitten ins Gesicht:

Stjin und Carmen sind ein junges und sowohl privat als auch geschäftlich erfolgreiches Paar mit einer süßen kleinen einjährigen Tochter namens Luna. Mitten ins Gesicht beginnt mit der Nachricht von Carmens Brustkrebs und der Ansage, sie wird bald sterben. Und es endet mit dem Tod von Carmen. Sorry, wenn ich jemandem die Hoffnung genommen habe, sie würde es irgendwie doch überleben, aber spätestens der Name des Folgebands – Ohne Sie – impliziert ja ihr dahin scheiden. Zwischen der Ankündigung und dem Tod begleiten wir Stjin (ich weiß nach wie vor nicht genau, wie man den Namen richtig ausspricht) durch jedes Hoch und Tief.

Kluun bedient sich einer teils extrem derben Sprache, was in diesem Fall aber nur der Glaubwürdigkeit zugute kommt. Denn Stjin ist ein gut aussehender erfolgreicher Womanizer. Und die Aussicht, dass seine Frau das seine Meinung nach schönste Körperteil, die Brust, verliert, treibt ihn in den Wahnsinn – und ich die Arme anderer Frauen. Eine schwangere Freundin las den ersten Teil und kommentierte:

Und das Buch ist schon gut geschrieben, aber entweder gehts nur um Sex (weil der Ehemann der todkranken Frau eigentlich immer nur fremd geht) oder darum, wie sehr sie und er leiden und wie sie dann halt stirbt. Ihre Tochter ist gerade mal 1 als sie die Diagnose kriegen und 3 als sie stirbt. Das ist kein gutes Buch für Schwangere – ich hab ihn entweder lauthals verteufelt oder geflennt!

Ja, geflennt hab‘ ich auch. Verteufelt hab‘ ich ihn nicht, denn ich konnte ziemlich genau nachvollziehen, wie er sich fühlte. „Komt een vrouw bij de doktor“, so heißt das Buch im Original, eigentlich ein viel besserer Titel, auch wenn „Mitten ins Gesicht“ nicht schlecht ist.

Zusätzlich zur guten, autobiografisch angehauchten Geschichte und zur passenden und ehrlichen Sprache kommen Kluuns sogenannte „Wramples“

>>Wrample<< von written sample: ein Musik- oder Textfragment, das in einen geschriebenen Text eingefügt wird. Vgl. >>wramplen<<, >>wrampling<<. Variante des in der Musik (besonders HipHop und House) bekannten sample, ein bereits von Dritten verwendetes Musikfragment, das für ein neues Musikstück benutzt wird.

Heißt: Mitten im normalen Text tauchen also immer wieder Textfragmente aus mehr oder weniger bekannten Songs auf, genauso wie es auch mir ab und an passiert, das eine Situation im Alltag mich an einen Teil in einem Song erinnert. Und all diese Sachen: Die Geschichte, die Sprache, die Wramples machen aus dem Buch ein trauriges, ehrliches und ziemlich gutes Buch. So gut, dass ich mich nach der letzten Seite eine Träne wegwischend direkt den Folgeband geschnappt habe.

Ohne Sie:

Ohne Sie beginnt, wo Mitten ins Gesicht endet. Carmen ist gestorben und Stjin flüchtet sich erst in Sex, Drugs & Blackouts und dann aus Amsterdam raus. Über einen kleinen Trip nach Thailand geht es für ein paar Monate nach Australien. Denn dort war Carmen, seine verstorbene Frau, alleine und er will jetzt erleben, wovon sie jahrelang erzählte.

Wenn Mitten ins Gesicht das traurige Buch war, dann ist Ohne Sie auf jeden Fall das lustige Buch. Natürlich gibt es traurige Momente, hallo, seine Frau ist vor ein paar Monaten gestorben. Aber nachdem sich Stjin erstmal so richtig und übertrieben (auch beim lesen übertrieben) abgeschossen hat und dann nach Australien fährt, ist es eher so, dass von all den Erinnerungen an Carmen die schönen und lustigen die Oberhand gewinnen.

Kluun bleibt seiner Sprache treu, genauso seinen „Wramples“, die Geschichte aber ist nicht mehr die traurige, sondern eine verarbeitende witzige. Tränen gab’s hier meiner Erinnerung nach keine mehr, dafür aber wieder eine gute Geschichte.

Empfehlung also, holt euch gleich beide Bücher und lest sie in einem Rutsch, denn sie gehören zusammen und befriedigen dieses dumme Gefühl, welches man sonst nach einem guten Buch oder Film hat, dass man einfach wissen will, wie es nach dem Ende weitergeht.

Yeah, soweit und nun die gute und schlechte Nachricht für Lesefaule: Bei meiner Suche durchs Netz hab ich entdeckt: Eine Verfilmung des ersten Buches gibt’s schon. (Trailer auf Niederländisch) Und beim Versuch, mich durch die Filmseite zu lesen, glaube ich verstanden zu haben, dass der Film in den Niederlanden einigermaßen erfolgreich war und die DVD im Mai in den Handel kommt. Von einer Synchronfassung oder deutschen Untertiteln habe ich leider nichts gelesen und trotz der Kenntnis ob der Geschichte hatte ich schon beim Trailer meine Schwierigkeiten, ihn wirklich zu verstehen.

Aber ich halte euch auf dem laufenden – faby

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