Ich sitze in der Bahn und starre aus dem Fenster auf den tatgtäglichen Stau meiner Stadt. Wir kommen an der nächsten Haltestelle zum stehen, neben uns steht ein Speditionslaster. Der Fahrer ist auf meiner Augenhöhe und isst ein Brot. Als er bemerkt, dass ich ihn beobachte, lächelt er und nickt mir zu. Ich tippe an meinen imaginären Hut und lächele zurück.

Vor drei Jahren saß ich mit Frau und Kind im Stauende in einer Kurve, als ich im Rückspiegel einen LKW der gleichen Spedition ungebremst auf uns zu rasen sehe. Ich schreie meine Frau an und scheuche sie aus dem Auto, greife nach meinem Sohn, reisse ihn aus dem Kindersitz und springe aus dem Auto. Ich komme neben meiner Frau zum stehen, drehe mich um und sehe, wie die kurze Bremsspur des Lasters in den Trümmern unseres Autos endet. Ich schaue meine Frau an. Das war knapp, sage ich. Dann wiederhole ich den Satz und betone dabei jedes Wort. Das. War. Knapp. Und meine Frau nickt stumm.

Die Bahn schließt ein letztes Mal die Türen, als ein Typ sie von aussen nochmal öffnet. Er schreit seine Freunde an und scheucht sie in die Bahn, greift nach dem Fahrschein, reisst ihn aus dem Automaten und springt in die Bahn. Er kommt neben seinen Freunden zum stehen, dreht sich um und sieht, wie die Bahn die Haltestelle verlässt. Er schaut seine Freunde an. Das war knapp, sagt er. Dann wiederholt er den Satz und betont dabei jedes Wort. Das. War. Knapp. Und seine Freunde nicken stumm.

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