Menü Schließen

Die Angst vor der guten Tat.

Es ist Samstag Abend, kurz vor Prime Time und kurz vor Ladenschluss. Wir stehen im Bioladen an der Kasse und da ist dieses Mädchen vor uns. Der nette Kassierer zieht über den Scanner und wiegt, was gewogen werden muss und sie packt in der Zeit schonmal die Waren in den Rucksack. Irgendwann stockt sie und beginnt, alle Fächer des Rucksacks und ihrer Jacke abzusuchen. Dann sagst sie, es tut mir leid, aber ich glaube, ich habe meinen Geldbeutel vergessen.

Dennoch sucht sie weiter. Der Kassierer sieht sie an, zieht aber ruhig die restlichen Waren über das Band. Dann als er fertig ist, sieht sie ihn verzweifelt an und sagt, sorry, ich habe meinen Geldbeutel wirklich vergessen. Die Kasse zeigt einen Betrag von etwa 27 Euro an. Der Kassierer benachrichtigt kurz seinen Kollegen. Dieser meint, er solle einfach stornieren. Alles kein Problem, alles in freundlichem Ton. Er sieht die Frau nochmal an, fragt ob sie sicher ist. Sie nickt.

Er nickt auch und drückt auf einen Knopf, die Zahl auf dem Display verschwindet. Sie fragt, ob sie die Sachen zurückräumen soll, er winkt ab. Schnell verlässt sie den Laden.

Kurz darauf sind wir mit unseren Einkäufen auf dem Weg nach Hause und ich sage, weißt du, als dieses Mädchen da stand, da hätte ich fast … und sie sagt, ja! Ich auch!

30 Euro sind eine solche Menge Geld, dass man sie eigentlich locker für eine solche Tat mal ausgeben hätte können. Einfach sagen, ich übernehme das. Und danach vielleicht die Kontonummer aufschreiben, damit sie es zurücküberweisen kann. Ich meine, Samstag Abend kurz vor Ladenschluss, sorgfältig im Bioladen für’s Wochenende ausgesuchte Sachen. Das ist nicht die Coke, die man sich an der Tanke einfach so mal nebenher holt. Das entscheidet über mehrere Tage Wohlsein. Und es wäre so einfach gewesen, zu sagen, ich übernehme das. Aber wisst ihr was?

Ich habe mich nicht getraut. Keine Ahnung, wovor ich Angst hatte. Warum hat man Angst, eine gute Tat zu tun?

.........................................................

Danke sagen und Liebe zeigen:

Diesen Blog gibt's kostenlos und ohne Werbung, ich mache das hier aus Liebe und Herzblut. Wenn dir das gefällt, darfst du mich gerne unterstützen. Kauf meinen Roman, unterstütze mich über Steady, schick mir eine Spende über Paypal, oder schenke mir was von meiner Amazon-Wunschliste. 
Danke! Lächeln, und Liebe, Fabian.

.........................................................