Der erste Satz aus Roter Mond:

Er kann nicht schlafen.

Der gesamte Roman, dieses Epos über 638 Seiten und mehrere Jahre Laufzeit, ist komplett im Präsenz geschrieben. Ich will das gar nicht komplett schlecht reden, es gibt gute Romane, die im Präsenz geschrieben sind. Aber bei diesem hier funktioniert es gar nicht. Bis zum Ende hat mich diese Wahl der Zeitform nur gestört. Und das blieb nicht das Einzige. Ich hatte hohe Erwartungen an Roter Mond. Ich hatte keine Ahnung, wer Benjamin Percy ist, aber bei Penhaligon erscheinen Romane wie die Game of Thrones – Reihe und das großartige Ready Player One. Und das vorliegende Buch wurde sehr groß angepriesen und als 1984 plus Werwölfe bezeichnet. Das hätte was werden können. Für mich wurde es aber überhaupt nichts. Percy irritiert seinen Leser erstmal mit sehr vielen Personen und Erzählsträngen, die noch nichtmal richtig etabliert werden, sie werden nur angerissen. Dann rotzt er mit einem nüchternen Erzählstil eine riesige Geschichte hin, in einem Tempo und in einer Distanz, die keinerlei Empathie oder Emotion zulässt. Viele Ideen der Geschichte sind schön, da hätte man was großes daraus machen können, wenn man ihnen Zeit gelassen hätte. Stattdessen folgt Abschnitt auf Abschnitt mit neuen Wendungen und Zeitsprüngen, bis ich irgendwann zwar das Buch durch hatte, aber schon lange keinen Versuch mehr unternahm, wirklich in der Geschichte zu sein. Das wurde mir trotz aller Versuche nicht gegönnt.

Roter Mond ist der zweite Roman von Benjamin Percy, der unter anderem für den Esquire schreibt. Derzeit, so seine Homepage, arbeitet er an der Adaption von Roter Mond als Fernsehserie. Darauf freue ich mich, denn, wie gesagt, in dem Buch stecken viele schöne Ideen und Gedanken. Das könnte eine spannende Sache werden. In Buchform hat es mich dagegen überhaupt nicht berührt. Muss man wirklich nicht lesen. Warten wir lieber auf die Serie.

Roter Mond von Benjamin Percy wurde übersetzt von Michael Pfingstl und erschien bei Penhaligon

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