Wie 2020, 2019 und 2018: Über Freunde, die über keine sozialen Netzwerke verfügen, kam diese Liste. Ich liebe sie, weil sie diesen Freundeskreis trotz allen Abstands immer wieder zusammenführt.

Das beste Buch / die besten Bücher im Jahr 2020 gelesen:
Ich hab dieses Jahr relativ viele Frauen gelesen und gehört und das Buch, das mich am positivsten überrascht hat, war Unsere anarchistischen Herzen von Lisa Krusche. Ich kenne sie und ich mag sie sehr, aber ich war ehrlich gesagt ziemlich abgeschreckt vom Cover und dachte, ja, jetzt lese ich das mal, weil eine Freundin. Und dann hat mich das richtig gekriegt. Kann ich wirklich empfehlen. 

Kommt gut von Jüne Plã hat mich unterhalten und einiges gelehrt, ebenso Sie hat Bock von Katja Lewina und Es kann nur eine geben von Carolin Kebekus (Rezensionen folgen). Honorable Mentions: Der Astronaut von Andy Weir und Blutige Nachrichten von Stephen King.

Verlag 2021:
Haymon, immer noch. Sie sind sehr gut zu mir und meinem Buch.

Die besten Stellen:
Ich sammel die ja, deshalb kann ich die gut wiedergeben:

Ein Lächeln verzieht ihre Miene, sie sträubt sich dagegen, es setzt an, kommt, geht, aber sie kann es nicht aufhalten. Die Mundwinkel fahren dann doch auseinander und an den Augenwinkeln faltet sich die dünne Haut leicht.

Der Wal von Ally Klein

Vögel benutzen nicht nur ihre Schnäbel, um zu bauen. Sie pressen ihre Brust gegen die Innenwand, um sie rund zu machen, und prägen damit ihrem Zuhause ihre Umrisse auf: ein Interieur, geformt vom beständigen Rhythmus ihrer schlagenden Herzen.

Nest von Janine Burke, übersetzt von Susanne Darabas


so stelle ich mir erwachsenwerden vor: arme die mich halten & mein mädchen als komplizin für die rituellen operationen manchmal fließt ein wenig blut aber in den lücken die bleiben kann die hoffnung wachsen

Unsere anarchistischen Herzen von Lisa Krusche

Schließlich gewöhnt man sich an wundersame Dinge. Man hält sie für selbstverständlich. Man kann zwar versuchen, das nicht zu tun, aber man tut es trotzdem. Es gibt einfach zu viele Wunder. Die sind überall.

Später von Stephen King

Abends ließ ich mir ein Bad ein, stellte eine Kerze auf den Wannenrand, legte mich auf die kratzige Emaille, dann schlug ich im warmen Wasser liegend “Bildung” auf und las einige Sätze über die griechische Antike, und weil ich glaubte, dass elitäre Personen sich jeden Satz genau merkten und jeden Satz genau verstanden, und weil ich mir keine Vorstellung mehr von “verstehen” machten konnte, weil ich nicht wusste, wie sich “verstehen” bemerkbar machte, weil “verstehen” zu einem mystischen Zustand elitärer Personen geworden war, kam ich über den ersten Absatz nicht hinaus.

Streulicht von Deniz Ohde

Nein, es geht nicht um Glas halbvoll oder halbleer. Es geht um das Glas. Am Ende musst du das Glas halten, egal, was drin ist. Es ist dein einziges.

Man trauert nur um sich selbst (in “Die Musik auf den Dächern”) – Selim Özdogan

Laurenz hat immer zu mir gesagt, Dinge sollen sich ändern, aber vielleicht hat er das gar nicht gesagt, sondern vielleicht träume ich uns alt, obwohl wir uns nur kannten, als wir klein waren und nichts begriffen, aber eigentlich alles begriffen. Ich sehne mich nicht zurück. Ich sehne mich nicht danach, dass die Welt sagt, ich sei zu klein, um zu begreifen, obwohl es immer die Welt war, die zu klein ist.

Die Aufdrängung von Ariane Koch


Größte literarische Enttäuschung des Jahres:

Die Aufdrängung von Ariane Koch. Hab ich für den Das Debüt Wettbewerb als Jurymitglied gelesen. Ariane Koch kann schreiben, keine Frage. In diesem Buch sind viele Sätze, Absätze und Phrasen, die ich sehr mochte. Die Seiten 78/79 sind für mich die stärksten. Würde ich als eigene kurze Geschichte liebend gern umarmen. Aber ein Haufen guter und großartiger Sätze machen noch kein gutes Buch. Ich lese Kochs Wurzeln im Theater und in der Performance heraus. Ich glaube sogar, als Stück auf der Bühne, oder als gut gemachtes Hörspiel kann das funktionieren. Als Buch, das ich selbst lese, ist es für mich immer wieder auseinandergefallen. Dafür was es für mich zu gewollt, zu artsy, zu „guck mal, wie geil diese Sätze sind“. Und bis jetzt finde ich den Kafka-Vergleich auf dem Klappentext echt frech.

Bücher, auf die man sich 2022 freut:
Es wird jedes Jahr schlimmer, was die Stapel ungelesener Bücher angeht. Ich komm nichtmal mehr dazu, mir Vorschauen anzusehen.


Bester Film:
„Promising Young Woman“ hat mich ziemlich beeindruckt. So sehr, dass ich das Drehbuch nochmal gelesen habe.

Beste Serie:
„Maid“ war krass und sehr sehr gut. Seit irgendwann letztes Jahr suchte ich „The Good Doctor“, ist die einzige Arzt-Serie, die ich gucke. Mit jeder Staffel aufs Neue „This is us“. Richtig begeistert war ich auch von „Ted Lasso“. Und einiges mehr, ich hab’ echt viel gesehen.

Bestes Konzert:
Anfang August waren wir auf dem Watt en Schlick Festival in Dangast, direkt an der Nordsee. Super surreal, so ein Festival. Aber halt auch geil. Mit der höchsten Eisenbahn, Kat Frankie (im strömenden Regen), Leoniden und Giant Rooks. Tickets für 2022 sind schon gekauft.

Beste Theatererfahrung:
War ich nicht. Wicked als Musical in Hamburg gesehen. Bin da komplett ohne Vorahnung rein und war dann ganz positiv von der Story und so überrascht.

Bestes Album:
Immer noch lass ich das Google oder ego.fm entscheiden.

Bestes Lied/Stück:
¯\_(ツ)_/¯

Beste*r Musiker*in:
¯\_(ツ)_/¯


Der eigene Höhepunkt 2021:
Mein Verlagsdebüt. 19 Jahre nach dem Entschluss, Bücher bei einem Verlag zu veröffentlichen. Das macht mich bis heute superdankbar. Und dann hat das auch noch echt gut funktioniert. Menschen mögen es und schreiben mir. Der Verlag ist happy, die Agentur ist happy, ich bin happy. Ich glaube, für ein Jahr, in dem wegen Corona nichts ging, hab ich gut was mitgenommen. Leipzig liest war toll. Jede andere Lesung auch, besonders, wenn sie live waren. Und jedes Interview. Da ist echt viel Gutes passiert und ich freue mich sehr darüber.


Der eigene Tiefpunkt 2021:
Ich hab mir (mal wieder) einen alten Bus gekauft. Und dann bin ich so richtig hart daran gescheitert. So sehr, dass ich ihn ein halbes Jahr später wieder verkauft habe und so richtig froh war, als der Typ damit um die Ecke gefahren ist. Er hat ihn dann erstmal abgewürgt, was mich nur noch erleichterter gemacht hat, ihn los zu sein. Aber für mich, der alte Autos und Busse und reparieren liebt und stolz auf die ganzen alten Sachen ist, war das ein riesiger Brocken, den ich schlucken musste: Die Erkenntnis, dass ich der Reparatur dieses Fahrzeugs gerade nicht gewachsen bin. Hat schon echt eine fette Delle in mein Ego geschlagen. Aber ey. Wir gucken schon nach dem nächsten Bus.


Schönste Erinnerung(en):

  • Mein eigenes Buch zum ersten Mal gedruckt in der Hand halten.
  • Leute, die sagen, „Immer noch wach“ ist ihr Jahreshighlight oder hat ihnen geholfen, ihr Trauma mit Krebs zu überwinden.
  • Ich hab ein paar coole Computerspiele dieses Jahr gespielt: Portal 1 und Portal 2, Red Dead Redemption 2, Frostpunk und ein paar mehr.
  • Mein Buch selbst als Hörbuch einsprechen, das war eine richtig schöne Erfahrung.
  • Die Momente mit anderen Leuten, die möglich waren, waren richtig richtig schön. Viel Liebe da.
  • Jede Lesung, die ich machen durfte. Von Berlin bis Zürich. Geil.
  • Den Sommer in Hamburg verbringen.
  • Nach knapp anderthalb Jahren endlich wieder mit Menschen in echt arbeiten, Workshops machen, Vorträge halten und Pädagoge sein. 
  • Grundsätzlich ist da das Gefühl von viel Lachen und Nähe. Trotz all der Scheiß in diesem Jahr. Das ist wunderschön.


Was 2021 übelst gefehlt hat:
Umarmungen. Immer noch.

Das Jahr zusammengefasst:
Für mich persönlich war da viel viel Gutes. Was nicht heißt, dass es in vieler Hinsicht auch richtig scheiße war. Das nächste bitte mit mehr Umarmungen und weniger Verschwörungstheorien.

Der peinlichste Moment:
Gab keinen, der sich bis hierher festgehalten hat.

Ein unentdecktes Talent, das endlich entdeckt wurde:
Ich glaube, ich kann ganz gut mit diesem Hund, der jetzt in meinem Leben ist.

Die ersten Male:

  • Ein Buch bei einem Verlag veröffentlichen, plus allem, was dazugehört.
  • Hundepapa werden.
  • Sich von Migräne übergeben. 15 Jahre lang hab ich nicht mehr gekotzt. Aber mittlerweile ist mein Kopf manchmal so fies zu mir. Fuck.

Was man 2021 gelernt hat:
Es geht manchmal wirklich einfacher, wenn ich die Dinge akzeptiere, die ich nicht ändern kann.

Was man 2021 vor allem hinter sich lassen will:
Diese kack Pandemie. Emotionale Querelen. Wobei ich nicht glaube, dass das jemals ganz weg ist.

Worauf man sich 2022 freut:
Im Mai darf ich mal wieder ein Paar verheiraten, da freue ich mich sehr drauf. Dann auf grundsätzlich Zeit mit Pola, diesem Husky-Straße-Mix aus Rumänien, der jetzt Teil meines Lebens ist. Und dann sind da noch ein paar neue Projekte, die dieses passieren. Das wird ein intensives, aber auch sehr freudiges Jahr. BAM. 

Danke für euch. Ich hoffe, wir sehen uns in 2022. Liebe, Umarmung, Fabian

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