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Autor: Fabian Neidhardt (Seite 1 von 327)

Film & Verlosung: Little Giant Ones

Am Anfang ist Giant Little Ones der typische Boy meets Boy-Teeniefilm: Franky und Ballas sind beste Freunde und beliebte Jungs in der Schule, inklusive passender Freundinnen. Bis sie sich irgendwann betrunken näher kommen, was besonders Ballas überhaupt nicht verkraftet und hohl dreht. Und dann aber macht dieser kleine Film aus Kanada ein wirklich schöne Sachen.

Er spielt auf mehreren Ebenen mit dem Thema „Sexuelle Orientierung“, lässt seine Figuren unerwartet handeln und ist dadurch erfrischend neu und real.

Auch wenn, wie bei vielen Filmen über homosexuelle Liebe, die (allgemein noch nicht gang anerkannte) homosexuelle Liebe selbst immer noch Teil des Problemes ist (was es wohl auch im größten Teil unserer Realität ist), legt sich Giant Little Ones in der Hinsicht nicht fest, sondern lässt Frankys sexuelle Orientierung offener, sodass ich als Zuschauer immer wieder neu spekuliere und mich nicht einfach auf Klischees ausruhen kann. Zusätzlich sind die Reaktionen der Eltern anders, als ich sie „kenne“, was die Geschichte nochmal greifbarer macht.

Dazu kommt dann noch eine im besten Sinne unauffällige Synchronisation ins Deutsche und ein im besten Sinne auffälliger Soundtrack.

Ab heute ist Giant Little Ones auf DVD, Blu-ray und online verfügbar. Und:

Gewinnspiel

Ich darf zwei DVD oder Blu-ray verlosen, was den Gewinnern besser taugt. Schreibt mir eine Mail (oder einen Kommentar) mit eurer Adresse und sagt mir, welche Individuum meets Individuum-Geschichte hat euch in letzter Zeit überrascht?

Einsendeschluss ist Sonntag, der 3. April. Der Zufall entscheidet, dann gehen die Pakete direkt raus. Die Adressen werden für nichts anderes verwendet und direkt danach wieder gelöscht. Viel Erfolg!

Was übrig bleibt: „Ich habe von Leuten wie euch gehört, die sich ihren Tod vom Leib halten. Ihr mögt ihn nicht, und so…“

“Ich habe von Leuten wie euch gehört, die sich ihren Tod vom Leib halten. Ihr mögt ihn nicht, und so lässt er sich aus Höflichkeit nicht blicken. Aber er ist dennoch immer in eurer Nähe. Wenn ihr den Kopf wendet, duckt sich der Tod hinter euch. Wohin ihr auch schaut, versteckt er sich sofort. Ihm genügt eine Teetasse als Versteck oder ein Tautropfen. Oder eine sanfte Brise.”

Das Bernstein-Teleskop – Philip Pullman
Originalpost auf „was übrig bleibt“, eine Sammlung unterstrichener Sätze, gefundener Worte & liegengebliebener Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Lesung: Jasmin Schreiber am 4. März 2020 im Merlin in Stuttgart

Vor ein paar Jahren sind Jasmin Schreiber und ich uns online begegnet, ihre Twittergemeinde ist groß und während ich ins Hospiz ging, machte Jasmin eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin und schreibt darüber und über den Tod generell auf ihrem Blog Sterben üben. Wir haben ähnliche Themen.

Ende Februar erschien ihr Debütroman Marianengraben, eine Road Novel mit einer jungen Frau und einem alten Mann, beide auf dem Weg, den Tod geliebter Menschen zu verarbeiten.

An diesem Mittwoch steigt ihr Buch auf Platz 13 der Bestsellerliste ein und Jasmin sitzt im Merlin in Stuttgart auf der Bühne, neben Maike Sander, Trauerbegleiterin aus Stuttgart, die moderiert.

Das Merlin ist einigermaßen klein und gemütlich und relativ schnell voll, und sehr pünktlich gehen die beiden Frauen auf die Bühne.

Maike ist gut vorbereitet und begeistert, ist ja auch ihr Thema, um das es in diesem Buch geht. Aber die Sache ist, Jasmin braucht keine Moderation. Sie ist schlagfertig und redet gern, sie weiß, wie man Menschen unterhält und irgendwann ist auch das Stuttgarter Publikum warmgelaufen und reagiert auch, was wiederum Jasmin anstachelt.

Und dann blitzt zwischen all den kleinen Witzen und Anekdoten diese entwaffnende Ehrlichkeit auf, die beiläufigen Kommentare über ihre Depression und ihr eigenes Gefühl, was ihr Buch anging, als sie es dem Verlag gab. Diese Verletzlichkeit, diese kleinen Zweifel, die Jasmin zulässt und zeigt, machen den Abend für mich besonders.

Trotzdem ist es gut, dass Maike da ist. Sie fängt Jasmin immer wieder ein, wenn sie sich in Geschichten und Anekdoten über Tiere und das Meer verliert, und führt uns alle durch den Abend, bis zur Fragerunde und dem anschließenden signieren.

Ein Debüt in Zeiten des Coronavirus bedeutet viel weniger Aufmerksamkeit, Werbefläche und ausgefallene Lesungen. Schade, weil Jasmin Schreiber auf der Bühne nicht nur Spaß macht.

Marianengraben von Jasmin Schreiber erschien bei Eichborn.

Was übrig bleibt: „Von da an verbrachte ich immer mehr Zeit mit anderen Scheidungskindern. Wir machten lange…“

“Von da an verbrachte ich immer mehr Zeit mit anderen Scheidungskindern. Wir machten lange Spaziergänge, den Blick zu Boden gesenkt. Vor uns lag eine neue düstere Landschaft, und wir wollten nichts lieber, als und darüber auszutauschen. Wir verabschiedeten uns von der Kindheit, lernten, wie die Erwachsenen zu reden, und schielten verstohlen zu den Spielplätzen, die hinter uns lagen.”

Tales from the Loop – Simon Stålenhag
Originalpost auf „was übrig bleibt“, eine Sammlung unterstrichener Sätze, gefundener Worte & liegengebliebener Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Hörspiel: Monster 1983

Eine amerikanische Kleinstadt in den 1980ern und Dinge die ganz komisch laufen. Monströs unheimliche Morde, sodass der Sheriff einiges zu tun hat.

Hört sich nach Stranger Things an, ist es aber nicht. Ivar Leon Menger hat die erste Staffel von Monster 1983 ein Jahr vor dem Start von Stranger Things veröffentlicht, aber zielt auf die gleiche Zielgruppe ab – nur eben in Hörform.

Dabei zieht Menger aber alle Register: Sein Cast liest sich wie das Verzeichnis der bekanntesten Synchronsprecherïnnen aus Deutschland, unter anderem mit David Nathan, Luise Helm, Ekkehardt Belle, Bernd Rumpf, Norbert Langer, Till Hagen, Udo Schenk, Nana Spier, Erich Räuker, Simon Jäger und Andreas Fröhlich.

[Kleiner Spoiler: Andreas Fröhlich spricht das Monster, was schöne Erinnerungen sowohl an Gollum, als auch an den Nachtmahr aus Zamonien weckt.]

Diese Stimmen, die Art, wie filmisch sie sprechen, plus das Sounddesign von Tommi Schneefuß und der Soundtrack von Trevor U. Hurst machen mir wirklich den Eindruck, ich höre die Tonspur einer Hollywood-Serie, im besten Sinne.

Rund 30 Stunden fühle ich mich gut unterhalten. Die Serie ist extrem gut besetzt und produziert, ist spannend und macht viel Spaß. Manchmal ist mir der Soundtrack zu laut und/oder zu plump eingesetzt und immer mal wieder fühle ich mich an Hörspiele wie die drei ??? erinnert, wenn jemand etwas auf eine Art beschreibt, wie es nur in Hörspielen passiert, damit wir Hörerïnnen auch auf jeden Fall alles verstehen. Das ist schade, aber tut dem Gesamtbild keinen großen Abbruch.

Wir haben die Serie auf einem 4500 Kilometer-Roadtrip quasi am Stück durchgehört und besonders, als der Kreis sich ganz am Ende schließt, war ich ziemlich begeistert. Menger hat mit dieser Serie eine schöne Welt und eine gute Geschichte geschaffen, die mich 30 Stunden unterhält. Sehr schade, dass diese nun rum sind.

Das nächste Projekt ist Ghostbox und spielt heutzutage in Heidelberg. Mal hören …

Monster 1983 von Ivar Leon Menger gibts in drei Staffeln und exklusiv bei Audible.