Autor: Fabian Neidhardt (Seite 1 von 345)

Bericht: Frankfurter Buchmesse 2021

Zwei Jahre her, die letzte Buchmesse in Frankfurt. Viel passiert seitdem, auch ganz abgesehen von der Pandemie. Damals hatte der Prosaroboter sein Debüt und ich war schon mit ihm unterwegs. Das Buch war zwar schon geschrieben, aber noch wusste ich nichts von der wunderbaren Reise, die mir mit Haymon bevorstehen sollte. Ich weiß, dass ich damals zum ersten Mal seit langem nicht so motiviert war, auf die Messe zu gehen. All die Bücher und Autor:innen zu sehen, die diesen Schritt schon geschafft hatten. Wurde dann doch eine sehr schöne Messe mit tollen Begegnungen.

Nun also wieder, aber irgendwie anders.

Vier Tage, mehr als 50.000 Schritte, viele Menschen und Gespräche und Geschichten. Alles immer noch ein wenig komisch, mit Maske, voller Desinfektionsmittel und Abstand. Zuerst ist es ziemlich ungewohnt, dass die Gänge so breit sind und besonders in den ersten Tagen sind die leeren Hallen fast ungewohnt. Für mich, ohne Stand und mit dem Prosaroboter auf dem Arm, war das schön, auch, weil die Menschen an den Ständen oft ein bisschen mehr Zeit und Luft hatten. Für die Stände selbst war das besonders n den ersten Tagen eher problematisch. Erst am Wochenende füllen sich die Gänge. Nach knapp anderthalb Jahren Pandemie ziemlich ungewohnt und anstrengend. Aber auch wunderschön.


Nachdem ich mich bei allen verabschiedet habe und einen letzten Gang durch die Halle mache, ist mein letzter Blick der auf mein Buch im Regal bei „meinem“ Verlag. Immer noch surreal, das da stehen zu sehen. Ich bin für all das ziemlich dankbar. <3 Und freue mich auf Leipzig.

Was übrig bleibt: „Nein, es geht nicht um Glas halbvoll oder halbleer. Es geht um das Glas. Am Ende musst du das Glas…“

“Nein, es geht nicht um Glas halbvoll oder halbleer. Es geht um das Glas. Am Ende musst du das Glas halten, egal, was drin ist. Es ist dein einziges.”

Man trauert nur um sich selbst (in “Die Musik auf den Dächern”) – Selim Özdogan
Originalpost auf „was übrig bleibt“, eine Sammlung unterstrichener Sätze, gefundener Worte & liegengebliebener Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Roman: QualityLand 2.0 von Marc-Uwe Kling

Pling. Hallo, liebe Bewusstseinsformen! Ich bin’s wieder. Ihre allseits beliebte E-Poetin Kaliope 7.3. Ich möchte Sie ein weiteres Mal nach QualityLand entführen. Nicht im Sinne einer Straftat natürlich, also nicht, wie es Peter Arbeitsloser in einem der folgenen Kapitel widerfahren wird. (Bitte beachten Sie, wie gekonnt hier schon im Vorwort Spannung aufgebaut wird!)

der erste Absatz aus Qualityland 2.0

Ich habe QualityLand ziemlich gemocht und verschlungen und glücklicherweise so spät gelesen, dass Teil 2 schon verfügbar war. Also gleich weiter. Wieder in die Welt von QualityLand und Peter und Kiki und all den wirren Sachen aus Teil 1. Aber dann.

Im ersten Teil erzählt Kling die Geschichte gut und und witzig und sehr solide, sehr nah an seinem Erfolgsrezept der Känguruh-Bücher. Hier aber tritt Kling aus seiner Komfortzone und neben all dem witzigen und skurrilen und satirischen Sachen kommt in diesem Teil emotionale Verletzlichkeit dazu. Das erwarte ich bei Kling nicht und im besten Sinne erwischt er mich damit.

Kling ist in diesen emotionalen Momenten nicht so stark und selbstsicher wie in den satirischen und witzigen Passagen, aber er kriegt sie trotzdem ganz gut hin. So gut, dass ich das sogar als das stärkere Buch einschätze. Wobei man den ersten Teil schon gelesen haben sollte. Jetzt mal sehen, womit Kling als nächstes kommt.

QualityLand 2.0 von Marc-Uwe Kling erschien bei Ullstein.

Roman: QualityLand von Marc-Uwe Kling

Geneigte Leserinnen und Leser, edle mit hoher Wahrscheinlichkeit existente außerirdische Lebensformen, geschätzte künstliche Intelligenzen und ehrenwerte Suchalgorithmen, ich wünschte Ihnen viel Vergnügen mit diesem Roman.

der erste Satz aus Qualityland

Die Känguruh-Chroniken gehört und gemocht, aber lange nicht dazu gekommen, QualityLand zu lesen. Auch, weil da erstmal viele davon begeistert waren, was mich ein wenig abgeschreckt hat. Aber dann.

QualityLand ist genau das, was ich mir von Marc-Uwe Kling erwarte. Känguruh-Humor meets Science Fiction, die sehr nah an unserer Welt liegt. Mit Social Scores, mit KI und Robotern für alle Lebenslagen. Und den Menschen, die in dieser Welt durch die Maschen rutschen.

Ein Roman voller skurriler Ideen, die sehr gut dorthin passen, voller Anspielungen und satirischer Spitzen, verpackt in dem Humor, den die Känguruh-Chroniken so groß gemacht haben. Und obwohl ich es selbst gelesen habe, hatte ich immer Klings Stimme im Kopf.

Ich mag das Buch und die Welt, mag die Figuren die Kling schafft und die Art, wie er erzählt. So sehr, dass ich gleich danach Buch 2 in die Hand nehme.

QualityLand von Marc-Uwe Kling erschien bei Ullstein.

Aufklärungsbuch: Kommt gut von Jüne Plā

Sexualität ist ein Thema, über das man nicht spricht.

Der erste Satz aus Kommt gut

Ich sah das Buch auf dem Nachttisch einer Freundin, der 12-jährige in mir musste über den Titel grinsen und ich mochte das Cover und die Zeichnungen. Also kaufe ich mir das Buch.

Ich habe vorher noch nie etwas von Jüne Plā und ihren Juissance Club auf Instagram gehört. Aber ab dem Vorwort mag ich ihre offene und verspielte Art, die sich durch das Buch zieht.

251 Seiten über Genitalien, Lustzonen, Masturbation und Ejakulation, inklusive anschaulicher Zeichnungen.

Ich glaube, wir brauchen noch viel mehr Kommunikation und Offenheit über Dinge, die eigentlich normal sind, aber unnormal werden, weil wir nicht drüber reden. Sexualität und sexuelles Vergnügen – besonders weibliches – gehören dazu. Jüne trägt mit ihrem Club und diesem Buch extrem viel bei. Ich habe viel Spaß gehabt und einiges gelernt und freue mich, immer wieder in diesem Buch Dinge nachschlagen zu können. Wäre eine bessere Welt, wenn wir mehr dieser Offenheit hätten.

Danke, Jüne.

Kleiner Wermutstropfen: Sina de Malafosse hat das Buch zwar sehr flüssig, ist aber extrem inkonsistent, was die inklusive Sprache angeht. Das hat mich manchmal rausgeworfen, weil ich nicht herausgefunden habe, nach welcher Form sie * oder / einsetzt. Ansonsten aber: Ein offenes, lockeres Aufklärungsbuch über unsere Körper und die Möglichkeiten, diese zu erregen. Ich liebe die Selbstverständlichkeit, die Jüne an den Tag legt.

Kommt gut von Jüne Plā wurde übersetzt von Sina de Malafosse und erschien bei echt emf.