Autor: Fabian Neidhardt (Seite 1 von 342)

Spiel: Portal und Portal 2

Manchmal braucht es einen neuen Mitbewohner, der auch eine alte Xbox 360 hat und Spiele mitbringt, damit man endlich mal Portal 2 in die Hand bekommt. Alle sagen, Portal und Portal 2 „muss man gespielt haben“. Also dann, warum nicht.

Du erwachst (als Chell) in dieser alten Forschungsstation (in Portal 2 in der gleichen wie in Portal, nur nachdem Mutter Natur sich die Anlage langsam zurückgeholt hat) und der Computer führt dich durch die Tests, die ursprünglich einmal hier durchgeführt worden sind. Wichtigstes Utensil: Eine Waffe, mit der du zwei miteinander verbundene Portale erzeugen kannst. Wo auch immer du sie aufmachst, bei einem gehst du rein und du kommst beim anderen raus. Jetzt noch ein paar unzerstörbare Beine, damit du den Fall aus jeder Höhe überlebst (was nicht bedeutet, dass du in den Spielen nicht sterben kannst), und du hast alles, um dich für mehrere Stunden zu begeistern.

Eigentlich eine sehr simple Mechanik, mit denen Portal hier seine Puzzle baut. Mehr ist es eigentlich nicht. Du hast diese Portale und du musst es jedes Mal aus dem Raum schaffen. Aber das Team um Portal holt einerseits alles aus der Mechanik raus und verbindet es andererseits mit dieser apokalyptisch angehauchten Atmosphäre, den bissigen Kommentaren von „GLaDOS“, der KI-Assistentin des Forschungslabors, und der Ahnung einer Geschichte.

Portal (und Portal 2) machen es mir extrem einfach, in die Geschichte und die Spielmechanik einzusteigen und mich für mehrere Stunden zu fesseln. Die Spiele machen mir extrem viel Spaß, sie fordern mich heraus und erzählen auf ihre ganz eigene Art eine Geschichte. Nun muss ich aber wie alle anderen darauf warten, wann (oder ob) ein dritter Teil erscheinen wird.

Ich weiß nicht, ob man Portal gespielt haben muss. Aber wenn ihr euch daaf einlasst, habt ihr ganz schön viel Spaß.

Was übrig bleibt: „Vögel benutzen nicht nur ihre Schnäbel, um zu bauen. Sie pressen ihre Brust gegen die Innenwand, um…“

“Vögel benutzen nicht nur ihre Schnäbel, um zu bauen. Sie pressen ihre Brust gegen die Innenwand, um sie rund zu machen, und prägen damit ihrem Zuhause ihre Umrisse auf: ein Interieur, geformt vom beständigen Rhythmus ihrer schlagenden Herzen.”

Nest – Janine Burke, übersetzt von Susanne Darabas
Originalpost auf „was übrig bleibt“, eine Sammlung unterstrichener Sätze, gefundener Worte & liegengebliebener Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Roman: Hawaii von Cihan Acar

Immer wollen sie, dass man mittanzt.

Der erste Satz aus Hawaii

Kemal hätte im Fußball ganz groß rauskommen können, wenn da nicht dieser Unfall gewesen wäre. Stattdessen ist er zurück in Hawaii, dem Problemviertel Heilbronns. Lange nicht mehr von einem Titel erst in die Irre und dann so sehr in die Heimat geführt worden, wie bei Cihan Acar.

Ich habe nichts mit Fußball, türkischen Banden und Wetten am Hut, konnte Kemal aber wunderbar durch seine Tage begleiten, immer am Lächeln, weil mir trotz der Fremde so viel bekannt vorkam.

Cihan Acar hat eine auf seine Art einfache und direkte Sprache, inklusive klarer Haltung, Slang und glücklicherweise nur spärlich eingesetztem Dialekt. Hawaii und Fußball sind Acar ziemlich nah. Ich bin gespannt, was passiert, wenn er sich anderen Geschichten widmet.

Ein klares Debüt, dass dich für ein paar Tage in eine andere Welt entführt.

Hawaii von Cihan Acar erschien bei Hanser. Der Verlag hat mir im Rahmen von Das Debüt ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Hörbuch: Die Fuck-it Liste von John Niven

„… verstehe.“, sagte Frank erneut.

der erste Satz aus Die Fuck-it Liste

Seit Coma vor zehn Jahren bin ich erstmal interessiert, wenn John Niven was Neues rausbringt. Nicht alles funktioniert für mich, aber erstmal guck ich rein. Oder, in diesem Fall, höre ich rein.

Rentner Frank hat Krebs im Endstadium und sowieso nichts mehr zu verlieren. Also nimmt er sich seine Liste von 5 Menschen vor, die es seiner Meinung nach verdient haben, zu sterben. Und beginnt damit, sie umzubringen.

Ich muss mich ein bisschen an die Stimme von Stefan Lehnen gewöhnen, aber dann habe ich sieben Stunden im besten Sinne nicht nur Spaß. John Niven erzählt seinen Rachefeldzug in einer nahen alternativen Zukunft, in der Trump seine zweite Amtszeit erhält und danach seine Tochter übernimmt. Ein sehr republikanisches Amerika, voller Waffen, Zynismus und Gewalt.

Das spannende an John Niven ist seine Balance zwischen all dieser expliziten Gewalt und dem Herz, das er in eine Geschichte bringt. Er laviert sich durch eine Welt, die gar nicht so weit von unserer entfernt ist und hat packt fast nebenbei erstaunlich politische Satire, Gesellschaftskritik und Emotion in diese Amateur-Serienkiller-Story. Tatsächlich überrascht mich das, nachdem Alte Freunde echt nicht so gut war.

Die Fuck-it Liste ist im besten Sinne voller Gewalt, Kritik und Emotion und viel mehr, als ich erwartet habe.

Die Fuck-it Liste von John Niven wurde gesprochen von Stefan Lehnen, übersetzt von Stephan Glietsch und erschien beim Ronin Hörverlag. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Roman: Normale Menschen von Sally Rooney

Als Connell klingelt, macht Marianne die Tür auf.

Der erste Satz aus Normale Menschen

Mädchen trifft Junge. Sie aus dem reichen Haushalt, in dem seine Mutter als Hilfe arbeitet. Er beliebt, sie die Außenseiterin. Und als würde das nicht schon ausreichen, sind die beiden überhaupt nicht in der Lage, miteinander über ihre Gefühle zu reden.

Sally Rooney kann schreiben, keine Frage. Ein schnörkelloser, nüchterner Stil, den ich sehr mag. Und auch die Szenen und Gefühle, die sie beschreibt, kann ich nahahnen. Ich verstehe die Spannung zwischen Marianne und Connell und viele der Situationen kommen mir bekannt vor. Aber all das reicht für mich leider nicht aus, um einen ganzen Roman lang zu tragen.

Weil Rooney zwar die Situationen ändert, aber ihre Figuren nie den Anschein machen, sich dem wahren Problem zu nähern. Fast von Anfang an will ich die beiden an den Schultern packen und ihnen eindringlich sagen: Redet bitte einmal Tacheles miteinander. Kann ich natürlich nicht. Und passiert auch nicht. Stattdessen verfolge ich die Beziehung der beiden über Jahre hinweg und sehe immer lustloser dabei zu, wie sie nicht miteinander reden können.

Wahrscheinlich werde ich irgendwann noch mehr von Sally Rooney lesen. Aber so ganz kann ich die Begeisterung nicht verstehen.

Normale Menschen von Sally Rooney wurde übersetzt von Zoë Beck und erschien bei Luchterhand. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.