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Hörbuch: Die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig, gelesen von Annette Frier

Siebenundzwanzig Stunden bevor sie beschloss zu sterben, saß Nora Seed auf ihrem schäbigen Sofa, scrollte sich durch die glücklichen Leben anderer Menschen und wartete darauf, dass irgendetwas passierte.

Der erste Satz aus Die Mitternachtsbibliothek

Einer der Romane, von denen ich wünschte, ich hätte die Idee dazu gehabt. Was, wenn es nach dem Tod und vor dem Leben diese Bibliothek gibt, mit all den Versionen des Lebens, die du nicht gelebt hast? Die Version, wo du auf diese Reise gegangen bist. Und die Version, wo du dem Menschen, der dir wichtig war, gesagt hast, dass er dir wichtig ist. Und jede andere Version.

Ich liebe die Idee und ich mag, wie Matt Haig erzählt. Das ist mein erstes Buch von ihm und der Ton ist so, dass ich ihm und Anette Frier sehr gerne zuhöre. Im ersten Drittel läuft alles, wie es soll: Wir lernen Noras Leben kennen und begleiten ihr Sterben, betreten die Bibliothek und ich bin angetan und begeistert und freue mich auf den Rest.

Dieser ist dann zwar total in Ordnung, sodass ich das Buch gern bis zum Ende höre. Dann bleibt aber ein leicht schales Gefühl. Matt Haig kann schreiben und hat wunderbare Ideen, doch bei dieser Geschichte fühlt es sich an, als ob er sie auf sichere Art erzählt hat, statt auszuloten, was noch in ihr gesteckt hätte. Das wäre sicher ein Risiko gewesen und hätte auch scheitern können, aber ich hätte gern gewusst, wie die Geschichte sich dann entwickelt hätte. Jetzt erstmal gucken, was Matt Haig sonst so geschrieben hat.

Die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig wurde übersetzt von Sabine Hübner, gelesen von Annette Frier und erschien beim Argon Verlag. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Erzählungen: Die Musik auf den Dächern von Selim Özdogan

Selim Özdogan hat diesen sehr eigenen Blick auf die Dinge, die uns umgeben. Regelmäßig schafft er es mit seinen Büchern, meinen Alltag neu zu füllen, weil ich Sachen, die mir selbstverständlich sind oder über die ich sonst nicht nachdenke, plötzlich anders sehe. In Die Musik auf den Dächern macht Selim das gleich mit 28 Texten.

Kurzgeschichtensammlungen haben – ebenso wie Anthologieserien wie Love, Death & Robots – fast immer die beiden gleichen Probleme. Das eine ist der schnelle Wechsel. Da bin ich gerade in der Welt und in der Sprache einer Erzählung und will wissen, wie es weitergeht, was diese Welt noch für mich bereithält, da ist es schon wieder vorbei. Und wenn ich dann noch in der letzten Erzählung hänge, kann ich der aktuellen gar nicht so neutral begegnen, wie ich gern würde. Deshalb brauche ich für Erzählbände auch immer länger.

Dazu kommt, dass mich (natürlich) nicht alle Erzählungen und Welten auf die gleiche Weise berühren. Selim hat ein paar großartige Texte in dieser Sammlung, aber nicht alle kommen für mich nicht da ran. Was besonders schade ist, wenn ich gerade aus einem sehr tollen Text komme, in dem ich gern länger geblieben wäre.

Dennoch: Selim Özdogan schafft es in diesem Buch einige Male, mich in neue Welten mitzunehmen, mich zu berühren und mich zum Nachdenken zu bringen.

Die Musik auf den Dächern von Selim Özdogan erschien bei der Edition Nautilus. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Transparenz: Ich kenne Selim. Im besten Fall bin ich dadurch ehrlicher und unbarmherziger.

Bericht: Lesung von PeterLicht in Stuttgart am 20.11.21

Klar, ich kenne das Sonnendeck. Und seinen Auftritt vom Bachmannpreis 2006. Ansonsten bin ich gar nicht so sehr in der Musik oder in den Texten von PeterLicht. Aber wenn er in Stuttgart aus seinem neuen Roman „Ja okay, aber“ liest, will ich dabei sein.

Das Literaturhaus ist so voll, wie es in diesen Zeiten wohl sein kann. Alle am Platz mit Maske, nur auf der Bühne sind die Menschen ohne. Erst kurz Stefanie Stegmann, dann PeterLicht. Er muss Mitte 40 sein, aber er springt und bewegt sich auf der Bühne, als wäre er 20. Kein großes Hallo, keine lange Einleitung, PeterLicht setzt sich und beginnt mit am Anfang des Buches. Taucht in seinen Text ein und nimmt uns mit, ein Strom an Worten und Bildern, ohne Pausen, dafür mit einem Beat und voller Energie, die PeterLicht in den Text legt.

Es gibt kein Hörbuch zum Buch, aber wenn, dann müsste es – wie bei Sven Regener oder Thees Uhlmann – selbst gelesen sein. Nicht, weil er der beste Vorleser ist. Er gibt dem Text diesen Sog und die Dringlichkeit, die wohl nur er einbringen kann. Immer wieder muss ich bei der Lesung an die Texte von Peter Kurzeck denken, diese nie absetzenden Gedankenströme.

Peter Licht wechselt fast unbemerkt aus der Lesung in eine kurze Zwischensequenz und liest an einer anderen Stelle weiter. Dann ist es vorbei und er springt auf, wechselt von der Bühne zum Mikro, das danebensteht. Benedikt Filleböck kommt dazu, setzt sich an den Flügel und plötzlich sind wir im Konzert.

Vier, fünf, sechs Songs und eine Zugabe, und die beiden haben nicht nur sehr viel Spaß, sie schaffen es trotz dieser komischen Situation – Abstand, Sitzen, Masken, Literaturhaus – uns alle mitzunehmen. Wir wippen und nicken und singen mit, grinsen über die Texte oder summen – alles mit Maske.

PeterLicht zuzusehen, ist wie dem sechsjährigen, dem 22jährigen und dem 42jährigen in ihm gleichzeitig beim tanzen und Spaß haben zuzusehen. Und währen wir nur Klavier, Gitarre und Gesang haben, muss in seinem Kopf eine ganze Band, manchmal sogar ein Orchester samt Chor sein und das lässt er uns spüren.

Mein Highlight des Abends ist Dämonen vom neuen Album „Beton und Ibuprofen„. Weil es einerseits total PeterLicht ist, andererseits mich auf einer ganz anderen Ebene berührt und abholt.

Schade, dass wir in der Zeit sind, in der wir sind, und PeterLicht nicht so viele Abende bestreiten kann, wir er will. Wenn er irgendwo ist, geht hin. Es lohnt sich.

PS: Hier gibts noch mehr Fotos vom Abend.

„Ja okay, aber“ von PeterLicht erschien bei Tropen. Danke an den Verlag für die Einladung.

Gewinnspiel: Hannes, ab 25.11. im Kino

Bei Rita Falk muss ich immer an Regiokrimi denken, was halt überhaupt nicht mein Genre ist. Dass sie mit Hannes einen Coming-of-Age-Roman geschrieben hat, ist vollkommen an mir vorbeigegangen.

Als Hannes nach einem Mottorradunfall ins Koma fällt, beschließt sein bester Freund, das Leben von Hannes weiterzuführen. Damit er weitermachen kann, wenn er wieder aufwacht. Falls er wieder aufwacht.

Jetzt gibts den Film dazu und das Ganze sieht nach einer Sache aus, die ich mögen könnte. Noch konnte ich ihn nicht sehen, aber Studiocanal und dtv haben mir ein paar Dinge zur Verfügung gestellt, die ich an euch verlosen darf. Es gibt zweimal ein Paket mit Buch, Hörbuch und Filmplakat.

 Schreibt mir eine Mail (Kommentare lass‘ ich nicht gelten) mit eurer Adresse und sagt mir, welche Geschichte über Freundschaften euch so richtig berührt hat.

Gewinnspiel: Ein Junge namens Weihnacht, ab 18.11. im Kino

Ein Junge namens Weihnacht basiert auf einem Buch vom Matt Haig, der Anfang des Jahres mit der Mitternachtsbibliothek ziemlich für Aufmerksamkeit gesorgt hat, und ist produziert von den Leuten, die auch Paddington gemacht haben. Selbst bei den Schauspieler:innen gibt’s einige bekannte Gesichter.

Ich konnte den Film leider noch nicht sehen, aber Studiocanal und dtv haben mir ein paar Dinge zur Verfügung gestellt, den ich an euch verlosen darf. Es gibt ein Paket mit 2 Freikarten, Buch, Hörbuch (gelesen vom wunderbaren Rufus Beck) und Filmplakat.

 Schreibt mir eine Mail (oder einen Kommentar) mit eurer Adresse und sagt mir, welchen Film ihr am liebsten in der Weihnachtszeit seht. Vorbei.

Einsendeschluss ist Donnerstag, der 18. November, 12 Uhr. Der Zufall entscheidet, dann geht direkt raus. Die Adressen werden für nichts anderes verwendet und direkt danach wieder gelöscht. Viel Erfolg!