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Ich: Master Literarisches Schreiben in Hildesheim

Wenn mich jemand fragt, was ich später mal machen möchte – und ja, man wird mit 28 auch noch gefragt, was man später mal machen will – dann antworte ich seit Jahren, ich möchte vom Schreiben leben können. Ich möchte meine eigenen Bücher schreiben und davon leben können.

Ich habe alle Gespräche über dieses Thema in jeder Variation durchgemacht und bin mir des schweren Weges bewusst, den ich da gewählt habe. Aber hej, bisher läuft das Leben mit all seinen schönen Umwegen doch ganz gut, oder? Als ich vor vier Jahren nach meiner Radiozeit studieren wollte, entschied ich zwischen Kreativem Schreiben und Sprechkunst. Viele Gründe haben mich in Stuttgart gehalten und ich wählte das Sprechen. Jetzt ist die Wahl des Masters dran und diesmal sollte es das Schreiben sein. Also bewarb ich mich und bangte und bekam dann vor wenigen Monaten meine Zulassung aus Hildesheim. Leipzig sagte ab, aber das ist eine andere Geschichte.

Im Mittelpunkt des Master-Studiengangs Literarisches Schreiben (M. A.) steht die Arbeit an einem eigenen erzählerischen, lyrischen, szenischen, essayistischen oder kulturjournalistischen Projekt. Dieses Projekt soll zu Beginn des Studiums in einem Konzeptpapier grob umrissen sein und wird dann von den Lehrenden des Studiengangs während des Studiums intensiv betreut.

Um das Schreiben herum werden Seminare angeboten, die es möglich machen, Ihre eigene Literaturwerkstatt zu beobachten, zu verstehen und zu optimieren. Zugleich werden Sie in die literatur- und kulturbetrieblichen Kontexte eingeführt.

So steht es im Studienprofil. Das heißt, ich werde zwei Jahre lang an einem Roman arbeiten, der den Arbeitstitel „Eine Nacht mit genügend Schlaf ist nur eine weitere, an die du dich nicht erinnern wirst“ trägt. Er ist zwar ein wenig mehr, als nur grob umrissen, aber ich kann trotzdem noch viel an ihm lernen.

Ab nächstem Monat werde ich also in Hildesheim Literarisches Schreiben studieren. Ich kann es immer noch nicht ganz glauben! Wow!

Roman: Superhero von Anthony McCarten

 

Der erste Satz aus Superhero:

Aufblende…

Und damit sind wir mitten im Roman, der aufgrund seines Schreibstils eigentlich keiner ist. Anthony McCarten beschreibt die Geschichte des 14jährigen, an Krebs erkrankten Don. Der Junge ist noch Jungfrau und hat noch nie die Liebe einer Frau gespürt, die nicht seine Mutter ist. Und da er wohl nicht mehr so lang zu leben hat, ist dies sein größtes Problem. Um irgendwie damit umzugehen erschafft er seinen eigenen Comic über den Helden MiracleMan, der Mann, der quasi unsterblich ist. Dons Comics sind so verstörend gewalttätig, pervers und düster, so dass seine Eltern den Psychologen Adrian hinzuziehen. Und somit beginnt die Geschichte zwischen den beiden Männern, in der immer undeutlicher wird, wer hier eigentlich wem hilft.

McCarten erzählt eine schöne Geschichte über die Liebe, das Leben und den Tod. Leider hat mich die Form, in der er erzählt, sehr gestört. McCarten schreibt fast ein Drehbuch, mit Sprecherangaben und Regieanweisungen, angereichert mit den Gedanken der jeweiligen Personen. Ja, irgendwann habe ich mich daran gewöhnt. Aber so richtig Spaß macht das nicht. Viel zu oft dachte ich, mann, kann er nicht ganz normale Sätze schreiben?

Der Roman und die Geschichte sind schön und lesenwert, die Textform dagegen hat mich gestört. Vielleicht geht es euch da anders.

Superhero von Anthony McCarten wurde übersetzt von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié und erschien bei Diogenes.

Diese fünf Bücher würde ich nicht mehr hergeben.

Melanie Voß und Philippe Wyssen haben vor ein paar Jahren ein kleines Nebenprojekt ins Leben gerufen, Fünf Bücher:

Den Gedanken, in unseren Bücherregalen Platz zu schaffen, ohne dabei unsere angesammelten Schätze ganz aufgeben zu müssen, fanden wir faszinierend. Dennoch sind wir – wie Gunter Dueck – davon überzeugt, dass es in jedem Regal Bücher gibt, die der Digitalisierungswelle standhalten können.

Manchmal sind das vielleicht Bücher, mit denen wir eine Geschichte verbinden(z.B. ein Buch aus der Kindheit, aus dem die Großmutter immer vorlas) oder solche, die sich nur schwer digital ersetzen lassen (Liebhaberstücke, Bildbände, etc.). Oft sind es aber auch Bücher, die uns aus anderem Grund viel bedeuten, weil sie uns nachhaltig geprägt, besonders berührt oder sogar verändert haben.

Um diese „besonderen“ Bücher geht es bei “Fünf Bücher”: Wir bitten Menschen, uns und Euch ihre „fünf Bücher“ vorzustellen. Vielleicht können wir damit für den ein oder anderen ein wenig Inspiration für den nächsten Bücherkauf bieten.

Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Melanie bat mich vor kurzem und jetzt könnt ihr meine fünf Bücher samt kurzer Erklärung online sehen. Danke, Melanie und Phillipe!

Bericht und Buchverlosung: Karin Slaughter Lesung in Stuttgart

Vor einiger Zeit hatte ich eine Nachricht von Blanvalet im Posteingang, Karin Slaughter kommt nach Stuttgart und die ersten beiden Blogger, die auf die Nachricht antworten, dürfen zu einem Meet & Greet und zur Lesung. Ja, warum nicht? Also antworte ich und bekomme tatsächlich kurz darauf die Bestätigung, unter den ersten beiden gewesen zu sein. Wunderbar! Jetzt sollte ich nur noch etwas von Karin Slaughter gelesen haben.

Und gestern war dann die Lesung, im Rahmen der Stuttgarter Kriminächte, in der BMW Niederlassung Stuttgart. Ungewöhnlicher Ort für eine Lesung, aber wiederum passend, denn Slaughter selbst, wie auch eine ihre Hauptpersonen fahren BMW. Und man muss sagen, BMW nutzte natürlich die Gelegenheit, um Werbung für ihre Fahrzeuge zu machen, aber dafür gab es auch ein schönes, gläsernes Ambiente, ein kostenloses Catering und eine sehr angenehme Athmosphäre. Wenige Tage vorher gab mir Blanvalet Bescheid, ich dürfte eine Begleitperson mitnehmen. Also fragte ich über die sozialen Netzwerke nach und Aline sagte als Erste zu. Sie ist Slaughter-Leserin seit zehn Jahren und so ein persönliches Treffen war einer ihrer Träume. Eine bessere Begleitung konnte ich wohl nicht finden. Wir waren etwa anderthalb Stunden vor der Lesung in der Filiale und wurden sehr angenehm empfangen, mussten aber sowohl auf die Leute von Blanvalet, als auch auf Karin Slaughter noch ein wenig warten. Die Zeit nutzte Aline, um mich in Sachen Slaughter auf den neuesten Stand zu bringen. Dann irgendwann wurden wir von Frank vom Blanvalet-Verlag begrüßt – ich duzte fast jeden – und unter die Fittiche genommen. Dann irgendwann kam Karin Slaughter. Eine kleine, unscheinbare, unglaublich natürliche Frau. Sie tingelte, ungeachtet irgendwelcher Begrüßungsrituale, direkt zum neuen BMW i3 und betrachtete erstmal die Autos. Dann wurden wir ihr vorgestellt und hatten unser Meet & Greet.

Ich kenne Meet & Greets noch aus meiner Zeit beim Radio. Da kamen Fans, aufgeregt, wie sonst was, durften ihrem Idol kurz die Hand drücken und zwei oder drei Fragen stellen, ein paar Sachen signieren lassen und ein Foto machen und schon waren die nächsten dran. Gestern standen da etwa acht Personen im Kreis und unterhielten sich, gefühlt eine Dreiviertelstunde. Zusammen mit Karin kam die Moderatorin Regula Venske und der Sprecher Dietmar Wunder. Ich blieb direkt bei ihm hängen, Karin war umlagert von den anderen und das Sprechen liegt mir sehr am Herzen. Dieses Gespräch mir Dietmar ist meine Metapher für den ganzen Abend. Er war tatsächlich interessiert an seinem Gegenüber, stellte Fragen die tiefer als Small Talk gingen und erzählte ehrlich, was er so dachte. Ein unglaublich offener Gesprächspartner, ein tolles, angenehmes Gespräch. Und so verlief dann auch der Rest des Abends, die Gespräche mit Karin, Frau Venske, Frank und eben Dietmar. Wir wurden umsorgt, sahen eine tolle Lesung samt guter Moderation und einem großen Sprecher, aßen danach noch ein wenig und gingen in jeder Hinsicht erfüllt nach Hause.

Hiermit also ein großes Danke. An Blanvalet für die Möglichkeit, an Karin, Frau Venske, Frank und Dietmar für jedes angenehme Wort und den Abend. Immer noch muss ich sagen, Bücher von Karin Slaughter werden nicht meine absoluten Lieblingsromane, aber so einen Abend erlebe ich gerne wieder. Und die ausführliche Rezension ihres aktuellen Romanes „Bittere Wunden“ folgt natürlich.

Und nun, wie in der Überschrift versprochen, noch das Gewinnspiel. Ich hatte ja mein schon zur Hälfte gelesenes Exemplar, wurde aber auf der Lesung mit einem weiteren beglückt, dass ich Karin auch mit meinem Namen versehen bekommen habe. Dennoch habe ich mein Originalexemplar signieren lassen und dieses möchte ich an einen von euch weitergeben. Es ist also ein halb gelesenes, signiertes Hardcover von „Bittere Wunden“, dem aktuellsten in Deutschland erschienenem Roman. Teilnehmen kann jeder in Deutschland (Ich muss ja die Versandkosten zahlen. Okay, sagen wir, jeder kann mitmachen, aber außerhalb Deutschlands müssen die Versandkosten vom Gewinner getragen werden.).

Hinterlasst unter diesem Artikel einen Kommentar, was ihr als Kind werden wolltet und was daraus geworden ist.

Teilnahmeschluss ist der 24. September um 23:59:59 Uhr. Danach werde ich aus allen Kommentatoren per Zufall einen auslosen.

Noch Fragen?

Das Gewinnspiel ist vorbei, die Gewinner benachrichtigt. Danke für’s mitmachen!

Asket sein. Eine Liste samt Antworten

Irgendwie versuchen wir Menschen oft, alles in Kategorien einzuordnen, um sie schneller benennen zu können. Beim Versuch, meinen Lebensstil in eine Kategorie zu fassen, komme ich immer wieder auf Straight Edge, aber das fühlt sich nicht ganz richtig an. Die wörtliche Bedeutung, „der Vorteil des Nüchtern sein“, mag ich sehr, aber in der Schublade Straight Edge sind dann aber auch so viele andere Sachen, die mir nicht taugen. Irgendwann bin ich auf den Begriff Asket gestossen:

[Askese] bezeichnet (…) eine Übungspraxis im Rahmen von Selbstschulung aus religiöser oder philosophischer Motivation. Angestrebt wird damit die Erlangung von Tugenden oder Fähigkeiten, Selbstkontrolle und Festigung des Charakters. Der Praktizierende wird Asket (griechisch ἀσκητής askētḗs) genannt.

Eine asketische Schulung beinhaltet Disziplinierung sowohl hinsichtlich des Denkens und Wollens als auch hinsichtlich des Verhaltens. Dazu gehört einerseits „positiv“ das beharrliche Einüben der angestrebten Tugenden oder Fähigkeiten, andererseits „negativ“ das Vermeiden von allem, was nach der Überzeugung des Asketen der Erreichung seines Ziels im Wege steht. (…) Die auffälligste Auswirkung auf die Lebenspraxis besteht im freiwilligen Verzicht auf bestimmte Bequemlichkeiten und Genüsse, die der Asket für hinderlich und mit seinem Lebensideal unvereinbar hält. Meist betrifft der Verzicht in erster Linie die Bereiche Genussmittel und Sexualität. Hinzu kommen Maßnahmen zur körperlichen und geistigen Ertüchtigung, in manchen Fällen auch Übungen im Ertragen von Schmerzen.

Im heutigen Sprachgebrauch ist die Bedeutung der Wörter Askese, asketisch und Asket im Allgemeinen auf den Aspekt einer freiwilligen Enthaltsamkeit eingeengt, die zwecks Erreichung eines als höherwertig geltenden Ziels praktiziert wird. Dabei können religiöse oder philosophische Motive in den Hintergrund treten oder ganz entfallen.

Soweit in großer und allgemeiner Sichtweise. Was das für mich persönlich bedeutet, kommt in folgender Liste des Verzichts. Diese Liste ist eine Momentaufnahme. Keiner, am wenigsten ich selbst, weiß, wie es in Zukunft aussieht. Los geht’s:

Kein Kaffee. (Seit 1986)

Das war einfach. Kaffee hat mir einfach noch nie geschmeckt. Lustigerweise prophezeiten mir Gefährten in jedem meiner Lebensabschnitte, dass ich spätestens zum Abi / im Zivi / beim Radio / im Studium mit dem Konsum beginne. Ich mag den Geruch gerösteter Bohnen und habe es immer wieder probiert, aber das war es dann auch. Kaffee ist mir einfach zu bitter. Und ein Mittel, um des Morgens wach zu werden, brauche ich nicht. Ich glaube, Kaffee zum Wachwerden ist langfristig ein psychologischer Effekt. Und für den psychologischen Effekt brauche ich den Geschmack nicht.

Keine Zigaretten. (Seit 1986)

Auch dies war einfach. Keine rauchenden Eltern, ein sehr rauchfreies Umfeld in meiner Jugend. Also gab es zwei oder drei Versuche, an einer Zigarette zu ziehen, etwa im Alter von 12 bis 16, aber niemals genug, um wirklich auf den Geschmack zu kommen oder so viel cooler dadurch zu sein. Tatsächlich kann ich aber die Coolness des Rauchens nachvollziehen. Ich mag beispielsweise das Ritual von Zigarettendrehen. Auch das ziehen, halten und loslassen ist ein schönes Ritual. Leider schmeckt es mir aber überhaupt nicht. Und eine geschmackvolle Variante dieser Coolness habe ich noch nicht gefunden.

Was hier aber auch dazu gehört, dass ich etwa von 16 bis 20 ziemlich intensiv Wasserpfeife geraucht habe. Tatsächlich, weil auch dieses gemeinschaftliche Ritual mir sehr gut gefällt und auch, weil es mir schmeckt. In den letzten Jahren aber hat sich der Konsum auf etwa ein Mal pro Jahr reduziert. Mehr ist auch nicht nötig.

Kein Alkohol. (Seit 2009)

Ich habe schon von Anfang an sehr selektiv Alkohol konsumiert, weil mir viele Varianten einfach nicht schmecken. Inklusive Bier. Ich kann den herben Geschmack nicht ab. Ab und zu mal Bier Mischgetränke, meist dann aber Rotwein oder Wodka. Hier ein Gruß an die italienischen und polnischen Wurzeln. Irgendwann gab es ein paar Punkte, die zusammenkamen:

  • Es schmeckt mir nicht nicht. Klar gibt es gute Weine. Aber so grundsätzlich gesehen muss ich sagen, mag ich den Geschmack von Alkohol nicht. Und im Laufe der Zeit ist mir immer klarer geworden, dass ich nicht des Genusses wegen trinke, sondern „weil man das so macht“. War ja schon schlimm genug, den Leuten jedes Mal erklären zu müssen, dass ich kein Bier trinke und lieber zum Wein greife. Dazu kommt der
  • Kontrollverlust. In meiner ganzen Beziehung zum Alkohol habe ich einmal davon gekotzt, einmal einen Blackout gehabt und einmal beides zusammen erlebt. In einem Zeitraum von etwa 6 Jahren. Und mir wurde immer klarer, dass ich diesen Kontrollverlust nicht haben will. Das ist ganz wichtig wegen des nächsten Punktes.
  • Ich kann alkoholisierte Menschen oft nicht ernst nehmen. Grundsätzlich Menschen unter Einfluss von Bewusstseinsverändernden Mitteln. Es gibt da diese Anekdote einer Feier auf der ich nicht betrunken, aber ganz gut dabei war und da dieses Mädchen aus der Arbeit war, die einfach cool war. Und an diesem Abend traute ich mich endlich und zählte ihr all die Sachen auf, die c0ol an ihr waren. Was für ein gutes Gefühl, das endlich vermitteln zu können. Endlich den Mut aufbringen zu können. Am folgenden Montag aber kommt sie auf mich zu und sagt, Fabi, wie süß war das, als du betrunken warst, du hast so liebe Sachen gesagt. Und ich sagte, das hat nicht mit dem betrunken sein zu tun gehabt, ich meinte das alles ernst und kann es auch jetzt noch wiedergeben. Aber sie lachte und ging davon. Und genau so geht es mir auch oft. Und das ist schade. Denn oft sind es Gespräche mitten in der Nacht oder an ungewöhnlichen Orten, nach Stunden der Annäherung, des Tanzens, des Zusammenseins, die wunderschön und erinnernswert sind. Wenn aber Alkohol oder andere Drogen im Spiel sind, dann schmälert das meine Erinnerung und mein Gefühl, weil ich nie weiß, ob das der Mensch ist oder der Alkohol. Und wie schade wäre das, wenn die Menschen die tiefen Worte nur unter Drogeneinfluss aussprechen können? Und deshalb als letzten und auch zusammenfassenden Punkt:
  • Oft war es mir das nicht wert. Ich glaube, die gute Stimmung, die durch Alkohol oder andere Drogen erreicht wird, bekommt man auch so hin. Oder anders: Ich für mich komme an den gleichen, wenn nicht sogar besseren Punkt, ohne Einfluss. Aber dazu kommen wir gleich bei den restlichen Drogen.

Wegen all der Punkte sagte ich mir also dann, das ist es nicht wert. Ich lasse den Alkohol einfach weg. Nie bereut, nie Gelüste danach gehabt.

Keine anderen Drogen. (Seit 2006)

Ich habe auch nicht viele Drogen probiert. Marihuana und das damals noch legale Salvia Divinorum, das war’s. Während Halluzinogene eine gewisse Faszination ausstrahlen, war mir beim kiffen ziemlich schnell klar, dass ich auch hier nicht dir Droge brauche, um die gewünschte Wirkung zu erreichen.

Meine Lieblingsmetapher für Drogen aller Art ist der Fahrstuhl. Ich kann in den Fahrstuhl steigen und schnell auf die gewünschte Ebene kommen. Ich kann aber auch die Treppe nehmen. Ich nehme lieber die Treppe.

Kein Fleisch. (Seit 2010)

Mein bester Freund ist Vegetarier, seit ich denken kann. Deshalb war ich auch bei etlichen Diskussionen für den Fleischverzicht dabei und musste jedes Mal feststellen, dass er Recht hat. Ich kann keine Argumente für die Art von Fleischkonsum finden, wie sie derzeit gemeinhin praktiziert wird. Rechtfertigungen, ja. Die haben diese Entscheidung dann auch um Jahre verschoben. Bis ich immer mehr Vegetarier und Veganer kennengelernt habe und ich jedes Mal gesagt habe, ich habe kein Argument dagegen, aber glaube nicht, dass ich das hinkriege. Und eine Freundin sagte mir dann Ende 2010, keiner zwingt dich, von jetzt auf gleich Vegetarier zu sein. Aber du kannst bei jedem Essen neu entscheiden, ob du Fleisch essen willst, oder nicht. Seitdem habe ich noch zwei Tiefkühlpizzen  mit Salami darauf gegessen.

Besonders im ersten Jahr hatte ich immer wieder noch Lust auf Fleisch. Noch nichtmal auf ein gutes Steak oder so, sondern eher auf Schnitzel mit Pommes oder ein Döner. Aber immer, wenn es um die konkrete Entscheidung ging, war das Fleisch nicht mehr relevant. Und mir geht es sehr gut damit.

Mittlerweile strebe ich danach, vegan zu leben. Aber eben mit oben genannter Methode: Bei jedem Essen neu zu entscheiden, ob ich Tierprodukte zu mir nehmen möchte. Und wenn, dann ist das okay.

Ob ich noch Spaß habe?

Diese Frage bekomme ich häufig gestellt. Tatsächlich glaube ich aber, dass Spaß haben und Rauschzustände durchaus ohne all die oben genannten Sachen möglich sind. Auf eine reinere, bewusstere Art. Denkt an die Fahrstuhlmetapher.

Mir geht es sehr gut mit dieser Lebensweise. Wobei ich auch nicht das Gefühl habe, wirklich auf etwas total tolles zu verzichten. Im Gegenteil bin ich eher ziemlich erschrocken, wenn jemand sagt, er braucht jetzt unbedingt Kaffee / Alkohol / Fleisch, sonst kann er nicht arbeiten / feiern / Spaß haben / die nächste Woche überstehen.

Ich will kein Moralapostel sein, niemanden bloßstellen oder mich höherstellen. Ich möchte meine Sichtweise, meine momentane Meinung darlegen. Aber ich bin sehr gespannt auf eure Gedanken dazu.