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Was übrig bleibt: „If you stare at the center of the universe, there is a coldness there. A blankness. Ultimately, the…“

“If you stare at the center of the universe, there is a coldness there. A blankness. Ultimately, the universe doesn’t care about us. Time doesn’t care about us.
That’s why we have to care about each other.”

Every Day – David Levithan
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„was übrig bleibt“ ist eine Sammlung, sind unterstrichene Sätze, gefundene Worte & liegengebliebene Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Hörbuch: Letztendlich sind wir dem Universum egal von David Levithan, gesprochen von Adam Nümm.

Der erste Satz aus Letztendlich sind wir dem Universum egal:

Ich werde wach.

A hat keinen Namen, deshalb nennt er sich A. A hat auch keinen Körper. Jeden Tag wacht er in einem anderen Körper auf. Seit 16 Jahren schon. Mal männlich, mal weiblich, egal welche Rasse. A hat sich an das Eintagsleben gewöhnt, bis er eines Tages Rhiannon kennenlernt und sich verliebt. Aber wie führt man eine Beziehung, wenn man jeden Tag den Körper wechselt?

Ich hatte eigentlich vorgehabt, den Roman in der Originalfassung zu lesen. Aber dann habe ich bei Spotify die offizielle Hörbuch-Ecke gefunden. Also habe ich mir mein erstes Hörbuch auf Spotify angehört, samt Werbung. Kann man machen, aber die Hörbücher sind ein weiterer Anreiz, sich bald mit einem Premium Account einzudecken. Zurück zum Buch:

Levithan ist ein Autor, den ich gerne lese, besonders nach dem Wörterbuch der Liebenden. Er schreibt angenehm und hat eine schöne Sicht auf die Dinge. Die grundsätzliche Idee ist ein unglaublich gutes Gedankenspiel, das von Levithan auch breit ausgespielt wird. Eine Seele ohne festen Körper hat keinerlei Vorurteile verschiedener Körper gegenüber, egal wie sie aussehen. Auch die Liebe hat dann kein Problem mehr mit dem Geschlecht des Gegenüber. Und natürlich will man wissen, ob A am Ende das Mädchen bekommt. Das macht das Buch natürlich auch spannend, aber gleichzeitig kommen sich diese beiden Sachen in die Quere. Denn Levithan lässt A immer wieder in Körpern aufwachen, die nichts mit dem eigentlichen Plot zu tun haben, sondern sowas wie Metaphern für eine liberale Lebens- und Liebensweise darstellen. Dabei schafft er aber auch immer mal wieder Längen, in denen ich dachte, okay, ich habe die Moral verstanden, aber jetzt will ich wissen, wie die Geschichte weitergeht. Das hält sich aber in Grenzen, grundsätzlich habe ich der Geschichte sehr gerne gelauscht, was nicht zuletzt am Sprecher Adam Nümm liegt. Ich hatte bisher noch bewusst etwas von ihm gehört und konnte mich Stunden mit dieser Stimme und seiner Spreche umgeben, das hat mir sehr gefallen. Umso schöner, dass Argon das Buch ungekürzt hat einsprechen lassen. Klar, wie oben gesagt, es hat ein paar Längen. Aber ich will selbst entscheiden können, was ich langweilig oder überflüssig finde.

Zwei Sachen noch:

  1. Der deutsche Titel unterscheidet sich zwar sehr vom Originalen („Every Day“, also: „Jeden Tag“ oder „Jeder Tag“), aber passt sehr gut zu der Geschichte. Als ich dann zu der Stelle kam, saß ich auch mit Gänsehaut da.
  2. Der Roman ist extrem offensichtlich so gebaut, dass einen Nachfolger geben muss. Das kann man gut ode schlecht finden, das gewählte Zwischenende finde ich sehr gut.

Letztendlich sind wir dem Universum egal von David Levithan wurde übersetzt von Martina Tichy und gesprochen von Adam Nümm. Das Hörbuch erschien beim Argon Verlag.

(Noch) nicht geschriebene Werke 1: Das Drama Guttenberg

In unseren multimedialen Zeiten ein klassisches Drama zu veröffentlichen ist mutig, aber keine Garantie für einen Bestseller. Was aber, wenn der Inhalt die Form selbst heute rechtfertigt? Schon der Name ist ganz klassisch der Name der Hauptfigur: „Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg“. Der Inhalt? Ganz dem Regeldrama entsprechend folgen wir in fünf Akten (samt Coda) dem Aufstieg des ehemaligen Verteidigungsministers und seinem Fall durch die Plagiatsaffäre. Dabei wird die Geschichte von vier Instanzen erzählt: Dem Volk, den Medien (den Chor ersetzend), dem Ankläger und Guttenberg selbst. Dabei steigt der Unterhaltungswert mit dem „historischen“ Wissen über Guttenbergs Leben, denn das Drama macht sich sein Thema vollkommen zu eigen und besteht zum größten Teil selbst aus Zitaten: Medienberichte, Leserkommentare, Redenabschriften und natürlich die Doktorarbeit selbst werden den vier Instanzen zugewiesen und gegenüber gestellt, natürlich mit vollständiger Quellenangabe. Der Witz und die Brillanz des Werkes zeichnet sich durch diese Zitation aus und mehr als einmal denkt man sich, das kann doch so nicht wirklich gesagt worden sein. Ist es aber. Und das viel zu oft. In der Coda vollführt sich dann die Kür, das selbst erschaffene Martyrium des Freiherren, das von den Medien aufgegriffen wird und vom Volk gefeiert wird.

Das Drama ist eine bissige Mediensatire und eine feine Gesellschaftskritik, deren Form nicht besser gewählt sein könnte. Der Zeitpunkt dagegen schon. Wäre das Büchlein im Fahrwasser der Affäre erschienen, hätte es den verdienten Erfolg haben können. Jetzt ist es ein Juwel für Kenner.

Was übrig bleibt: „I have been envious of male characteristics, if not the men themselves. I’m jealous of the…“

“I have been envious of male characteristics, if not the men themselves. I’m jealous of the ease with which they seem to inhabit their professional pursuits: the lack of apologizing, of bending over backward to make sure the people around them are comfortable with what they’re trying to do. The fact that they are so often free of the people-pleasing instincts I have considered to be a curse of my female existence. I have watched men order at dinner, ask for shitty wine and extra bread with a confidence I could never muster, and thought, What a treat that must be. But i also consider being female such a unique gift, such a sacred joy, in ways that run so deep I can’t articulate them. It’s a special kind of privilege to be born into the body you wanted, to embrace the essence of your gender even as you recognize what you are up against. Even as you seek to redefine it.
I know that when I am dying, looking back, it will be women that I regret having argued with, women I sought to impress, to understand, was tortured by. Women I wish to see again, to see them smile and laugh and say, It was all as it should have been.”

NOT THAT KIND OF GIRL – Lena Dunham
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„was übrig bleibt“ ist eine Sammlung, sind unterstrichene Sätze, gefundene Worte & liegengebliebene Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Der kurze Dienstweg. Ein Lob an die Bahn.

Das Problem, wenn man über „die Bahn“ meckern will, ist, dass man ja immer nur von „der Bahn“ sprechen kann und keine einzelne Person adressieren kann. Das wird besonders dann deutlich, wenn man im Zug sitzt und schon weiß, dass man den Anzug nicht erwischen wird und die Nacht irgendwie in dieser fremden Stadt verbringen muss, aber der Bahnangestellte, der dir das im Zug gesagt hat, kann ja auch nichts dafür.

Dies hier ist anders. Eigentlich sind es eine Handvoll Leute bei der Bahn, die ich loben möchte, aber ich habe keine Namen, also lobe ich „die Bahn“:

Heute Morgen, nachdem ich sie in vier verschiedenen Zügen immer wieder mitgeschleppt habe, vergesse ich eine meiner Schreibmaschine beim Ausstieg in Hildesheim. Mir fällt das in dem Moment auf, als der Zug langsam den Bahnhof verlässt. Ich also direkt zum Service-Center.

Ich: Ich habe gerade etwas in dem ICE vergessen.

„Die Bahn“: Dann fährt das jetzt wohl nach Berlin.

Ich: So siehts aus.

„Die Bahn“ nimmt einen Block und einen Stift in die Hand.

„Die Bahn“: Dann wollen wir mal sehen, was wir da tun können. Was haben Sie denn vergessen?

Ich: Eine Schreibmaschine.

„Die Bahn“ lacht.

„Die Bahn“: Eine Schreibmaschine. Sowas gibt’s noch?

Ich: Ja, ein paar gibt’s noch. Diese war eine Privileg, aber ich glaube nicht, dass so viele andere Schreibmaschinen in dem Zug sind.

Im Schnelldurchlauf: Ich erkläre, wo ich saß, „die Bahn“ ruft direkt im Zug an und übermittelt das. Dann schreibt sie sich meine Handynummer auf. Kurz darauf klingelt mein Handy.

„Die Bahn“: Ja, Herr Neidhardt, mein Kollege hat die Schreibmaschine bisher nicht gefunden, das hat jetzt auf dem kurzen Dienstweg nicht geklappt. Da müssen Sie sich jetzt an den Fundservice der Bahn wenden, tut mir leid.

Ich: In Ordnung, dennoch vielen Dank fürs versuchen.

Das Problem mit dem Fundservice ist folgendes: Ich glaube nicht, dass jemand die Schreibmaschine klaut. Sie wird höchstwahrscheinlich in den Händen „der Bahn“ landen. Aber eben nicht in Hildesheim, sondern in Berlin. Und wenn ich mir die Schreibmaschine schicken lassen muss, zahle ich pauschal 20 Euro. Das übersteigt den materiellen Wert, kommt an den ideellen bei weitem nicht ran. Ein Dilemma. Dennoch, erstmal die Suchanfrage abschicken und sehen was passiert. Eine Stunde später klingelt das Handy wieder.

„Die Bahn“: Herr Neidhardt, der Kollege hat die Schreibmaschine gefunden. Wir machen das jetzt so, eine Kollegin sitzt im Zug nach Hildesheim und wird die Maschine um 14:23 Uhr hier wieder abgeben, dann können Sie sie einfach abholen.

Ich bin also um 14:23 Uhr wieder am Bahnhof, nehme meine Schreibmaschine in Empfang und sage „der Bahn“ danke. Wie gesagt, eigentlich waren es einfach ein paar Mitarbeiter, aber ich betrachte das als Seite „der Bahn“, die man nicht so oft zu sehen bekommt. Die es aber verdient hat, gesehen zu werden.