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68 unaufgeforderte Ratschläge von Kevin Kelly, auf Deutsch

Kevin Kelly ist unter anderem Mitgründer von Wired, wurde kürzlich 68 und hat dazu eine Liste von Ratschlägen veröffentlicht, einen für jedes Lebensjahr. Um sie mehr Menschen zugänglich zu machen, habe ich sie auf Deutsch übersetzt. Auf die Schnelle, Verbesserungsvorschläge sind willkommen.

Ich habe Geburtstag. Ich bin 68. Ich fühle mich danach, einen Schaukelstuhl ranzuziehen und den jüngeren einen Rat zu geben. Hier sind 68 kernige Ratschläge, die ich euch allen als mein Geburtstagsgeschenk anbiete.

Kevin Kelly
  • Lerne von jenen, denen du nicht zustimmst oder die dich sogar beleidigen. Vielleicht findest du Wahrheit in dem, was sie glauben.
  • Begeisterung ist 25 IQ-Punkte wert.
  • Verlange immer nach einer Deadline (eine Abgabefrist). Eine Deadline sortiert das Irrelevante und das Gewöhnliche aus. Sie hält dich davon ab, Dinge perfekt zu machen, deshalb musst du sie anders machen. Anders ist besser.
  • Traue dich, dumm klingende Fragen zu stellen, weil zu 99% der Zeit stellen sie sich alle anderen auch, sind aber zu verlegen, zu fragen.
  • Die Fähigkeit, gut zuhören zu können, ist eine Superkraft. Wenn du jemandem zuhörst, frage immer wieder „Ist da noch was?“, bis es nichts mehr gibt.
  • Ein lohnenswertes Ziel für ein Jahr ist es, so viel über ein Thema zu lernen, dass du nicht glauben kannst, wie ignorant du noch vor einem Jahr warst.
  • Dankbarkeit schaltet alle anderen Tugenden frei und ist eine Sache, in der du besser werden kannst.
  • Jemanden auf eine Mahlzeit einzuladen funktioniert immer und es ist wirklich leicht. Es ist großartig bei alten Freunden und ein toller Weg, neue Freunde zu finden.
  • Vertraue keinem Alleskleber.
  • Deinen Kindern regelmäßig vorzulesen, bringt euch näher zusammen und befeuert ihre Vorstellungskraft.
  • Verwende eine Kreditkarte niemals für einen Kredit. Die einzigen Kredite, oder Schulden, die akzeptabel sind, sind Schulden für etwas, dessen Wert sich allerhöchstwahrscheinlich steigern wird, wie ein Eigenheim. Der Wert von fast Allem sinkt oder verfällt in dem Moment, in dem du es kaufst. Verschulde dich nicht für Verluste.
  • Profis sind nur Amateure, die sich anmutig von ihren Fehlern erholen.
  • Außergewöhnliche Behauptungen brauchen außergewöhnliche Beweise, damit sie glaubhaft sind.
  • Sei nicht der oder die Klügste. Verbringe Zeit mit – und lerne – von Menschen, die klüger sind als du. Noch besser, finde klügere Menschen, die dir widersprechen.
  • Die Dreieregel in einer Unterhaltung. Um den wirklichen Grund zu erfahren, bitte jemanden darum, das gerade Gesagte zu vertiefen. Dann noch einmal und ein letztes Mal. Die Antwort beim dritten mal liegt nahe bei der Wahrheit.
  • Sei nicht die oder der Beste. Sei der oder die Einzige.
  • Jeder ist schüchtern. Andere Menschen warten darauf, dass du dich ihnen vorstellst, warten darauf, dass du ihnen eine Mail schickst, sie warten darauf, dass du sie nach einem Date fragst. Tue es.
  • Nimm es nicht persönlich, wenn dir jemand eine Abfuhr erteilt. Gehe davon aus, dass sie wie du sind: Beschäftigt, vergeben, abgelenkt. Probiere es später nochmal. Es ist erstaunlich, wieviele zweite Versuche klappen.
  • Der Zweck einer Gewohnheit ist es, diese Handlung nicht mehr mit dir selbst auszuhandeln. Du steckt keine Energie mehr in die Entscheidung, ob du es tun sollst. Du tust es einfach. Gute Gewohnheiten gehen von ‚die Wahrheit sagen‘ bis zu ‚Zahnseide verwenden‘.
  • Dinge schnell zu erledigen, ist ein Zeichen des Respektes.
  • Verbringe, solange du jung bist, zwischen einem halben und einem ganzen Jahr so arm, wie es geht, besitze so wenig wie möglich, iss Reis oder Bohnen in einem kleinen Zimmer oder in einem Zelt, damit erlebst, wie deine „schlimmste“ Art zu leben aussehen könnte. Dadurch wirst du in Zukunft keine Angst mehr vor dem schlimmsten Fall haben, wenn du etwas riskierst.
  • Vertraue mir: „Die“ gibt es nicht.
  • Je mehr du dich für andere interessierst , desto interessanter bist du für sie. Um interessant zu sein, sei interessiert.
  • Arbeite an deiner Großzügigkeit. Niemand hat jemals auf seinem Sterbebett bereut, zu viel gespendet zu haben.
  • Um etwas gut zu machen, mache es einfach. Um etwas großartig zu machen, mache es einfach wieder und wieder und wieder. Das Geheimnis toller Dinge ist es, sie neu zu machen.
  • Die Goldene Regel lässt dich niemals im Stich. Sie ist die Basis für alle anderen Tugenden.
  • Wenn du etwas in deinem Heim suchst und dann endlich findest und verwendet hast, lege es nicht dorthin zurück, wo du es gefunden hast, lege es dorthin, wo du als erstes gesucht hast.
  • Geld sparen und Geld investieren sind beides gute Gewohnheiten. Kleine, über Jahrzehnte regelmäßig investierte Beträge sind ohne Frage ein Weg zu Reichtum.
  • Fehler machen ist menschlich. Fehler anzuerkennen ist göttlich. Nichts bringt jemanden weiter, als Fehler schnell zuzugeben, für sie Verantwortung zu übernehmen und sie wieder geradezubiegen. Wenn du Scheiße baust, stehe dazu. Es ist erstaunlich, wie mächtig diese Haltung ist.
  • Gerate niemals in einen Krieg um Land in Asien.
  • Du kannst entweder davon besessen sein, deine Kunden/Publikum/Klienten zufriedenzustellen, oder du kannst davon besessen sein, deine Konkurrenz zu schlagen. Beides funktioniert, aber von diesen beiden wird die Besessenheit von deinen Kunden dich weiter bringen.
  • Tauche auf. Tauche immer wieder auf. Jemand erfolgreiches sagte: 99% des Erfolges ist es einfach, aufzutauchen.
  • Trenne den Schaffensprozess vom Verbessern. Du kannst nicht gleichzeitig schreiben und lektorieren oder modellieren und polieren oder machen und analysieren. Wenn du das tust, verhindert der Lektor den Autor. Während du erfindest, wähle nicht aus. Während zu zeichnest, überprüfe dich nicht, Während du die erste Fassung schreibst, reflektiere nicht. Am Anfang muss das Erschaffen frei von Beurteilung sein.
  • Wenn du nicht immer mal wieder scheiterst, dann bist du nur im Leerlauf.
  • Vielleicht ist die kontraintuitiveste Wahrheit des Universums jene, dass je mehr du anderen gibst, desto mehr du zurückbekommst. Das zu verstehen ist der Beginn von Weisheit.
  • Freunde sind besser als Geld. Fast alles, was Geld kann, können Freunde besser. Auf so viele Arten ist ein Freund mit einem Boot besser, als selbst ein Boot zu haben.
  • Das ist wahr: Es ist schwer, einen ehrlichen Menschen zu betrügen.
  • Wenn du was verloren hast, ist es zu 95% der Fälle nur eine Armlänge von dort entfernt, wo es zuletzt war. Suche an allen möglichen Stellen in diesem Radius und du wirst es finden.
  • Du bist, was du tust. Nicht, was du sagst, nicht, was du glaubst, nicht, wie du wählst, sondern wofür du deine Zeit verwendest.
  • Wenn du dein Kabel, dein Ladegerät oder deinen Adapter verlierst oder vergisst, frage in deinem Hotel nach. Die meisten Hotels haben mittlerweile eine Schublade voller Kabel, Ladegeräte und Adapter, die andere Gäste vergessen haben und wahrscheinlich ist etwas dabei, was du brauchst. Meist kannst du es danach behalten.
  • Hass ist ein Fluch, der den Gehassten nicht trifft. Er vergiftet nur den Hassenden. Lasse den Groll los, als wäre er Gift.
  • Für ‚besser‘ gibt es keine Grenze. Talent ist unfair verteilt, aber es gibt kein Limit dafür, wie weit wir uns von dort, wo wir angefangen haben, verbessern können.
  • Sei vorbereitet: Wenn du egal welches Projekt (ein Haus, ein Film, ein Event, eine App) zu 90% beendet hast, brauchst du für die restlichen Myriaden an Details nochmal 90%.
  • Wenn du stirbst, wirst du absolut gar nichts mitnehmen, außer deinen Ruf.
  • Gehe, bevor du alt wirst, auf so viele Beerdigungen, wie du aushältst und höre zu. Niemand redet über die Erfolge der Verschiedenen. Die einzige Sache, an die die Leute sich erinnern werden, ist, was für ein Mensch du warst, während du sie erreicht hast.
  • Berechne für jeden Dollar, den du für etwas erhebliches ausgibst, einen Dollar, um es zu reparieren, zu warten oder am Ende zu entsorgen.
  • Alles Reale beginnt mit der Fiktion, was es sein könnte. Vorstellungskraft ist also die größte Kraft im Universum und eine Sache, die du trainieren kannst. Es ist die einzige Fähigkeit, die davon profitiert, alles zu ignorieren, was andere wissen.
  • Wenn eine Krise oder eine Katastrophe dich trifft, verschwende sie nicht. Ohne Probleme kein Fortschritt.
  • Wenn du Urlaub machst, gehe zuerst zu den einsamsten Orten deiner Route und lasse die Städte aus. Der Schock der Andersartigkeit wird so am größten sein und auf dem Heimweg wirst du dich auf den gewohnten Komfort von Städten freuen.
  • Wenn du eine Einladung für etwas in der Zukunft bekommst, frage dich: Würdest du hingehen, wenn es morgen wäre? Nicht viele Versprechen bestehen diesen Unmittelbarkeits-Test.
  • Schreibe nichts über jemanden in einer e-Mail, das du dieser Person nicht auch direkt sagen würdest. Denn irgendwann wird die Person es lesen.
  • Wenn du wirklich dringend Arbeit suchst, bist du nur ein weiteres Problem für einen Chef; wenn du einige der Probleme lösen kannst, die der Chef gerade hat, bist du eingestellt. Um eingestellt zu werden, denke wie dein Chef.
  • Kunst ist, was du weglässt.
  • Dinge zu erwerben wird dir kaum echte Befriedigung geben. Erfahrungen tun es.
  • Die Siebener-Regel bei der Recherche. Du kannst alles herausfinden, wenn du bereit bist, sieben Ebenen durchzugehen. Wenn deine erste Quelle keine Antworten hat, frage, wen du als nächstes fragen sollst, und so arbeitest du dich voran. Wenn du gewillt bist, bis zur siebten Quelle zu gehen, wirst du fast immer deine Antwort bekommen.
  • Wie man sich entschuldigt: Schnell, ausdrücklich, ehrlich.
  • Reagiere niemals auf eine Werbung oder ein Angebot am Telefon. Die Dringlichkeit ist gespielt.
  • Wenn jemand böse, unhöflich, voller Hass oder eklig zu dir ist, tue so, als hätte die Person eine Krankheit. Das macht es dir leichter, ihr gegenüber empathisch zu sein, was die Situation entschärfen kann.
  • Unordnung aufzuräumen schafft Platz für deine wahren Schätze.
  • Du willst wirklich nicht berühmt sein. Lies die Biographie egal welcher berühmten Person.
  • Erfahrung wird überbewertet. Wenn du jemanden einstellst, stelle die Person wegen ihrer Eignung und Ausbildung ein. Die meisten wirklich faszinierenden oder großartigen Dinge werden von Leuten gemacht, die sie zum ersten Mal machen.
  • Ein Urlaub + eine Katastrophe = Ein Abenteuer.
  • Werkzeug kaufen: Kaufe dir erst die billigsten Werkzeuge, die du finden kannst. Rüste die auf, die du am häufigsten benutzt. Wenn du ein Werkzeug für einen Job benutzt, kaufe das beste, das du dir leisten kannst.
  • Lerne, wie du schamfrei 20 Minuten Power-Naps machen kannst.
  • Deinem Glück zu folgen, ist ein Rezept für Lähmung, wenn du nicht weißt, was deine Leidenschaft ist. Ein besseres Motto für die meisten Jugendlichen ist „Meistere etwas, irgendetwas“. Wenn du eine Sache meisterst, kannst du die Dinge daran vertiefen, die dir Freude gemacht haben, bis du irgendwann herausfindest, wo dein Glück liegt.
  • Ich bin mir sicher, dass in 100 Jahren das meiste von dem, was ich heute als wahr annehme, bewiesenermaßen falsch, vielleicht sogar beschämend falsch gewesen sein wird. Und ich arbeite hart daran, herauszufinden, wo ich heute falsch liege.
  • Langfristig wird die Zukunft von Optimisten entschieden. Um ein Optimist zu sein, brauchst du die ganzen Probleme, die wir schaffen, nicht zu ignorieren; du musst dir nur vorstellen, dass unsere Fähigkeit, sie zu lösen, besser wird.
  • Das Universum hat sich hinter deinem Rücken verschworen, um aus dir einen Erfolg zu machen. Das wird viel leichter, wenn du diese Pronoia annimmst.

Roman: Ich kann dich hören von Katharina Mevissen

Ich bin einer von denen, die atmen.

Der erste Satz aus Ich kann dich hören.

Os ist Cellist und sein größter Kritiker ist sein Vater. Oder das Bild, das Os von seinem Vater hat. Als dieser sich das Handgelenk bricht, muss Os sich mit all den jahrelang unausgesprochenen Dingen auseinandersetzen. Und mit seiner eigenen Musik, die nicht so frei ist, wie sie könnte. Und mit Luise, die irgendwie mehr als nur seine Mitbewohnerin ist.

Und dann ist da noch Ella, die Stimme auf einem Aufnahmegerät, in die Os sich verliebt. Ellas Schwester ist taub und ihr Auseinandersetzung setzt bei Os Dinge in Gang.

Ich kann dich hören vereint mehrere Stränge und Geschichten, denen ich gerne folge, eine elliptische, sehr mündliche Sprache und ein paar Spielereien im Buch, die es mich sehr gerne lesen lassen.

Eine krude Mischung aus Poesie und Geschichte voller Lücken, die ich selbst füllen darf. Was mir nicht immer Spaß macht, hier aber sehr gut funktioniert. Katharina Mevissen füllt das ‚hören‘ auf vielerlei Art und deutet ganz viele Dinge an, die ich aus meinem eigenen Leben kenne. Danke dafür.

Ich kann dich hören von Katharina Mevissen erschien bei Wagenbach und war meine Nummer 1 bei Das Debüt 2019. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Buch: Die Geschichte der Bäume von Kevin Hobbs und David West, illustriert von Thibaud Hérem

Diese fundierte Geschichte der Bäume ähnelt Treffen mit alten Freunden: Sie führt uns Freunde vor Augen, die wir kennen, überrascht zugleich mit Informationen und Geschichten, die uns kaum oder gar nicht bekannt sind.

Der erste Satz aus Die Geschichte der Bäume.

Wann besser über dieses Buch schreiben als am Tag des Baumes?

Stell dir vor, ein Freund geht mit dir durch den Wald, bleibt immer mal wieder an Bäumen stehen und erzählt dir Anekdoten: Wie lange Menschen diesen Baum schon kultivieren, wie und wo er wächst und was an ihm kurios ist. Dieses Buch ist so ein Freund.

Mehr als 100 Bäume inklusive Illustrationen von Thibaud Hérem auf rund 200 Seiten in einem schweren Band, der sich sehr schön produziert ist. Andererseits ist es dadurch nicht das Buch, das man einfach in der Tasche mit sich rumträgt, was irgendwie schade ist, denn dann könnte ich damit wirklich durch den Wald und die Bäume suchen, seine eigenen Anmerkungen machen und es erweitern.

Aber auch so: Ich lerne viele neue Dinge über Bäume und wie sie mit dem Menschen verbunden sind und schon beim nächsten Baum bleibe ich stehen und schaue ihn bewusster an, als ich es schon lange getan habe.

Die Geschichte der Bäume ist kein Buch, dass man von vorne nach hinten durchliest. Es ist eine Sammlung kleiner Geschichten. Erst lese ich die meiner liebsten Bäume, dann die der kuriosen Bäume und entdecke danach erst all die anderen.

Ein Museumsführer durch die Umwelt, der Spaß macht und mit viel Liebe gestaltet ist. Aber durch sein Format leider eher ein Coffee Table Book als ein wirklicher Führer, den ich zerfleddert immer im Rucksack liegen habe und immer wieder heraushole. Das könnte ja noch kommen.

Die Geschichte der Bäume von Kevin Hobbs und David West, illustriert von Thibaud Hérem, wurde übersetzt von Bettina Eschenhagen und erschien bei Laurence King. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Hörbuch: Mortal Engines 4 – Die verlorene Stadt von Philip Reeve, gelesen von Robert Frank

Im Morgengrauen hatte Theo den Aufstieg begonnen.

Der erste Satz aus Mortal Engines 4 – Die verlorene Stadt

Das ist also der vierte und letzte Teil der Reihe über Tom und Hester und ein ziemlich direkter Anschluss an den dritten Teil, den ich am schwächsten fand. Aber hier holt Philip Reeve alles wieder auf. In mehrerer Hinsicht.

Storytechnisch will ich gar nichts erzählen, niemand wird mit diesem Band einsteigen. Aber wenn ihr mit dieser Reihe angefangen habt, lohnt es sich wirklich, bis zu diesem Teil zu kommen.

Die Story: In diesem vierten Teil zieht Reeve nicht nur Fäden aus allen drei vorherigen Romanen zusammen und mehrere saubere Bögen zum Anfang, was schon ziemlich sauber gewesen wäre. Reeve schafft es am Ende, sein ganzes Quartett in einen noch größeren Kontext zu setzten. Erinnert ihr euch an das Ende des ersten „Men in Black“? So ähnlich fühlt es sich hier auch an. Im besten Sinne.

Die Sprache: In den anderen Teilen haben mich die Geschichte und das Setting überzeugt, die Sprache war okay. Aber irgendwas muss zwischen den anderen und diesem Teil passiert sein, weil Reeve mich jetzt auch mit der Sprache überzeugen kann. Er baut sehr schöne Strukturen und Bilder und die Sprache allein macht mich lächeln.

Die verlorene Stadt ist ein sehr schöner Abschluss einer spannenden Geschichte in einer fantastischen Welt. Reeve hat noch einige andere Geschichten in seiner Welt erzählt, meines Wissens gibt es die aber noch nicht auf Deutsch. Wäre schön, wenn das noch passiert.

Mortal Engines – Die verlorene Stadt von Philip Reeve, übersetzt von Gesine Schröder und Nadine Püschel, wurde gesprochen von Robert Frank und erschien bei Argon. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Illustrierter Roman: Tales From The Loop von Simon Stålenhag

Tief unter der Erde lag der Loop.

Der erste Satz aus Tales from the Loop.

Der Loop ist ein riesiges unterirdisches Forschungslabor in Schweden in den 1980ern. Und der Loop verändert das Leben, das sich über ihm abspielt. Tales from the Loop erzählt Anekdoten aus diesem Leben. Dinge, die in dieser Realität geschehen.

Wie auch schon bei The Electric State verbindet Stålenhag wunderschöne Bilder mit Texten und lässt gerade durch die Verschränkungen und Leerstellen Geschichten entstehen. Und auch hier gibt es Extramaterial, diesmal ein Rollenspiel in der Welt des Loops.

Aber leider merkt man auch hier, dass Stålenhag erst die fantastischen Bilder gemalt hat. Die Texte sind nicht schlecht, manchmal sogar fantastisch, aber im Großen und Ganzen kommen sie nicht an die Bilder ran.

Und was leider eine Lüge ist, ist die Bezeichnung „Roman“ auf der deutschen Ausgabe. Stålenhag selbst sagt im Vorwort, dass er einzelne Geschichten (Erinnerungen) erzählt. Das ist vollkommen in Ordnung und an manchen Stellen lässt er dadurch meine Fantasie größer überborden, als The Electric State es konnte. Aber alle, die eine zusammenhängende Geschichte erwarten, werden enttäuscht. Und das „in die Geschichte gezogen werden“ fand ich hier ein wenig schwächer, als beim ersten in Deutschland erschienenen Buch von Stålenhag.

Trotzdem: Tolle Bilder, fantastische Fantasie und Vorlage für die mittlerweile auf Amazon Prime verfügbare Serie. Da bin ich ziemlich gespannt drauf.

Tales from the Loop von Simon Stålenhag wurde übersetzt von Stefan Pluschkat und erschien bei Fischer Tor. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.