Menü Schließen

Seite 2 von 325

Was übrig bleibt: „Wegen all der gleich gebliebenen Rituale kommt mir vorübergehend die Zeit abhanden, ich könnte…“

“Wegen all der gleich gebliebenen Rituale kommt mir vorübergehend die Zeit abhanden, ich könnte sieben sein, fünfzehn oder vierundzwanzig.”

Ich kann dich hören – Katharina Mevissen
Originalpost auf „was übrig bleibt“, eine Sammlung unterstrichener Sätze, gefundener Worte & liegengebliebener Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Reisehandbuch: Deutschland im Winter

Einigermaßen frisch im Buchmarkt, aber schon lange auf Reisen: Marianna und Johannes haben aus ihrem Blog und ihrer Leidenschaft den Verlag Reisedepeschen gemacht.

Sehr schöne Cover, wunderschönes Design und wertiges Papier. Allein, die Bücher in der Hand zu halten, macht Spaß. Deutschland im Winter ist eines der Bücher. Ein Reisehandbuch, eine Sammlung an Artikeln und Depeschen von verschiedenen Bloggerïnnen.

Kennt ihr noch diese Stapel an Rezepten, die unsere Großeltern und Eltern aus Magazinen herausgetrennt und gesammelt haben? Deutschland im Winter ist das, in schön, für Reisen in Deutschland und schon praktisch gesammelt.

Das Buch ist auch innen extrem schön gestaltet, ich mag die Karten und die meisten der Artikel. Artikel ist das passendste Wort, weil ich oft das Gefühl habe, ein Magazin zu lesen. Das ist nicht schlimm, es ist vielleicht die beste Art, neue Dinge über Deutschland zu erfahren. Als würde ein Freund mit dir am Tisch sitzen und dir von seiner letzten Reise erzählen.

Nach ein paar Reisen ist dann aber auch gut, weshalb das Buch nicht einfach von vorne nach hinten durchgelesen werden sollte. Es sollte eher irgendwo liegen, wo man es immer wieder in die Hand nehmen und durchblättern kann, für Inspiration, wo die nächste Reise hingehen kann.

Eine wirklich schöne Sammlung an Tipps, die zeigen, wie schön und abwechslungsreich allein Deutschland ist.

Deutschland im Winter ist ein Reisehandbuch aus dem Verlag Reisedepeschen und wurde herausgegeben von Aylin und Stefan Krieger. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Lesung: Mareike Fallwickl am 3.12.19 in der Stadtbibliothek Stuttgart

Die Stuttgarter Stadtbibliothek hat die wunderbare Reihe Secondo, in der Autorïnnen aus ihrem zweiten Buch lesen und darüber reden.

In der Reihe Secondo geht es um das schwierige zweite Buch. Für die Vorbereitung des Debütromans ist oft ein halbes Leben Zeit. Der zweite Roman entsteht dann unter erheblich mehr Zeit- und Erfolgsdruck. Caroline Grafe […] spricht mit Autorinnen und Autoren über ihre oft unterschätzten Zweitwerke.

Mareike Fallwickl legt mit Das Licht ist hier viel heller ihr zweites literarisches Buch vor, alternder weißer Mann und Ex-Bestsellerautor, der sich mit dem Erwachsenwerden seiner Tochter arrangieren muss und die Post seines Vormieters liest, nein, konsumiert.

Mareike ist auch Autorin, Texterin und Buchbloggerin, und zusätzlich Österreicherin. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, aber sie hat ihre Schlagfertigkeit mit einem leichten österreichischen Akzent und eine sehr angenehme Art, sich selbst und das ganze Ding mit dem Bücher schreiben nicht zu ernst zu nehmen. Was es ziemlich unterhaltsam macht, ihr zuzuhören.

Ihr Vorbuch (Dunkelgrün fast schwarz) hat seine erfolgreichen Kreise gezogen und das Café LesBar im obersten Stockwerk der Stadtbibliothek ist ziemlich gut gefüllt an diesem Mittwoch.

Caroline Grafe hat bei Mareike eigentlich gar nichts zu tun, weil Mareike gut allein zu unterhalten weiß. Sie hält sich zurück, ist aber in den richtigen Momenten da, um Fragen zu stellen und Themen oder die nächste Lesung einzuleiten.

Komisch eigentlich, dass wir solche Abende immer noch Lesung nennen, weil der Teil mit der Lesung besonders bei Menschen wie Mareike der (in Ermangelung eines besseren Wortes) langweiligste ist. Im Dialog mit Caroline und in den Anekdoten über die Entstung des Buches habe ich den meisten Spaß und liebe es, Mareike dabei zuzusehen, wie sie Spaß hat.

Hier ist das Veranstaltungskonzept besonders stark: Was passiert wirklich nach dem ersten Buch, wie gehen Menschen mit Erwartungen und Kritiken und dem Schreiben per se um? Vielleicht nur, weil ich selber schreibe, aber den Teil mag ich am liebsten.

Bis knapp 90 Minuten zu schnell vorbei sind, noch ein paar Publikumsfragen beantwortet und eine ganze Schlange an Büchern signiert werden.

90 Minuten, in denen wir viel über Mareike und ihr Arbeiten lernen, ihre Art kennenlernen und das Buch zumindest bis Seite 38. Den Rest dürfen wir selbst entdecken. Wie schön!

Das Licht ist hier viel heller von Mareike Fallwickl erschien bei der Frankfurter Verlagsansstalt. Das nächste Mal bei Secondo: Isabel Bogdan mit Laufen.

Comic: Gung Ho 1 – Schwarze Schafe

Sag Mal, Salim, gibt’s bei euch auch Nägel für die Abschüsse bei Weibern?

Der erste Satz aus Gung Ho 1 – Schwarze Schafe

Benjamin von Eckartsberg und Thomas von Kummant legen Band 1 von Gung Ho vor, ein großformatiger, Hardcovercomic mit ziemlich geilen Zeichnungen und einer nicht ganz originellen, aber ganz coolen Story.

In dieser postapokalytischen Welt gibt es Gefahren, Gefahrenzonen und gesicherte Städte, die sehr strengen Regeln folgen. Und wenn Jugendliche und Regeln zusammenkommen, dann gibts Chaos.

Zack und Archer sind Brüder, die in diese kleine Sicherheitszone gebracht werden, weil sie Ärger gemacht haben. Aber sie sind Jugendliche und werden auch hier Ärger machen.

Gung Ho mischt (Zombie)Postapokalypse mit Breakfast Club, der Ton ist flapsig und kratzt, ach was, taucht immer wieder unter die Gürtellinie und die Zeichnungen sind ziemlich geil. Gerade, weil das Buch so großformatig ist.

Manche Elemente – in der Story, aber auch bei den Zeichnungen – sind mir zu plump, dafür gibt es andere, die es ziemlich gut schaffen, dieses Gefühl von Aufwachsen in einer gefährlichen Umgebung zu zeigen.

Ich mag die Geschichte, die sich aber leider in diesem Band anfühlt, wie die erste Folge einer neuen Serie. Und danach ist das Buch vorbei. Gerade, wo ich angefixt bin. Gung Ho ist auf 5 Bände angelegt, der letzte erscheint wohl 2021. Solange muss ich mich mindestens auf das Ende gedulden.

Gung Ho 1 – Schwarze Schafe von Benjamin von Eckartsberg und Thomas von Kummant erschien bei Cross Cult. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Roman: Wir kommen mit von Catherine Ryan Hyde

August Schroeder stand an der Hecktür seines liegen gebliebenen Wohnmobils und blickte durch das kleine rechteckige Fenster.

der erste Satz aus Wir kommen mit.

Catherine Ryan Hyde hat damals das Buch zum Film „Das Glücksprinzip“ geschrieben, daher „kenne“ ich sie. Ich mochte den Film damals, und die Buchversion von Wir kommen mit, die ich habe, ist die Pocket Book Ausgabe, mit der Amazon seine hauseigenen Bestseller im Reclamformat für wenig Geld verkauft. Auf dem Buch gibts keine Inhaltsangabe, kein fancy Cover, nur die Autoren, der Titel und sowas wie Hashtags. Ich mag das Format und die Konsistenz.

Ein Mann, der seinen Sohn verloren hat und mit seinem Wohnmobil und zwei fremden Jungs einen Roadtrip durch Amerika macht.

Schon auf der ersten Seite sind wir mitten in der Geschichte und innerhalb des ersten Kapitels sind wir so weit wie der Klappentext. Ich muss nicht erst die Hälfte des Romanes lesen, um an die Idee zu kommen, die mich von Anfang an dazu bringt, den Roman zu lesen.

Catherine Ryan Hyde schreibt keine Hochliteratur, ihr geht es um die Geschichte und die Gefühle. Und die kriegt sie hin.

Ein zu früh verstorbenes Kind, ein Vater, der sich nicht um seine Jungs kümmern kann und eine Reise durch die Nationalparks in Amerika.

Natürlich will August die beiden Jungs erstmal nicht mitnehmen und natürlich nähern sie sich im Laufe der Geschichte an. In dieser Hinsicht macht sie nichts neues, aber sie macht ihre Sache solide. Ich gehe gern mit und bin dabei, wenn die drei Männer ihre Reise machen.

Und dann geht Catherine Ryan Hyde einen Schritt weiter. Als ich denke, die Geschichte ist durch, jetzt kommt noch ein bisschen Geplänkel, geht sie mit uns die Reise noch ein ganzes Stück weiter, bis wir an ihrem Ende der Geschichte sind, an dem nicht alles gut, aber so okay ist, wie das Leben sein kann.

Das ist das erste Buch, das ich von Catherine Ryan Hyde lese und sie hat einen ziemlichen Output an unterhaltsamer und emotionaler Literatur, aber wenn ihre anderen Bücher ähnlich sind, wird das nicht das letzte sein.

Wir kommen mit von Catherine Ryan Hyde wurde übersetzt von Ute-Christine Geiler und Birte Lilienthal und erschien bei Tinte & Feder ( ein Amazon Imprint). Amazon hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.