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Hörspiel: Monster 1983

Eine amerikanische Kleinstadt in den 1980ern und Dinge die ganz komisch laufen. Monströs unheimliche Morde, sodass der Sheriff einiges zu tun hat.

Hört sich nach Stranger Things an, ist es aber nicht. Ivar Leon Menger hat die erste Staffel von Monster 1983 ein Jahr vor dem Start von Stranger Things veröffentlicht, aber zielt auf die gleiche Zielgruppe ab – nur eben in Hörform.

Dabei zieht Menger aber alle Register: Sein Cast liest sich wie das Verzeichnis der bekanntesten Synchronsprecherïnnen aus Deutschland, unter anderem mit David Nathan, Luise Helm, Ekkehardt Belle, Bernd Rumpf, Norbert Langer, Till Hagen, Udo Schenk, Nana Spier, Erich Räuker, Simon Jäger und Andreas Fröhlich.

[Kleiner Spoiler: Andreas Fröhlich spricht das Monster, was schöne Erinnerungen sowohl an Gollum, als auch an den Nachtmahr aus Zamonien weckt.]

Diese Stimmen, die Art, wie filmisch sie sprechen, plus das Sounddesign von Tommi Schneefuß und der Soundtrack von Trevor U. Hurst machen mir wirklich den Eindruck, ich höre die Tonspur einer Hollywood-Serie, im besten Sinne.

Rund 30 Stunden fühle ich mich gut unterhalten. Die Serie ist extrem gut besetzt und produziert, ist spannend und macht viel Spaß. Manchmal ist mir der Soundtrack zu laut und/oder zu plump eingesetzt und immer mal wieder fühle ich mich an Hörspiele wie die drei ??? erinnert, wenn jemand etwas auf eine Art beschreibt, wie es nur in Hörspielen passiert, damit wir Hörerïnnen auch auf jeden Fall alles verstehen. Das ist schade, aber tut dem Gesamtbild keinen großen Abbruch.

Wir haben die Serie auf einem 4500 Kilometer-Roadtrip quasi am Stück durchgehört und besonders, als der Kreis sich ganz am Ende schließt, war ich ziemlich begeistert. Menger hat mit dieser Serie eine schöne Welt und eine gute Geschichte geschaffen, die mich 30 Stunden unterhält. Sehr schade, dass diese nun rum sind.

Das nächste Projekt ist Ghostbox und spielt heutzutage in Heidelberg. Mal hören …

Monster 1983 von Ivar Leon Menger gibts in drei Staffeln und exklusiv bei Audible.

Neuer Podcast: Abschicken.

Mir hing diese Idee ein paar Tage im Kopf. Hab‘ ein bisschen gebastelt und da ist es: Abschicken. Sprachnachrichten über das Leben, das Universum und den ganzen Rest. Als Podcast. ich weiß selbst nicht so genau, wohin das führen wird. Aber ich will diesem Pfad ein bisschen folgen. Genug Pathos, hier ist Folge 0. Das Ganze gibts auch bei Spotify, als RSS-Feed und bei jedem anderen Hörbuchdealer eurer Wahl.

Wenn ihr was dazu sagen wollt oder mitmachen wollt, ihr könnt da direkt Sprachnachrichten hinschicken. Yeai.

Spiel: Escape Dysturbia – Falsches Spiel im Casino

Dysturbia ist ein Moloch, eine Stadt voller Gangster und korrupter Polizisten, eine Stadt direkt aus einem Film Noir. Dyscover ist eine Detektei, die letzte Bastion des Guten – und euer Team. 

Falsches Spiel im Casino ist der zweite Teil, 2018 hat homunculus spiel mit Mörderischer Maskenball einen spannenden und schönen Auftakt dieser Reihe vorgelegt, mit ein paar sehr schönen Details, die ich so noch nicht in einem Escape Game gesehen hatte.

Damit hat sich homunculus aber auch selbst eine hohe Latte gelegt, an der sie für mich dieses Mal leider gescheitert sind.

Das Schöne an der Reihe ist, dass alle Fälle in der gleichen Welt passieren und das Team aus Mörderischer Maskenball auch jetzt wieder zum Einsatz kommt und ich als Spieler sogar belohnt werde, wenn ich den ersten Fall schon erfolgreich absolviert habe. Das gibt das Gefühl einer größeren Welt, einer Eingebundenheit, die ich bei anderen Escape Games bisher nicht hatte. Und dieses Film Noir Thema ist natürlich dankbar für alle möglichen Geschichten, in denen es Rätsel zu lösen gibt.

Diesmal also im Casino. Wieder müssen wir vorher entscheiden, wen wir aus unserem Team mitnehmen. Jeder Charakter hat Stärken, die es abzuschätzen gilt. Auch das bleibt spannend und ist anders, besonders weil es bei so einem Escape Game ja eben nicht einfach möglich ist, das Spiel mit neuen Charakteren von vorne zu spielen. Das würde viel kaputt machen.

Letztes Mal fand ich es noch schade, dass es keinerlei Soundtrack bei dem Spiel gibt, diesmal legen die Leute von homunculus spiel da einen sehr großen Fokus drauf. Es gibt nicht nur einen Soundtrack, es gibt Bänder die wir finden und abspielen müssen und es gibt Hinweise, die man nur hören kann, wenn man genau hinhört. Es gibt auch Telefonnummern, die ich anrufen kann und Videos, die ich mir ansehen muss und natürlich die unvermeidlich tickende Uhr.

All das, besonders das Gefühl, immer leise sein zu müssen, um bloß keinen Hinweis zu überhören, hat das Spiel diesmal leider etwas anstrengend gemacht.

Nachdem wir den Fall gelöst und auch die letzte Entscheidung getroffen haben (wieder ein sehr schönes Element), waren wir zwiegespalten.

Escape Dysturbia ist immer noch eine tolle Welt, in der spannende Geschichten erzählt werden, die Spaß machen. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, das Entwicklerteam wollte zu viel, sodass ich manchmal überfordert war und nicht so frei spielen konnte, wie ich es gern hätte.

Trotzdem, ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Escape Dysturbia: Falsches Spiel im Casino erschien beim homunculus verlag. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexeplar zur Verfügung gestellt.

Roman: Münzgesteuerte Geschichte von Francis Nenik.

Am 31. Oktober 1963 trat William Croswell in Amanda Hollis’ Leben. In einer Pappbox. In 234 Teilen.

Der erste Absatz aus Münzgesteuerte Geschichte.

Eine junge Archivarin in den 1960ern in Amerika, die sich durch die Hinterlassenschaft eines anderen Archivars arbeitet, um vielleicht irgendetwas spannendes in seinem – und damit auch in ihrem – Leben zu finden. Das ist die Prämisse.

Francis Nenik erzählt nicht immer leicht, aber gut lesbar. Manchmal schweift Nenik ab und erzählt Anekdote in Anekdote, bevor er zurück zur Geschichte kommt. Und bevor er ins Absurde abrutscht. Ich will gar nicht viel verraten, aber ziemlich bald denke ich beim lesen, was genau passiert hier eigentlich gerade? Das ist okay, das passiert regelmäßig und viele Bücher funktionieren darüber, mich herausfinden zu lassen, was gerade passiert.

Im Fall von Amanda und der Vinland-Map, die irgendwann eine Rolle spielt, wird vieles davon aber bis zum Ende nicht aufgelöst und bleibe mit meinen Fragezeichen zurück.

Ich lerne viel, beispielsweise über die oben genannte Karte. Wobei bei Nenik eben nie klar ist, ob das, was ich lerne, Fakt oder Fiktion ist. Weil er das sehr gerne macht, genau auf der Grenze zwischen Wahrheit und Geschichte zu spazieren. Das macht eine Zeitlang Spaß und ist mehr als okay zu lesen, aber besonders, weil mir am Ende zu viele Fragen offen bleiben, ist auch das Leseerlebnis nicht wirklich befriedigt.

Münzgesteuerte Geschichte ist eine historische Ausschweifung absurder Dinge, inklusive Verschwörungstheorie, die mein Leben nicht verändert hat, aber zumindest Spaß gemacht hat.

Die Veröffentlichungsgeschichte ist fast genauso wirr, wie die Geschichte selbst: Es gibt eine kostenlose Version auf Fiktion.cc, eine Buchfassung unter dem Titel Die Untergründung Amerikas bei der ed[ition] cetera, dem Hausverlag von Nenik und eine Taschenbuchausgabe mit neuem Cover.

Buch: Micro Science Fiction von O. Westin

„Selbstverständlich haben auch Maschinen Gefühle, aber sie brauchen Hilfe, um sich auszudrücken“, sagte der Professor.“

Der erste Satz der ersten Geschichte in Micro Science Fiction von O. Westin.

Seit 2013 veröffentlich O. Westin Science Fiction Kürzestgeschichten auf Twitter.

Birthe Mühlhoff hat sich aus 1000 Geschichten rund 350 ausgesucht und sie ins Deutsche übertragen. Viele Perlen darunter, die zeigen, wie sauber O. Westin Weltenbau in kleinster Form betreibt, oft mit einem kleinen Twist und regelmäßig mit der Empathie für andere Sichtweisen.

Das ist für mich das Schönste an seinen Geschichten: Wie Westin es in seinen kleinen Bildern schafft, Dinge wie Monster und Außerirdische auf feine Art menschlich zu machen, ihnen Aspekte zu geben, die wir in unserem Schubladendenken erstmal nicht haben. Das findet sich auch in diesen 350 Geschichten.

Nicht alle sind für mich Highlights und wenn man sie am Stück liest, ist das wie ein Besuch in einem viel zu großen Museum: Irgendwann kann ich nichts mehr aufnehmen.

Trotzdem: O. Westin schafft kleine, leuchtende Perlen, die den Kopf erweitern und das Herz erfüllen. Jetzt auch auf Papier.

Micro Science Fiction von O. Westin wurde ausgewählt und übersetzt von Birthe Mühlhoff und erschien bei mikrotext. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.