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Spiel: Far: Changing Tides

Die Welt nach der Apokalypse. Du, eingepackt in einem blauen Anzug, deine Welt in den Fluten versunken. Du verabschiedest dich und machst dich auf den Weg in ein neues Leben.

Hört sich sehr nach dem ersten Teil von Far an, und so ist es auch. Okomotive ist ein kleines Indie-Spielestudio aus Zürich und hatte mit Far: Lone Sails ein echt schönes Spiel mit schönem Soundtrack und toller Atmosphäre veröffentlicht. Dieser zweite Teil übernimmt vieles, was den ersten Teil toll gemacht hat, und legt aber noch ein paar Schippen drauf. Das Schiff ist komplexer, die Möglichkeiten vielfältiger und die Rätsel ein bisschen größer. Die Landschaft ist immer noch wunderschön und die Welt hat Tausend Ecken, die ich erforschen kann.

Wie auch beim ersten Teil ist Far: Changing Tides wie Urlaub. Klar gibt es ein paar Rätsel zu lösen und ein paar Stürme zu bestehen, aber oft kann ich einfach durch entspannt segeln. Leider aber setzt die große Freiheit, die ich beim ersten Teil gespürt habe, in diesem Teil sehr spät ein. Während die Kamera im ersten Teil immer mal wieder rausfährt, bleibt sie diesmal immer nah dran. Was mir die Weite nimmt, die mir im ersten Teil so gefallen hat. Und auch der Soundtrack, immer noch sehr schön, aber er wird sparsamer eingesetzt.

Nach etwa vier Stunden komme ich ans Ende und bin drauf und dran, direkt den ersten Teil nochmal zu spielen und noch länger in dieser Atmosphäre zu bleiben. Jetzt wünsche ich mir für den dritten Teil die Möglichkeit, das nächste Schiff mit zwei Spieler:innen zu steuern.

Far: Changing Tides fehlt zwar ein bisschen der Zauber des ersten Teils, ist aber ein toller zweiter Teil mit coolen Weiterentwicklungen und Ideen, der dich für ein paar Stunden in eine andere Welt mitnimmt.

Far: Changing Tides erschien bei Frontier Froundry und ist für alle aktuellen Konsolen und Computer erhältlich. Frontier hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Das Debüt 2021: Meine Juryentscheidung

Jahr Sechs als Jurymitglied für den Bloggerpreis von das Debüt. Jedes Mal darf ich neue Literatur und neue Menschen kennenlernen. Hier also meine Entscheidung für dieses Jahr:

Platz 1: Junge mit schwarzem Hahn von Stefanie vor Schulte
Stefanie vor Schulte schafft ein zeitloses, düsteres Märchen, das mich an Filme von Guillermo del Toro und Tim Burton erinnert. Immer etwas schattenhaftes, wie ein literarischer Scherenschnitt, stets mit feinem Humor. Hat mich von der ersten Szene an gefangen und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. 

Platz 2: Mama von Jessica Lind
Schon das Cover fesselt mich, der Text dann ebenso. Jessica Lind zieht mich in die Welt einer Frau, einer werdenden Mutter, einer Mutter samt Kind, inklusive Ungewissheit, verschobener Wahrnehmung und diesem nie ganz greifbarem Grauen, das irgendwie in dieser Hütte und in diesem Wald liegt und zwischen den Figuren schwelt. Ein Thriller voller filmischer Szenen, die in meinem Kopf auftauchen.

Platz 3: Adas Raum von Sharon Dodua Otoo
Sharon Dodua Otoo hat einen sehr klaren, direkten Stil und führt mich durch verschiedene Jahrhunderte und Erzählperspektiven. Das ist immer wieder anstrengend und verwirrend, schafft aber auch Einsichten und Emotionen, die ich nicht erwartet habe.

Lobende Erwähnung: Die Gegenstimme von Thomas Arzt
Thomas Arzt ist die Herkunft aus dem Theater anzulesen, aber nachdem ich mich einigermaßen damit abgefunden habe, dass Arzt keine Verben mag, komme ich ziemlich gut durch das Buch. Besonders die kurzen Passagen, die ich meiner Freundin vorlese, machen extrem klar, was für einen Sog der Text hat und wie stark er nach vorne geht. Er drückt mich durch die Geschichte, und das, obwohl ich des Themas gegenüber gar nicht so offen bin. Gegen Ende hat das Buch seine Längen, ein paar Kapitel hätte es für mich nicht gebraucht, aber im großen und ganzen und obwohl es Arzt mir echt immer wieder schwer macht, gut durch den Text zu kommen, bin ich tatsächlich sehr angetan. 

Danke für diese Bücher. Bis zum nächsten Mal.

Was übrig bleibt: „Hab’s in der Mitte gemacht. Das Kreuz, Hanni, weil du ja gemeint hast, soll keinen Blödsinn…“

“Hab’s in der Mitte gemacht. Das Kreuz, Hanni, weil du ja gemeint hast, soll keinen Blödsinn machen, aber. Hab dann nicht gewusst, wo die Blödheit mehr zu finden ist, auf der einen Seit oder auf der anderen. Weil, wenn einer dafür ist, dann lauft der nur mit und fällt hin, in diesem Laufen, aber wenn einer dagegen, dann laufen’s ihm alle dagegen, das haut ihn doch auch nur um. Wo stehst dann, Hanni? Wo?”

Die Gegenstimme von Thomas Arzt, beim Residenz Verlag
Originalpost auf „was übrig bleibt“, eine Sammlung unterstrichener Sätze, gefundener Worte & liegengebliebener Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Roman: Billy Summers von Stephen King

Billy Summers sitzt in der Hotelhalle und wartet darauf, abgeholt zu werden.

Der erste Satz aus Billy Summers

Billy Summers ist Auftragskiller und entgegen des Klischees will er, dass bei seinem letzten Job alles glatt läuft. Was es natürlich nicht tut. Und dann wird da auch noch dieses vergewaltigte Mädchen in der Einfahrt seines Versteckes abgeladen, was die Dinge nur noch komplexer macht.

Stephen King produziert viel zu viel, als dass ich alles von ihm lesen könnte. Aber was ich lese, taugt mir meist sehr. Auch Billy Summers. Vielleicht habe ich den alten Mann in den mehr als 20 Jahren, in denen er mich begleitet, einfach sehr ins Herz geschlossen, ich mag, was er schreibt. Dabei macht er bei Billy Summers total viel voller Klischee und widersprüchlicher Dinge, trotzdem lese ich mich sehr schnell durch diese mehr als 700 Seiten. Und weil ich schon so viel von Stephen King von David Nathan gesprochen gehört habe, habe ich seine Stimme im Kopf, auch wenn ich selbst lese.

Billy Summers ist bei weitem nicht das beste Buch von Stephen King, aber es holt mich ab und lässt mich für eine Zeitlang komplett eintauchen und wie oft in den letzten Jahren überrascht mich King auch hier mit ein paar Kniffen, die er neu anwendet.

Der größte Wermutstropfen ist, dass King diesmal (ganz unüblich) die Entstehungsgeschichte weggelassen hat. Dafür hat er sie dem Esquire erzählt.

Billy Summers ist der typische letzte Job eines Auftragskillers, aber eben von Stephen King erzählt. Und das mache ich jedes Mal gerne mit.

Billy Summers von Stephen King wurde übersetzt von Bernhard Kleinschmidt und erschien bei Heyne. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Hörbuchtrilogie: Empire of Storms von J. Kelley Skovron, gesprochen von Matthias Lühn

https://www.instagram.com/p/CJxtpFEhzOI/

Käptan Sin Toa bereiste diese Meere schon seit vielen Jahren als Händler, und so etwas hatte er bereits gesehen. Das machte es nicht einfacher.

Der erste Absatz aus Empire of Storms 1 – Pakt der Diebe

Hope ist die einzige Überlebende ihres Dorfes und wächst in einem Kloster unter Kampfmönchen auf. Rache lässt sie nicht los. Red wächst als Waise in den Straßen einer Hafenstadt auf und will nur der beste Dieb der Welt werden. Bis er auf Hope trifft.

Ich finde die deutschen Cover ziemlich abschreckend und hätte die Reihe fast links liegen lassen, war dann aber vom Klappentext doch angetan. Also eingetaucht, knapp 16 Stunden später aus dem ersten Teil wieder aufgetaucht und gleich mit Teil 2 (18 Stunden) und Teil 3 (15 Stunden) weitergemacht. Skovron schafft eine wunderbare phantastische Welt und Charaktere, die mich in ihrer Skurrilität immer wieder an Terry Pratchett erinnern. Auch der Schreibstil hat etwas von Pratchett, manchmal voller Witz und krudem Humor, dann wieder Tiefe, die ich zwei Sätze vorher nicht erwartet habe. Im Laufe der drei Bücher faltet sich die Welt immer weiter auf und jetzt, wo es vorbei ist, habe ich Sehnsucht. Wie nach einem langen Urlaub in einem fremden Land.

Wie es bei guter Fantasy der Fall sein sollte, gibt es auch hier die Parallelen zu unserer Welt und der Zeigefinger auf ein paar unserer Probleme. Vom Patriarchat über die Rolle der Kirche bis zur Stellung der Frau. Inklusive einer Trans-Figur, die im Laufe der Reihe quasi zum dritten Hauptcharakter heranwächst. Als ob Skovron selbst sich freigeschrieben hat: Steht an vielen Stellen (auch auf den Covern der Reihe) noch der alte Name, sind die Webseite und die sozialen Medien unter J. Kelley Skovron zu finden.

Empire of Storms ist eine großartige Reihe, die ich wirklich extrem gerne gehört habe.

Pakt der Diebe, Schatten des Todes und Schwur der Kriegerin von J. Kelley Skovron wurden übersetzt von Michelle Gyo, gesprochen von Matthias Lühn und erschienen beim Ronin Hörverlag. Der Verlag hat mir Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.