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Buch: Adieu Liberté von Romy Straßenburg

Orgastisches Stöhnen.

Der erste Satz aus Adieu Liberté

Romy lebt und arbeitet seit knapp 15 Jahren in Paris als Journalistin, unter anderem für Arte. Für sie gibt es das Paris vor dem Jahr 2015, mit den Anschlägen auf Charlie Hebdo, das Bataclan und an mehreren anderen Orten in der Stadt. Und es gibt das Paris danach.

Romys Buch zu lesen, ist, wie mit ihr in einer Bar zu sitzen und ihr zuzuhören. Sie schreibt auf Augenhöhe, mit Humor und Selbstironie, aber eben auch mit der ganz persönlichen Nähe über Themen, die ich fast nur aus den Nachrichten und aus den Stereotypen über Frankreich und Paris kenne.

Adieu Liberté ist kein Sachbuch und will es auch nicht sein. Und vielleicht steckt für frankophile Menschen wenig bis gar nichts Neues in diesem Buch. Für mich aber war ein Eintauchen in eine mir unbekannte Seite Frankreichs und es hat aus einem Klischee Menschen gemacht und aus einem Land neben uns einen Ort, den ich gerne öfter besuche.

Adieu Liberté von Romy Straßenburg erschien bei Ullstein fünf. Die Autorin hat mir ein Exemplar zur Verfügung gestellt. Transparenz: Ich kenne Romy. Im besten Fall bin ich dadurch ehrlicher und unbarmherziger.

Spiel: Far: Changing Tides

Die Welt nach der Apokalypse. Du, eingepackt in einem blauen Anzug, deine Welt in den Fluten versunken. Du verabschiedest dich und machst dich auf den Weg in ein neues Leben.

Hört sich sehr nach dem ersten Teil von Far an, und so ist es auch. Okomotive ist ein kleines Indie-Spielestudio aus Zürich und hatte mit Far: Lone Sails ein echt schönes Spiel mit schönem Soundtrack und toller Atmosphäre veröffentlicht. Dieser zweite Teil übernimmt vieles, was den ersten Teil toll gemacht hat, und legt aber noch ein paar Schippen drauf. Das Schiff ist komplexer, die Möglichkeiten vielfältiger und die Rätsel ein bisschen größer. Die Landschaft ist immer noch wunderschön und die Welt hat Tausend Ecken, die ich erforschen kann.

Wie auch beim ersten Teil ist Far: Changing Tides wie Urlaub. Klar gibt es ein paar Rätsel zu lösen und ein paar Stürme zu bestehen, aber oft kann ich einfach durch entspannt segeln. Leider aber setzt die große Freiheit, die ich beim ersten Teil gespürt habe, in diesem Teil sehr spät ein. Während die Kamera im ersten Teil immer mal wieder rausfährt, bleibt sie diesmal immer nah dran. Was mir die Weite nimmt, die mir im ersten Teil so gefallen hat. Und auch der Soundtrack, immer noch sehr schön, aber er wird sparsamer eingesetzt.

Nach etwa vier Stunden komme ich ans Ende und bin drauf und dran, direkt den ersten Teil nochmal zu spielen und noch länger in dieser Atmosphäre zu bleiben. Jetzt wünsche ich mir für den dritten Teil die Möglichkeit, das nächste Schiff mit zwei Spieler:innen zu steuern.

Far: Changing Tides fehlt zwar ein bisschen der Zauber des ersten Teils, ist aber ein toller zweiter Teil mit coolen Weiterentwicklungen und Ideen, der dich für ein paar Stunden in eine andere Welt mitnimmt.

Far: Changing Tides erschien bei Frontier Froundry und ist für alle aktuellen Konsolen und Computer erhältlich. Frontier hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Das Debüt 2021: Meine Juryentscheidung

Jahr Sechs als Jurymitglied für den Bloggerpreis von das Debüt. Jedes Mal darf ich neue Literatur und neue Menschen kennenlernen. Hier also meine Entscheidung für dieses Jahr:

Platz 1: Junge mit schwarzem Hahn von Stefanie vor Schulte
Stefanie vor Schulte schafft ein zeitloses, düsteres Märchen, das mich an Filme von Guillermo del Toro und Tim Burton erinnert. Immer etwas schattenhaftes, wie ein literarischer Scherenschnitt, stets mit feinem Humor. Hat mich von der ersten Szene an gefangen und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. 

Platz 2: Mama von Jessica Lind
Schon das Cover fesselt mich, der Text dann ebenso. Jessica Lind zieht mich in die Welt einer Frau, einer werdenden Mutter, einer Mutter samt Kind, inklusive Ungewissheit, verschobener Wahrnehmung und diesem nie ganz greifbarem Grauen, das irgendwie in dieser Hütte und in diesem Wald liegt und zwischen den Figuren schwelt. Ein Thriller voller filmischer Szenen, die in meinem Kopf auftauchen.

Platz 3: Adas Raum von Sharon Dodua Otoo
Sharon Dodua Otoo hat einen sehr klaren, direkten Stil und führt mich durch verschiedene Jahrhunderte und Erzählperspektiven. Das ist immer wieder anstrengend und verwirrend, schafft aber auch Einsichten und Emotionen, die ich nicht erwartet habe.

Lobende Erwähnung: Die Gegenstimme von Thomas Arzt
Thomas Arzt ist die Herkunft aus dem Theater anzulesen, aber nachdem ich mich einigermaßen damit abgefunden habe, dass Arzt keine Verben mag, komme ich ziemlich gut durch das Buch. Besonders die kurzen Passagen, die ich meiner Freundin vorlese, machen extrem klar, was für einen Sog der Text hat und wie stark er nach vorne geht. Er drückt mich durch die Geschichte, und das, obwohl ich des Themas gegenüber gar nicht so offen bin. Gegen Ende hat das Buch seine Längen, ein paar Kapitel hätte es für mich nicht gebraucht, aber im großen und ganzen und obwohl es Arzt mir echt immer wieder schwer macht, gut durch den Text zu kommen, bin ich tatsächlich sehr angetan. 

Danke für diese Bücher. Bis zum nächsten Mal.

Was übrig bleibt: „Hab’s in der Mitte gemacht. Das Kreuz, Hanni, weil du ja gemeint hast, soll keinen Blödsinn…“

“Hab’s in der Mitte gemacht. Das Kreuz, Hanni, weil du ja gemeint hast, soll keinen Blödsinn machen, aber. Hab dann nicht gewusst, wo die Blödheit mehr zu finden ist, auf der einen Seit oder auf der anderen. Weil, wenn einer dafür ist, dann lauft der nur mit und fällt hin, in diesem Laufen, aber wenn einer dagegen, dann laufen’s ihm alle dagegen, das haut ihn doch auch nur um. Wo stehst dann, Hanni? Wo?”

Die Gegenstimme von Thomas Arzt, beim Residenz Verlag
Originalpost auf „was übrig bleibt“, eine Sammlung unterstrichener Sätze, gefundener Worte & liegengebliebener Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.