Archive (Seite 5 von 354)

Was übrig bleibt:

Mir kam in den Sinn, dass Tony vielleicht deshalb so gerne trank, weil er auch auf Zeitreisen stand. Eine halbe Flasche Schnaps half ihm dabei, alle Probleme von heute auf morgen zu verschieben. Und ein paar Schlucke mehr brachten ihn dazu, alle Energie von morgen mitzunehmen und heute zu verschleudern.

Femi Fadugba – The Upper World

Originalpost auf „was übrig bleibt“, eine Sammlung unterstrichener Sätze, gefundener Worte & liegengebliebener Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Kinderbuch: Die Ameise und der Frosch von Selim Özdogan, illustriert von Clara Sophie Klein

Der Frosch saß auf einem Stein und sonnte sich.

Der erste Satz aus Die Ameise und der Frosch

Ameise trifft auf Frosch und strengt sich wirklich an, den Frosch in ihr Weltbild zu bringen. Indem der Frosch auch eine Ameise ist. Aber Frosch sieht das anders.

Ich musste beim lesen an das kleine Ich bin Ich denken, wobei die Ameise und der Frosch etwas leichter sind, komischer in ihrer Situation und viel moderner illustriert. Ich liebe die Bilder, die Selim schafft und die Clara aufs Papier bringt. Sie sind hell und warm, verspielt und lebendig.

Von mir aus hätte dieses Ding zwischen Ameise und Frosch noch eine ganze Ecke länger gehen können, weil ich diese tänzelnde Art von Philosophie und Sicht auf die Dinge wirklich mag. Deshalb war mir das Buch zu abrupt vorbei. Aber ich bin auch ein bisschen über der eigentlichen Zielgruppe.

Selim Özdogan und Clara Sophie Klein haben eine schöne Geschichte über ungewöhnliche Freundschaften in wunderbare Bilder gepackt, die zumindest in meinem Kopf noch eine ganze Weile weiterging.

Die Ameise und der Frosch von Selim Özdogan, illustriert von Clara Sophie Klein, erschien bei Südpol. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Transparenz: Ich kenne Selim und Clara. Im besten Fall bin ich dadurch ehrlicher und unbarmherziger.

103 Ratschläge, die Kevin Kelly gerne gewusst hätte, auf Deutsch

Kevin Kelly ist 70 und hat wieder ein paar Ratschläge zusammengetragen. Um sie mehr Menschen zugänglich zu machen, habe ich sie auf Deutsch übersetzt. Auf die Schnelle, Verbesserungsvorschläge sind willkommen.

Heute ist mein Geburtstag. Ich werde 70. Ich habe bisher ein paar Dinge gelernt, die anderen helfen könnten. In den letzten Jahren habe ich jedes Jahr ein paar unaufgeforderte Ratschläge zusammengeschrieben und dieses Jahr habe ich zu meiner eigenen Überraschung noch mehr zu sagen. Hier kommt also mein Geburtstagsgeschenk an euch: 103 kleine Weisheiten, die ich gern gewusst hätte, als ich jung war.

Kevin Kelly

• Zu etwa 99 % der Zeit ist „der richtige Zeitpunkt“ genau jetzt.

• Niemand ist so beeindruckt von deinen Besitztümern wie du.

• Arbeite niemals für einen Menschen, der du nicht werden willst.

• Kultiviere 12 Menschen, die dich lieben. Sie sind wertvoller als 12 Millionen, die dich mögen.

• Mach nicht immer die gleichen Fehler. Versuche, neue Fehler zu machen.

• Wenn du stehenbleibst und Straßenmusiker:innen oder Performern länger als eine Minute zuschaust, schuldest du ihnen einen Euro.

• Alles, was du vor dem Wort „aber“ gesagt hast, gilt nicht.

• Wenn du anderen vergibst, werden sie das vielleicht nicht merken, aber du wirst heilen. Wir vergeben nicht für die anderen, sondern als Geschenk für uns.

• Freundlichkeit ist kostenlos. Klappe den Toilettensitz herunter. Bring Einkaufswagen zurück. Wenn du dir etwas ausleihst, gib es in einem besseren Zustand (aufgefüllt, gesäubert) zurück.

• Wenn zwei Seiten sich streiten, such nach der dritten Seite.

• Effizienz wird extrem überschätzt, Herumalbern extrem unterschätzt. Regelmäßige Auszeiten, Ferien, Pausen, Ausflüge und ziellose Spaziergänge gehören zu jeder Art von Hochleistung dazu. Das beste Arbeitsethos braucht ein gutes Pausenethos.

• Wenn du führst, ist deine wahre Aufgabe, mehr Menschen zu finden, die führen. Nicht mehr, die folgen.

• Kritisiere privat, lobe öffentlich.

• Du lernst Lektionen fürs Leben in der Reihenfolge, wie du sie brauchst. Alles, was du tun musst, ist die Lektion zu lernen, die in dir liegt. Sobald du eine Lektion wirklich gelernt hast, wirst sich dir die nächste präsentieren. Solange du am Leben bist, bedeutet das, dass du Lektionen zu lernen hast.

• Die Aufgabe eines oder einer Schüler:in ist, alles aus der Lehrperson herauszuholen, und die Aufgabe einer Lehrperson ist, alles aus den Schüler:innen herauszuholen.

• Wenn in einem Spiel das Gewinnen zu wichtig wird, ändere die Regeln, damit es wieder Spaß macht. Das Ändern der Regeln kann das neue Spiel werden.

• Wenn du Geldgeber:innen nach Geld fragst, bekommst du Ratschläge. Aber wenn du nach Ratschlägen fragst, werden sie dir Geld geben.

• Produktivität ist oft eine Ablenkung. Strebe nicht nach besseren Wegen, deine Aufgaben so schnell wie möglich zu erledigen. Strebe nach besseren Aufgaben, von denen du nie genug hast.

• Bezahle die Menschen, die für dich arbeiten, sofort. Sie werden das nächste Mal wieder gern mit dir arbeiten wollen.

• Die größte Lüge, die wir uns erzählen, ist „Ich brauch mir das nicht aufzuschreiben, ich kann mir das merken.“

• Dein Wachstum als ein bewusstes Wesen wird an der Anzahl der unangenehmen Gespräche gemessen, die du zu führen bereit bist.

• Sprich so selbstbewusst, als hättest du Recht, aber hör so genau zu, als würdest du falsch liegen.

• Handliche Messhilfe: Der Abstand zwischen deinen Fingerspitzen, wenn du deine Arme auf Augenhöhe ausstreckst, ist deine Körpergröße.

• Die Beständigkeit deiner Unternehmungen (Fitness, Arbeit, Freund:innen) ist wichtiger als die Dauer. Nichts ist besser als kleine Dinge, die du jeden Tag tust. Das ist viel wichtiger als die Dinge, die du nur manchmal tust.

• Deine Kunst ist nicht egoistisch, du machst sie für uns. Wenn du nicht dein Ding machst, beraubst du uns deiner Kunst.

• Frage eine Frau niemals, ob sie schwanger ist. Falls sie es ist, lass sie es dir erzählen.

• Drei Dinge, die du brauchst: Die Fähigkeit, etwas nicht aufzugeben, bis es funktioniert. Die Fähigkeit, etwas aufzugeben, das nicht funktionieren wird. Und das Vertrauen in andere Menschen, die dir helfen, zwischen diesen beiden Dingen zu unterscheiden.

• Wenn du vor Menschen redest, mache regelmäßige Pausen. Mache eine Pause, bevor du etwas auf eine neue Weise sagst. Mache eine Pause, nachdem du etwas gesagt hast, das du wichtig findest. Und mache Pausen, damit Menschen die Zeit haben, Details zu verarbeiten.

• Es gibt kein „pünktlich“. Entweder bist du zu früh oder zu spät. Du hast die Wahl.

• Frage, wen immer du bewunderst: Die großen Durchbrüche passieren immer auf den Umwegen, statt auf dem Weg zum eigentlichen Ziel. Also mach Umwege. Das Leben ist für niemanden eine gerade Linie.

• Die beste Art, im Internet eine richtige Antwort zu bekommen, ist eine offensichtlich falsche Antwort zu schreiben und auf jemanden zu warten, der oder die dich korrigiert.

• Du wirst zehnmal bessere Ergebnisse erziehen, indem du gutes Verhalten bestärkst, anstatt schlechtes Verhalten zu bestrafen. Besonders bei Kindern und Tieren.

• Widme der Betreffzeile deiner E-Mail genauso viel Zeit wie der ganzen Nachricht. Oft ist der Betreff alles, was die Leute lesen.

• Warte nicht darauf, dass der Sturm vorüberzieht. Tanze im Regen.

• Wenn du die Referenzen einer Bewerbung überprüfst, kann es sein, dass ehemalige Arbeitgeber:innen ungern etwas Negatives sagen. Schreibe ihnen eine Nachricht: „Falls Sie diese:n Bewerber:in wirklich empfehlen können, melden Sie sich gern bei mir.“ Falls sie sich nicht melden, wird es etwas Negatives geben, das unausgesprochen bleibt.

• Nutze einen Passwort Manager: Sicherer, einfacher, besser.

• Zu verstehen, was du ignorieren kannst, ist die halbe Miete bei Bildung.

• Der Vorteil eines lächerlich hohen Ziels ist, dass die Messlatte so hoch ist, dass Scheitern nach normalen Standards immer noch ein Erfolg ist.

• Ein guter Weg, dich selbst zu verstehen, ist dir genau anzusehen, was dich an anderen wirklich irritiert.

• Achte darauf, dass deine Sachen in einem Hotelzimmer immer sichtbar und an einem Ort sind, nicht in Schränken oder Schubladen. So wirst du nichts vergessen. Wenn du sowas wie ein Ladegerät in deinem Zimmer verwendest, lege ein paar andere große Dinge daneben. Du wirst drei Dinge seltener vergessen, als ein einzelnes Ding.

• Es ist unhöflich, ein Kompliment nicht anzunehmen oder runterzuspielen. Nimm es dankend an, auch wenn du nicht glaubst, dass du es verdienst.

• Lies immer die Schilder neben einem Denkmal.

• Wenn du ein bisschen Erfolg hast, kann es sich wirklich so anfühlen, als wärest du ein:e Hochstapler:in. Geht uns allen so. Aber wenn du Dinge erschaffst, die nur du – mit deinen einzigartigen Fähigkeiten und Erfahrungen – erschaffen kannst, dann betrügst du niemanden. Du bist dazu bestimmt. Es ist deine Pflicht, an den Dingen zu arbeiten, die nur du kannst.

• Was du an deinen schlechten Tagen tust, ist wichtiger als das, was du an deinen guten Tagen tust.

• Schaffe Dinge, die Menschen besitzen sollten.

• Wenn du mit Farbe hantierst, selbst, wenn es nur ein bisschen ist, wird sie immer einen Weg auf deine Klamotten finden, egal, wie vorsichtig du bist. Ziehe dich also passend an.

• Wenn sich kleine Kinder auf einer langen Autofahrt benehmen sollen, nimm eine Tüte mit ihren Lieblingssüßigkeiten mit und wirf jedes Mal etwas aus dem Fenster, wenn sie sich nicht benehmen.

• Du wirst smarte Menschen niemals nur durch Geld dazu bringen, wirklich hart zu arbeiten.

• Wenn du nicht weißt, was du jemandem für eine Dienstleistung zahlen sollst, frage, was angemessen wäre. Normalerweise ist die Antwort das auch.

• 90 % von Allem ist scheiße. Wenn du glaubst, dass du die Oper, Unterhaltungsliteratur, TikTok, Volksmusik, veganes Essen oder NFTs nicht magst, versuche, die 10 % zu finden, die nicht scheiße sind.

• Du wirst daran gemessen werden, wie du jene behandelst, die nichts für dich tun können.

• Wir tendieren dazu, zu überschätzen, was wir an einem Tag schaffen können und zu unterschätzen, was wir in einem Jahrzehnt schaffen können. Wenn du Dingen zehn Jahre Zeit gibst, können sie großartig werden. Langjährige Arbeit wird die Früchte aller kleinen Erfolge zusammenbringen und selbst größere Fehler überstehen.

• Danke einer Lehrperson, die dein Leben verändert hat.

• Du kannst die Ansichten einer Person nicht durch Logik ändern, wenn diese Person nicht durch Logik zu dieser Ansicht gekommen ist.

• Dein bester Job wird einer sein, für den du nicht qualifiziert bist, weil er dich fordern wird. Tatsächlich solltest du dich nur auf Jobs bewerben, für die du nicht qualifiziert bist.

• Kaufe gebrauchte Bücher. Da stehen die gleichen Wörter drin wie in den neuen. Übrigens auch in Bibliotheken.

• Du kannst sein, wer du willst. Also sei der Mensch, der Meetings immer früher beendet.

• Ein weiser Mensch sagte, „Bevor du spricht, lass deine Worte durch drei Tore gehen. Frage dich beim ersten Tor, ‚ist es wahr?‘. frage dich beim zweiten Tor, ‚ist es notwendig?‘ Frage dich beim dritten Tor, ‚ist es freundlich?'“

• Nimm die Treppen.

• Was du wirklich für ein Ding bezahlst, ist etwa doppelt so viel, wie da steht. Denn du zahlst auch Energie, Zeit und Geld, die du einsetzt, um das Ding aufzubauen, zu lernen, zu warten, zu reparieren und am Ende zu entsorgen. Nicht alle Preise stehen auf den Schildern. Die wahren Kosten sind doppelt so hoch.

• Wenn du in deinem Hotelzimmer ankommst, sieh dir an, wo der Notausgang ist. Das dauert nur eine Minute.

• Der einzig sinnvolle Weg, die Frage „Was sollte ich jetzt tun?“ zu beantworten, ist erstmal die frage „Wer sollte ich werden?“ zu beantworten.

• Durchschnittliche Renditen, die über einen überdurchschnittlich langen Zeitraum hinweg erzielt werden, führen zu außergewöhnlichen Ergebnissen. Kaufe und behalte.

• Es macht sehr viel Spaß, unhöflichen Fremden gegenüber extrem freundlich zu sein.

• Es ist möglich, dass ein nicht so kluger Mensch, der gut reden kann, bessere Ergebnisse erzielt, als ein smarter Mensch, der nicht kommunizieren kann. Das sind gute Nachrichten, weil es einfacher ist, besser im reden zu werden als im denken.

• Immer mal wieder übers Ohr gehauen zu werden ist der kleine Preis, den du zahlst, wenn du auf das Gute in jeder und jedem vertraust. Wenn du auf das Gute in Menschen vertraust, werden sie dich meist ziemlich gut behandeln.

• Kunst ist, womit auch immer du durchkommst.

• Um das Beste aus deinen Kindern herauszuholen, gib die Hälfte des Geldes aus, das du glaubst, ausgeben zu müssen. Verbringe dafür aber doppelt so viel Zeit mit ihnen.

• Kaufe den aktuellsten Reiseführer deiner Stadt oder deiner Gegend. Du wirst ziemlich viel dadurch lernen, immer mal wieder Tourist in deiner Stadt zu spielen.

• Stell‘ dich nicht in die Schlange, um etwas ganz berühmtes zu essen. Es lohnt sich fast nie.

• Wenn du herausfinden willst, wie ein Mensch wirklich tickt, gib ihm eine wirklich langsame Internetverbindung und beobachte ihn.

• Rezept für einen Publikumserfolgt: Tue etwas Merkwürdiges. Mache es zu deiner Gewohnheit, seltsam zu sein.

• Sei ein Profi. Mach ein Backup deines Backup. Hab mindestens ein physisches Backup und eines in einer Cloud. Hab jeweils mehr als eines. Was wäre es dir wert, all deine Daten wiederzubekommen? Backups sind billig im Vergleich zum Bedauern.

• Glaube nicht alles, das du zu glauben denkst.

• Die Dreier-Regel bei Notfällen: dreimal rufen, dreimal hupen, dreimal pfeifen.

• Bestellst du im Restaurant das, was du kennst und sich bewährt hat, oder versuchst du etwas Neues? Baust du etwas, das sich auf jeden Fall verkaufen wird oder versuchst du dich an etwas Neuem? Triffst du regelmäßig neue Menschen oder oder bist du den Leuten gegenüber verbindlich, die du schon kennst? Die optimale Mischung zwischen „neue Dinge herausfinden“ und „bekannte Dinge vertiefen“ ist 1/3. Verbringe ein Drittel deiner Zeit mit neuen Dingen und zwei Drittel damit, bekannte Sachen zu vertiefen. Je älter du wirst, desto schwerer fällt es dir, dir Zeit für Neues zu nehmen, weil es sich nicht produktiv anfühlt. 1/3 wäre gut.

• Wirklich große Gelegenheiten kommen nie mit der Betreffzeile „große Gelegenheit“.

• Wenn du jemand Neuem vorgestellt wirst, halte Augenkontakt für 4 Sekunden. Ihr werdet euch aneinander erinnern.

• Horche auf, wenn du dich fragst, wo dein „gutes Messer“ oder dein „guter Stift“ ist. Das bedeutet, dass du auch schlechte hast. Werde sie los.

• Wenn du nicht weiterkommst, erzähle anderen, was dein Problem ist. Oft kommt dir die Lösung, wenn du das Problem darlegst. „Das Problem erklären“ sollte Teil deiner generellen Fehlersuche werden.

• Wenn du einen Gartenschlauch, ein Verlängerungskabel oder eine Leiter kaufst, nimm die größere Variante. Sie wird die richtige sein.

• Bekämpfe nicht das Alte, erschaffe dir dein Neues.

• Deine Gruppe kann wirklich weit über sich hinauswachsen, einfach wenn du den Menschen zeigst, dass du sie wertschätzt.

• Wenn jemand dir von der Zeit erzählt, als die Menschheit auf dem Höhepunkt war, bevor alles nur noch schlechter wurde, dann wird das immer zu der Zeit sein, als die Person 10 Jahre alt war. Mit 10 ist jeder Mensch an seinem eigenen Höhepunkt.

• Du bist so groß wie die Dinge, die dich wütend machen.

• Wenn du vor einem Publikum sprichst, ist es besser, sich auf ein paar Menschen zu fixieren, statt deine Aufmerksamkeit auf alle zu verteilen. Deine Augen werden den Anderen zeigen, ob du das, was du erzählst, wirklich glaubst.

• Du kannst dich mehr auf Gewohnheit verlassen, als auf Inspiration. Schaffe dir neue Gewohnheiten. Konzentriere dich nicht darauf, gut auszusehen. Konzentriere dich darauf, der Mensch zu werden, der kein Training verpasst.

• Ziele bei einer Verhandlung nicht nach dem größeren Stück des Kuchens, strebe danach, einen größeren Kuchen zu machen.

• Wenn du das, was du heute gemacht hast, 365 mal wiederholst, wo wirst du nächstes Jahr sein?

• Du siehst nur 2 % eines anderen Menschen und dieser sieht nur 2 % von dir. Stelle dich auf die versteckten 98 % ein.

• Deine Zeit und dein Raum sind limitiert. Entferne, verschenke und wirf die Dinge weg, die dich nicht länger mit Freude erfüllen, damit Platz für Dinge ist, die es tun.

• Unsere Nachfahren werden Dinge erschaffen, die uns beeindrucken werden. Aber ein Teil dieser Kreationen könnte mit den Mitteln gemacht werden, die uns schon heute zur Verfügung stehen. Denke größer.

• Was sich wirklich lohnt: eine Neugier für Dinge zu entwickeln, die dich nicht interessieren.

• Konzentriere dich auf die Richtung, nicht auf das Ziel. Wer kennt schon seine oder ihre Bestimmung? Aber wenn du die richtige Richtung beibehältst, wirst du dort ankommen, wo du hinwillst.

• Jeder Durchbruch ist erstmal lachhaft und lächerlich. Tatsächlich ist es kein Durchbruch, wenn es nicht lachhaft und lächerlich beginnt.

• Wenn du jemandem 20 Euro leihst und diese Person nicht wiedersiehst, weil sie dich vermeidet, um das Geld nicht zurückzahlen zu müssen, dann waren die 20 Euro das wert.

• Es ist ein guter Anfang, wenn du Andere kopierst. Wenn du dich selbst kopierst, ist es ein enttäuschendes Ende.

• Der beste Zeitpunkt für Gehaltsverhandlungen bei einem neuen Job ist der Moment, NACHDEM sie dir gesagt haben, dass sie dich wollen. Nicht vorher. Dann wird es ein Katz und Maus Spiel darum, wer als erstes einen Betrag nennt, aber es ist zu deinem Vorteil, wenn sie anfangen.

• Statt dein Leben um Überraschungen herumzusteuern, solltest du direkt auf sie zuhalten.

• Hol dir keine extra Versicherung, wenn du dir ein Auto mit deiner Kreditkarte ausleihst.

• Wenn deine Meinung zu einer Sache durch die Meinung zu einer anderen Sache abgeleitet werden kann, könntest du einer Ideologie folgen. Wenn du wirklich für dich denkst, werden deine Schlussfolgerungen unvorhersehbar sein.

• Strebe danach, arm zu sterben. Verteile dein Vermögen, bevor du stirbst. Gib alles aus. Dein letzter Scheck sollte ans Bestattungsinstitut gehen und er sollte nicht gedeckt sein.

• Die beste Vorsorge gegen das Altern ist die Fähigkeit, immer wieder neu staunen zu können.

Hörbuch: Die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig, gelesen von Annette Frier

Siebenundzwanzig Stunden bevor sie beschloss zu sterben, saß Nora Seed auf ihrem schäbigen Sofa, scrollte sich durch die glücklichen Leben anderer Menschen und wartete darauf, dass irgendetwas passierte.

Der erste Satz aus Die Mitternachtsbibliothek

Einer der Romane, von denen ich wünschte, ich hätte die Idee dazu gehabt. Was, wenn es nach dem Tod und vor dem Leben diese Bibliothek gibt, mit all den Versionen des Lebens, die du nicht gelebt hast? Die Version, wo du auf diese Reise gegangen bist. Und die Version, wo du dem Menschen, der dir wichtig war, gesagt hast, dass er dir wichtig ist. Und jede andere Version.

Ich liebe die Idee und ich mag, wie Matt Haig erzählt. Das ist mein erstes Buch von ihm und der Ton ist so, dass ich ihm und Anette Frier sehr gerne zuhöre. Im ersten Drittel läuft alles, wie es soll: Wir lernen Noras Leben kennen und begleiten ihr Sterben, betreten die Bibliothek und ich bin angetan und begeistert und freue mich auf den Rest.

Dieser ist dann zwar total in Ordnung, sodass ich das Buch gern bis zum Ende höre. Dann bleibt aber ein leicht schales Gefühl. Matt Haig kann schreiben und hat wunderbare Ideen, doch bei dieser Geschichte fühlt es sich an, als ob er sie auf sichere Art erzählt hat, statt auszuloten, was noch in ihr gesteckt hätte. Das wäre sicher ein Risiko gewesen und hätte auch scheitern können, aber ich hätte gern gewusst, wie die Geschichte sich dann entwickelt hätte. Jetzt erstmal gucken, was Matt Haig sonst so geschrieben hat.

Die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig wurde übersetzt von Sabine Hübner, gelesen von Annette Frier und erschien beim Argon Verlag. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.