Schlagwort: Alexandra Ernst (Seite 1 von 1)

Roman: All die verdammt perfekten Tage von Jennifer Niven

Der erste Satz aus All die verdammt perfekten Tage:

Ist heute ein guter Tag zum Sterben?

Finch überlegt sich jeden Tag, ob er heute sterben will. Violet versucht, den Tod ihrer Schwester zu verarbeiten. Sie treffen sich auf dem Glockenturm der Schule, als beide versuchen, sich umzubringen. Dieses gemeinsame Geheimnis bringt die beiden zusammen und Violet lernt wieder, zu leben, von diesem Jungen, der eigentlich sterben will.

Der Anfang liest sich, wie „A long way down“ von Nick Hornby. Das Buch ist aber nicht so. Nicht wirklich zumindest. Aber es geht auch um Selbstmord und wie damit umzugehen. Jennifer Niven (soweit ich weiß, nicht verwandt mit John Niven) schreibt leicht lesbar und spannend, ich hatte das Buch in zwei Tagen durch, wobei ich mit den ersten Seiten wirklich zu kämpfen hatte. Den Charakter von Finch konnte ich kaum greifen, bis ich verstanden habe, dass er sich selbst nicht greifen kann. All die verdammt perfekten Tage schwimmt im Fahrwasser von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, erinnert in vielen Momenten daran, aber im Laufe der Geschichte auch an „Elizabethtown„, mit verdrehten Rollen.

Es ist eine gute Geschichte, mal ein lustiger, mal ein trauriger Roman. Manchmal habe ich die Tränen hinter den Auge gespürt, manchmal musste ich lachen. Man kann ihn sehr gerne lesen, wenn man auf die Geschichte von Leben und Tod, von Liebe und Jugend, auf Road-Trip und auch auf eine gute Art von Kitsch steht.

Wer es nicht lesen will, kann noch eine Weile warten und den Film sehen, der bald gedreht wird.

Eigentlich hat es nicht mit dem Buch zu tun, aber wie Jennifer Niven das Buch mit anderen Medien verknüpft, kommt sehr nah daran, was ich mit meinen Büchern machen will. Das Buch hat einen Instgram-Account, mehrere Playlists, passende Webseiten, gibt die Möglichkeit, die Orte des Buches auch zu besuchen und Niven hat sogar ihre Traumbesetzung für die Verfilmung gesetzt. Das ist ganz schön großartig!

All die verdammt perfekten Tage von Jenniver Niven wurde übersetzt von Alexandra Ernst und erschien bei Limes. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Roman: Das unerhörte Leben des Alex Woods von Gavin Extence

 

Der erste Satz aus Das unerhörte Leben des Alex Woods:

 Sie griffen mich in Dover auf, als ich wieder einreisen wollte.

Diese Geschichte beginnt, wo sie eigentlich endet und erzählt sich dann wieder von vorne. Ein alter Kniff, der aber in Alex Fall sehr gut funktioniert. Alex ist ein junger Mann von 17 Jahren, als diese Geschichte endet, sie beginnt, als er 10 ist, und sie beginnt mit einem Knall. Anfangs, da weiß man nicht, was genau da eigentlich los ist und warum wir Alex so gerne zuhören. Alex hat keinen Krebs, das kann ich versichern, die Angst hatte ich nämlich. Tatsächlich ist die Geschichte doch ein wenig ungewöhnlicher. Und so folgen wir diesem Reisebericht durch die sieben Jahre. Faszinierend. Ich will nichts über die Geschichte selbst sagen. Es ist eine Geschichte über Freundschaft und Reisen und Literatur und das Leben, manchmal ein wenig Klischeehaft, dann wieder so erfrischend, dass man über die schon zu oft gelesenen Floskeln hinwegsieht. Gavin Extence, Jahrgang 1982 aus England, hat hiermit einen tollen ersten Roman hingelegt, den man sehr schnell runterlesen kann. Der einen Zug hat und der es einem erlaubt, in der Geschichte zu verweilen.

Dazu kommt, dass das Team von Limes hier volle Arbeit geleistet hat, wenn wir mal von Titel absehen. Dieser ist mir zu sehr auf einen aktuellen Trend angelegt, im Original heißt es: The Universe Versus Alex Woods. Aber ansonsten: Ein tolles Cover, welches sich mit der Lektüre des Buches auch immer mehr erschließt und einen hingebungsvollen Satz! Jetzt Mail, jeder handgeschriebene Zettel unterschiedlicher Personen hat eine andere Schrift und ein anderes Aussehen bekommen. Das sieht nach Liebe aus und wertet das Buch, sowieso schon in Hardcover und mit Lesebändchen, unglaublich auf. Es macht einfach Spaß, dieses Buch zu lesen, sowohl von der Aufmachung, als auch von der Geschichte. Ich bin sehr gespannt, was wir als nächstes von Gavin Extence lesen dürfen.

Das unerhörte Leben des Alex Woods von Gavin Extence wurde übersetzt von Alexandra Ernst und erschien bei Limes.