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Stories: Sind wir nicht Menschen von T.C. Boyle

Um Viertel nach sieben saß er im Lehrerzimmer, nippte an dem Latte, den er sich auf dem dem Weg zur Arbeit geholt hatte, und las seine E-Mails, bevor er den Unterricht anfing.

der erste Satz aus „The Way you look tonight“ aus „Sind wir nicht Menschen von T.C. Boyle

Good Home, die letzte Kurzgeschichtensammlung von T.C. Boyle, war ein schneller Wechsel zwischen verschiedenen Fernsehkanälen, die immer Einblicke in die Beziehungen zwischen Menschen geben. Bei Sind wir nicht Menschen ist das ähnlich, aber nicht ganz so konsistent. T.C. Boyle ist sehr gut darin, ein Dilemma in eine Alltagssituation zu packen. Meist ist auf der ersten Seite klar, was das Problem ist und warum ich weiterlesen will. Und erzählen kann Boyle sowieso.

Während aber bei Good Home die Geschichten einigermaßen rund sind, habe ich diesmal zu oft das Gefühl, einen Romananfang zu lesen, der für Boyle nicht gut genug war, um ihn weiterzuverfolgen. Es gibt immer noch ein paar gute Geschichten in diesem Band, die mich nachdenken lassen und auch der Rest ist zumindest noch ziemlich gute Unterhaltung. Aber es kommt nicht ganz an die Qualität ran, die ich von Boyle gewohnt bin. Dafür sind die meisten Geschichten zu schnell wieder aus der Erinnerung verschwunden. Ein Glück gibt’s kommendes Jahr schon wieder den nächsten Roman.

Sind wir nicht Menschen von T.C. Boyle wurde übersetzt von Anette Grube und Dirk Gunsteren und erschien bei Hanser. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Stories: Good Home von T.C. Boyle

Der erste Satz aus Good Home:

Es gab zwei Arten von Wahrheiten: gute und schmerzhafte.

T.C. Boyle ist optimaler Alleinunterhalter. Jede Lesung ein Spaß, ähnlich die Romane. Good Stories kondensiert dies, 20 Einblicke in 420 Seiten. Boyle umgeht dabei oft das deutsche Prinzip einer Kurzgeschichte, gibt mehr einen Einblick in menschlicher Lebensumstände, die meinem sehr fern sind, als einen überraschenden Twist oder eine unerhörte Neuigkeit. Es ist Auffächern des Alltags.

Good Home ist wie ein Fernseher der regelmäßig und unkontrolliert den Kanal wechselt. Meist dann, wenn ich diesen Ausschnitt der Welt, die Motivation der Figuren und ihr Handeln, wenn schon nicht gutheißen, dann zumindest nachvollziehen konnte, wechselte der Sender. Mehr als einmal blätterte ich um, entrüstet, dass es nicht weitergeht. Nur um mich dann in die neue Situation einzufinden.

Nicht alle Geschichten haben mir getaugt, nicht alle Situationen fand ich interessant. Aber selbst sie sind Teil dieser Möglichkeit, in menschliches Handeln, meist in ihre Abgründe zu blicken. Dass ich nach den meisten Geschichten mehr wollte, quasi mitten im Ritt rausgeworfen wurde, war in den Momenten zwar ärgerlich, erhält die Erinnerungen aber umso leuchtender. Treibt die Fantasie umso weiter an.

Und, Hanser hat ein ziemlich schönes Cover und wertig gemachtes Buch hingelegt. Nicht nur wegen des Inhalts habe ich dieses Buch sehr gerne in der Hand.

Good Home von T.C. Boyle wurde übersetzt von Anette Grube und Dirk van Gunsteren und erschien bei Hanser. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.